{"id":53942,"date":"2018-06-22T07:32:25","date_gmt":"2018-06-22T05:32:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=53942"},"modified":"2018-06-20T15:33:54","modified_gmt":"2018-06-20T13:33:54","slug":"rezension-knowledge-driven-developments-in-the-bioeconomy-technological-and-economic-perspectives","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rezension-knowledge-driven-developments-in-the-bioeconomy-technological-and-economic-perspectives\/","title":{"rendered":"Rezension: \u201cKnowledge-Driven Developments in the Bioeconomy: Technological and Economic Perspectives\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Ein internationales Forschungsnetzwerk unter der Leitung der Universit\u00e4t Hohenheim beleuchtet das Konzept der wissensbasierten Bio\u00f6konomie aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Transformation unseres fossil-basierten Wirtschaftssystems \u2013 des Status quo \u2013 hin zu einem biobasierten, nachhaltigen Produktionssystem geht mit vielf\u00e4ltigen und komplexen Herausforderungen einher. Diese beschr\u00e4nken sich aufgrund der globalen Verflechtungen keineswegs nur auf einzelne L\u00e4nder oder Regionen. Gleichzeitig sind Innovationen und intensive Forschung unabdingbar, um das Konzept der Bio\u00f6konomie zu implementieren.<\/p>\n<p>Insgesamt sechs auf dem Bereich der Bio\u00f6konomie f\u00fchrende Universit\u00e4ten aus Deutschland, Brasilien, Mexiko, Kanada und D\u00e4nemark haben sich im strategischen Netzwerk \u201eBio-based Economy (BECY)\u201c unter der Leitung der Universit\u00e4t Hohenheim zusammengeschlossen, um die Forschung und internationale Kooperation in diesem Bereich voranzutreiben1. Gemeinsam mit weiteren Experten auf dem Gebiet hat das Netzwerk nun ein Buch herausgegeben, in dem aktuelle Forschungsergebnisse dargestellt und Handlungsempfehlungen gegeben werden.<\/p>\n<p>Und genau das ist es, was f\u00fcr die Etablierung der Bio\u00f6konomie notwendig ist. Denn rein technische Innovationen reichen laut Pyka f\u00fcr die Umstellung auf ein biobasiertes Produktionssystem nicht aus. Auch politische und sozio\u00f6konomische Faktoren spielen eine bedeutende Rolle und geben meist den entscheidenden Ansto\u00df zum Wandel. Als Beispiel nennt der Forscher das Aufkommen der sogenannten \u201eSharing Economy\u201c, bei der sich Konsumenten G\u00fcter teilen anstatt sie individuell zu kaufen. Auf diesen gesellschaftlichen Trend reagiere die Industrie wiederum mit nachhaltigerem Produktdesign und die sogenannte geplante Obsoleszenz verliere an Bedeutung. Es entst\u00fcnden neue digitale Plattformen und Wirtschaftssektoren (z.B. im Bereich Reparatur\/Wartung). Weiterhin sieht Pyka politische Akteure in der Pflicht, wirtschaftliche Entwicklungen nicht nur zu regulieren, sondern sie auch bewusst zu steuern. Beispielsweise, indem Anreize f\u00fcr ein kooperatives Wirtschaftssystem geschaffen werden, welches Wissenstransfer und Netzwerke zwischen Unternehmen und Konsumenten und damit verbundene Synergien f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Einen Blick in die Zukunft wirft Dr. Pier Paolo Saviotti von der Utrecht University in den Niederlanden in seinem Beitrag \u201eStructural Change, Knowledge and the Bioeconomy\u201c. Er beschreibt, welche strukturellen Ver\u00e4nderungen im Zuge der Bio\u00f6konomie sowohl auf nationaler als auch auf geopolitischer Ebene zu erwarten sind. So geht Saviotti davon aus, dass bestimmte, fossil-basierte Industriezweige verschwinden, w\u00e4hrend neue (z.B. im Bereich Molekularbiologie) entstehen werden. Gleichzeitig w\u00fcrden Biomasse-Produzenten im Gegensatz zu Erd\u00f6l- oder Kohle-Produzenten von dem Wandel profitieren \u2013 ein struktureller Wandel also, der auch geopolitisches Konfliktpotenzial birgt. Gleichzeitig merkt Saviotti an, dass die Bio\u00f6konomie eigentlich ein altes Konzept ist, welches vor der industriellen Revolution den Status quo darstellte. Er sch\u00e4tzt, dass eine Umstellung unseres Wirtschaftssystems wieder hin zu bio\u00f6konomischen Prinzipien selbst unter g\u00fcnstigsten Bedingungen noch mindestens das gesamte 21. Jahrhundert andauern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Den Grund daf\u00fcr beschreibt Hugo de Vries von der University of Montpellier treffend. Er spricht von einem Paradox der Bio\u00f6konomie und meint damit die komplexe Aufgabe, \u00f6konomisches Wachstum mit sozialen und umweltrelevanten Belangen zu verkn\u00fcpfen. In seinem Beitrag \u201eSome thoughts about the Bio-economy as Intelligently Navigated Complex Adaptive System\u201c stellt er ein Modell vor, welches helfen soll, die Komplexit\u00e4t des Problems zu verstehen und daraus konkrete Handlungsanweisungen f\u00fcr die Innovationsforschung abzuleiten.