{"id":49987,"date":"2018-02-09T07:20:37","date_gmt":"2018-02-09T06:20:37","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=49987"},"modified":"2018-02-07T13:19:33","modified_gmt":"2018-02-07T12:19:33","slug":"2017-erstmals-mehr-strom-aus-wind-sonne-und-biomasse-als-aus-kohle-in-der-europaeischen-union","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/2017-erstmals-mehr-strom-aus-wind-sonne-und-biomasse-als-aus-kohle-in-der-europaeischen-union\/","title":{"rendered":"2017: Erstmals mehr Strom aus Wind, Sonne und Biomasse als aus Kohle in der Europ\u00e4ischen Union"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Jahr 2017 wurde aus Wind, Sonne und Biomasse in der Europ\u00e4ischen Union erstmals mehr Strom produziert als aus Stein- und Braunkohle zusammen. Die Stromerzeugung aus diesen Erneuerbaren Energien wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent. Seit 2010 hat sich der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse \u2013 die seit 2000 eingef\u00fchrten \u201eneuen\u201c Erneuerbaren Energien &#8211; in der EU mehr als verdoppelt. Da jedoch die Wasserkraftproduktion 2017 stark r\u00fcckl\u00e4ufig war, wuchs der Anteil aller Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung gegen\u00fcber dem Vorjahr nur leicht: Er stieg von 29,8 auf 30,0 Prozent. Das zeigt eine gemeinsame Analyse zweier Thinktanks &#8211; Agora Energiewende aus Deutschland und Sandbag aus Gro\u00dfbritannien. Die Autoren der Studie haben \u00f6ffentliche Daten aus zahlreichen Quellen zusammengetragen und ausgewertet.<\/strong><\/p>\n<p>Der Anteil Erneuerbarer Energien entwickelt sich jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. So haben Gro\u00dfbritannien und Deutschland in den vergangenen drei Jahren mehr als die H\u00e4lfte zum Ausbau der Erneuerbaren Energien beigetragen &#8211; insbesondere Windenergie spielt hier eine gro\u00dfe Rolle. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 30 Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugt, in Gro\u00dfbritannien waren es 28 Prozent. Das st\u00e4rkste prozentuale Wachstum wurde in D\u00e4nemark verzeichnet: Im Jahr 2017 stammten 74 Prozent des dort erzeugten Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse, ein Anstieg um sieben Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Dem starken Wachstum in diesen L\u00e4ndern steht ein sehr niedriges Wachstum in vielen anderen EU-Staaten gegen\u00fcber: In Slowenien, Bulgarien, Frankreich, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn sind seit 2010 nur sehr niedrige Zuw\u00e4chse zu beobachten. Andere L\u00e4nder konnten zu Beginn des Jahrzehnts noch ein deutliches Wachstum verzeichnen, in den vergangenen drei Jahren jedoch lediglich Stagnation. Hierzu z\u00e4hlen Spanien, Italien, Portugal, Belgien und Griechenland. Ausnahmen bilden Kroatien und Rum\u00e4nien, wo der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse seit 2011 von niedrigen einstelligen Werten auf 18 (Kroatien) und 16 Prozent (Rum\u00e4nien) gestiegen ist. In sechs L\u00e4ndern wurden 2017 weniger als zehn Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse produziert: Slowenien (4%), Bulgarien (7%), Frankreich (8%), Slowakei (8%), Tschechische Republik (8%) und Ungarn (10%).<\/p>\n<p>Auch bei den fossilen Energien zeigt sich eine uneinheitliche Entwicklung. Die Stromerzeugung aus Steinkohle ging wegen der h\u00f6heren Windstromproduktion um 7 Prozent zur\u00fcck. Diese Entwicklung wird sich in den Niederlanden, Italien und Portugal aufgrund von politischen Beschl\u00fcssen fortsetzen. Die Stromerzeugung aus Braunkohle stieg EU-weit im Jahr 2017 jedoch leicht, eine Abkehr von der Braunkohleverstromung ist bislang nicht zu erkennen.