{"id":51436,"date":"2018-03-27T07:23:50","date_gmt":"2018-03-27T05:23:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=51436"},"modified":"2018-03-23T12:03:41","modified_gmt":"2018-03-23T11:03:41","slug":"baeume-wachsen-in-artenreicher-nachbarschaft-deutlich-besser-als-in-nachbarschaft-zur-gleichen-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/baeume-wachsen-in-artenreicher-nachbarschaft-deutlich-besser-als-in-nachbarschaft-zur-gleichen-art\/","title":{"rendered":"B\u00e4ume wachsen in artenreicher Nachbarschaft deutlich besser als in Nachbarschaft zur gleichen Art"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_51437\" aria-describedby=\"caption-attachment-51437\" style=\"width: 551px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-51437\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/bcd432fc-1b6b-4b5b-bd26-973f1a04de3f.jpeg\" alt=\"bcd432fc-1b6b-4b5b-bd26-973f1a04de3f\" width=\"551\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/03\/bcd432fc-1b6b-4b5b-bd26-973f1a04de3f.jpeg 630w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/03\/bcd432fc-1b6b-4b5b-bd26-973f1a04de3f-300x200.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/03\/bcd432fc-1b6b-4b5b-bd26-973f1a04de3f-600x400.jpeg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-51437\" class=\"wp-caption-text\">Baumdiversit\u00e4ts-Experiment BEF-China, September 2016<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein wohl seit jeher besonders faszinierendes Themenfeld der \u00d6kologie ist die Erforschung des Zusammenlebens von Pflanzen, insbesondere dann, wenn sich diese den gr\u00f6\u00dften und langlebigsten Organismen unseres Planeten, den B\u00e4umen, widmet. H\u00e4ufig herrscht die Ansicht vor, dass B\u00e4ume \u2013 wie auch alle \u00fcbrigen Pflanzen \u2013 miteinander konkurrieren, so zum Beispiel um Ressourcen wie Licht, Wasser oder N\u00e4hrstoffe.<\/strong><\/p>\n<p>Dass diese Ansicht zwar nicht falsch, aber doch in vielerlei Hinsicht unvollst\u00e4ndig ist, haben nun \u00d6kologen der TU Dresden (Prof. Goddert von Oheimb, Dr. Matthias Kunz) gemeinsam mit Kollegen der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg (Dr. Andreas Fichtner, Prof. Werner H\u00e4rdtle) und der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg (Prof. Helge Bruelheide), der Beijing Forestry University, China (Dr. Ying Li) und dem Deutschen Zentrum f\u00fcr integrative Biodiversit\u00e4tsforschung (iDiv, Leipzig) in einer neuen Ver\u00f6ffentlichung in dem renommierten Journal <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-018-03529-w\" target=\"_blank\"><em>Nature Communications<\/em> <\/a>eindr\u00fccklich zeigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In dem weltweit einzigartigen Biodiversit\u00e4ts-Experiment \u201eBEF-China\u201c untersuchen die Forscher seit nunmehr zehn Jahren, wie die Vielfalt an Baumarten in Wald\u00f6kosystemen das Zusammenleben und die Wuchsleistung der B\u00e4ume beeinflusst. Zudem interessiert sie, ob Artenvielfalt positive Auswirkungen auf solche Funktionen der W\u00e4lder hat, welche Menschen unmittelbar zu Gute kommen \u2013 zum Beispiel die Produktion an Holz oder die Minderung sch\u00e4dlicher Bodenerosion.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr wurden in den Subtropen Chinas auf einer Fl\u00e4che von etwa 50 Hektar \u00fcber 400.000 B\u00e4ume und Str\u00e4ucher gepflanzt. Inzwischen haben viele B\u00e4ume Wuchsh\u00f6hen von 10 bis 15 Metern erreicht, und die Baumkronen haben ein teils dicht geschlossenes Kronendach entwickelt.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen der Wissenschaftler brachten erstaunliche Befunde zutage: Baumindividuen in einer artenreichen Nachbarschaft wachsen deutlich besser und produzieren mehr Holz als solche, welche von ihresgleichen \u2013 also Individuen derselben Art \u2013 umgeben sind. \u201eBesonders beeindruckend ist der Befund, dass die Wechselbeziehungen eines Baumes mit seinen unmittelbaren Nachbarn zugleich auch eine wesentlich h\u00f6here Produktivit\u00e4t von Waldbest\u00e4nden hervorrufen, und das \u201eMiteinander\u201c benachbarter B\u00e4ume zu \u00fcber 50% die Produktivit\u00e4t eines Waldbestandes erkl\u00e4rt\u201c, sagt der Wald\u00f6kologe Dr. Andreas Fichtner. Die Bedeutung der Nachbarschaftsbeziehungen