{"id":5402,"date":"2002-03-21T00:00:00","date_gmt":"2002-03-20T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20020321-02n"},"modified":"2002-03-21T00:00:00","modified_gmt":"2002-03-20T22:00:00","slug":"nova-interview-mit-heinrich-kranz-vorstandssprecher-stoffkontor-kranz-ag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-interview-mit-heinrich-kranz-vorstandssprecher-stoffkontor-kranz-ag\/","title":{"rendered":"nova-Interview mit Heinrich Kranz (Vorstandssprecher Stoffkontor Kranz AG)"},"content":{"rendered":"<p><b>nova:<\/b> Herr Kranz, im Jahr 2000 hat die Stoffkontor Kranz AG in China wilde Nesseln geerntet. Was wurde aus dem Material?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Wir haben im letzten Jahr mit diesem Material erstmals alle Stationen der industriellen Produktion von Nesseltextilien durchgef\u00fchrt. Viele Versuche wurden gefahren, angefangen bei den verschiedensten Unternehmen mit Entholzungsanlagen f\u00fcr Hanf oder Flachs. Es galt, die f\u00fcr Nessel beste Anlage zu finden. Dann wurden die ersten enzymatischen Prozesse in einer Gro\u00dfanlage getestet. F\u00fcr die chinesische Nessel mussten neue Rezepturen gefunden werden, da das Material sehr \u00e4hnlich dem Hanf grob ist und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Klebstoffe zwischen den Fasern hat. Dann liefen die Versuche \u00fcber verschiedene Karden, um die optimale Maschine zu finden. Schlie\u00dflich wurden verschiedenste Spinnversuche durchgef\u00fchrt, vom Reinnessel bis hin zu Mischungen mit Cellulosefasern. Die Garne wurden untersucht auf Eigenschaften und technische Daten. Erst dann konnte man \u00fcber Webmaschinen erste Stoffproben herstellen, die dann auch noch auszur\u00fcsten waren. In allen Stationen der textilen Kette haben wir ausgezeichnete Kenntnisse gewonnen und neue Verfahren sind entstanden, die die Nesselproduktion noch weiter verbessern. Die chinesische Nessel war ein schwerer Brocken f\u00fcr uns, aber wir haben viel durch sie gelernt. Die Produktion steht nun in allen Stufen im industriellen Ma\u00dfstab f\u00fcr chinesische und europ\u00e4ische Nessel. <\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Werden Sie die chinesische Nessel auch in Zukunft als Rohstoff nutzen, gibt es dazu aktuelle Pl\u00e4ne in China?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Bedingt k\u00f6nnte man das Material verwenden, jedoch eher f\u00fcr gr\u00f6bere Stoffe. Betriebswirtschaftlich machen solche Importe aber keinen Sinn, es sei denn, es g\u00e4be in China Verarbeitungsstufen, wie wir es schon im Okt. 2000 auf der a.o. HV erl\u00e4utert hatten. Wir planen diesbez\u00fcglich keine Aktivit\u00e4ten, da uns ein dann notwendiger Know-how-Transfer zu unsicher erscheint. Wir behalten unser Wissen zur Zeit lieber f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Wenn Sie den chinesischen Rohstoff ablehnen, was bleibt dann als Ressource \u00fcbrig? Wie wollen Sie den Bedarf decken?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Es gibt weltweit nur eine Rohstoffquelle f\u00fcr wirklich hochwertige Textilen: unsere europ\u00e4ischen Zuchtnesseln. Es bleibt uns also nichts anderes \u00fcbrig, als immer mehr Felder mit Nesseln anzubauen. Unsere Vermehrungs- und Anbaumethoden sind einzigartig und hoch effizient. Genau genommen ist das unser eigentlicher Marktvorsprung.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Was planen Sie an Anbaufl\u00e4che in den n\u00e4chsten Jahren, um den Bedarf zu decken?