{"id":50926,"date":"2018-03-09T07:29:12","date_gmt":"2018-03-09T06:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=50926"},"modified":"2021-09-09T21:34:40","modified_gmt":"2021-09-09T19:34:40","slug":"energiewende-braucht-powerfuels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/energiewende-braucht-powerfuels\/","title":{"rendered":"Energiewende braucht PowerFuels"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ich freue mich, dass Agora-Energiewende und Agora-Verkehrswende die Notwendigkeit hervorheben, sich viel intensiver als bisher mit synthetischen Brennstoffen zu besch\u00e4ftigen. Der Kreis derjenigen, die auf eine rein direktelektrische Nutzung von erneuerbarem Strom bauen, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, wird erfreulicherweise immer kleiner.<\/strong><\/p>\n<p>Die Deutsche Energie-Agentur (dena) besch\u00e4ftigt sich schon seit vielen Jahren mit gasf\u00f6rmigen und fl\u00fcssigen Kraft- und Brennstoffen, die mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt werden. Sie k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig eingesetzt werden: als Kraftstoff im Verkehr sowie zur Erzeugung von W\u00e4rme und Strom. Die Umwandlungsverfahren sind unter Begriffen wie <a href=\"https:\/\/shop.dena.de\/sortiment\/detail\/?tx_zrwshop_pi1[pid]=573\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Power to Gas<\/a> (Strom zu Gas) und Power to Liquid (Strom zu Fl\u00fcssigkeit) bekannt. Wir sprechen deshalb bei diesen synthetischen Kraft- und Brennstoffen auch von (Green) PowerFuels.<\/p>\n<p>Insbesondere die Zwischenergebnisse der von rund 60 Stakeholdern getragenen <a href=\"http:\/\/shop.dena.de\/fileadmin\/denashop\/media\/Downloads_Dateien\/esd\/9214_dena-Leitstudie-Integrierte-Energiewende_Zwischenfazit.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dena-Leitstudie Integrierte Energiewende<\/a> haben deutlich gemacht: Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, ben\u00f6tigen wir einen Mix unterschiedlicher Energietr\u00e4ger mitsamt ihrer Infrastrukturen. PowerFuels sind eine unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr den Klimaschutz und f\u00fcr eine erfolgreiche integrierte Energiewende. <a href=\"https:\/\/shop.dena.de\/sortiment\/detail\/?tx_zrwshop_pi1[pid]=562\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">In einer weiteren Studie<\/a> haben wir die Potenziale f\u00fcr den europ\u00e4ischen Verkehrssektor untersucht. Demnach werden selbst in einem Szenario, das stark auf batterieelektrische Antriebe setzt, mehr als 70 Prozent des Endenergiebedarfs durch PowerFuels gedeckt, vor allem im Flug-, Schiff- und G\u00fcterverkehr. In einer <a href=\"http:\/\/shop.dena.de\/sortiment\/detail\/?tx_zrwshop_pi1[pid]=563\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a>, die die Allianz f\u00fcr Geb\u00e4ude-Energie-Effizienz (geea) und die dena gemeinsam mit Branchenverb\u00e4nden erarbeitet haben, haben wir auch den Geb\u00e4udesektor genauer untersucht. Anders als die beiden Agora-Organisationen kommen wir zu dem Ergebnis, dass PowerFuels auch im Geb\u00e4udebereich eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnen. Die Energiewende im Geb\u00e4udesektor l\u00e4sst sich bis 2050 am besten realisieren, wenn alle verf\u00fcgbaren Effizienztechnologien wirtschaftlich eingesetzt und die Infrastrukturen f\u00fcr Strom, Gas und \u00d6l effizient mit erneuerbaren Energietr\u00e4gern genutzt werden.<\/p>\n<p>Dass nun mehr und mehr Akteure zu \u00e4hnlichen Erkenntnissen kommen, liegt auch daran, dass eine integrierte und sektor\u00fcbergreifende Betrachtung der Energiewende immer mehr in den Fokus der energie- und klimapolitischen Debatte r\u00fcckt. Das ist gut so. Die Herausforderung besteht darin, die wachsende Zahl an Komponenten aus allen Sektoren unter Ber\u00fccksichtigung der zur Verf\u00fcgung stehenden Infrastrukturen aufeinander abzustimmen und in ein intelligentes und nachhaltiges Energiesystem zu integrieren. Um dahin zu kommen, m\u00fcssen wir die gegenw\u00e4rtigen politischen und regulatorischen Aktivit\u00e4ten in den verschiedenen Sektoren und M\u00e4rkten grunds\u00e4tzlich \u00fcberdenken.