{"id":5442,"date":"2002-06-11T00:00:00","date_gmt":"2002-06-10T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020611-04n"},"modified":"2002-06-11T00:00:00","modified_gmt":"2002-06-10T22:00:00","slug":"potenziale-des-arznei-und-gewuerzpflanzenanbaus-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/potenziale-des-arznei-und-gewuerzpflanzenanbaus-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Potenziale des Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbaus in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Der Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen (AGPs) schien Landwirten in Deutschland noch vor wenigen Jahren ein attraktives Angebot zur Einkommensdiversifizierung und Einkommensverbesserung zu sein. Hohe Erwartungen an diesen Sonderkulturanbau  wurden nicht zuletzt von Seiten der Fachmedien unterst\u00fctzt. Mit dem Inkrafttreten der EG-Agrarreform von 1992 haben ebenfalls viele Landwirte von der M\u00f6glichkeit Gebrauch gemacht, Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen als nachwachsende Rohstoffe auf Stilllegungsfl\u00e4chen anzubauen. Auch mit der stark wachsenden Nachfrage nach Bio- und Naturprodukten Ende der 90er Jahre wurde der Anbau von AGPs noch einmal ausgeweitet. Seit 1999 ist der Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen in Deutschland jedoch wieder stark zur\u00fcckgegangen. Gleichzeitig hat es kontinuierliche Preisr\u00fcckg\u00e4nge bei vielen Arten gegeben, die den Landwirten zum Verh\u00e4ngnis geworden sind, da viele Anbauer in den 90er Jahren gro\u00dfe Investitionen in Anbau und Verarbeitung von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen get\u00e4tigt haben.<\/p>\n<p>Der Markt f\u00fcr die Produktion und Vermarktung von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen braucht verl\u00e4ssliche Grundlagen. Deshalb wurde im vergangenen Jahr eine von der <a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe<\/a>, G\u00fclzow, finanzierte Studie zu den Potenzialen des Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbaus in Deutschland durchgef\u00fchrt. Die Studie basiert auf einer Literaturrecherche und 50 Expertengespr\u00e4chen. Sie bezieht sich sowohl auf den konventionellen, als auch auf den Markt f\u00fcr Kr\u00e4uter aus kontrolliert-\u00f6kologischem Anbau. Bereits im Jahr 1999 hatte die FNR eine durch die Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller (FAH) in Sinzig durchgef\u00fchrte Studie finanziert, die aber auf Anbau und Verwendung von rein pharmazeutisch genutzten Arten beschr\u00e4nkt war.<\/p>\n<p><b>Anbau und Markt von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020611-04\/Uebersicht-Kulturen.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Uebersicht-Kulturen\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>In Europa werden derzeit etwa 400 Arten von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen kultiviert. In Deutschland sind knapp 100 Arten dieser Pflanzengruppe anbauf\u00e4hig. Nach Angaben der Forschungsvereinigung der Arzneimittelhersteller (FAH) wurden 1999 immerhin 82 Prozent der Anbaufl\u00e4che von 15 Arten dominiert. Die restlichen 18 Prozent der Fl\u00e4che werden mit weiteren 79 Arten bebaut. Pank und Hoppe (1996) geben im Rahmen einer EU-weit durchgef\u00fchrten Studie (vgl. Concerted Action AIR3-CT-94-2076, 1995-1996) an, dass 1996 auf 92,5 Prozent der Fl\u00e4che 26 Arten wachsen.<br \/>In Deutschland bauen derzeit (Stand 2001) zwischen 650 und 800 Betriebe Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen an. F\u00fcr 1996 wurden von Pank und Hoppe lediglich etwa 500 Betriebe angegeben. Hieraus wird die sprunghafte Entwicklung des Anbaus in der zweiten H\u00e4lfte der 90er Jahre ersichtlich. Die durchschnittliche mit AGPs bebauten Fl\u00e4che pro Betrieb betr\u00e4gt 13,5 Hektar. Der maximale Fruchtfolgeanteil der AGPs macht 33 Prozent aus. Weniger als ein Zehntel der Anbaubetriebe sind Gro\u00dfbetriebe, woran sich gegen\u00fcber den 90er Jahren nichts ge\u00e4ndert hat (Hoppe, 2001, m\u00fcndliche Mitteilung; FAH 2001).