{"id":51155,"date":"2018-03-19T07:32:35","date_gmt":"2018-03-19T06:32:35","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=51155"},"modified":"2018-03-15T13:51:43","modified_gmt":"2018-03-15T12:51:43","slug":"forscher-entwickeln-plastikflaschen-aus-zucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forscher-entwickeln-plastikflaschen-aus-zucker\/","title":{"rendered":"Forscher entwickeln Plastikflaschen aus Zucker"},"content":{"rendered":"<p>Die Produktion sei besonders umweltfreundlich und lasse sich zu einem konkurrenzf\u00e4higen Preis bewerkstelligen, berichten Forscher im Fachblatt Science Advances. Am M\u00fcllproblem aber \u00e4ndert der Biokunststoff nichts.<\/p>\n<p>Kunststoffe haben einen ziemlich miesen Ruf. Sie werden aus Erd\u00f6l hergestellt und verm\u00fcllen die Umwelt. Forscher der Universit\u00e4t Wisconsin, USA, wollen zumindest den zuerst genannten Makel aus der Welt schaffen: Sie haben ein Verfahren entwickelt, mit dem eine Schl\u00fcsselsubstanz f\u00fcr die Biovariante des Kunststoffklassikers PET (Polyethylenterephtalat) aus Fruchtzucker hergestellt werden\u00a0kann.<\/p>\n<p>Das sei besonders umweltfreundlich und lasse sich zu einem konkurrenzf\u00e4higen Preis bewerkstelligen, wie sie im Fachblatt <a href=\"http:\/\/advances.sciencemag.org\/content\/4\/1\/eaap9722\" target=\"_blank\"><em>Science Advances<\/em><\/a> berichten. Fruchtzucker steckt zusammen mit Glucose in Haushaltszucker und wird zum Beispiel aus Zuckerr\u00fcben, Zuckerrohr oder Maiskolben\u00a0gewonnen.<\/p>\n<p>Es geht auch ohne Plastik<\/p>\n<p>Der Massenkunststoff PET l\u00e4sst sich bisher nur zum Teil aus Biozutaten herstellen. So enth\u00e4lt etwa die Plant Bottle von Coca Cola nach Herstellerangaben nur rund 30 Prozent nachwachsende Rohstoffe. Damit es 100 Prozent werden k\u00f6nnen, arbeiten Forscher seit mehr als 30 Jahren am fehlenden Puzzleteil, einem Molek\u00fcl namens Furandicarbons\u00e4ure (FDCS). Doch die schneewei\u00dfen S\u00e4urekristalle lie\u00dfen sich lange nur in mageren Ausbeuten produzieren. Es fehlte ein geeignetes L\u00f6sungsmittel, um ein wichtiges Zwischenprodukt\u00a0herzustellen.<\/p>\n<p>&#8220;Schon schick, was die Kollegen da pr\u00e4sentieren&#8221;<br \/>\nDas wollen die Forscher aus Wisconsin nun gefunden haben. Es hei\u00dft Gamma-Valerolacton, l\u00e4sst sich ebenfalls aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen und hilft au\u00dferdem, einen Teil der unerw\u00fcnschten Nebenprodukte wieder in den Prozess zur\u00fcckzuf\u00fchren. &#8220;Das Verfahren funktioniert sehr gut, allerdings bisher nur im Labor&#8221;, sagt Ali Hussan Motagamwala, Co-Autor der Studie. Der n\u00e4chste Schritt seien Tests in einer Pilotanlage. Daf\u00fcr suche man gerade einen\u00a0Industriepartner.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist schon schick, was die Kollegen aus Wisconsin da pr\u00e4sentieren&#8221;, sagt Ulf Pr\u00fc\u00dfe vom Th\u00fcnen-Institut in Braunschweig. Ob der Herstellungsprozess tats\u00e4chlich so gut funktioniert wie beschrieben, will er nun mit Kollegen pr\u00fcfen. Schlie\u00dflich h\u00e4tten auch sie ein geeignetes L\u00f6semittel f\u00fcr den Prozess in petto, wie sie erst k\u00fcrzlich in Energy Technology\u00a0berichteten.<\/p>\n<p>Dabei setzen sie auf einen fluorierten Alkohol als L\u00f6sungsmittel, der hohe Ausbeuten liefert. &#8220;Er ist zwar recht teuer und k\u00f6nnte zum Treibhauseffekt beitragen&#8221;, sagt Pr\u00fc\u00dfe. &#8220;Doch wenn es gelingt, ihn in einem geschlossenen Kreislauf zu f\u00fchren, spielt das keine Rolle\u00a0mehr.&#8221;<\/p>\n<p>Die Teams aus Wisconsin und Braunschweig wollen mit den neuen Rezepten dem 2016 gegr\u00fcndeten Unternehmen Synvina Konkurrenz machen, das in Antwerpen bald ein kleines FDCS-Werk mit einer Jahreskapazit\u00e4t von bis zu 50 000 Tonnen baut, Betriebsbeginn unbekannt. Die EU unterst\u00fctzt das Vorhaben mit 25 Millionen Euro. An Synvina sind die Chemiekonzerne BASF und Avantium beteiligt. Zu Testzwecken wurde die begehrte Bios\u00e4ure auch schon zum Kunststoff PEF (Polyethylenfuranoat) weiter verarbeitet, der einst Plastik aus PET f\u00fcr Flaschen und Fasern ersetzen\u00a0k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>PEF sei stabiler und weniger gasdurchl\u00e4ssig als PET, hei\u00dft es auf der Internetseite. So k\u00f6nnten Verpackungen aus dem neuen Material d\u00fcnner ausfallen und Getr\u00e4nke l\u00e4nger frisch halten. Und PEF sei ebenso gut recycelbar wie das fossile Pendant. Zu Verfahrensdetails und Ausbeuten will das Unternehmen aber nichts\u00a0verraten.<\/p>\n<p>Sicher ist, dass es um riesige Mengen geht. Schlie\u00dflich werden jedes Jahr weltweit rund 50 Millionen Tonnen PET produziert, Tendenz steigend. Der Th\u00fcnen-Wissenschaftler Pr\u00fc\u00dfe kann sich nicht vorstellen, dass dieser Bedarf in Zukunft komplett aus Fruchtzucker gedeckt werden kann. &#8220;Um Konflikte mit der Nahrungsmittelproduktion zu vermeiden, sollten auch andere Ausgangsstoffe ins Visier genommen werden, etwa Zellulose aus Holzabf\u00e4llen&#8221;, sagt\u00a0er.<\/p>\n<p>Am M\u00fcllproblem \u00e4ndert der Biokunststoff \u00fcbrigens nichts. Wie PET ist auch PEF nicht biologisch abbaubar. Flaschen oder T-Shirts, die sich von selbst aufl\u00f6sen, w\u00fcrden wohl kaum ihren Zweck erf\u00fcllen. Die Maxime lautet deshalb nach wie vor: vermeiden, wo es m\u00f6glich ist, sammeln und recyceln. Dass das in der Praxis nur ungen\u00fcgend funktioniert, ist bekannt. Um den Ruf von Kunststoffen zu verbessern, gibt es auch jenseits der Chemielabore noch viel zu\u00a0tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Produktion sei besonders umweltfreundlich und lasse sich zu einem konkurrenzf\u00e4higen Preis bewerkstelligen, berichten Forscher im Fachblatt Science Advances. Am M\u00fcllproblem aber \u00e4ndert der Biokunststoff nichts. Kunststoffe haben einen ziemlich miesen Ruf. Sie werden aus Erd\u00f6l hergestellt und verm\u00fcllen die Umwelt. 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