{"id":49951,"date":"2017-11-07T06:40:00","date_gmt":"2017-11-07T05:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?guid=ad3aaaf8d8721cda91756a5570d94aa9"},"modified":"2018-02-07T10:24:23","modified_gmt":"2018-02-07T09:24:23","slug":"win-win-situation-arznei-und-gewuerzpflanzen-bestaeuber-insekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/win-win-situation-arznei-und-gewuerzpflanzen-bestaeuber-insekten\/","title":{"rendered":"Win-Win-Situation Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen + Best\u00e4uber-Insekten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was im kommerziellen Obst- und Gem\u00fcseanbau schon l\u00e4nger Praxis ist, will die Universit\u00e4t Bonn nun auch f\u00fcr den Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen entwickeln: ein Management-System zur gezielten Best\u00e4ubung durch Insekten. So wie G\u00e4rtner Hummelkolonien per Versandhandel f\u00fcrs Gew\u00e4chshaus bestellen k\u00f6nnen, so ist \u00c4hnliches auch beim Anbau von Fenchel, Thymian &amp; Co. denkbar. Die Forscher erwarten h\u00f6here und wom\u00f6glich auch qualitativ bessere Ertr\u00e4ge, mehr Biodiversit\u00e4t und Vorteile f\u00fcr benachbarte Kulturen und damit f\u00fcr ganze Agrar\u00f6kosysteme.<\/strong><\/p>\n<p>Das Projektteam will zudem Grundlagen-Forschung leisten und herausfinden, welche Insekten die etwa 125 in Deutschland angebauten Arznei- und Gew\u00fcrzkr\u00e4uter-Arten best\u00e4uben und wie wichtig sie f\u00fcr diese Aufgabe sind. Hierzu gibt es bislang nur wenige Erkenntnisse. Dass Insekten grunds\u00e4tzlich von den Kr\u00e4utern profitieren, ist dabei so gut wie sicher. Denn auf dem Acker dominieren heute &#8211; mit Ausnahme des Raps &#8211; Kulturen, deren Bl\u00fcten f\u00fcr nektar- und pollensuchende Insekten uninteressant sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_49955\" aria-describedby=\"caption-attachment-49955\" style=\"width: 489px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-49955\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/PM_2017-60_Schwebfliege_Episyrphus_balteatus_1_01.jpg\" alt=\"Ein internationales Forscherteam hat j\u00fcngst best\u00e4tigt, dass die Insektenzahlen in Teilen Deutschlands stark zur\u00fcckgegangen sind. Der Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen k\u00f6nnte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dem etwas entgegen zu setzen. Im Bild die Schwebfliege Episyrphus balteatus auf einer Leinbl\u00fcte. 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Im Bild die Schwebfliege Episyrphus balteatus auf einer Leinbl\u00fcte. Foto: Birgit Bierschenk<\/figcaption><\/figure>\n<p>Tier\u00f6kologe Andre\u00e9 Hamm von der Universit\u00e4t Bonn: &#8220;In diesem Projekt wollen wir nicht mit aus Zuchten stammenden Hummelv\u00f6lkern oder ausschlie\u00dflich mit Honigbienen arbeiten, sondern vor allem auch mit ehemals einheimischen Arten, die wir f\u00f6rdern bzw. wieder ansiedeln. Dadurch k\u00f6nnen wir eine Faunenverf\u00e4lschung auch auf genetischer Ebene ausschlie\u00dfen.\u201c Projektleiter Ralf Pude erg\u00e4nzt: \u201eWir planen zudem einen Vergleich mit gef\u00f6rderten, klassischen Agrarumweltma\u00dfnahmen wie Bl\u00fchstreifen. Eventuell haben Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen sogar h\u00f6here Effekte in punkto Artenvielfalt, gleichzeitig bringen sie aber noch einen wirtschaftlichen Ertrag.