{"id":49756,"date":"2018-02-02T07:29:43","date_gmt":"2018-02-02T06:29:43","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=49756"},"modified":"2018-02-16T15:08:15","modified_gmt":"2018-02-16T14:08:15","slug":"biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien\/","title":{"rendered":"Biobasierte Materialien \u2013 Werkstoffe und Textilien"},"content":{"rendered":"<p>Die Mehrzahl bisheriger Materialien wird auf der Basis von Erd\u00f6l hergestellt. Doch laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wird sp\u00e4testens im Jahr 2035 die maximale F\u00f6rderung der globalen Erd\u00f6lvorkommen erreicht sein. Eine Alternative k\u00f6nnten Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe sein. Diese haben nicht nur eine bessere Umweltbilanz, sondern liefern mitunter auch ganz neue Anwendungsperspektiven in der Industrie.<\/p>\n<p>Inhalt:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien#1\" target=\"_blank\">Biodiversit\u00e4t der Rohstoffe<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien#2\" target=\"_blank\">Werkstoffe und Textilien<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien#3\" target=\"_blank\">Anwendungsbereiche<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/biobasierte-materialien-werkstoffe-und-textilien#4\" target=\"_blank\">\u00d6ffentliche F\u00f6rderung<\/a><\/p>\n<p>Biodiversit\u00e4t der Rohstoffe<\/p>\n<p>Die meisten Materialien, die heutzutage Verwendung finden, werden bisher auf der Basis von Erd\u00f6l hergestellt. Doch inzwischen haben Wissenschaft und Wirtschaft Wege gefunden, nat\u00fcrliche Rohstoffe f\u00fcr die Produktion von Biomaterialien zu nutzen. Auf diese Weise kann die Biodiversit\u00e4t der Natur immer h\u00e4ufiger f\u00fcr den Einsatz von Materialien erschlossen werden.<\/p>\n<p>Pflanzen \u2013 nat\u00fcrliche Biodiversit\u00e4t nutzen<\/p>\n<p>Zu den wichtigsten Biomasseproduzenten geh\u00f6ren Pflanzen, sie bilden daher auch den wichtigsten Rohstoff f\u00fcr Biomaterialien. Deutschland verf\u00fcgt \u00fcber zw\u00f6lf Millionen Hektar Ackerland, davon werden derzeit etwa 400.00 Hektar f\u00fcr den Anbau von Industriepflanzen, wie Mais, Raps, Sonnenblumen und Zuckerr\u00fcben, verwendet. Der gr\u00f6\u00dfte Anteil dieser Pflanzen wird f\u00fcr die Herstellung von technischen \u00d6len und Industriest\u00e4rke genutzt. St\u00e4rke ist ein wichtiger Rohstoff f\u00fcr die Chemiebranche, um verschiedenste Materialien zu produzieren. Sie wird unter anderem f\u00fcr die Erzeugung von biobasierten Kunststoffen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Doch in den letzten Jahren wurde die Palette pflanzlicher Rohstoffe f\u00fcr die Materialproduktion stetig erweitert. Im Fokus stehen vor allem solche Pflanzen, die hierzulande mit wenig Energieaufwand angebaut werden k\u00f6nnen und gleichzeitig interessante Inhaltstoffe liefern, etwa der L\u00f6wenzahn. Auch Gr\u00e4ser, die im Rahmen von kreislaufbasierten Nutzungskonzepten angebaut und weiterverarbeitet werden k\u00f6nnen, stehen hoch im Kurs. International haben sich zudem Rizinussamen als Basis f\u00fcr die \u00a0Produktion von Kunststoffen etabliert. Auch die Nutzung von Stroh als Rohstoff steht vielerorts auf der Agenda, da dieser landwirtschaftliche Abfall bisher selten genutzt wurde und Wissenschaftler neue Technologien entwickelt haben, um das im Stroh enthaltenen Lignin industriell weiterverarbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Holz \u2013\u00a0komplexe Zucker aus Lignin gewinnen<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum Ackerland verf\u00fcgt Deutschland \u00fcber mehr als elf Mio. Hektar Wald, die zentraler Lieferant f\u00fcr den Rohstoff Holz sind (siehe auch: Der Wald als Ressource). Holz ist als pflanzliches Gewebe aus Zellen mit Zellw\u00e4nden aufgebaut, diese sind mit der Ger\u00fcstsubstanz Lignin ausgekleidet. Ansonsten besteht Holz \u00fcberwiegend aus den Kohlenhydraten Cellulose, Hemicellulose und Xylose. Cellulose und Hemicellulose werdenschon seit langem f\u00fcr die Faser- und Papierproduktion genutzt. Seit Forscher besser verstanden haben, wie sich die in Lignin enthaltenen Zucker gezielt nutzen lassen, kann dieser Rohstoff auch in der industriellen Herstellung f\u00fcr h\u00f6herwertige Produkte wie biobasierte Grundchemikalien oder Kosmetikinhaltsstoffe eingesetzt werden. Inzwischen haben sich einige Bioraffinerien auf die Weiterverarbeitung dieses Rohstoffs spezialisiert.