{"id":5533,"date":"2002-08-15T00:00:00","date_gmt":"2002-08-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020815-07n"},"modified":"2002-08-15T00:00:00","modified_gmt":"2002-08-14T22:00:00","slug":"kerala-land-der-kokosnuesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kerala-land-der-kokosnuesse\/","title":{"rendered":"Kerala \u2013 Land der Kokosn\u00fcsse"},"content":{"rendered":"<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020815-07\/Boot.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Boot\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Im Bundesstaat Kerala liegt das Zentrum der indischen Kokosfaserfabrikation. Die Kokosfaser sei das \u201egoldene Geschenk Indiens\u201c an den Rest der Welt. So steht es zumindest auf der Homepage einer der vielen indischen Firmen, die f\u00fcr ihre Teppiche, Fu\u00dfmatten und L\u00e4ufer aus Kokosfaser, englisch Coir, selbstverst\u00e4ndlich auch im Internet werben. <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020815-07\/Nuesse.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Nuesse\"\/>Die meisten Unternehmen kommen dabei aus dem s\u00fcdindischen Bundesstaat Kerala, was \u00fcbersetzt so viel hei\u00dft wie \u201eLand der Kokosn\u00fcsse\u201c. Die unverzweigte Kokospalme, Inbegriff aller Tropenklischees, kann bis zu 30 Meter hoch werden und manches Exemplar wird weit \u00fcber 100 Jahre alt. Eine solche Palme erzeugt in ihrem langen Leben bis zu 8.000 ausgewachsene Kokosn\u00fcsse und z\u00e4hlt damit zu den wichtigsten Weltwirtschaftspflanzen  \u00fcberhaupt. Und geh\u00f6rt zu denjenigen nachwachsenden Rohstoffen, die sowohl f\u00fcr den Non-Food-Bereich (Faser, Holz, Flechtwerk) als auch den Food-Bereich (Speise\u00f6le, Industriefette) wertvolle Biomasse liefert. <\/p>\n<p>Im Bundesstaat Kerala leben mehr als drei Millionen Menschen direkt bzw. indirekt von der Kokospalme. W\u00e4hrend man aus dem Inneren Speise\u00f6l gewinnt, nutzt man die weiche Ummantelung f\u00fcr die Produktion kurzer Fasern. Dabei dienen die Pressr\u00fcckst\u00e4nde bei der Speise\u00f6lgewinnung als energiereiches Viehfutter, w\u00e4hrend man die harte Schale zu Holzkohle weiterverarbeitet. <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus benutzen die indischen Bauern die Palmbl\u00e4tter f\u00fcr ihre Hausd\u00e4cher und schlie\u00dflich wandern die St\u00e4mme in die Bau- und M\u00f6belholzindustrie.  Zu guter Letzt geh\u00f6rt das Fruchtwasser junger Kokosn\u00fcsse zu den popul\u00e4rsten und ges\u00fcndesten Getr\u00e4nken \u00fcberhaupt. Diese Erfrischung wird an vielen Stra\u00dfen Keralas von kleinen H\u00e4ndlern angeboten, die die Nuss mit einer Machete kunstvoll \u00f6ffnen. <\/p>\n<p>Kokosfaser wird reichlich produziert. Am Ufer zu einem gr\u00f6\u00dferen Gew\u00e4sser t\u00fcrmen sich just aus dem Wasser herausgeholte, fertig ger\u00f6stete Kokosh\u00fcllen. Die Frauen hocken auf dem Boden und trennen die aufgeweichte, glatte Oberhaut von der darunter liegenden Faser. Mit Eisenstangen schlagen sie solange auf die aufgeweichte Faser,  bis sie die Haut abziehen k\u00f6nnen. Die enth\u00e4utete Faser wird dann durch die Hechel genudelt, die die Faser von Schmutz und Reststoffen trennt.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020815-07\/Weberei.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Weberei\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Kerala ist traditionell das Zentrum der Kokosfaser-Produktion in Indien. Im ganzen Bundesstaat z\u00e4hlt man rund 5.000 Spinnereien und Webereien, in denen die goldene Faser zu Garn versponnen und verwoben wird. Mehr als 330.000 Tonnen Kokosfasern verarbeitet man in den Manufakturen zu den verschiedensten Teppichen und Matten. Schenkt man den aktuellen Zahlen des beh\u00e4big agierenden Coir Boards in Cochin Glauben, dann sollen von April 1999 bis Februar 2000 exakt 46.219 Tonnen davon ausgef\u00fchrt worden sein.