f\u00fcr die Bestandes-Produktivit\u00e4t erh\u00f6hte sich dabei in dem Ma\u00dfe, wie die Baumartenzahl auf Bestandes-Ebene zunahm. Diese Erkenntnisse zeigen, dass ein Zusammenleben der benachbarten B\u00e4ume und deren kleinr\u00e4umige Wechselwirkungen ganz wesentlich erkl\u00e4rt, wie ein artenreicher Mischwald auf der gesamten Fl\u00e4che w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Das Forscherteam konnte zudem entschl\u00fcsseln, welche Mechanismen in artenreichen Best\u00e4nden zu einem Mehr an produziertem Holz bei Einzelb\u00e4umen f\u00fchren: Ihre Befunde zeigen, dass die nachbarschaftliche Konkurrenz zwischen den B\u00e4umen mit zunehmendem Artenreichtum nicht nur abgeschw\u00e4cht sein kann, sondern sich die B\u00e4ume sogar gegenseitig im Wuchs unterst\u00fctzen, etwa durch eine Verbesserung der mikroklimatischen Verh\u00e4ltnisse oder durch ein positives Zusammenwirken der im Boden lebenden Pilzpartner. Selbstverst\u00e4ndlich und schnell zu erreichen, sind solche Erkenntnisse nicht. Das erste Projekt der Wissenschaftler lief \u00fcber zehn Jahre, neun weitere Jahre sind angedacht.<\/p>\n<p>\u201eDie Erkenntnisse dieser Forschungsarbeiten erhellen nicht nur unsere Vorstellungen \u00fcber das Zusammenwirken der B\u00e4ume beim Wuchs und das Funktionieren von Wald\u00f6kosystemen, sondern haben zudem eine kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzende naturschutzfachliche und forstliche Relevanz\u201c, sagt Prof. Dr. Goddert von Oheimb von der Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden. So k\u00f6nnen zum Beispiel Aufforstungsprogramme in L\u00e4ndern, welche die vielfach dramatischen Auswirkungen fr\u00fcherer Waldrodungen abmildern wollen, dann deutlich verbesserte Wohlfahrtswirkungen erzielen, wenn sie anstelle von \u00fcblichen Monokulturen artenreiche Mischungen auf kleinr\u00e4umiger Ebene aus heimischen Baumarten verwenden. Zudem zeigen die Befunde, wie wichtig heute ein langfristig wirksamer Schutz der globalen Biodiversit\u00e4t ist: Diese st\u00fctzt in vielf\u00e4ltiger Weise nicht nur die Funktionst\u00fcchtigkeit von \u00d6kosystemen, sondern auch die vom Menschen genutzten \u00d6kosystem-Dienstleistungen. \u201eDies sollte uns klar machen, dass Biodiversit\u00e4tsschutz keineswegs ein rein \u00f6kologisches oder ethisches Anliegen ist, sondern l\u00e4ngst zu einer sozio-\u00f6konomischen Notwendigkeit geworden ist\u201c, so Dr. Andreas Fichtner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><em>Originalver\u00f6ffentlichung<\/em><\/h3>\n<p><em> Andreas Fichtner, Werner H\u00e4rdtle, Helge Bruelheide, Matthias Kunz, Ying Li und Goddert von Oheimb (2018): Neighbourhood interactions drive overyielding in mixed-species tree communities. Nature Communications 9:1144. <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-018-03529-w\" target=\"_blank\">DOI: 10.1038\/s41467-018-03529-w<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein wohl seit jeher besonders faszinierendes Themenfeld der \u00d6kologie ist die Erforschung des Zusammenlebens von Pflanzen, insbesondere dann, wenn sich diese den gr\u00f6\u00dften und langlebigsten Organismen unseres Planeten, den B\u00e4umen, widmet. H\u00e4ufig herrscht die Ansicht vor, dass B\u00e4ume \u2013 wie auch alle \u00fcbrigen Pflanzen \u2013 miteinander konkurrieren, so zum Beispiel um Ressourcen wie Licht, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[10608,13536,11567],"supplier":[2800,14327,7051,19585,20444,408],"class_list":["post-51436","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-biooekonomie","tag-forstwirtschaft","tag-umwelt","supplier-beijing-forestry-university","supplier-deutsches-zentrum-fuer-integrative-biodiversitaetsforschung-idiv","supplier-leuphana-luneburg","supplier-martin-luther-universitat-halle-wittenberg-mlu","supplier-nature-journal","supplier-technische-universitaet-tu-dresden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=51436"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/51436\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=51436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=51436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=51436"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=51436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}