<\/p>\n<div class=\"BorlabsCookie _brlbs-cb-youtube\">\n<div class=\"_brlbs-content-blocker\">\n<div class=\"_brlbs-embed _brlbs-video-youtube\"> <img decoding=\"async\" class=\"_brlbs-thumbnail\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/plugins\/borlabs-cookie\/assets\/images\/cb-no-thumbnail.png\" alt=\"YouTube\"> <\/p>\n<div class=\"_brlbs-caption\">\n<p>By loading the video, you agree to YouTube&#8217;s privacy policy.<br \/><a href=\"https:\/\/policies.google.com\/privacy?hl=en&amp;gl=en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Learn more<\/a><\/p>\n<p><a class=\"_brlbs-btn _brlbs-icon-play-white\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Load video<\/a><\/p>\n<p><label><input type=\"checkbox\" name=\"unblockAll\" value=\"1\" checked> <small>Always unblock YouTube<\/small><\/label><\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"youtube\"><script type=\"text\/template\">PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iRm9sZ2UgMTAg4oCTIFpvb20g4oCTIFJhZmZpbmllcnRlIENoZW1pZSBhdXMgSG9seiIgd2lkdGg9IjUwMCIgaGVpZ2h0PSIyODEiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvRE92UENxZnRxaVk\/ZmVhdHVyZT1vZW1iZWQiIGZyYW1lYm9yZGVyPSIwIiBhbGxvdz0iYWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGNsaXBib2FyZC13cml0ZTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhOyBneXJvc2NvcGU7IHBpY3R1cmUtaW4tcGljdHVyZTsgd2ViLXNoYXJlIiByZWZlcnJlcnBvbGljeT0ic3RyaWN0LW9yaWdpbi13aGVuLWNyb3NzLW9yaWdpbiIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPjwvaWZyYW1lPg==<\/script><\/div>\n<\/div>\n<p>Folge 10 \u2013 Zoom \u2013 Chemie aus Holz &#8211; BIOCOM AG<br \/>\nAlgen \u2013 n\u00fctzliche Produktionshelfer im Miniformat<\/p>\n<p>Im aquatischen Bereich bieten Algen als Biomasseproduzent eine Alternative. Sie konkurrieren nicht mit Lebensmitteln und fallen teilweise sogar als Reststoffe bei industriellen Anwendungen, wie der Biodieselproduktion, an. Aus den hierin enthaltenen Algen l\u00e4sst sich unter anderem PLA extrahieren. Angereichert mit nanoskaligen Fasern und F\u00fcllstoffen aus Bananen- und Mandelschalen oder Fischereiabf\u00e4llen wie Chitin aus Krustentieren lassen sich daraus Kunststofffolien herstellen, wie Fraunhofer-Forscher gemeinsam mit internationalen Kollegen festgestellt haben. Auch f\u00fcr Verbandsmaterialien sind Algen sind eine Rohstoffquelle. Bestimmte Alginate, die aus Braunalgen gewonnen werden und reich an Kalzium- und Natriumionen sind, werden heutzutage bereits in der Wundversorgung als Hydrogele eingesetzt. Sie binden das Wundsekret zu einem Gel und schaffen dadurch ein feuchtes Milieu. Die Alginat- Wundversorgung bietet sich bei stark n\u00e4ssenden, infizierten Wunden an.<\/p>\n<p>Mikroben \u2013\u00a0vielseitige Winzlinge im Bioreaktor<\/p>\n<p>Auch die Entwicklung von Produktionsprozessen auf der Basis von Mikroorganismen und Enzymen erm\u00f6glicht neue Ans\u00e4tze f\u00fcr die Herstellung von Materialien. Schon lange vor ihrer eigentlichen Entdeckung, hat der Mensch sich die enormen F\u00e4higkeiten von Mikroorganismen zunutze gemacht. Man denke nur an die Verg\u00e4rung von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zu Alkohol mithilfe von Hefen oder die Milchs\u00e4ureg\u00e4rung unter Verwendung von Bakterien. Heute ist der Mensch in der Lage diese F\u00e4higkeiten auch gezielt f\u00fcr die Produktion von Materialien einzusetzen. Da komplexe Stoffumwandlungen mit hoher Ausbeute bei Zimmertemperatur und Normaldruck bew\u00e4ltigen, kommen sie inzwischen vielfach bei der Produktion von chemischen Bausteinen zum Einsatz, die wiederum als Basis f\u00fcr Biokunststoffe dienen. Der molekularbiologische Fortschritt hat zudem erlaubt, auf diese Weise ganz neue Herstellungsverfahren f\u00fcr neue Materialien zu etablieren. So k\u00f6nnen Mikroben heutzutage zum Beispiel Spinnenseide herstellen.