{"id":5484,"date":"2002-05-28T00:00:00","date_gmt":"2002-05-27T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020528-02n"},"modified":"2002-05-28T00:00:00","modified_gmt":"2002-05-27T22:00:00","slug":"europaeische-hanfwirtschaft-2001-anbau-weiterverarbeitung-und-produktlinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/europaeische-hanfwirtschaft-2001-anbau-weiterverarbeitung-und-produktlinien\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Hanfwirtschaft 2001: Anbau, Weiterverarbeitung und Produktlinien"},"content":{"rendered":"<p>PDF-Download dieses Artikels <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020528-02\/EIHA-dt.pdf\" >hier<\/a>.<\/p>\n<p>Die hier pr\u00e4sentierten Daten basieren auf aktuellen Markterhebungen, die die \u201eEuropean Industrial Hemp Associaton (EIHA)\u201c zwischen November 2001 und Mai 2002 durchgef\u00fchrt hat.<br \/>In der Europ\u00e4ischen Union (EU) gibt es derzeit etwa 15 bis 20 Unternehmen, die sich mit der Erstverarbeitung von Hanf besch\u00e4ftigen. Hinzu kommen in Osteuropa nochmal 5 bis 10 weitere Unternehmen. W\u00e4hrend in Osteuropa die traditionelle Verarbeitungslinie mit Wasserr\u00f6ste und Langfaseraufschluss dominiert &#8211; hiermit k\u00f6nnen auch verspinnbare Faserqualit\u00e4ten produziert werden, wird in der EU ausschlie\u00dflich mit Feldr\u00f6ste und Gesamtfaserlinie gearbeitet.<\/p>\n<p>Die sieben f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Hanf-Erstverarbeiter, die meisten davon EIHA-Mitglieder, bilden die Umfragebasis f\u00fcr die folgenden Daten \u00fcber Anbau, Produktion und Produktlinien. Die sieben Unternehmen sind Hemcore (UK), HempFlax (NL), Hempron (NL), LCDA (F), AGRO-Dienst (D), BaFa (D) und Vernaro (D); sie haben einen Marktanteil &#8211; bezogen auf die in der EU produzierten Fasern &#8211; von ca. 72 bis 90% (s.u.) und stellen damit eine gute, repr\u00e4sentative Basis f\u00fcr Marktaussagen dar.<\/p>\n<p><b>Anbau &#038; Nachfrage<\/b><br \/>Im Jahr 2001 hatten die sieben Unternehmen insgesamt eine Hanfanbaufl\u00e4che von ca. 10.120 ha unter Vertrag. Diese Fl\u00e4che gen\u00fcgte allerdings nicht, um die Nachfrage nach industriellen Hanffasern zu decken. Die Nachfrage wurde durch die Verarbeitung von Hanfstroh und vorentholzten Fasern aus den Vorjahren gestillt, die aufgrund zu geringer Nachfrage eingelagert worden waren. Das Jahr 2002 starteten alle sieben Unternehmen mit nahezu oder vollst\u00e4ndig leeren Lagern.<br \/>Diese Situation ist neu, dass die Nachfrage h\u00f6her ist als der aktuelle Anbau. Grund hierf\u00fcr sind die zunehmende Etablierung des Hanfes als industrielle Faser und die gleichzeitig sinkenden EU-Beihilfen.<br \/>Im Jahr 2002 wollen die sieben Unternehmen deutlich gr\u00f6\u00dfere Anbaufl\u00e4chen unter Vertrag nehmen und zwar \u00fcber 14.000 ha (+40%). Die Nachfrage f\u00fcr diese Mengen ist da, fraglich ist nur, ob unter derzeitigen (und k\u00fcnftigen) \u00f6konomischen Bedingungen gen\u00fcgend Landwirte gefunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Durchschnittsertrag f\u00fcr die Ernte von Hanfstroh lag bei den sieben Unternehmen im Jahr 2001 bei 6,2 t\/ha.