{"id":4992,"date":"2001-01-18T00:00:00","date_gmt":"2001-01-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20010118-01n"},"modified":"2001-01-18T00:00:00","modified_gmt":"2001-01-17T22:00:00","slug":"altautorichtlinie-kein-bonus-fuer-nachwachsende-rohstoffe-in-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/altautorichtlinie-kein-bonus-fuer-nachwachsende-rohstoffe-in-sicht\/","title":{"rendered":"Altautorichtlinie: Kein Bonus f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe in Sicht"},"content":{"rendered":"<p>Wie aus dem Bundesumweltministerium (BMU), das f\u00fcr die nationale Umsetzung der Altautorichtlinie zust\u00e4ndig ist, bekannt wurde, soll der in Bearbeitung befindliche Referentenentwurf &#8220;keine Privilegien&#8221; f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe enthalten. Besondere Regelungen f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe erscheinen dem BMU weder sinnvoll noch zweckm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Damit haben sich die Bef\u00fcrchtungen der Naturfaserwirtschaft best\u00e4tigt (vgl. auch Meldung vom <a HREF=\"http:\/\/www.bio-based.eu\/cgi-bin\/mih\/artikel.pl?id=-ID-&#038;artikel=20001212-05.news\">12.12.00<\/a>): In den Automobilkonzernen, bei den Zulieferern und den Rohstoff-Lieferanten wird seit einigen Monaten hei\u00df diskutiert, welche Auswirkungen die nun in Kraft getretene Altautorichtlinie in der Praxis haben wird. Dabei geht es vor allem um die Frage, mit welchen Materialien zuk\u00fcnftig Leichtbau realisiert werden kann. Da Verbundwerkstoffe &#8211; ob auf synthetischer oder nachwachsender Basis &#8211; in der Regel nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand stofflich wiederverwertet werden k\u00f6nnen, stellt sich die Frage, ob die &#8220;thermische Quote&#8221; f\u00fcr diese Materialien ausreicht oder ob ihr Einsatz im Automobil verringert werden muss. Ab 2015 m\u00fcssen 95 Gew.% des Fahrzeugs verwertet werden, davon 85% stofflich und 10% thermisch; die restlichen 5% d\u00fcrfen beseitigt werden (thermische Behandlung bzw. Deponie). Die Konzepte f\u00fcr die Fahrzeuge, die 2015 zur\u00fcckgenommen werden m\u00fcssen, werden bereits jetzt entwickelt &#8211; dies zeigt die Dringlichkeit der Diskussion.<\/p>\n<p>Da der Referentenentwurf zur nationalen Umsetzung der Altautorichtlinie sowohl Bundestag wie auch Bundesrat passieren muss, scheint aus Sicht des nova-Instituts der hoffnungstr\u00e4chtigste Weg zu sein, politischen Einfluss \u00fcber die Bundesl\u00e4nder bzw. Abgeordnete des Bundestages auszu\u00fcben. Es d\u00fcrfte nicht schwer sein aufzuzeigen, dass die derzeit geplante Umsetzung der Altautorichtlinie den Einsatz von naturfaserverst\u00e4rkten Verbundwerkstoffen zuk\u00fcnftig erschweren wird, obwohl diese Bauteile in mehrfacher Hinsicht &#8211; in der Produktions-, Nutzungs- und Entsorgungsphase &#8211; \u00f6kologische Vorteile aufweisen.<\/p>\n<p>Neben der Altautorichtlinie muss insbesondere auch der Typzulassungsrichtlinie (70\/156 EWG) Aufmerksamkeit geschenkt werden, da in ihr u.a. geregelt wird, welche Materialien zuk\u00fcnftig zulassungsf\u00e4hig sind. Zust\u00e4ndig ist hier nicht das BMU, sondern das Verkehrsministerium (Referat S02).<\/p>\n<p>Anmerkung: Die vom nova-Institut geplante Veranstaltung &#8220;Altautorichtlinie &#8211; Leichtbau &#8211; Nachwachsende Rohstoffe&#8221; wird vorerst nicht stattfinden, da die Teilnahme wichtiger Vertreter aus Politik und Wirtschaft nicht realisiert werden konnte.