<\/p>\n<p>Abf\u00e4lle als Basis f\u00fcr neue Materialien<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus r\u00fccken weitere bislang nicht genutzte organische Rest- und Abfallstoffe zunehmend als wertvolle Ressourcen und vielversprechende Ausgangsbasis f\u00fcr Materialien in den Fokus. Um diese Biomasse als Rohstoff durch Kuppel- und Kaskadennutzung bis hin zu Recyclingprozessen in einen nachhaltigen Stoffkreislauf einzubringen, arbeiten Forscher weltweit an effizienten Verfahren und Technologien. Vor diesem Hintergrund verfolgen viele Ans\u00e4tze der Bio\u00f6konomie auch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Diese verfolgt das Ziel, dass in einer Welt mit endlichen Ressourcen nur Produktionsverfahren mit einem hundertprozentigen Kreislauf unbeschr\u00e4nkt fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Idealerweise sollte in einer \u201eCircular Economy\u201c \u00fcberhaupt kein M\u00fcll mehr anfallen. Statt Reststoffe zu deponieren oder zu verbrennen, sollen sie \u00a0als Rohstoffe wieder vollst\u00e4ndig in den Produktionsprozess zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Recycling, um Abfallprodukte als Sekund\u00e4rrohstoffe wiederverwerten zu k\u00f6nnen sowie die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff \u00fcber mehrere Stufen genutzt wird, sind daher wichtige Elemente einer biobasierten Wirtschaft.<\/p>\n<p>Werkstoffe und Textilien<\/p>\n<p>Erd\u00f6l ist in unserem Alltag allgegenw\u00e4rtig, nicht nur als Energiequelle \u2013 etwa zwei Drittel des gef\u00f6rderten Erd\u00f6ls werden hierf\u00fcr verbraucht \u2013 das restliche \u00d6l steckt in irgendeiner Form in nahezu allen Produkten des t\u00e4glichen Lebens. So sind beispielsweise 60 Liter Erd\u00f6l durchschnittlich in einer Couch verarbeitet, in einer Zahnb\u00fcrste stecken 0,1 bis 0,2 Liter Erd\u00f6l, ebenso viel im Handy, die Ein-Liter-Flasche aus PET enth\u00e4lt 0,2 bis 0,3 Liter Erd\u00f6l, der Motorradhelm 1,3 Liter. Bodenbel\u00e4ge, Fasern f\u00fcr Kleidung, CDs und DVDs, Schuhsohlen, Tennisschl\u00e4ger, Campingzelt \u2013 die Aufz\u00e4hlung lie\u00dfe sich endlos fortsetzen und verdeutlich, welch gro\u00dfes Potenzial in biobasierten Alternativen steckt, vor allem im Bereich der biobasierten Kunststoffe.<\/p>\n<p>Neue Alternative f\u00fcr fossile Kunststoffe<\/p>\n<p>Heutzutage k\u00f6nnte fast jeder konventionelle fossile Kunststoff bereits durch einen alternativen biobasierten Kunststoff ersetzt werden. Wobei es biobasierte oder \u00adteilweise biobasierte Kunststoffe gibt, die nicht biologisch abbaubar sind sowie Kunststoffe, die sowohl biobasiert als auch biologisch abbaubar sind.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem unterscheidet man biobasierte Drop-in-L\u00f6sungen und neuartige Biopolymere. Unter Drop-in-L\u00f6sungen werden biobasierte Kunststoffe verstanden, die einen biobasierten Rohstoff f\u00fcr eine bekanntes Material auf Mineral\u00f6lbasis nutzt oder Teile bisheriger Materialkombinationen auf ein biobasiertes Verfahren umstellt. Beispiele daf\u00fcr sind Bio-PET (Polyethylenterephthalat), Bio-PE (Polyethylen), Bio-PP (Polypropylen) und Bio-PVC (Polyvinylchlorid). Diese biobasierten Kunststoffe haben identische Eigenschaften wie die jeweiligen Originale. Sie lassen sich in bestehende Anlagen integrieren.