\u201c Die Insekten k\u00f6nnten diesen wom\u00f6glich deutlich steigern: Aus Untersuchungen ist bekannt, dass sich Insektenbest\u00e4ubung positiv auf den Ertrag und die Qualit\u00e4t von Obst- und Gem\u00fcsekulturen auswirkt. Erste Untersuchungsergebnisse zeigen eine solche Tendenz auch f\u00fcr Arzneipflanzen wie Fenchel und Lein auf.<\/p>\n<p>Das jetzt begonnene Projekt wird vom Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe\/Arzneipflanzen und der Professur f\u00fcr Agrar\u00f6kologie und Organischen Landbau der Universit\u00e4t Bonn durchgef\u00fchrt. Die Forscher erfassen \u00fcber drei Jahre das Spektrum der Bl\u00fctenbesucher und -best\u00e4uber auf den Versuchskulturen Fenchel, Lein und Bohnenkraut. Bei diesen drei Arten findet Saatgutvermehrung in Deutschland statt und alle zeichnen sich bislang durch stark schwankende Ertr\u00e4ge aus. Die Forscher untersuchen den Einfluss der Insektenbest\u00e4ubung auf die Erntemengen und -qualit\u00e4ten, die M\u00f6glichkeit, die fliegenden Helfer gezielt zu f\u00f6rdern und ihre Effekte auf benachbarte Kulturen und gro\u00dfr\u00e4umigere Agrar\u00f6kosysteme. Die Gesamtergebnisse sollen in Praxisanleitungen und m\u00f6glichst auch in Ma\u00dfnahmen zum Erhalt der Biodiversit\u00e4t einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Vorhaben wird vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) \u00fcber den Projekttr\u00e4ger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gef\u00f6rdert. Weitere Informationen stehen auf fnr.de unter dem F\u00f6rderkennzeichen <a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/index.php?id=11150&amp;fkz=22001116\" target=\"_blank\">22001116<\/a> zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h3>Hintergrund:<\/h3>\n<p>Nur etwa 15 Prozent der in Deutschland ben\u00f6tigten pflanzlichen Rohstoffe f\u00fcr die pharmazeutische, kosmetische und Nahrungserg\u00e4nzungsmittelindustrie kommen heute aus der deutschen Landwirtschaft. Das Potenzial liegt deutlich h\u00f6her, denn das Interesse der Weiterverarbeiter an zus\u00e4tzlicher Ware aus Deutschland ist vorhanden. Aktuell werden hierzulande etwa 125 Arten auf rund 12.000 Hektar kultiviert. F\u00fcr eine Ausweitung des Anbaus gilt es, die Wirtschaftlichkeit zu erh\u00f6hen und die Ertr\u00e4ge zu stabilisieren und zu steigern. Hier setzt das Projekt der Uni Bonn an.<\/p>\n<p>Dass Insektenbest\u00e4ubung neben dem quantitativen Ertrag auch Merkmale wie Fruchtgewicht, -gestalt, Zucker-S\u00e4ure-Verh\u00e4ltnis oder Lagerf\u00e4higkeit bei Obst und Gem\u00fcse positiv beeinflusst, ist bekannt. Gartenbaubetriebe setzen deshalb schon lange gezielt Hummeln ein. Im Obstanbau spielt die Honigbiene mit ca. 80 Prozent der Bet\u00e4ubungsarbeit noch immer die Hauptrolle, mit dem R\u00fcckgang der Imkerei nutzen aber auch Obstbauern zunehmend Alternativen. So kann man heute schon Wildbienen als Obstbest\u00e4uber bei speziellen Anbietern beziehen. Nicht zuletzt ist die Insekten-Dienstleistung auch in der Saatgutvermehrung etwa von Gem\u00fcse- oder Futterpflanzen sehr wichtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was im kommerziellen Obst- und Gem\u00fcseanbau schon l\u00e4nger Praxis ist, will die Universit\u00e4t Bonn nun auch f\u00fcr den Anbau von Arznei- und Gew\u00fcrzpflanzen entwickeln: ein Management-System zur gezielten Best\u00e4ubung durch Insekten. So wie G\u00e4rtner Hummelkolonien per Versandhandel f\u00fcrs Gew\u00e4chshaus bestellen k\u00f6nnen, so ist \u00c4hnliches auch beim Anbau von Fenchel, Thymian &amp; Co. denkbar. 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