<\/p>\n<p><b>Produktion<\/b><br \/>Die Menge der in der EU produzierten Hanffasern hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und d\u00fcrfte f\u00fcr 2001 zwischen 20.000 und 25.000 t pro Jahr liegen (die Weltproduktion wird auf ca. 70.000 t gesch\u00e4tzt). Die sieben befragten Unternehmen haben 2001 zusammen \u00fcber 18.000 t Hanffasern produziert, das sind etwa 72 bis 90% der EU-Gesamtproduktion. Als wertsch\u00f6pfende Beiprodukte wurden von den sieben Unternehmen \u00fcber 30.000 Sch\u00e4ben und \u00fcber 4.300 t Hanfsamen produziert.<\/p>\n<p><b>M\u00e4rkte &#038; Produktlinien<\/b><\/p>\n<p><b>Fasern<\/b><br \/>Die wichtigsten Absatzgebiete f\u00fcr die in der EU produzierten Hanffasern sind:<\/p>\n<p><b>Spezialzellstoff f\u00fcr Zigarettenpapiere und technische Anwendungen<\/b><br \/>Mit einem Marktanteil von ca. 70 bis 80% am Hanffasermarkt ist dieses traditionelle Einsatzgebiet immer noch die mit Abstand wichtigste Produktlinie. In absoluten Zahlen ist der Bedarf konstant bis leicht fallend, der relative Anteil ist deutlich zur\u00fcckgehend (vor 5 Jahren lag der Anteil noch \u00fcber 95%). Ohne entscheidende technischen Weiterentwicklungen und\/oder die Erschlie\u00dfung neuer Anwendungsfelder ist in diesem Bereich wenig Dynamik zu erwarten. Nur ein kleiner Anteil der Hanffasern f\u00fcr den Zellstoffbereich wird frei gehandelt, der gr\u00f6\u00dfte Teil flie\u00dft in integrierte Prozessketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Wichtigstes Land f\u00fcr die Nutzung von Hanffasern im Spezialzellstoffbereich ist Frankreich.<\/p>\n<p><b>Automobilindustrie<\/b><br \/>Der Marktanteil am Hanffasermarkt lag 2001 bei beachtlichen 17% &#8211; gegen\u00fcber unter 1% im Jahr 1996. Auch in absoluten Zahlen w\u00e4chst die automobile Nachfrage nach Hanffasern seit 1996 mit hohen Zuwachsraten (z.B. von 1999 auf 2000 um 90%). Der Einsatz von thermo- und duroplastischen Naturfaser-Formpressteilen z.B. als T\u00fcrinnenverkleidungen oder Kofferraumauskleidungen ist heute bei einer Vielzahl von Automobilen Standard &#8211; pro Fahrzeug kommen typischerweise 5 bis 10 kg Naturfasern zum Einsatz. In der europ\u00e4ischen Automobilindustrie wurden im Jahr 2000 ca. 28.300 t Naturfasern eingesetzt, davon 20.000 t Flachs, 3.700 t Jute und Kenaf sowie 3.500 t Hanf (1).<br \/>Infolge neuer Produktionsverfahren &#8211; insbesondere Naturfaser-PP-Spritzguss &#8211; wird sich der Wachstumskurs in den n\u00e4chsten Jahren weiter fortsetzen. Auch die EU-Altautorichtlinie wird vermutlich keinen negativen Effekt auf den Einsatz von Naturfasern aus\u00fcben, wie zun\u00e4chst bef\u00fcrchtet wurde. So zeigt sich z.B. die deutsche Umsetzung der Richtlinie als vollkommen neutral in Bezug auf den Einsatz von Naturfaserbauteilen, unabh\u00e4ngig davon, ob die Teile sp\u00e4ter verbrannt oder stofflich recycelt werden.<\/p>\n<p><b>Baubereich (D\u00e4mm-Matten)<\/b><br \/>Hier werden etwa 6,5% der EU-Hanffasern abgesetzt. Die Marktteilnehmer erwarten auch &#8211; in absoluten und relativen Zahlen &#8211; einen weiteren Zuwachs. In einigen L\u00e4ndern beginnt gerade erst die Produktion entsprechender D\u00e4mmstoffe. Der Absatz h\u00e4ngt auch von der allgemeinen Situation der Bauindustrie ab, die sich in den EU-L\u00e4ndern sehr verschieden entwickelt. W\u00e4hrend die deutsche Bauindustrie in einer schweren Krise steckt, werden in Gro\u00dfbritannien zunehmende Bauaktivit\u00e4ten beobachtet. In Deutschland werden im Jahr 2002 und 2003 neue Impulse durch ein Markteinf\u00fchrungsprogramm f\u00fcr Naturfaserd\u00e4mmstoffe erwartet.