<br \/>Der Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen ist in Deutschland im Wesentlichen auf wenige Bundesl\u00e4nder konzentriert. Allein auf die L\u00e4nder Th\u00fcringen und Bayern entf\u00e4llt \u00fcber die H\u00e4lfte des bundesdeutschen Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbaus. Nimmt man Hessen und Niedersachsen hinzu, dann decken diese vier L\u00e4nder \u00fcber 70 Prozent des Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbaus ab (FAH 1999, Hoppe 2001).<\/p>\n<p><b>Ein wachsender und dennoch begrenzter Markt<\/b><br \/>Deutschland deckt nur zwischen f\u00fcnf und zehn Prozent seines Bedarfs an Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen aus eigenem Anbau (Kupke et l. 2000, Pank und Hoppe 1996), im Biobereich liegt der Selbstversorgungsgrad bei einigen Kulturen bedeutend h\u00f6her. Mit Ende der 90er Jahre traf auch die \u00d6koanbauer der Preisverfall mit einem j\u00e4hrlichen Preisr\u00fcckgang von durchschnittlich zehn Prozent. Ein \u00dcberangebot gibt es seit Ende der 90er Jahre auch im \u00d6koanbau bei Echinacea, Johanniskraut und Artischocke (Winter, Rieger, 2001, m\u00fcndliche Mitteilungen). Die Vermarktung von \u00f6kologisch angebauten Gew\u00fcrzen versucht dieser Entwicklung durch regionalen Absatz zu entrinnen, indem hier die Frische und Qualit\u00e4t der Ware im Direktabsatz hervorgehoben werden. Seit Ende der 90er Jahre hat besonders der Absatz von Frischkr\u00e4utern in \u00d6ko-Qualit\u00e4t gerade in Gro\u00dfstadtn\u00e4he zugenommen. Noch immer ist der Anteil von Biogew\u00fcrzen mengenm\u00e4\u00dfig sehr klein (zwischen zwei und vier Prozent), hat aber Ende 1999 und in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2000 ein starkes Wachstum erfahren, das sich mittlerweile wieder auf Normalma\u00df, aber auf hohem Niveau, eingependelt hat. In der Gew\u00fcrzverarbeitung zeichnet sich ein \u00e4hnlicher Trend ab wie bei den Lebensmitteltees: Die Verbraucher fragen verst\u00e4rkt \u201eExoten\u201c nach.<\/p>\n<p><b>Produktion von Bio-Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen<\/b><br \/>Der \u00f6kologische Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen sowohl in Deutschland als auch im europ\u00e4ischen Ausland und weltweit w\u00e4chst st\u00e4ndig (vgl. IFOAM annual report). Die Angaben \u00fcber den Umfang des \u00f6kologischen Anbaus von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen in Deutschland lagen f\u00fcr die 90er Jahre zwischen 350 und 600 Hektar (Pank und Hoppe 1996, Bomme, Winter 2001, m\u00fcndliche Mitteilungen). <\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020611-04\/AGP-Anbauflaechen.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Anbauflaechen\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Laut <a href=\"http:\/\/www.verbraucherministerium.de\/\" >Bundesministerium f\u00fcr Verbraucherschutz, Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft<\/a> (BMVEL) wurden im Jahr 2000 in Deutschland 810 Hektar AGP \u00f6kologisch angebaut. Die durchschnittliche Anbaufl\u00e4che pro Betrieb im \u00f6kologischen Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen betr\u00e4gt knapp f\u00fcnf Hektar. Der \u00f6kologische Kr\u00e4uteranbau ist damit sehr klein strukturiert: Fast die H\u00e4lfte der Betriebe wirtschaftet auf Fl\u00e4chen, die kleiner als ein Hektar sind, weitere 38 Prozent auf Fl\u00e4chen unter zehn Hektar Gr\u00f6\u00dfe (L\u00fcck 1995). Die in Deutschland am h\u00e4ufigsten \u00f6kologisch angebauten Arten sind Kamille, Pfefferminze, Melisse, Johanniskraut, Salbei, Brennessel, Petersilie, Basilikum, Fenchel, K\u00fcmmel und Koriander.