<\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass Transformationspfade, die st\u00e4rker auf die Potenziale von PowerFuels setzen, zum Beispiel mit deutlich niedrigeren Sanierungsraten im Geb\u00e4udebereich auskommen. Sie erfordern auch weniger gesicherte Leistung in der Energieversorgung und f\u00fchren m\u00f6glicherweise zu einem deutlich g\u00fcnstigeren Netzausbau, insbesondere auf der Verteilnetzebene. Eine systemische Betrachtung kommt also zu anderen Ergebnissen als eine rein physikalische, die vor allem den Wirkungsgrad einzelner Technologien als entscheidendes Kriterium ansieht. Wie wichtig PowerFuels sind, zeigt schlie\u00dflich auch die k\u00fcrzlich von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gemeinsam vorgestellte Studie \u201e<a href=\"https:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0ahUKEwiZrqWbrdrZAhXD8RQKHYVBDQQQFggoMAA&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.leopoldina.org%2Fuploads%2Ftx_leopublication%2F2017_11_14_ESYS_Sektorkopplung.pdf&amp;usg=AOvVaw1UDH3jM96C6Kr96B_ChxVr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201aSektorkopplung\u2018 \u2013 Optionen f\u00fcr die n\u00e4chste Phase der Energiewende<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>So eindeutig es bereits jetzt schon ist, dass die klimapolitischen Ziele ohne eine st\u00e4rkere Befassung mit PowerFuels nicht zu erreichen sein werden: Es gibt nach wie vor eine ganze Reihe wichtiger Fragen zu kl\u00e4ren. Um in diesen Fragen voranzukommen, brauchen wir st\u00e4rkere Akzente in der Forschung, g\u00fcnstigere regulatorische Rahmenbedingungen f\u00fcr die Entwicklung eines Marktes f\u00fcr PowerFuels, vor allem aber auch einen intensiven internationalen Austausch. Denn allein mit den in Deutschland oder Europa erzeugten erneuerbaren Energien werden sich nicht ausreichend PowerFuels f\u00fcr Deutschland beziehungsweise Europa herstellen lassen. Die dena ist gegenw\u00e4rtig dabei, einen solchen internationalen Austausch auf den Weg zu bringen und l\u00e4dt Interessenten im In- und Ausland ein, sich daran zu beteiligen.<\/p>\n<p>Agora-Energiewende und Agora-Verkehrswende haben mit ihrer Studie einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die Debatte geliefert, auch wenn nat\u00fcrlich \u00fcber einige Punkte weiter diskutiert werden muss. Unter anderem pl\u00e4dieren sie f\u00fcr einen \u00d6l-\/Gas-Ausstiegskonsens, um den Weg f\u00fcr synthetische Brennstoffe zu ebnen. Darauf muss man nicht warten. Deutschland wird sich in den kommenden Monaten intensiv mit der Erstellung eines Zeitplans zur Beendigung der Kohleverstromung befassen. In wenigen Jahren werden die letzten Kernkraftwerke vom Netz gehen. Die Versorgung mit \u00d6l und Gas aus fossilen Quellen kann und muss Schritt f\u00fcr Schritt durch PowerFuels erg\u00e4nzt werden. Hier die richtigen und attraktiven Akzente im Markt und bei der Forschung zu setzen, um die Potenziale weiter auszuloten, ist sicherlich vordringlicher als ein weiterer komplizierter Ausstiegsdialog.<\/p>\n<p>Im Fokus der kommenden Jahre muss die Zielerreichung f\u00fcr das Jahr 2030 stehen. Das erfordert ein starkes Umdenken der bisherigen Energie- und Klimapolitik und vor allem auch einen innovationsfreundlichen Rahmen, in dem die verschiedenen Technologien ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Immerhin: Im Koalitionsvertrag gibt es Ans\u00e4tze f\u00fcr eine Weiterentwicklung von PowerFuels unter den Stichworten synthetische Kraftstoffe, Power to Gas, Wasserstoff und Power to Liquid. Darauf l\u00e4sst sich aufbauen. Trotz aller bisherigen Restriktionen ist Deutschland Vorreiter in Sachen PowerFuels f\u00fcr eine integrierte Energiewende. \u00dcber 30 Pilot- und Demonstrationsanlagen sind bereits in Betrieb. Wir haben das richtige \u201eEcosystem\u201c, um weitere Fortschritte zu machen. Ein Fortschritt bei PowerFuels hat also nicht nur eine unabdingbare klimapolitische Komponente. Es gibt auch eine Vielzahl industriepolitischer Aspekte, die daf\u00fcr sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich, dass Agora-Energiewende und Agora-Verkehrswende die Notwendigkeit hervorheben, sich viel intensiver als bisher mit synthetischen Brennstoffen zu besch\u00e4ftigen. Der Kreis derjenigen, die auf eine rein direktelektrische Nutzung von erneuerbarem Strom bauen, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, wird erfreulicherweise immer kleiner. 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