<\/p>\n<p>Autor und Endredaktion: Michael Karus (nova)<br \/>\nQuellen: Gespr\u00e4che mit Vertretern des BMU und nova-Archiv.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Hintergrundinformation zur Altautorichtlinie:<\/p>\n<p><b>Die neue EU-Altautorichtlinie:<br \/>\nGefahr f\u00fcr den Leichtbau und das Aus f\u00fcr den Einsatz nachwachsender Rohstoffe in der Automobilindustrie?<\/b><\/p>\n<p>Nach der Zustimmung des EU-Ministerrates im Juli letzten Jahres hat am<br \/>\n7. September 2000 auch das Europ\u00e4ische Parlament den Vorschlag des<br \/>\nVermittlungsausschusses zur EU-Altfahrzeug-Richtlinie gebilligt. Die<br \/>\nMitgliedsstaaten m\u00fcssen die Richtlinie innerhalb von 18 Monaten in<br \/>\nnationales Recht umzusetzen. In Deutschland ist hierf\u00fcr das<br \/>\nUmweltministerium zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Einer der Kernpunkte der EU-Altautorichtlinie sind die Quoten f\u00fcr<br \/>\nstoffliches und thermisches Recycling. So m\u00fcssen ab 2015 95 Gew.% des<br \/>\nFahrzeugs verwertet werden, davon 85% stofflich und 10% thermisch; die<br \/>\nrestlichen 5% d\u00fcrfen beseitigt werden (thermische Behandlung bzw.<br \/>\nDeponie).<\/p>\n<p>Da Verbundwerkstoffe &#8211; ob auf synthetischer Basis oder auf Basis<br \/>\nnachwachsender Rohstoffe &#8211; in der Regel nicht oder nur mit sehr hohem<br \/>\nAufwand stofflich wiederverwertet werden k\u00f6nnen, stellt sich die Frage,<br \/>\nob die &Ntilde;thermische Quote&igrave; f\u00fcr diese Materialien ausreicht oder ob ihr<br \/>\nEinsatz im Automobil verringert werden muss. Besonders kritisch wird die<br \/>\nQuote dabei f\u00fcr Leichtbau-Fahrzeuge, da hier Verbundwerkstoffe in hohem<br \/>\nMa\u00dfe zum Einsatz kommen und gleichzeitig die auf Gewichtsprozente<br \/>\nbasierende Quote zu sehr kleinen thermisch verwertbaren Restmengen<br \/>\nf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Automobilindustrie k\u00f6nnte somit zuk\u00fcnftig gezwungen sein, mit<br \/>\nverringertem Einsatz von Verbundwerkstoffen schwerere Autos mit h\u00f6herem<br \/>\nVerbrauch zu bauen oder vermehrt andere Materialien f\u00fcr den Leichtbau zu<br \/>\nverwenden. Unter anderem wird an den Einsatz von gesch\u00e4umtem Aluminium<br \/>\noder Verbundwerkstoffen aus nur einem petrochemischen Kunststoff gedacht<br \/>\n(Matrix und Fasern aus gleichem Kunststoff, z.B. PP). Unter reinen<br \/>\nEntsorgungsgesichtspunkten k\u00f6nnte man diese Entwicklung zwar begr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nbetrachtet man jedoch den gesamten Lebensweg des Automobils, kann es<br \/>\nhier zu \u00f6kologisch negativen Effekten kommen (hierauf hat bereits das<br \/>\nUmweltbundesamt hingewiesen). Verschiedene Studien zeigen, dass<br \/>\ninsbesondere die Nutzungsphase und damit das Fahrzeuggewicht \u00f6kologisch<br \/>\nrelevant sind. Und gerade hier weisen Verbundwerkstoffe und vor allem<br \/>\nnaturfaserverst\u00e4rkten Verbundwerkstoffe deutliche Vorteile auf.<\/p>\n<p>Im Endeffekt k\u00f6nnte es durch die vorgeschriebenen Quoten zu einer<br \/>\nVerdr\u00e4ngung des an sich w\u00fcnschenswerten Einsatzes nachwachsender<br \/>\nRohstoffe im Automobil kommen, der nach zwei Jahrzehnten Forschung in<br \/>\nden letzten Jahren endlich begann Realit\u00e4t zu werden. Hinzu kommt, dass<br \/>\nein thermisches Recycling von Naturfaserverbundwerkstoffe \u00e4hnlich wie<br \/>\ndie Verbrennung von Biomasse aufgrund der weitgehenden CO2-Neutralit\u00e4t<br \/>\nnach Untersuchungen in diversen \u00d6kobilanzen als eine \u00f6kologisch<br \/>\nsinnvolle Verwertungsalternative einzustufen ist.