{"id":50273,"date":"2018-02-20T07:23:53","date_gmt":"2018-02-20T06:23:53","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=50273"},"modified":"2018-02-16T13:05:44","modified_gmt":"2018-02-16T12:05:44","slug":"tu-studenten-gewinnen-kleber-aus-stroh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/tu-studenten-gewinnen-kleber-aus-stroh\/","title":{"rendered":"TU-Studenten gewinnen Kleber aus Stroh"},"content":{"rendered":"<p>Gold aus Stroh spinnen \u2013 nur Rumpelstilzchen besitzt diese Fertigkeit. Eine Gruppe junger Verfahrenstechniker an der Technischen Universit\u00e4t Hamburg (TUHH) eifert dem M\u00e4rchen-Kobold nach. Xihua Hu, Joana Gil und Marc Conrad gewinnen aus Stroh zwar kein Edelmetall, aber immerhin den Rohstoff Lignin. Der Bestandteil pflanzlicher Zellw\u00e4nde k\u00f6nnte k\u00fcnftig als Zusatz biologisch abbaubarer Kunststoffe, als Teil von D\u00e4mmstoffen oder als Ersatz f\u00fcr Aktivkohle eingesetzt werden. Sehr wahrscheinlich wird er k\u00fcnftig in Klebstoffen Verwendung finden.<\/p>\n<p>Die Nutzung f\u00fcr selbst klebende B\u00e4nder \u2013 etwa Malerband, Teppichband oder Paketband \u2013 steht im Fokus der Forschung an der TUHH. Denn die Uni und der Klebeband-Hersteller tesa kooperieren bei &#8220;<a href=\"http:\/\/bioraffinerie2021.de\/\" target=\"_blank\">Bioraffinerie 2021<\/a>&#8220;, einem vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rderten Projekt. Die experimentelle Untersuchung von Lignin f\u00fcr den Einsatz in Produkten des t\u00e4glichen Bedarfs geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p>Forschung l\u00e4uft seit Jahren, Ende nicht absehbar<\/p>\n<p>tesa l\u00e4sst sich das Vorhaben viel kosten. Wie viel, will man in der Zentrale in Norderstedt nicht verraten. Aber klar ist: Die Forschung l\u00e4uft schon seit Jahren, eine Ende ist noch nicht absehbar. Und w\u00e4hrend die Uni die Forschungskosten erstattet bekommt, tr\u00e4gt der Konzern den L\u00f6wenanteil des Aufwands selbst. Denn das Traditionsunternehmen begreift Innovationen als Basis seines Erfolgs.<\/p>\n<p>Rund 500 Angestellte arbeiten in tesas Forschungs- und Technologiezentren in Deutschland, den USA und China, davon etwa 300 in Norderstedt. Regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob es f\u00fcr verwendete Rohstoffe umweltfreundlichere Alternativen gibt, geh\u00f6rt zur Unternehmensphilosophie.<\/p>\n<p>Lignin verspricht eine Verbesserung der \u00d6kobilanz. Als nachwachsender Rohstoff k\u00f6nnte es die heutigen F\u00fcllstoffe ersetzen und eventuell sogar die Haltbarkeit der Klebeb\u00e4nder verl\u00e4ngern. Somit k\u00f6nnten fossile und daher begrenzt verf\u00fcgbare Rohstoffe durch ein Abfallprodukt ersetzt werden, das nachw\u00e4chst und massenhaft anf\u00e4llt. Etwa in Form von Stroh bei der Getreide-, Mais- und Zuckerrohrproduktion. Als S\u00e4gesp\u00e4ne bei der Holzverarbeitung, als G\u00e4r-Rest in Biogasanlagen, als Brauerei-Extrakt.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr den Menschen nicht verdauliche Biomasse wird bisher meist verbrannt. Ziel der Forschung ist es, das Lignin noch anderweitig zu verwenden, bevor es der finalen thermischen Verwertung zugef\u00fchrt wird und somit idealerweise Energie liefert. Insgesamt wurde das Lignin also einen zweiten &#8220;Lebenszyklus&#8221; durchlaufen.<\/p>\n<p>Noch immer wird am besten Rezept get\u00fcftelt<\/p>\n<p>Im Technikum der Harburger Uni wird Lignin vorwiegend aus Weizenstroh gewonnen. Das geht ganz ohne Hexerei, etwa wie Kaffeekochen: Hei\u00dfes Wasser (200 Grad) wird mit hohem Druck (50 bar) durch zerkleinertes Stroh gepresst. Nach der sogenannten Hei\u00dfwasserhydrolyse werden dem festen Material chemische Stoffe (Enzyme) zugesetzt, die es in Zucker (Zellulose) und Lignin aufspalten. Der Zucker kann beispielsweise zu Biokraftstoff verarbeitet werden.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Lignins wird in Form von feinem Pulver ins Norderstedter tesa-Labor gebracht, wo die Chemikerin Cai Rong Lim und ihr Team es mit Naturkautschuk und Harz vermengen und die Mischung anschlie\u00dfend von Maschinen durchkneten, auf Papier oder Folie ausstreichen und trocknen lassen. Ein Vorgang, der ans Keksebacken erinnert. Zuletzt werden die Proben unter streng kontrollierten Laborbedingungen auf Festigkeit und Klebkraft getestet.<\/p>\n<p>Noch immer wird am besten Rezept get\u00fcftelt. Regelm\u00e4\u00dfig treffen sich die Harburger Doktoranden mit den Forschern von tesa, um sich dar\u00fcber auszutauschen, woraus und wie genau das f\u00fcr Klebeb\u00e4nder perfekte Lignin hergestellt werden sollte. Dass es bis zur Produktionsreife noch dauern wird, liegt auch daran, dass die Verfahrenstechniker der TUHH im Technikum nur geringe Mengen Lignin herstellen k\u00f6nnen \u2013 maximal eine Tonne pro Jahr. Die industrielle Produktion des braunen Goldes wird die n\u00e4chste Herausforderung auf dem Weg zu diesem Bioraffinerie-Konzept der Zukunft sein.<\/p>\n<p>Der Name Lignin leitet sich vom lateinischen lignum = Holz ab. Es ist Bestandteil von pflanzlichen Zellw\u00e4nden. Neben Cellulose und Chitin geh\u00f6rt Lignin zu den h\u00e4ufigsten organischen Verbindungen. Weizenstroh beispielsweise besteht zu 25 Prozent aus Lignin. Es sorgt f\u00fcr Druckfestigkeit. Ohne das br\u00e4unliche St\u00fctzmaterial k\u00f6nnten Pflanzen nicht verholzen und in die H\u00f6he wachsen. Au\u00dferdem bietet Lignin wirksamen Schutz gegen das Eindringen von Wasser in die Zellw\u00e4nde, gegen UV-Licht und Sch\u00e4dlinge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gold aus Stroh spinnen \u2013 nur Rumpelstilzchen besitzt diese Fertigkeit. Eine Gruppe junger Verfahrenstechniker an der Technischen Universit\u00e4t Hamburg (TUHH) eifert dem M\u00e4rchen-Kobold nach. Xihua Hu, Joana Gil und Marc Conrad gewinnen aus Stroh zwar kein Edelmetall, aber immerhin den Rohstoff Lignin. 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