<\/p>\n<p><b>Hauptprobleme bei Anbau und Verarbeitung von \u00d6ko-Kr\u00e4utern in Deutschland<\/b><br \/>Der Anbau in Deutschland ist durch die f\u00fcr diese Sonderkulturen ung\u00fcnstigen Klimavoraussetzungen sowie hohe Lohn- und Energiekosten gekennzeichnet. Wegen der Vielzahl von Arten mit den unterschiedlichsten Anspr\u00fcchen hinsichtlich Standort, Anbautechnik, Trocknung und Aufbereitung und den allgemein hohen Qualit\u00e4tsanforderungen stellt der Anbau dieser Kulturen f\u00fcr die Landwirte ein hohes Produktionsrisiko dar. Au\u00dferdem gibt es in der EU keine Marktordnung f\u00fcr Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen, das hei\u00dft, dass der Anbau den Preis- und Nachfrageschwankungen zu Weltmarktbedingungen ausgeliefert ist.<br \/>Ein weiterer hemmender Faktor ist die L\u00fcckenindikation, die die AGP-Anbauer vor unl\u00f6sbare Probleme im Pflanzenschutz stellt. Die bisherige deutsche Pflanzenschutzmittelzulassungspraxis laut Pflanzenschutzmittelgesetz 1986 musste zur Angleichung an das EU-Recht in eine Indikationszulassung umgewandelt werden. Daraus ergibt sich eine gro\u00dfe Zahl von nicht abgedeckten Anwendungsgebieten f\u00fcr Pflanzenschutzmittel im AGP-Anbau. In diesen kleinen und untergliederten Markt werden aber von seiten der Pflanzenschutzmittelhersteller keine Forschungsmittel investiert. Daher f\u00e4llt auch im konventionellen AGP-Anbau viel Arbeit durch mechanische Unkrautbek\u00e4mpfung an. Es ist aus diesem Grund und wegen der g\u00fcnstigen f\u00f6rderpolitischen Lage \u00fcberdies mit einer Zunahme von umstellungswilligen Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbauern zu rechnen.<\/p>\n<p>Neben der mechanischen Unkrautbek\u00e4mpfung kommt im \u00f6kologischen Landbau nur noch die thermische Unkrautbek\u00e4mpfung in Frage, \u00fcber die jedoch bei vielen Kulturen noch keine Erfahrungswerte existieren. Weitere Probleme ergeben sich beim AGP-Anbau durch das Fehlen von Erntemaschinen. F\u00fcr die Bl\u00fctenernte gibt es zum Beispiel kein serienm\u00e4\u00dfig produziertes Pfl\u00fcckger\u00e4t. <\/p>\n<p>Der Hauptgrund f\u00fcr Verarbeitungsfirmen des pharmazeutischen, Lebensmittel- oder Gew\u00fcrzbereichs f\u00fcr den Rohwareneinkauf im Ausland ist der hohe Preis f\u00fcr in Deutschland produzierte AGPs. Dieser ergibt sich aus der hohen Arbeitsintensit\u00e4t dieses Bereichs und den daraus resultierenden hohen Lohnkosten. Mehr und mehr wird f\u00fcr Verarbeiter von \u00d6kokr\u00e4utern die Sortenwahl beziehungsweise die Sortenreinheit zum Problem. Die angelieferte Ware enth\u00e4lt oftmals unbekannte, verwilderte oder auch \u201ealte Landsorten\u201c, die in ihrem Inhaltsstoffspektrum selbst in der Lebensmittelverarbeitung problematisch sind (zum Beispiel ein hoher Estragonalgehalt in einigen Fenchelsorten, Mangel an gr\u00fcnem (s\u00fc\u00dfen) Fenchel). Der \u00f6kologische Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen erfordert noch mehr Handarbeit als der konventionelle Anbau, so dass es hier &#8211; nicht nur in der Erntesaison &#8211; oft an Arbeitskr\u00e4ften mangelt.<\/p>\n<p><b>Mangelnde Unterst\u00fctzung durchVerb\u00e4nde und Druck durch die Abnehmer<\/b><br \/>Auch auf Verbandsebene erhalten die AGP-Anbauer wenig Unterst\u00fctzung: Die gro\u00dfen Anbauverb\u00e4nde Bioland, Demeter, Naturland, G\u00c4A und andere f\u00fchren weder im Anbau noch in der Vermarktung eine spezielle Beratung f\u00fcr Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbau durch.