<\/p>\n<p>Trotz des Anstiegs bei Wind- und Solarenergie sind die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen des europ\u00e4ischen Stromsektors 2017 nicht gesunken, sie lagen weiterhin bei 1.019 Millionen Tonnen. Dazu hat eine Kombination von drei Faktoren gef\u00fchrt: Zum einen ist die Stromerzeugung aus Wasserkraft vor allem durch geringe Niederschl\u00e4ge und Schneef\u00e4lle auf ein europaweites Tief gesunken, wodurch die Zuw\u00e4chse bei den anderen Erneuerbaren Energien weitgehend aufgezehrt wurden. Zum anderen lieferten Kernkraftwerke in Frankreich und Deutschland weniger Strom als in den Vorjahren. Und drittens stieg der Stromverbrauch in der Europ\u00e4ischen Union das dritte Jahr in Folge, 2017 um 0,7 Prozent. Da die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen au\u00dferhalb des Stromsektors zunahmen, ist erstmals seit 2010 wieder mit einem Anstieg der Emissionen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystem (ETS) zu rechnen, prognostizieren die Autoren der Studie. Sie gehen davon aus, dass 2017 innerhalb des ETS 1.756 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub> ausgesto\u00dfen wurden, sechs Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Auch die au\u00dferhalb des ETS liegenden Emissionen aus der Nutzung von \u00d6l- und Gas wuchsen. Sandbag und Agora Energiewende gehen daher von einem Anstieg der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU von etwa 1 Prozent aus.<\/p>\n<p>\u201eDie Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Europa wurde in den vergangenen Jahren stark von der Erfolgsgeschichte der Windenergie in Gro\u00dfbritannien und Deutschland gepr\u00e4gt. Doch nur, wenn alle L\u00e4nder in Europa sich gleicherma\u00dfen engagieren, ist bis 2030 ein Anteil von 35 Prozent Erneuerbarer Energien am Energieverbrauch m\u00f6glich. Hierzu kann die Photovoltaik viel st\u00e4rker beitragen als bisher. Gemessen an ihrem Potenzial und ihren inzwischen sehr niedrigen Kosten spielt sie eine viel zu kleine Rolle\u201c, sagt Matthias Buck, Leiter Europ\u00e4ische Energiepolitik bei Agora Energiewende.<\/p>\n<p>\u201eDa der Stromverbrauch das dritte Jahr in Folge steigt, m\u00fcssen die L\u00e4nder ihre Bem\u00fchungen um Energieeffizienz verst\u00e4rken&#8221;, f\u00fcgt Sandbag-Analyst Dave Jones hinzu. \u201eDamit bei den Emissionen etwas passiert, kommen die L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union nicht umhin, Kohlekraftwerke stillzulegen. Nach unseren Berechnungen haben 258 Kohlekraftwerke in der EU im vergangenen Jahr 38 Prozent aller Emissionen im Emissionshandelssystem verursacht. Das entspricht 15 Prozent des gesamten Treibhausgasaussto\u00dfes.\u201c Im Jahr 2017 haben die Niederlande, Italien und Portugal angek\u00fcndigt, die Kohlverstromung in den kommenden Jahren auslaufen zu lassen. \u201eDas ist gro\u00dfartig. Doch wir brauchen einen schnellen und kompletten Kohleausstieg in Europa. Es w\u00e4re absurd, Elektroautos noch in den 2030er-Jahren mit Strom aus Kohle aufzuladen&#8221;, sagt Jones.<\/p>\n<p>Um das EU-Ziel f\u00fcr Erneuerbare Energien bis 2030 zu erreichen, muss die EU in den kommenden Jahren deutlich gr\u00f6\u00dfere Anstrengungen unternehmen als in der Vergangenheit. \u201eGerade in S\u00fcd- und Zentraleuropa, aber auch in Spanien und in Griechenland k\u00f6nnen Erneuerbare Energien eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Denn die klimatischen Bedingungen sind dort f\u00fcr Erneuerbare Energien sehr g\u00fcnstig&#8221;, sagt Buck. Agora Energiewende hat deshalb unl\u00e4ngst ein B\u00fcrgschaftsprogramm vorgeschlagen, um die Finanzierungskosten f\u00fcr Erneuerbare-Energien-Projekte in diesen L\u00e4ndern deutlich zu senken.<\/p>\n<p>Die Analyse \u201e<a href=\"https:\/\/www.agora-energiewende.de\/fileadmin\/Projekte\/2018\/EU_Jahresrueckblick_2017\/Agora_EU-report-2017_WEB.pdf\" target=\"_blank\">The European Power Sector in 2017<\/a><a href=\"https:\/\/www.agora-energiewende.de\/de\/themen\/-agothem-\/Produkt\/produkt\/482\/The+European+Power+Sector+in+2017\/\" target=\"_blank\">\u201d<\/a> wurde heute in Br\u00fcssel vorgestellt. Sie steht in englischer Sprache auf der Website <a href=\"https:\/\/www.agora-energiewende.de\/de\/themen\/-agothem-\/Produkt\/produkt\/482\/The+European+Power+Sector+in+2017\/\" target=\"_blank\">www.agora-energiewende.de<\/a> zum kostenlosen Download zur Verf\u00fcgung. Ein umfangreicher Datensatz mit allen in der Publikation verwendeten Zahlen ist als Excel-Datei verf\u00fcgbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2017 wurde aus Wind, Sonne und Biomasse in der Europ\u00e4ischen Union erstmals mehr Strom produziert als aus Stein- und Braunkohle zusammen. Die Stromerzeugung aus diesen Erneuerbaren Energien wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent. 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