<\/p>\n<p>Die hier skizzierten m\u00f6glichen Folgen der Altautorichtlinie sind erst<br \/>\njetzt sichtbar geworden, sie wurden w\u00e4hrend der eigentlichen Debatte von<br \/>\nwichtigeren Themen \u00fcberschattet. In den Automobilkonzernen, bei den<br \/>\nZulieferern und den Rohstoff-Lieferanten wird sp\u00e4testens seit Sommer<br \/>\n2000 intensiv diskutiert, welche Auswirkungen die nun in Kraft getretene<br \/>\nAltautorichtlinie in der Praxis haben wird. In allen<br \/>\nEntwicklungsabteilungen wird derzeit nach Alternativen zu herk\u00f6mmlichen<br \/>\nund insbesondere naturfaserverst\u00e4rkten Verbundwerkstoffen gesucht.<\/p>\n<p>Da die Konzepte f\u00fcr die Fahrzeuge, die 2015 zur\u00fcckgenommen werden<br \/>\nm\u00fcssen, bereits jetzt entwickelt werden, ist eine ad\u00e4quate<br \/>\nBer\u00fccksichtigung nachwachsender Rohstoffe bei der nationalen Umsetzung<br \/>\nder Altautorichtlinie dringend geboten. Werden hier nicht bald<br \/>\neindeutige Signale gesetzt, k\u00f6nnte der Bereich nachwachsende Rohstoffe<br \/>\nungewollt einer der gro\u00dfen Verlierer der Altautorichtlinie werden und<br \/>\ngleichzeitig (gesamt)\u00f6kologisch nachteiligen Werkstoffen die Zukunft<br \/>\ngeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Automobilbereich zu sichern<br \/>\nwerden von verschiedener Seite bereits Vorschl\u00e4ge zu einer m\u00f6glichen<br \/>\nModifikation der Altautorichtlinie bzw. ihrer nationalen Umsetzung<br \/>\ndiskutiert, die in die Richtung gehen, Bauteile mit einem bestimmten<br \/>\nAnteil an nachwachsenden Rohstoffen (z.B. \u00fcber 30% im Gesamtbauteil) zur<br \/>\nstofflichen Quote zu rechnen, auch wenn sie verbrannt werden. \u00c4hnliche<br \/>\nAuslegungen hat es bereits im Verpackungsbereich gegeben.<\/p>\n<p>Die wichtigsten zu kl\u00e4renden Fragen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Erschwert die Altautorichtlinie den Leichtbau?<\/li>\n<li>Welche Verbundwerkstoffe sind betroffen?<\/li>\n<li>Aus f\u00fcr (natur)faserverst\u00e4rkte Verbundwerkstoffe?<\/li>\n<li>Gibt es sinnvolle Alternativen &#8211; technisch, \u00f6konomisch, \u00f6kologisch?<\/li>\n<li>Welche Handlungsspielr\u00e4ume bietet die nationale Umsetzung der Altautorichtlinie?<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen:<br \/>\nnova-Institut GmbH, Goldenbergstra\u00dfe 2, 50354 H\u00fcrth<br \/>\nTel.: 02233-9436-84<br \/>\nFax.: -83<br \/>\nE-Mail: <a HREF=\"mailto:contact@nova-institut.de\">contact@nova-institut.de<\/a><br \/>\nInternet: <a HREF=\"http:\/\/www.altautovo.de\/\">www.altautovo.de<\/a><\/p>\n<p>Autoren:<br \/>\nMichael Karus und Markus Kaup<br \/>\nnova-Institut<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie aus dem Bundesumweltministerium (BMU), das f&uuml;r die nationale Umsetzung der Altautorichtlinie zust&auml;ndig ist, bekannt wurde, soll der in Bearbeitung befindliche Referentenentwurf &#8220;keine Privilegien&#8221; f&uuml;r<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-4992","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4992","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4992"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4992\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4992"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4992"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4992"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=4992"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}