{"id":52326,"date":"2018-05-02T07:20:03","date_gmt":"2018-05-02T05:20:03","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=52326"},"modified":"2018-04-28T11:50:50","modified_gmt":"2018-04-28T09:50:50","slug":"kenias-strenges-verbot-von-plastiktaschen-einigen-fehlt-die-tuete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kenias-strenges-verbot-von-plastiktaschen-einigen-fehlt-die-tuete\/","title":{"rendered":"Kenias strenges Verbot von Plastiktaschen &#8211; Einigen fehlt die T\u00fcte"},"content":{"rendered":"<p>Bis zu vier Jahre Gef\u00e4ngnis \u2013 oder eine Geldstrafe von 40.000 US-Dollar \u2013 das droht Menschen, die in Kenia Plastikt\u00fcten herstellen oder importieren. Strafbar macht sich sogar, wer dabei erwischt wird, eine Plastikt\u00fcte zu benutzen; ankommenden TouristInnen werden die T\u00fcten aus dem Duty-Free-Shop noch am Flughafen abgekn\u00f6pft. \u00dcber 50 Menschen sollen allein im Februar deswegen festgenommen worden sein.<\/p>\n<p>Ein H\u00e4ndler, der in Plastikt\u00fcten eingepackte H\u00fchnerk\u00f6pfe auf dem Markt verkaufte, wurde zu einer Geldstrafe verdammt, die so hoch ist wie sein Lohn von sechs Wochen. Das alles ist Teil eines neuen Gesetzes zur Verbannung von Plastikt\u00fcten, das vor acht Monaten in Kraft trat \u2013 nach dreij\u00e4hriger Vorlaufzeit und nach zwei gescheiterten Versuchen. Es gilt als das weltweit strikteste Gesetz seiner Art.<\/p>\n<p>Vor dem Verbot gebrauchten KenianerInnen sch\u00e4tzungsweise 100 Millionen Plastikt\u00fcten pro Jahr. \u00dcberall herumliegende, sich in B\u00e4umen und Str\u00e4uchern verfangende Plastikfetzen geh\u00f6rten wie selbstverst\u00e4ndlich zum Stra\u00dfenbild. In manchen Slum-Siedlungen stand der Plastik-M\u00fcll meterhoch. Wasserwege wurden durch Plastikt\u00fcten blockiert. In Fischernetzen verfingen sich die T\u00fcten. Tiere erstickten regelm\u00e4\u00dfig an ihnen \u2013 oder verhungerten, weil Plastikt\u00fcten ihren Magen verstopften.<\/p>\n<p>In Schlachth\u00f6fen fand man bei drei von zehn geschlachteten Tieren Plastikt\u00fcten im Verdauungssystem, zitiert der Guardian den kenianischen Beamten David Ong&#8217;are, der f\u00fcr die Implementierung des neuen Gesetzes verantwortlich ist. Heute, acht Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes, sei das nur noch bei einem von von zehn Tieren der Fall. Aktuell evaluiere die Regierung die allgemeinen Auswirkungen der Initiative, so Ong&#8217;are. Er freue sich \u00fcber eine allgemein h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t, sagte er dem Guardian weiter. Viele KeniaerInnen teilen diese Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Keine \u201eFlying Toilets\u201c mehr<br \/>\nAuf der anderen Seite gibt es nicht wenige Menschen mit gemischten Gef\u00fchlen \u2013 von den Herstellern von Plastikt\u00fcten gar nicht zu sprechen (176 Firmen mussten laut der Website Business Daily Africa schlie\u00dfen). Auch viele Verk\u00e4uferInnen \u00e4rgern sich, weil sie nun nicht mehr wissen, wie sie ihre Waren einpacken sollen. Stofftaschen seien sechsmal teurer als Plastikt\u00fcten, sagt eine kenianische H\u00e4ndlerin dem Guardian. Und dass sie entt\u00e4uscht sei \u00fcber die Regierung \u2013 diese k\u00f6nne sie doch zum Beispiel durch Subventionen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Samuel Matonda von der Kenyan Manufacterers Association sch\u00e4tzt, dass das neue Gesetz 100.000 Jobs gekostet habe \u2013 nicht nur bei den Herstellern von Plastikt\u00fcten, sondern auch bei Firmen, die auf Plastik als Verpackung f\u00fcr ihre Waren angewiesen seien. Einige Firmen sind zwar von dem Gesetz ausgenommen, aber scheinbar nicht genug. Zurzeit werden weitere Ausnahmen diskutiert.<\/p>\n<p>Weil die wenigsten Slum-BewohnerInnen Zugang zu einer Toilette haben, verrichteten bisher viele ihr Gesch\u00e4ft in Plastikt\u00fcten, was man \u201eFlying Toilet\u201c nennt. Die T\u00fcte wurde danach zugeknotet und in die Pampa oder auf ein Blechdach geschleudert. Immer wieder platzten die T\u00fcten, und der Inhalt quoll hervor unter entsetzlichem Gestank \u2013 nicht nur unangenehm, sondern auch wegen Krankheitserregern medizinisch nicht unbedenklich.