<\/p>\n<p><b>Sonstige Anwendungen<\/b><br \/>Ca. 1% &#8211; hierzu z\u00e4hlen Agro- und Geotextilien, Matratzen, Schuheinlagen, Fasern f\u00fcr den Tier-Nestbau und vieles mehr. Traditionelle Einsatzgebieten wie Bindf\u00e4den und Schn\u00fcre oder auch textile Garne und Gewebe spielen in der EU keinerlei Rolle.<\/p>\n<p><b>Sch\u00e4ben<\/b><br \/>Parallel zur Faserproduktion fallen die Hanfsch\u00e4ben an. Je nach Restsch\u00e4bengehalt der produzierten Fasern liegt das Verh\u00e4ltnis Sch\u00e4ben zu Fasern zwischen 1,5 und \u00fcber 2. In der EU wurden insgesamt ca. 40.000 t Hanfsch\u00e4ben produziert. Die wichtigsten Produktlinien sind:<\/p>\n<p><b>Tiereinstreu<\/b><br \/>Ca. 92% der Hanfsch\u00e4ben gehen in den Bereich Tiereinstreu, davon wiederum \u00fcber 95% in den Bereich Pferdeeinstreu und nur knapp 5% werden bei anderen Tieren eingesetzt, vor allem f\u00fcr Gefl\u00fcgel. Zunehmen wird in den n\u00e4chsten Jahren der Sektor Kleintierstreu, der erst in diesem Jahr professionell angegangen wird. Hanfsch\u00e4ben verkaufen sich in diesem Bereich vor allem aufgrund ihren guten Eigenschaften: Gute Saugf\u00e4higkeit, einfache Handhabung und schnelle Kompostierung nach Gebrauch. Insgesamt ist in keinem dieser M\u00e4rkte eine Markts\u00e4ttigung in Sicht.<\/p>\n<p><b>Baubereich<\/b><br \/>Knapp 8% der Hanfsch\u00e4ben gehen in den Baubereich, als Sch\u00fcttd\u00e4mmung, Sch\u00e4benplatten, Zuschlag zu Ziegeln oder Lehmbau. Auch hier gibt es noch reichlich unerschlossene Potenziale.<\/p>\n<p><b>Hanfsamen<\/b><br \/>Vorwiegend in den s\u00fcdlicheren Teilen der EU werden auf Hanfsamen gewonnen, insgesamt etwa 5.000 bis 7.000 t\/Jahr. Die wichtigsten Absatzm\u00e4rkte sind:<\/p>\n<p><b>Tierfutter<\/b><br \/>Etwa 95% der Hanfsamen werden im Tierfutterbereich abgesetzt und hier vor allem als Vogelfutter, in geringen Mengen auch im Angelbereich zum Anf\u00fcttern. Die Attraktivit\u00e4t dieses Bereiches h\u00e4ngt stark vom Dollar-Kurs und der damit zusammenh\u00e4ngenden Konkurrenzsituation mit chinesischen Importen ab.<\/p>\n<p><b>Lebensmittel<\/b><br \/>Die restlichen 5% gehen in den Lebensmittelbereich als volles Korn, als gesch\u00e4lte Hanfsamen und als Hanf\u00f6l. Ein noch sehr kleiner Nischenmarkt mit \u00fcberdurchschnittlichem Wachstum.<\/p>\n<p>Quelle:<br \/>(1) Karus, M, Kaup, M, 2002. Natural Fibres in the European Automotive Industry. Journal of Industrial Hemp 7(1): 117-129.<\/p>\n<p>F\u00fcr R\u00fcckfragen:<\/p>\n<p>Michael Karus<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:michael.karus@nova-institut.de\">michael.karus@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p>Internet: <br \/>EIHA: <a href=\"http:\/\/www.eiha.org\/\" >www.eiha.org<\/a><br \/>nova-Institut: <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\" >www.nova-institut.de<\/a> \/ Nachrichten-Portal: <a href=\"http:\/\/www.nachwachsende-rohstoffe.info\/\" >www.nachwachsende-rohstoffe.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF-Download dieses Artikels .<\/p>\n<p>Die hier pr&auml;sentierten Daten basieren auf aktuellen Markterhebungen, die die &bdquo;European Industrial Hemp Associaton (EIHA)&ldquo; zwischen November 2001 und Mai<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-5484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5484"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5484\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5484"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=5484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}