<\/p>\n<p>Auch der \u00f6kologische AGP-Anbau wird in Zukunft durch den Druck der Abnehmer &#8211; obwohl die GAP-Richtlinien allgemein noch nicht bindend sind &#8211; sowohl nach Verbandsrichtlinien als auch nach den Richtlinien der Good Agricultural Practice (GAP) wirtschaften m\u00fcssen. Diese Richtlinien legen auf europ\u00e4ischer Ebene Qualit\u00e4tsstandards f\u00fcr Produktion, Erstverarbeitung, Lagerung und Transport von pflanzlichen Rohwaren fest. Das Qualit\u00e4tsbewusstsein und die Flexibilit\u00e4t der \u00d6ko-AGP-Erzeuger wird sich den Anspr\u00fcchen konventioneller Verarbeiter anpassen m\u00fcssen. Denn oft gibt es in Verarbeitungsbetrieben mit Bio-Zertifizierung bei der Verarbeitung von \u00d6kokr\u00e4utern aufgrund der starken mikrobiellen Kontamination und der schlechteren optischen Qualit\u00e4t Schwierigkeiten. <\/p>\n<p>Bei Bio-Drogen, die im Naturwarenhandel angeboten werden, ist der Anteil der Ware aus Kultur sehr hoch (bei einigen Arten bis zu 100 Prozent). Das Sortiment der \u00f6kologisch gehandelten Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen ist deshalb erheblich kleiner als das im konventionellen Handel und beschr\u00e4nkt sich oft auf die klassischen Tee- und Gew\u00fcrzkr\u00e4uter.<\/p>\n<p><b>Ungewisse Regelung bei Saisonarbeitskr\u00e4ften<\/b><br \/>Die deutschen AGP-Anbauer sind &#8211; wie alle Sonderkulturproduzenten in Deutschland &#8211; auf die Verf\u00fcgbarkeit von Saisonarbeitskr\u00e4ften zur Bew\u00e4ltigung von Arbeitsspitzen angewiesen. Die derzeitige Regelung f\u00fcr den Einsatz von Saisonarbeitskr\u00e4ften wird in 2003 auslaufen und ungeachtet der dann getroffenen Ver\u00e4nderungen nicht ohne Auswirkungen auf den AGP-Anbau bleiben.<\/p>\n<p><b>Vorteile des Anbaus in Deutschland<\/b><br \/>Angesichts des wachsenden Marktes f\u00fcr \u00f6ko-zertifizierte Nahrungserg\u00e4nzungsmittel in Deutschland sollten sich die Hersteller dieser Waren \u00fcber die Vorteile eines inl\u00e4ndischen Anbaus und Rohwarenbezugs im Klaren sein. Vorteile ergeben sich f\u00fcr die Abnehmerseite bei Anbau in Deutschland vor allen Dingen durch die R\u00fcckverfolgbarkeit der Rohstoffproduktion und die gute Qualit\u00e4t der Ware. Insofern sind die Abnehmer an der langfristig abgesicherten Zusammenarbeit mit Anbauern in Deutschland interessiert. Diese langfristige Zusammenarbeit ist aber nur dann m\u00f6glich, wenn den Landwirten neben der pharmazeutischen Verarbeitung auch noch andere Absatzm\u00e4rkte offenstehen.<\/p>\n<p><b>Abh\u00e4ngigkeit der AGP-Produzenten von der pharmazeutischen Industrie<\/b><br \/>Der Arzneipflanzenanbau in Deutschland ist zu ann\u00e4hernd 90 Prozent Vertragsanbau f\u00fcr die pharmazeutische Industrie, der Rest wird frei gehandelt. Die st\u00e4ndig wachsenden Qualit\u00e4tsanforderungen an Phytopharmaka, die f\u00fcr den gesamten Produktionsprozess und damit auch f\u00fcr die Rohstoffe \u201eab Feld\u201c gelten, und die gleichzeitig sinkenden Preise stellen den Landwirt vor schier unl\u00f6sbare wirtschaftliche und technische Probleme. Trotzdem zeichnet sich eine Entwicklung zur engeren Zusammenarbeit zwischen den Anbauern und den (pharmazeutischen) Verarbeitern in Deutschland ab. Bei Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen stehen mittlerweile 32 Sorten unter Sortenschutz (EU-weit sind es bereits 49), das hei\u00dft, dass in der Z\u00fcchtungsforschung eine enge Kooperation mit der pharmazeutischen Industrie besteht. Zucht von Sorten, die f\u00fcr den \u00f6kologischen Anbau geeignet sind, spielt aufgrund des sehr kleinen Marktes eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p><b>Wildsammlung<\/b><br \/>Bestimmte Arten von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen stammen auch in Deutschland &#8211; was aufgrund der hohen Lohnkosten bestimmt kein klassisches Sammelland mehr ist &#8211; noch aus Wildsammlung, wobei bereits Inkulturnahmeversuche bei Weidenr\u00f6schen, Birkenbl\u00e4tter, Lindenbl\u00fcten, Misteln, Wei\u00dfdorn und Schlehe durchgef\u00fchrt werden. Die Angaben \u00fcber die Menge der wild gesammelten pflanzlichen Rohstoffe variieren zwischen 26 und 100 Tonnen j\u00e4hrlich seit Ende der 90er Jahre.