<\/p>\n<p>Einer der Abnehmer ist DEKOWE im westf\u00e4lischen Dorsten, das schon l\u00e4nger Kokosteppiche herstellt, als die allermeisten Kokospalmen alt sind. Das Gesch\u00e4ft mit Kokos geht allerdings schweren Zeiten entgegen. Habe sich doch ein starker Wandel in der Auslegware vollzogen, so Michael Rohmann vom Vertrieb: \u201eSisal hat dem Kokos inzwischen eindeutig den Rang abgelaufen.\u201c <\/p>\n<p>Die Nachfrage nach dieser tropischen Naturfaser ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken &#8211; sowohl in den USA als auch in Europa -, weshalb die Lager randvoll mit Kokos-Fertigprodukten gef\u00fcllt sind. \u201eWenig Order\u201c, berichtet auch T.R.P. Chandran, der bei der staatlichen Fomil in Alleppey die kaufm\u00e4nnische Abteilung leitet. <\/p>\n<p>\u201eDas Design ist von stetig wachsender Bedeutung\u201c, wei\u00df R.E. Mendez, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma Kerala Balers und verweist auf neun Farben, mit denen man das Garn inzwischen f\u00e4rbt. \u201eWir haben die Erfahrung gemacht, da\u00df gerade Kunden mit schmalem Budget zum Kokosteppich greifen\u201c, sagt Patrick Palm von der Naturo-Filiale in Hamburg. \u201eDie wollen dann aber auch nicht mehr als 18 Euro pro Quadratmeter ausgeben.\u201c <\/p>\n<p>In h\u00f6heren Preissegmenten sind eher Jute und Sisal gefragt. Dieses Kaufverhalten ist auch im \u00d6ko-Bereich zu beobachten. \u201eSisal wird bei uns weit mehr gekauft als Kokos\u201c, berichtet Michael Fischer \u00fcber die W\u00fcnsche seiner Kunden, die in seinem Einzelfachgesch\u00e4ft \u201eBaub\u00fcro\u201c ausschlie\u00dflich zertifizierte \u00d6ko-Naturfaserprodukte angeboten bekommen. Die Preise liegen zwischen 23 und 46 Euro f\u00fcr Teppiche, dessen Rohstoff aus Kerala stammt. \u201eVon den modischen Naturfasergemischen, ob nun Kokos mit Jute, mit Sisal, mit Seegras, mit Wolle und so weiter, halte ich nicht viel\u201c, ist Fischer \u00fcber die wachsende Lust nach dem Fasermix nicht gerade begeistert. \u201eEntweder ich will einen Kokosteppich oder eben nicht\u201c, meint der Einzelh\u00e4ndler. <\/p>\n<p>\u201eDie Deutschen sprechen soviel \u00fcber nachhaltiges Wirtschaften, \u00fcber \u00d6kologie und nachwachsende Rohstoffe\u201c, moniert Santos Prasad von der Karan Group, \u201eandererseits fragen sie immer weniger Kokosware nach und greifen zu Synthetics. Wie passt das zusammen?\u201c Trotzdem ist Prasad zuversichtlich, spricht hinsichtlich der USA sogar von einem \u201estark wachsenden Markt\u201c.<\/p>\n<p>Den erhofft sich Kokos-Tausendsassa Henner Sch\u00fcrholz zuk\u00fcnftig auch wieder f\u00fcr Deutschland; Voraussetzung sei allerdings die konsequente Besinnung der Inder auf einstige goldene Qualit\u00e4ten, die aber nur durch ausreichende R\u00f6stezeiten zu erzielen sind. Obwohl nun der Absatz in den letzten Jahren zusammenbrach, spricht Fabian Schwender, Werbeleiter von Teppich-Kibek, derweil schon wieder von einem \u201eTrendartikel\u201c.<\/p>\n<p>(<b>Anm. d. Redaktion:<\/b> Den vollst\u00e4ndigen Artikel zum Thema Kokosfasern \u201eUniversell und golden\u201c von Dierk Jensen findet man im Magazin <a href=\"http:\/\/www.energie-pflanzen.de\/\" >energie pflanzen<\/a> Ausgabe 4\/2002).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Bundesstaat Kerala liegt das Zentrum der indischen Kokosfaserfabrikation. 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