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Bedarf h\u00e4tten wir f\u00fcr 1.000 Hektar, aufgrund der enormen Nachfrage. Aber es geht nur Step by Step. Es braucht immer Kapital, wenn man expandiert. Und selbst wenn es vorhanden ist, braucht es Zeit, Pflanzen zu vermehren und wachsen zu lassen. Nat\u00fcrlich haben wir l\u00e4ngst Pl\u00e4ne, wie man diese beiden Faktoren in einen sinnvollen Zusammenhang bringen kann. Sobald die Zeit daf\u00fcr reif ist, werden wir sie umsetzen.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Gibt es in Europa schon Mitbewerber?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Noch gibt es keine Mitbewerber. Ans\u00e4tze dazu k\u00f6nnten aus den hoch gef\u00f6rderten Projekten entstehen. Es ist schwer zu sagen, ob daraus wirklich Mitbewerber hervorgehen, ich zweifle allerdings daran. Vor Kurzem gab es auf Bayern 3 eine Fernsehsendung, die den aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung dieser Projekte wiedergab. Ich habe anschlie\u00dfend sehr ruhig schlafen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Thema F\u00f6rdergelder: Wie kommt es, dass Ihre AG noch keinen Cent an F\u00f6rdergeldern f\u00fcr Nessel bekommen hat? Ist da nicht auch ein wenig falsch verstandener Stolz mit im Spiel?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Mit dem Stolz ist das so eine Sache. Keine Frage, wir sind schon sehr stolz darauf, was wir erreicht haben. Aber Stolz ist kein Grund, F\u00f6rdermittel auszuschlagen. Es liegt einzig an unserer Geschwindigkeit. Wenn man Innovationsf\u00fchrer bleiben will, um Marktf\u00fchrer zu werden, kann man sich nicht aufhalten lassen von langwierigen Antr\u00e4gen. Da verliert man schnell ein bis zwei Jahre und hat nie die Garantie, dass man auch gef\u00f6rdert wird. Also packt man es an und nutzt die Zeit.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Bedeutet das, Sie werden auch in Zukunft keine F\u00f6rderantr\u00e4ge schreiben?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Das w\u00e4re dann wirklich falsch verstandener Stolz. Nat\u00fcrlich haben wir l\u00e4ngst Antr\u00e4ge formuliert, nur &#8211; Zusagen haben wir immer noch keine. Die M\u00fchlen mahlen eben langsam. <\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Herr Kranz, Sie sind mit dem Ministerpr\u00e4sidenten von Niedersachsen im Rahmen einer Wirtschaftsdelegation in China gewesen. Herr Gabriel m\u00fcsste doch ein gesteigertes Interesse haben, die Stoffkontor Kranz AG gezielt zu f\u00f6rdern. Gibt es dazu etwas zu berichten?<\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Der Ministerpr\u00e4sident hat in der Vergangenheit deutlich signalisiert, dass ihm das Unternehmen am Herzen liegt. Ich gehe fest davon aus, dass Herr Gabriel sich f\u00fcr uns einsetzen wird, wenn er die M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr sieht und es f\u00fcr notwendig erachtet.<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Wann d\u00fcrfen die Aktion\u00e4re denn nun endlich mit den Brennnesselhemden rechnen, die Sie schon f\u00fcr letztes Jahr versprochen hatten?  <\/p>\n<p><b><i>Kranz: <\/i><\/b>Die ersten Hemden gehen Mitte Mai in den Versand. Auf der n\u00e4chsten HV w\u00fcrde ich dann gern alle Aktion\u00e4re in Nesselhemden sehen. Das w\u00e4re doch was!<\/p>\n<p><b>nova:<\/b> Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Autor und Gespr\u00e4chsf\u00fchrung: Klaus-Martin Meyer (nova)<br \/>\nEndredaktion: Marion Kupfer (nova)<br \/>\nQuelle: Interview mit Heinrich Kranz (Fa. <a HREF=\"http:\/\/www.stoffkontor-ag.de\/\" >Stoffkontor Kranz AG<\/a>) vom 2002-03-21.<\/p>\n<p>(Vgl. auch Meldung vom <a HREF=\"http:\/\/www.bio-based.eu\/cgi-bin\/mih\/artikel.pl?id=-ID-&#038;artikel=20011113-02.news\">2001-11-13<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>nova:<\/b> Herr Kranz, im Jahr 2000 hat die Stoffkontor Kranz AG in China wilde Nesseln geerntet. 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