<\/p>\n<p><b>Der Markt f\u00fcr Lebensmitteltees<\/b><br \/>Die seit Jahren zunehmende Beliebtheit von Tee und tee\u00e4hnlichen Erzeugnissen sichert den Aufgussgetr\u00e4nken aus Pflanzen und Pflanzenteilen im gesamten Teemarkt den Spitzenplatz. Die aktuellen Absatzdaten der <a href=\"http:\/\/www.wkf.de\/\" >Wirtschaftsvereinigung Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetee e.V.<\/a> (WKF)*, Hamburg, weisen f\u00fcr 2000 wie in den Jahren zuvor ein Wachstum aus. Wurden 1999 noch 32.500 Tonnen Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees gekauft, waren es im Jahr 2000 bereits 32.900 Tonnen, was einem Zuwachs von 1,2 Prozent entspricht.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20020611-04\/Kraeuterabsatz-Sorten.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Kraeuterabsatz\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Mit knapp 7.800 Tonnen und einem Anteil von 24 Prozent f\u00fchren die aromatisierten Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees auch im Jahr 2000 die Liste der Teeprodukte an, sie konnten gegen\u00fcber 1999 sogar noch ein Prozent hinzugewinnen. Die Monodroge Pfefferminz liegt mit einem Anteil von 18 Prozent noch immer an vorderster Stelle. Die Absatzzahlen von Hagebutte\/Hibiskus und Kamille sind mit jeweils 12 Prozent gegen\u00fcber 1999 gleich geblieben. Auch die nicht aromatisierten Mischungen sowie Fencheltee sind mit jeweils 11 Prozent konstant geblieben. Rooibos-Tee &#8211; noch vor 1999 statistisch unter \u201esonstige Monodrogen\u201c aufgef\u00fchrt, findet besonders bei jungen K\u00e4ufern Anklang und ist mittlerweile mit vier Prozent in den Verkaufslisten vertreten.<\/p>\n<p>Der gesch\u00e4tzte Anteil von Biorohstoffen liegt nach Angaben der WKF bei Schwarz- und Gr\u00fcntee bei etwa f\u00fcnf Prozent, bei Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees zwischen zwei und vier Prozent. Galke (2001, m\u00fcndliche Mitteilung) erwartet bei Pfefferminz-, Fenchel- und Kamillentee in Bioqualit\u00e4t in den n\u00e4chsten Jahren ein langsames, aber stetiges Wachstum. Der gesch\u00e4tzte Anteil von aus Deutschland stammenden Rohwaren f\u00fcr die Verarbeitung zu Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees liegt nach Angaben der WKF bei etwa 10 Prozent. Der Anteil der Rohwaren aus Deutschland ist jedoch steigend (Beutgen, 2001, m\u00fcndliche Mitteilungen).<\/p>\n<p>Das anhaltende Interesse der Verbraucher an den Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees f\u00fchrt die WKF unter anderem auf die kreativen Produktneuheiten in den Teefachgesch\u00e4ften und im Lebensmittelhandel zur\u00fcck. Neue Geschmacksrichtungen sowie ungew\u00f6hnliche Kompositionen vor allem bei Kr\u00e4utertees beleben den Markt und wecken auch Interesse bei neuen K\u00e4ufergruppen. Immer st\u00e4rker wird von gro\u00dfen Teeherstellern versucht, den Verbrauchern Kr\u00e4utertees als Wellness-Produkt zu verkaufen.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftige Wege f\u00fcr den AGP-Anbau in Deutschland<br \/>Aufgrund der Ergebnisse der Recherche wurden einige Forschungsfragen neu formuliert, die sich auf die Verf\u00fcgbarkeit von Sorten f\u00fcr den \u00d6kolandbau, die Mechanisierung des Anbaus, die Schaffung innovativer Vermarktungswege und die Inkulturnahme von bisher in Deutschland  oder im europ\u00e4ischen Ausland wild gesammelten Kulturen beziehen.