{"id":52414,"date":"2018-05-04T07:20:11","date_gmt":"2018-05-04T05:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=52414"},"modified":"2018-05-02T15:06:43","modified_gmt":"2018-05-02T13:06:43","slug":"bierhefe-als-problemloeser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bierhefe-als-problemloeser\/","title":{"rendered":"Bierhefe als Probleml\u00f6ser"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Abbau des lebensnotwendigen Mineralstoffs Phosphor birgt nach Ansicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) viele Probleme: Oft liegen die Vorkommen in L\u00e4ndern mit schwieriger politischer Lage, ihre F\u00f6rderung belastet die Umwelt und ben\u00f6tigt viel Energie. Zudem ist das abgebaute Rohphosphat vielfach mit Schwermetallen belastet. Deshalb wird es immer wichtiger, den Stoff, beispielsweise aus Kl\u00e4rschlamm, zur\u00fcckzugewinnen. Versch\u00e4rfte gesetzliche Vorgaben f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere deutsche Kl\u00e4ranlagen werden sp\u00e4testens in ein paar Jahren kommen. Das Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ, Leipzig) verfolgt einen speziellen Weg, bei dem Bierhefe dazu beitr\u00e4gt, Phosphor aus Kl\u00e4rschlamm wieder als D\u00fcnger zur Verf\u00fcgung zu stellen. Nachdem das Verfahren in einem ersten Projekt erfolgreich im Labor getestet worden war, soll es nun in einer Kl\u00e4ranlage des <a href=\"https:\/\/www.azv-mm.de\/\" target=\"_blank\">Abwasserzweckverbandes \u201aMittlere Mulde\u2018<\/a> (Eilenburg) erprobt werden. Beide Vorhaben werden fachlich und finanziell mit insgesamt rund 473.000 Euro von der DBU gef\u00f6rdert.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_52416\" aria-describedby=\"caption-attachment-52416\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.dbu.de\/123artikel37578_2442.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-52416 \" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/phpThumb_generated_thumbnail-300x264.jpg\" alt=\"phpThumb_generated_thumbnail\" width=\"280\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/05\/phpThumb_generated_thumbnail-300x264.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/05\/phpThumb_generated_thumbnail-600x527.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/05\/phpThumb_generated_thumbnail.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-52416\" class=\"wp-caption-text\">Techniker Florian Schattenberg misst im Labor die Phosphorkonzentration in verschiedenen Abwasserproben. (Techniker Florian Schattenberg misst im Labor die Phosphorkonzentration in verschiedenen Abwasserproben (\u00a9 Christine S\u00fcring\/UFZ)<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Kl\u00e4rschlamm und Hefe ergibt phosphorhaltigen D\u00fcnger<\/h3>\n<p>Phosphor sei beispielsweise f\u00fcr das Wachstum von Pflanzen zentral, weshalb gro\u00dfe Mengen davon als D\u00fcnger in der Landwirtschaft eingesetzt w\u00fcrden, erl\u00e4utert DBU-Referent f\u00fcr Biotechnologie, Dr. Hans-Christian Schaefer. Menschen w\u00fcrden Phosphor mit der Nahrung aufnehmen, sp\u00e4ter werde er ausgeschieden und gelange \u00fcber das Abwasser in die Kl\u00e4ranlage. Ihn \u00fcber den Kl\u00e4rschlamm wieder auf den Acker zu bringen, sei bald nicht mehr m\u00f6glich, da dieser aufgrund der enthaltenen Schadstoffe nicht mehr in der Landwirtschaft verwendet werden darf. Schaefer: \u201eDeshalb muss in Deutschland zuk\u00fcnftig der Phosphor aus dem Schlamm der Kl\u00e4ranlagen zur\u00fcckgewonnen werden, wenn in ihrem Einzugsgebiet mehr als 100.000 Einwohner, sp\u00e4ter 50.000 leben. So kann der Phosphor gezielt wieder in den Kreislauf zur\u00fcckgegeben werden.