{"id":5198,"date":"2001-10-22T00:00:00","date_gmt":"2001-10-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20011022-01n"},"modified":"2001-10-22T00:00:00","modified_gmt":"2001-10-21T22:00:00","slug":"nova-kongressbericht-chancen-und-risiken-fuer-einjahrespflanzen-im-zellstoffbereich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-chancen-und-risiken-fuer-einjahrespflanzen-im-zellstoffbereich\/","title":{"rendered":"nova-Kongressbericht: Chancen und Risiken f\u00fcr Einjahrespflanzen im Zellstoffbereich"},"content":{"rendered":"<p>In Amsterdam fand vom 17. bis 18. Oktober 2001 die Konferenz &#8220;Cost-Effectively Manufacturing Paper &#038; Paperboard From Non-Wood Fibres &#038; Crop Residues&#8221; (dt.: &#8220;Kosteneffektive Produktion von Papier und Pappe aus Einjahrespflanzen und deren<br \/>\nReststoffen&#8221;) statt. Veranstalter war &#8220;<a HREF=\"http:\/\/www.piranet.com\/\" >Pira International<\/a>&#8220;, ein renommierter englischer Wissensvermittler aus dem Bereich Zellstoff und Papier.<br \/>\nAuf der zweit\u00e4gigen Konferenz, zu der ca. 60 Experten aus der ganzen Welt gekommen waren, ging es um M\u00e4rkte, neue Produktionstechniken und geeignete Einjahrespflanzen, insbesondere auch Faserpflanzen.<\/p>\n<p>Die Marktanalysen zeigten, dass die hochpreisigen Spezialzellstoffm\u00e4rkte, in denen vor allem Faserpflanzen wie Abaca, Hanf und Flachs in Produktlinien wie Teebeutel (Abaca) und Zigarettenpapiere (Hanf und Flachs) zum Einsatz kommen, eher schrumpfende M\u00e4rkte sind. Michael Karus vom <a HREF=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/\" >nova-Institut<\/a> stellte hierzu eine Studie \u00fcber die Spezialzellstoffm\u00e4rkte in der Europ\u00e4ischen Union vor. Andere Vortr\u00e4ge zeigten f\u00fcr preiswertere zellulosehaltige Agrarsekund\u00e4rrohstoffe, wie Getreide- und Reisstroh, Bagasse (Reststoff der Zuckerrohrverarbeitung) und Bambus interessante M\u00e4rkte im &#8220;normalen&#8221; Zellstoff- und Papierbereich wie z.B. f\u00fcr Zeitungs- und Schreibpapiere. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die asiatischen und nordafrikanischen L\u00e4nder ohne eigene Holzwirtschaft.<\/p>\n<p>In Kanada werden seit Jahren Verwertungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die anfallenden, gro\u00dfen Mengen \u00d6lleinstroh gesucht. Wade Chute vom <a HREF=\"http:\/\/www.arc.ab.ca\/\">Alberta Research Council<\/a> (Kanada) zeigte Versuche, in denen nicht-aufgeschlossenes \u00d6lleinstroh f\u00fcr die qualitative Verbesserung von Zellstoff aus Altpapier eingesetzt wurde. Die Ergebnisse sind vielversprechend.<\/p>\n<p>Eine besondere Karriere als Faserpflanze und Zellstofflieferant scheint Kenaf bevorzustehen. Mehrere Vortr\u00e4ge setzten sich mit dem Potenzial von Kenaf, pflanzenz\u00fcchterischen Fortschritten und vor allem auch mit Anbauversuchen in den USA auseinander. Es ist beachtlich, welche Dynamik sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat. Ein guter Anlaufpunkt f\u00fcr Interessierte ist die &#8220;<a HREF=\"http:\/\/www.kenafsociety.org\/\" >American Kenaf Society<\/a>&#8221; mit ihrem Slogan &#8220;Kenaf &#8211; Fiber For Our Future&#8221;.