<\/p>\n<p>Die Studie der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, die KTBL-Datensammlungen und private Recherchen belegen es: Der Anbau von AGPs lohnt sich in Deutschland erst bei hohen Preisen und \u00fcberdurchschnittlichen Ertr\u00e4gen. In der pharmazeutischen Industrie haben viele Firmen bereits ein Bonussystem f\u00fcr die besondere Honorierung von Qualit\u00e4ten eingef\u00fchrt. Vielleicht sollten sich auch die Bio-Lebensmittelverarbeiter ein Beispiel daran nehmen. <\/p>\n<p>Selbst bei Ausweitung der AGP-Nachfrage durch die Lebensmittelindustrie ist der Fortbestand des Arzneipflanzenanbaus nicht gew\u00e4hrleistet. Deshalb muss ein Teil der Verantwortung f\u00fcr den Fortbestand dieses Sonderkulturanbaus in Deutschland der Agrarpolitik zugesprochen werden. Zum einen gilt dies f\u00fcr die Kommunikation von besonderen Qualit\u00e4ten und den Preisen f\u00fcr bestimmte Qualit\u00e4ten. Seit Jahrzehnten werden in Deutschland und Europa unwirtschaftliche landwirtschaftliche Produktionsstrukturen subventioniert. Parallel dazu werden strukturpolitische Ma\u00dfnahmen zur \u201eAbfederung\u201c der so entstehenden Strukturverzerrungen durchgef\u00fchrt. Neben dem Appell an Verarbeitungsfirmen hinsichtlich von Rohstoffqualit\u00e4ten, nachhaltiger Produktion und Kommunikation von Qualit\u00e4t muss auch die Agrarpolitik in ihrer Einstellung zum AGP-Anbau in Deutschland eine klare Stellung beziehen. Es stellt sich also die Frage, ob nicht auch f\u00fcr einen sehr kleinen und \u201ewirtschaftlich uninteressanten\u201c landwirtschaftlichen Markt dieselben Argumente wie f\u00fcr andere Sektoren gelten sollten: Gew\u00e4hrleistung eines gewissen Selbstversorgungsgrads auf nationaler Ebene, Erhaltung der Biodiversit\u00e4t und Weitung der auch im Biolandbau immer enger werdenden Fruchtfolgen.<\/p>\n<p>Auf die Dauer kann der Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzenanbau aber nur \u00fcberleben, wenn Anbau, Verarbeitung, Handel und Kommunikation einen engeren Verbund eingehen und gemeinsam kreative Verarbeitungs- und Vermarktungskonzepte f\u00fcr die in Deutschland angebauten Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen entwickeln.<\/p>\n<p>&copy; 2002 bioPress Verlag<br \/>Schulstr. 10 <br \/>74927 Eschelbronn<br \/>Tel.: 06226-43 51<br \/>Fax 40047<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:info@biopress.de\">info@biopress.de<\/a><\/p>\n<p><b>*Wirtschaftsvereinigung Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetee e.V. (WKF)<\/b><br \/>In der Wirtschaftsgemeinschaft Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees, der dem Deutschen Teeverband angegliedert ist, sind 16 Firmen organisiert. Dem Verband obliegt die Wahrung und F\u00f6rderung der besonderen fachlichen Belange und Interessen der Mitgliedsunternehmen, die sich mit der Einfuhr, Herstellung, Abpackung und\/oder dem Inverkehrbringen von Kr\u00e4uter- und Fr\u00fcchtetees in allen Darreichungsformen (tee\u00e4hnliche Erzeugnisse) befassen, auf sachlichem sowie wirtschaftlichem Gebiet. Die WKF befasst sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Fragen des Lebensmittelrechts und der Lebensmittelkunde sowie ern\u00e4hrungsphysiologischen Fragen im Hinblick auf Kr\u00e4uter und Fr\u00fcchtetees.<\/p>\n<p>(Vgl. auch Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/heilpflanzen-aus-deutschland-bevorzugt\/\" >2002-05-07<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anbau von Arznei- und Gew&uuml;rzpflanzen (AGPs) schien Landwirten in Deutschland noch vor wenigen Jahren ein attraktives Angebot zur Einkommensdiversifizierung und Einkommensverbesserung zu sein. 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