<\/p>\n<p>Wiederholt wird diskutiert, ob Plastikt\u00fcten Malaria-Ausbr\u00fcche beg\u00fcnstigen k\u00f6nnten \u2013 daf\u00fcr m\u00fcssen sie \u00fcberhuapt nicht mit Kot verschmutzt sein. Allein ihr Material gilt als g\u00fcnstige Brutst\u00e4tte f\u00fcr den Erreger, so Forscher. Dass \u201eFlying Toilets\u201c jetzt ebenfalls verboten sind, ist ein Problem. Weil es keine wirklichen Alternativen gibt. Die Betreiber \u00f6ffentlicher Toiletten freuen sich \u00fcber steigende Einnahmen. Viele bieten monatliche Toilettenp\u00e4sse an. Was allerdings die machen, die sich das nicht leisten k\u00f6nnen, ist unklar.<\/p>\n<p>Pro Kopf von 68 auf 45 T\u00fcten pro Jahr reduziert<br \/>\nDennoch: Die positiven Effekte sind offensichtlich, und viele L\u00e4nder wollen es Kenia nun gleich tun \u2013 so zum Beispiel Uganda, Tansania, Burundi, S\u00fcdsudan und Ruanda, das bereits strenge, aber noch nicht so weit gehende Vorschriften wie Kenia hat. In rund 40 L\u00e4ndern weltweit, davon in \u00fcber zwanzig in Afrika, gibt es bereits Verbote oder zumindest teilweise Verbote zum Gebrauch von Plastikt\u00fcten.<\/p>\n<p>Bereits 2002 hat Bangladesch ein absolutes Verbot erlassen. Die indische Hauptstadt Neu Delhi hat 2017 alle m\u00f6glichen wegwerfbaren Plastik-Gegenst\u00e4nde, darunter auch T\u00fcten, verbannt. So auch der s\u00fcdindische Bundesstaat Karnataka sowie, in Teilen, die Bundesstaaten Goa, Jammu und Kashmir und Gujarat. Kerala hingegen kauft B\u00fcrgern ihren Plastikm\u00fcll ab, um damit Stra\u00dfen zu asphaltieren. Die aus Plastik hergestellte Mischung sei widerstandsf\u00e4higer und robuster als herk\u00f6mmlicher Asphalt, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>In Deutschland sind Plastikt\u00fcten noch nicht verboten. Aber zumindest in L\u00e4den kostenpflichtig \u2013 und zwar seit 2016. Das lie\u00df den Verbrauch laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) in nur einem Jahr (2016) von 5,6 Milliarden auf 3,6 Milliarden St\u00fcck sinken, wie die S\u00fcddeutsche Zeitung berichtete. Pro Kopf habe das den Verbrauch von 68 auf 45 T\u00fcten pro Jahr reduziert. Ein Fortschritt, aber noch nicht ausreichend: Die EU will, dass jede(r) EU-B\u00fcrgerIn bis 2025 nur noch maximal 40 St\u00fcck pro Jahr benutzt.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark erw\u00e4gt Pfand auf Plastikt\u00fcten<br \/>\nIn D\u00e4nemark wird gerade \u00fcber einen Pfand auf Plastikt\u00fcten in Superm\u00e4rkten nachgedacht. Auch Gro\u00dfbritannien erhebt eine Geb\u00fchr auf Plastikt\u00fcten, was den Gebrauch um 80 Prozent gedrosselt haben soll, berichtete der Independent j\u00fcngst. Einigen Kunden in der englischen Stadt Bath geht das noch nicht weit genug. Sie verabredeten sich k\u00fcrzlich zu einer Plastic Attack in einem Supermarkt, bei der sie Produkte aus ihren Plastikverpackungen rissen und den gesammelten Plastikm\u00fcll in Einkaufswagen an der Kasse deponierten. Damit forderten sie eine komplette Verbannung des Plastiks.<\/p>\n<p>Auch die Vereinten Nationen sind alarmiert und finden, es sei allerh\u00f6chste Zeit, dass wir vom Plastik wegkommen. Sie haben gerade ausgerechnet, dass sich bis 2050 mehr Plastikm\u00fcll als Fischbest\u00e4nde in den Weltmeeren befinden werden, wenn wir nicht schnell etwas \u00e4ndern. Und Wissenschaftler haben herausgefunden, dass in einem Liter Meereis teilweise mehr als 12.000 Mikroplastik-Teilchen steckten.<\/p>\n<p>Umdenken m\u00fcssen wir auch, weil es immer schwerer werden wird, Plastikm\u00fcll zu recyceln. Viele L\u00e4nder lie\u00dfen das bislang von China erledigen. Nur macht da China nicht l\u00e4nger mit: Es hat Plastikimporte offiziell untersagt. Und wenn schon China \u2013 bislang nicht gerade als Vordenker in Umweltfragen bekannt \u2013 so weit ist, nein zu sagen, will das durchaus was hei\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zu vier Jahre Gef\u00e4ngnis \u2013 oder eine Geldstrafe von 40.000 US-Dollar \u2013 das droht Menschen, die in Kenia Plastikt\u00fcten herstellen oder importieren. 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