{"id":53249,"date":"2018-06-04T07:20:06","date_gmt":"2018-06-04T05:20:06","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=53249"},"modified":"2018-05-30T16:11:05","modified_gmt":"2018-05-30T14:11:05","slug":"umweltforscher-ueber-eu-plastikstrategie-plastik-ist-nicht-gut-oder-boese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltforscher-ueber-eu-plastikstrategie-plastik-ist-nicht-gut-oder-boese\/","title":{"rendered":"Umweltforscher \u00fcber EU-Plastikstrategie: \u201ePlastik ist nicht gut oder b\u00f6se\u201c"},"content":{"rendered":"<p>taz: Herr Wilts, sind Strohhalme, Ballonst\u00e4be und Plastikbesteck ein so gro\u00dfes Umweltproblem, dass wir sie verbieten m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Henning Wilts: Es ist wichtig, dass die Kommission das Thema Plastikm\u00fcll aufgreift. Aber die vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen gelten nur f\u00fcr 1 Prozent des Abfalls, die anderen 99 Prozent werden nicht erfasst, den Mitgliedsl\u00e4ndern \u00fcberlassen oder mit langen \u00dcbergangsfristen versehen.<\/p>\n<p>Was bleibt au\u00dfen vor?<\/p>\n<p>Alle Kunststoffe, die in Verpackungen, im Bau, in Autos und in Elektronikprodukten eingesetzt werden. Statt daf\u00fcr L\u00f6sungen zu finden, diskutieren wir \u00fcber Verbote von Ballonsticks oder Warnhinweisen auf Tamponpackungen. Da ist auch viel Aktionismus und Show dabei.<\/p>\n<p>Es geht ihr vor allem darum, die Str\u00e4nde sauberer zu bekommen. Dort liegen \u00fcberwiegend 0,3-Liter-Flaschen aus dem Kunststoff PET, und die geht die Kommission gerade nicht an. In Deutschland gibt es daf\u00fcr ein gutes Pfandsystem mit Sammelquoten von \u00fcber 95 Prozent. Das ist aber sehr b\u00fcrokratisch und teuer \u2013 und die anderen Mitgliedstaaten sollen bis 2025 Zeit bekommen, etwas \u00c4hnliches einzuf\u00fchren. Das dauert zu lange.<\/p>\n<p>Bilder der gro\u00dfen M\u00fcllstrudel in den Ozeanen erschrecken viele Verbraucher. Tr\u00e4gt die Plastikstrategie dazu bei, dieses Problem zu l\u00f6sen?<\/p>\n<p>Die M\u00fcllstrudel sind erschreckend, bestehen aber \u00fcberwiegend nicht aus unserem M\u00fcll, sondern zu \u00fcber 90 Prozent aus einer Hand voll asiatischer L\u00e4nder ohne eine geregelte Abfallentsorgung. Allerdings ist es nat\u00fcrlich auch Plastikabfall, der bei der Herstellung der Produkte anf\u00e4llt, die wir dann billig aus diesen L\u00e4ndern importieren.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnte man f\u00fcr weniger Plastikm\u00fcll in Europa sorgen?<\/p>\n<p>Mit deutlicheren Anreizen f\u00fcr die Hersteller, weniger Verpackungen einzusetzen. Zwei Drittel unseres Kunststoffm\u00fclls sind Verpackungen, und es gibt immer mehr davon. In Deutschland hat sich das Verpackungsaufkommen von 1995 bis 2015 pro Kopf verdoppelt \u2013 eine v\u00f6llig falsche Entwicklung. Sinnvoll w\u00e4re also vorzuschreiben, dass wir sehr schnell nur noch recycelbare Verpackungen einsetzen. In Deutschland m\u00fcssen jetzt schon Hersteller oder Superm\u00e4rkte, die Plastikverpackungen verkaufen, Geb\u00fchren f\u00fcr die Entsorgung bezahlen. Wir k\u00f6nnten diejenigen finanziell entlasten, die auf Verpackungen verzichten. Daf\u00fcr m\u00fcssten die mehr zahlen, die weiter auf Sch\u00e4lchen und Folien setzen.<\/p>\n<p>Was halten Sie von der Plastiksteuer von Haushaltskommissar G\u00fcnther Oettinger?<\/p>\n<p>Nicht viel. Plastik ist nicht per se gut oder b\u00f6se \u2013 es kommt dar\u00adauf an, wie wir es verwenden. Es ist gut, wenn Autos durch Kunststoffbauteile leichter werden und weniger Sprit verbrauchen. Alufolie etwa verursacht viel dramatischere Umweltprobleme als Plastik. Sinnvoll w\u00e4re daher eine Materialsteuer auf alle prim\u00e4ren Rohstoffe, die aus Bergwerken oder Bohrl\u00f6chern stammen und nicht aus Recycling. Wir m\u00fcssen insgesamt weniger Rohstoffe verbrauchen.<\/p>\n<p>Die biobasierten Kunststoffe etwa aus Mais oder R\u00fcben hat die EU-Kommission zum Gl\u00fcck schon ausgeschlossen, das war sehr wichtig. Es n\u00fctzt nichts, wenn wir f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Pflanzenproduktion die Regenw\u00e4lder abholzen. Alternativen k\u00f6nnen nur wiederverwertbare und langlebige L\u00f6sungen sein wie Mehrweg.<\/p>\n<p>Oder Papiert\u00fcten und Einweg-Geschirr aus Bambus?<\/p>\n<p>Die sind im Durchschnitt nicht besser als die aus Plastik. Sie landen nicht im Meer, verbrauchen aber mehr Ressourcen bei der Herstellung. Am schlimmsten w\u00e4re es, wenn Plastikl\u00f6ffel durch d\u00fcnne Alu-L\u00f6ffel ersetzt w\u00fcrden. Dann w\u00e4re gar nichts gewonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>taz: Herr Wilts, sind Strohhalme, Ballonst\u00e4be und Plastikbesteck ein so gro\u00dfes Umweltproblem, dass wir sie verbieten m\u00fcssen? 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