\u201c Dazu testete das UFZ sein zweistufiges, f\u00fcr kleinere Anlagen geeignetes Verfahren im ersten Projekt zun\u00e4chst im Labor. Der Kl\u00e4rschlamm sei dabei unter Ausschluss von Luft in Wasser gegeben worden, sodass sich der Phosphor darin l\u00f6ste. Dieses Wasser komme dann in einen Beh\u00e4lter mit der Hefe, die den Phosphor aufnehme, aber nicht die im Kl\u00e4rschlamm enthaltenen Schadstoffe, und anschlie\u00dfend als D\u00fcnger genutzt werden k\u00f6nne. \u201eAu\u00dfer dem Reststoff Hefe, der als Abfall in Brauereien anf\u00e4llt, ben\u00f6tigt das Verfahren keine chemischen Zus\u00e4tze, ein gro\u00dfer Vorteil gegen\u00fcber bisherigen Verfahren\u201c, unterstreicht Projektleiterin Prof. Dr. Susann M\u00fcller vom UFZ. Auch sei weniger Energie erforderlich.<\/p>\n<h3>N\u00e4chster Schritt: Verfahren in einer Kl\u00e4ranlage testen<\/h3>\n<p>Nachdem das Verfahren im Labor erfolgreich gepr\u00fcft worden war, soll es nun im Folgeprojekt beim Projektpartner, dem Abwasserzweckverband \u201aMittlere Mulde\u2018 in Eilenburg, im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab unter realen Bedingungen getestet und weiterentwickelt werden. 3.000 Liter Kl\u00e4rschlamm w\u00fcrden dann pro Durchgang bearbeitet. Dabei sollen auch die im vorangegangenen Projekt entwickelten Sensoren des Projektpartners Centec (Maintal) weiter verbessert werden. Sie messen, wie viel Phosphor sich in den einzelnen Hefeorganismen ansammelt. \u201eErstmals erm\u00f6glichen die Sensoren es, den Vorgang online und ohne den Einsatz von weiteren Chemikalien zu \u00fcberwachen\u201c, unterstreicht M\u00fcller. Zwar sei f\u00fcr das Verfahren eine Brauerei in der N\u00e4he n\u00f6tig, und der Einsatz der mit Phosphor angereicherten Hefe als D\u00fcnger werfe noch einige Fragen auf. Doch die Dringlichkeit des Themas gebiete es, umweltschonende L\u00f6sungen f\u00fcr das globale Problem zu finden. Und dieses Verfahren k\u00f6nne seinen Beitrag dazu leisten, so Schaefer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Zum Hintergrund:<\/h3>\n<p>Phosphor ist Teil unserer Lebensgrundlage und kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. Er ist beispielsweise zentral f\u00fcr das Wachstum von Pflanzen, weshalb gro\u00dfe Mengen davon als D\u00fcnger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Bisher wird Phosphor in Tagebauen abgebaut. Doch das hat gro\u00dfe Auswirkungen auf die Umwelt, findet h\u00e4ufig in L\u00e4ndern mit schwieriger politischer Lage statt und ben\u00f6tigt viel Energie. Zudem ist er h\u00e4ufig mit Schadstoffen belastet. \u00dcber unsere Ern\u00e4hrung landet ein gro\u00dfer Teil des Phosphors schlie\u00dflich im Kl\u00e4rschlamm. Dieser kann jedoch nicht mehr ohne weiteres in der Landwirtschaft wiederverwendet werden, da er h\u00e4ufig zu viele Schadstoffe enth\u00e4lt. Zwar gibt es alternative R\u00fcckgewinnungs-Verfahren. Sie ben\u00f6tigen jedoch gro\u00dfe Mengen Chemikalien und Energie.<\/p>\n<p>So lange Phosphor nicht wiederverwendet wird, besteht die Gefahr, eine der von internationalen Experten definierten Belastungsgrenzen des Erdsystems zu \u00fcberschreiten und die Chance zu verpassen, die 2015 beschlossenen globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen langfristig zu erreichen. Sie sollen eine nachhaltige Entwicklung auf \u00f6konomischer, sozialer sowie \u00f6kologischer Ebene sichern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt (Projekt AZ 32062\/33960):<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Susann M\u00fcller<br \/>\nTel. 034-235-1318<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:susann.mueller@ufz.de\" target=\"_blank\">susann.mueller@ufz.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abbau des lebensnotwendigen Mineralstoffs Phosphor birgt nach Ansicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) viele Probleme: Oft liegen die Vorkommen in L\u00e4ndern mit schwieriger politischer Lage, ihre F\u00f6rderung belastet die Umwelt und ben\u00f6tigt viel Energie. Zudem ist das abgebaute Rohphosphat vielfach mit Schwermetallen belastet. Deshalb wird es immer wichtiger, den Stoff, beispielsweise aus Kl\u00e4rschlamm, zur\u00fcckzugewinnen. 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