{"id":52203,"date":"2018-04-27T07:26:18","date_gmt":"2018-04-27T05:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=52203"},"modified":"2018-04-25T14:22:26","modified_gmt":"2018-04-25T12:22:26","slug":"muell-im-meer-plastik-verdreckt-die-arktis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/muell-im-meer-plastik-verdreckt-die-arktis\/","title":{"rendered":"M\u00fcll im Meer: Plastik verdreckt die Arktis"},"content":{"rendered":"<p>Die Verschmutzung der Meere mit Plastik ist auch in der Arktis zum Problem geworden. Dass die Region um den Nordpol immer mehr zur globalen M\u00fcllkippe wird, hatten schon verschiedene Untersuchungen gezeigt. Doch Forscher haben nun ein bisher unbekanntes Ausma\u00df von Mikroplastik im arktischen Meereis entdeckt &#8211; das sind Kunststoffteilchen unter f\u00fcnf Millimetern Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Mit Hilfe spektrometrischer Untersuchungen sei eine Rekordkonzentration in verschiedenen Eisproben nachgewiesen worden, berichteten Experten des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven. Zum Teil seien bei den Tests mehr als 12.000 Mikroplastikteilchen pro Liter Meereis gefunden worden.<\/p>\n<p>Die Forscher untersuchten Proben aus f\u00fcnf verschiedenen Regionen um den Nordpol, die bei Expeditionen des Forschungseisbrechers &#8220;Polarstern&#8221; 2014 und 2015 eingesammelt worden waren. Erstmals nutzten sie f\u00fcr die Analyse nach eigenen Angaben ein spezielles Infrarotspektrometer, das auch Partikel mit Durchmessern von nur elf Mikrometern nachweisen kann. Haare sind etwa sechsmal so dick.<\/p>\n<p>Auf diese Weise sei eine zwei- bis dreimal so hohe Konzentration von Mikroplastik in den Proben gefunden worden als bei fr\u00fcheren Untersuchungen, berichtet AWI-Wissenschaftler Gunnar Gerdts, in dessen Labor die Messungen erfolgten. \u00dcberraschenderweise seien zwei Drittel der Kunststoffteilchen in den Proben der kleinsten Kategorie mit einer Gr\u00f6\u00dfe unter 50 Mikrometer zuzuordnen gewesen.<\/p>\n<p>Bei den in der Wissenschaftszeitschrift <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-018-03825-5\" target=\"_blank\">&#8220;Nature Communications&#8221; ver\u00f6ffentlichten<\/a> Untersuchungen gelang es den Experten auch, den chemischen Fingerabdruck der Partikel aus den Eisschollen zu analysieren und deren wahrscheinliche Herkunft zu kl\u00e4ren: Sie fanden 17 Kunststoffarten. Darunter waren Verpackungsmaterialien wie Polyethylen und Polypropylen, aber auch Lacke oder Nylon sowie Celluloseazetat. Daraus bestehen etwa Zigarettenfilter.<\/p>\n<p>In Schollen, die in dem mit dem Pazifik verbundenen Kanadischen Becken schwammen, fand sich demnach besonders viel Polyethylen. Die Forscher vermuten, dass es sich um Reste von Verpackungen handelt, die im sogenannten Nordpazifischen M\u00fcllstrudel trieben. In Eisproben aus den Meeren vor der nordrussischen Arktisk\u00fcste entdeckten sie im Gegensatz dazu vor allem Lackpartikel von Schiffsanstrichen und Nylonreste, die von Fischernetzen stammen.<\/p>\n<p>Die Mikroplastikkonzentration sei also nicht mehr nur auf Quellen au\u00dferhalb der Arktis zur\u00fcckzuf\u00fchren, berichtete die AWI-Biologin Ilka Peeken. Der zunehmende Schiffsverkehr und der Fischfang hinterlie\u00dfen inzwischen ebenfalls deutliche Spuren. &#8220;Sie deuten auf lokale Verschmutzungen in der Arktis hin.&#8221;<\/p>\n<p>Dank ihrer Untersuchungen konnten die Forscher auch nachvollziehen, wie das Meereis Mikroplastik durch die Region transportiert. Die Eisschollen treiben demnach mit der Eisdrift durch die Arktis und wachsen in dieser Zeit. Das dabei aufgenommene Plastik binden sie nach Angaben der Forscher in verschiedenen Schichten f\u00fcr zwei bis elf Jahre. Dann erreichen sie irgendwann die Framstra\u00dfe bei Gr\u00f6nland und schmelzen. Das bedeute im Umkehrschluss auch, dass dieses Meeresgebiet stark mit Mikroplastik belastet werde.<\/p>\n<p>Gerade der hohe Anteil sehr kleiner Kunststoffteilchen besorgt die Experten. Da mehr als die H\u00e4lfte der Partikel eine Gr\u00f6\u00dfe von weniger als einem Zwanzigstel eines Millimeters habe, k\u00f6nnten die Teilchen problemlos von Ruderfu\u00dfkrebsen und Wimperntierchen gefressen werden.<\/p>\n<p>Bislang sei unklar, ob die Teilchen schaden. &#8220;Wir wissen aber inzwischen aus vielen Laborstudien, dass zum Beispiel Muscheln Entz\u00fcndungsreaktionen und Fische Verhaltens\u00e4nderungen zeigen&#8221;, sagte Mitautorin Melanie Bergmann vom AWI. &#8220;Andere Tiere fressen und wachsen weniger und k\u00f6nnen sich weniger erfolgreich fortpflanzen.&#8221;<\/p>\n<p>Zudem ist sehr wahrscheinlich, dass die Plastikreste relativ schnell in Richtung Meeresboden absinken. Das liegt laut AWI-Fachleuten daran, dass sie von Algen und Bakterien besiedelt werden und immer schwerer werden. F\u00fcr diese These spr\u00e4chen auch Beobachtungen aus dem eigenen Arktis-Tiefseeoberservatorium in der Framstra\u00dfe. Dort wurden in Proben vom Meeresboden schon hohe Konzentrationen der winzigen Mikrokunststoffteilchen nachgewiesen.<\/p>\n<p>J\u00e4hrlich gelangen nach Sch\u00e4tzungen mehr als zehn Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 schwimmen allein 250.000 Tonnen Plastik an der Oberfl\u00e4che der Ozeane. Das Problem besteht vor allem in der langen Haltbarkeit des Kunststoffs. Forscher sch\u00e4tzen, dass eine einzige Plastikflasche 450 Jahren \u00fcberdauert.<\/p>\n<p>Mikroplastik entsteht, wenn sich weggeworfene Plastikt\u00fcten oder Plastikflaschen zersetzen oder wenn sie beim Waschen aus Synthetikkleidung gel\u00f6st werden. Winzige Kunststoffpartikel befinden sich auch in Reinigungsmitteln wie Waschpulver, Shampoo sowie in Kosmetik und gelangen \u00fcber das Abwasser in die Umwelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verschmutzung der Meere mit Plastik ist auch in der Arktis zum Problem geworden. 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Mit Hilfe [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[13159,11567],"supplier":[5598,20444],"class_list":["post-52203","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-mikroplastik","tag-umwelt","supplier-alfred-wegener-institut-helmholtz-zentrum-fur-polar-und-meeresforschung-bremerhaven","supplier-nature-journal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52203\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52203"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=52203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}