<\/p>\n<p>John Hobson von <a HREF=\"http:\/\/www.hemcore.co.uk\/\" >Hemcore (UK)<\/a> gab einen \u00dcberblick \u00fcber die europ\u00e4ische Hanfwirtschaft und neue Wege der Nutzung von Hanf im Zellstoffbereich. Die europ\u00e4ische Hanfwirtschaft setzt dieses Jahr mehr Fasern ab als in den letzten 20 Jahren. Dies liegt vor allem an der Automobilindustrie, die zum einen immer mehr Naturfasern verwendet und zum anderen immer st\u00e4rker auf Hanf und Kenaf setzt. Verlierer sind aus technischen Gr\u00fcnden Jute und Sisal (Schmelzen und \u00d6le auf den Fasern) und aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden Flachs (schwankende Preise aufgrund von Modewellen). <\/p>\n<p>Im Spezialzellstoffbereich sieht John Hobson &#8211; wie die anderen Experten &#8211; keinen Zukunftsmarkt, der \u00fcber die bestehenden M\u00e4rkte im Zigarettenpapierbereich hinausginge. Derzeit g\u00e4be es in der EU nur vier Fabriken, die Hanf- und Flachszellstoff verarbeiten k\u00f6nnten: eine in Gro\u00dfbritannien (Fletcher), zwei in Frankreich (PDM) und eine in Spanien (Celesa). Fletcher hat aufgrund von internen Problemen die Fabrik vor zwei Monaten geschlossen und sucht noch einen neuen Eigent\u00fcmer.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hobson liegt die Zukunft von Hanf im Papierbereich: in &#8220;umweltfreundlichen Druck- und Schreibpapieren&#8221; (z.B. 80&nbsp;% Altpapier und 20&nbsp;% Hanf). Hier g\u00e4be es einen Markt und gute Marketingargumente. Was fehlt, ist eine geeignete Zellstoffproduktion, die \u00f6kologisch besser arbeitet als die bestehenden Anlagen und deutlich preiswerter produziert als die Anlagen f\u00fcr den Spezialzellstoffbereich.<\/p>\n<p>Auf dem Kongress wurden verschiedene neue Produktionstechniken vorgestellt, die sich vor allem durch eine umweltfreundlichere Produktion von Einjahreszellstoffen auszeichneten. Die Umweltbelastung der bestehenden Anlagen wird auch in Nordafrika und Asien zunehmend als Problem gesehen, so wurden allein in China ca. 2.000 Anlagen stillgelegt. Gesucht werden Produktionsweisen, die aus den zellulosehaltigen Agrarsekund\u00e4rrohstoffen wie Bagasse, Weizen- und Reisstroh bei m\u00f6glichst geringer Umweltbelastung Zellstoff produzieren k\u00f6nnen. Beispielhaft sei hier das MiniMill-Konzept der &#8220;<a HREF=\"http:\/\/www.bioregional.com\/mini\/mini2.htm\" >Bioregional Minimill Ltd.<\/a>&#8221; genannt, das von Sue Riddlestone pr\u00e4sentiert wurde, und das aus Deutschland stammende Konzept der Firma &#8220;<a HREF=\"http:\/\/www.gub-ag.de\/portfolio\/natural_pulping.html\" >Natural Pulping AG<\/a>&#8220;, das von Sven Siegle vorgestellt wurde. Eine erste Pilotanlage ist derzeit bei Stuttgart in Bau.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigte die Konferenz ein sehr differenziertes Bild von den Chancen und Risiken in diesem sehr speziellen Gebiet der Einjahrespflanzen-Zellstoffe.<\/p>\n<p>Autor: Michael Karus (nova)<br \/>\nEndredaktion: Marion Kupfer (nova)<br \/>\nQuellen: Eigener Kongress-Bericht.<\/p>\n<p>&copy; nova-Institut 2001<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Amsterdam fand vom 17. bis 18. 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