<\/p>\n<p>Ausgehend von diesen theoretischen und eher allgemeinen \u00dcberlegungen aus dem ersten Teil des Buches, werden im zweiten Teil einzelne L\u00e4nder oder Regionen und die spezifische Situation bez\u00fcglich der Bio\u00f6konomie dargestellt. W\u00e4hrend die ersten beiden Beitr\u00e4ge einen \u00dcberblick \u00fcber regionale und nationale Unterschiede in der EU beziehungsweise in Zentralamerika geben, werden anschlie\u00dfend in vier Beitr\u00e4gen Brasilien, Tasmanien, Malaysien und D\u00e4nemark im Speziellen behandelt.<\/p>\n<p>Noch spezifischer wird es im dritten Kapitel des Buches, welches sich mit der Bereitstellung der Biomasse f\u00fcr eine biobasierte Wirtschaft besch\u00e4ftigt. Die Co-Herausgeberin Prof. Dr. Iris Lewandowski (Universit\u00e4t Hohenheim) diskutiert in ihrem Beitrag die Frage, ob und wie die globale Biomasseproduktion nachhaltig der steigenden Nachfrage im Rahmen der Bio\u00f6konomie angepasst werden kann. In den folgenden Beitr\u00e4gen werden drei Kulturpflanzen dargestellt, die eine Schl\u00fcsselrolle in der Bio\u00f6konomie einnehmen: Zuckerrohr, Eukalyptus und Mais. W\u00e4hrend bei Zuckerrohr und Eukalyptus in Brasilien vor allem die energetische Nutzung (Biotreibstoff, Energie) vorherrscht, werden in Kanada biobasierte Kunststoffe aus Mais gewonnen.<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel geht es schlie\u00dflich um die Umsetzung der theoretischen Ans\u00e4tze in innovative Wertsch\u00f6pfungsketten und Technologien. Diesbez\u00fcglich wird zun\u00e4chst der aktuelle Stand der Forschung dargestellt, bevor konkrete Handlungsanweisungen zum Management biobasierter Wertsch\u00f6pfungsketten gegeben werden. Au\u00dferdem wird anhand eines Fallbeispiels aus Costa Rica gezeigt, wie aus regionaler Biomasse (hier Kuhdung) \u00f6konomisch und \u00f6kologisch nachhaltig Energie und organischer D\u00fcnger gewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Buch \u201cKnowledge-Driven Developments in the Bioeconomy: Technological and Economic Perspectives\u201d h\u00e4lt, was der Titel verspricht und widmet sich auf insgesamt \u00fcber 300 Seiten dem Konzept der Bio\u00f6konomie aus unterschiedlichen Perspektiven. Angefangen bei theoretischen, konzeptionellen \u00dcberlegungen zur Bio\u00f6konomie aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive \u00fcber die Diskussion der Bedeutung politischer und sozio\u00f6konomischer Rahmenbedingungen anhand verschiedener L\u00e4nder und Regionen bis hin zu spezifischen, technischen Fragestellungen hinsichtlich der nachhaltigen Bereitstellung von Biomasse und schlie\u00dflich der Darstellung aktueller Anwendungsbeispiele \u2013 allen Teilaspekten der Bio\u00f6konomie wird in dem Werk Rechnung getragen. Damit folgt es dem holistischen Ansatz, welcher zentraler Bestandteil des Bio\u00f6konomie-Konzeptes ist2, und wird gleichzeitig zur Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr alle Experten und Neueinsteiger auf dem Gebiet der Bio\u00f6konomie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Literatur:<\/h3>\n<p>1. Universit\u00e4t Hohenheim BECY. Available at: <a href=\"https:\/\/becy.uni-hohenheim.de\" target=\"_blank\">https:\/\/becy.uni-hohenheim.de<\/a>\/. Zugegriffen April 28, 2018.<\/p>\n<p>2. Dieckhoff P. Auf Dem Weg Zur Biobasierten Wirtschaft. Berlin; 2016.<\/p>\n<p>3. Dabbert S., Lewandowksi I., Weiss J., Pyka A. Knowledge-Driven Developments in the Bioeconomy: Technological and Economic Perspectives. 2017:325.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein internationales Forschungsnetzwerk unter der Leitung der Universit\u00e4t Hohenheim beleuchtet das Konzept der wissensbasierten Bio\u00f6konomie aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Transformation unseres fossil-basierten Wirtschaftssystems \u2013 des Status quo \u2013 hin zu einem biobasierten, nachhaltigen Produktionssystem geht mit vielf\u00e4ltigen und komplexen Herausforderungen einher. Diese beschr\u00e4nken sich aufgrund der globalen Verflechtungen keineswegs nur auf einzelne L\u00e4nder oder Regionen. 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