<\/p>\n<p>Biobasierte neuartige Polymere, auch Biopolymere genannt, haben hingegen neue Eigenschaften, f\u00fcr sie muss daher ein v\u00f6llig neues Herstellungsverfahren entwickelt und etabliert werden. Dadurch er\u00f6ffnen sich auch neue Anwendungsgebiete, allerdings sind hier vergleichsweise hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung n\u00f6tig, bis der gew\u00fcnschte Werkstoff mit den spezifischen Eigenschaften gefunden ist und entsprechend im hohen Durchsatz nach industriellen Anspr\u00fcchen produziert werden kann. Zu diesen Biopolymeren geh\u00f6ren beispielsweise PLA (Polylactid), PHA (Polyhydroxyalkanoate) oder PEF (Polyethylenfuranoat). Gerade neue Kunststoffe m\u00fcssen sich aber auch der Herausforderung des Recyclings stellen. Bei PLA beispielsweise handelt es sich um einen Biokunststoff, der aus Mais gewonnen wird, und sich im Markt aufgrund von nicht zug\u00e4nglichen Recyclingsystemen nicht fl\u00e4chendeckend durchsetzen konnte. Anders verh\u00e4lt es sich mit PEF, das sich gut wiederverwerten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Biobasierte Verbundwerkstoffe<\/p>\n<p>Damit ein Material die gew\u00fcnschten Eigenschaften erh\u00e4lt, werden h\u00e4ufig keine reinen Kunststoffe verarbeitet. Stattdessen werden Blends verwendet, d.h. es kommen verschiedene Kunststoffe gleichzeitig zum Einsatz oder es werden Fasernund Kunststoffe kombiniert. Auch hier gibt es inzwischen Verbundwerkstoffe, die entweder vollst\u00e4ndig oder teilweise mit biobasierten Rohstoffen hergestellt werden.<\/p>\n<p>Zu den wichtigsten biobasierten, nicht\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad abbaubaren Kunststoffen z\u00e4hlen die sogenannten Bioverbundwerkstoffe. Mindestens eine der beiden Hauptkomponenten von Bioverbundwerkstoffen wurde also auf Basis von Biomasse gefertigt. Die beiden wichtigsten Bioverbundwerkstoffe sind die naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffe (NFK). Hierzu geh\u00f6ren beispielsweise Hanf-, Flachs-, Jute- und Flachsfasern mit Polypropylen, Polyethylen, Polyethylenterephthalat oder Phenolharz sowie die Holz-Polymer-Werkstoffe (Wood-Plastics-Composites, WPC). Bei den Wood-Plastics-Composites handelt es sich um thermoplastisch zu verarbeitende Verbundwerkstoffe, etwa aus Polyethylen oder Polypropylen mit bis zu 80 Proz\u00adent Holzmehl und Additiven, wie Haftvermittler, UV-Schutzmittel und Farbpigmenten.<\/p>\n<p>Weitere Materialien und Fasern<\/p>\n<p>Dank der Entwicklung neuer Verfahren und Technologien werden heute schon diverse weitere Produkte aus vollst\u00e4ndig biobasierten Materialien hergestellt. Mithilfe chemischer Prozesse beispielsweise werden aus nat\u00fcrlichen Polymeren Fasern hergestellt, beispielsweise Viskose aus Cellulose. Allerdings werden bei der Herstellung von Viskose ungesunde und \u00ad\u00ad\u00ad\u00adumweltsch\u00e4dliche Gifte wie Schwefelwasserstoff (H2S) und Schwefelkohlenstoff (CS2) freigesetzt. Cellulosefasern wie Tencel- und Lyocellfasern haben dieses Problem nicht. F\u00fcr ihre Produktion wurde ein Direkt-L\u00f6se-Verfahren entwickelt, das auf ein ungiftiges L\u00f6sungsmittel setzt und in einem geschlossenen Stoffkreislauf funktioniert.<\/p>\n<p>Dank der Biotechnologie kommen auch neue Verfahren zum Einsatz, die Mikroorganismen oder Enzyme nutzen, um neue Fasern zu gewinnen. So wird Spinnenseide heutzutage bereits mithilfe von Bakterien in einem industriellen Verfahren hergestellt. Der Sportartikelhersteller Adidas nutzt den Stoff f\u00fcr Sneaker.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel aus der Natur, dessen Kopie biotechnologisch nachgebaut werden soll, ist der Stiel, mit dem Florfliegen ihre Eier an Bl\u00e4ttern befestigen. Er ist sehr biegesteif und k\u00f6nnte somit als Verst\u00e4rkungsmaterial in Kompositen dienen. Aus der Faser des Muschelbarts, mit ihr halten sich Muscheln am Untergrund fest, k\u00f6nnten mithilfe von Mikroben die ersten synthetischen Sehnen produziert werden.<\/p>\n<p>Durch neue Verfahren und Technologien finden auch Abfallprodukte wie Holzschliff und pflanzliche Reststoffe wie Reish\u00fclsen, Ananas- oder Eukalyptusbl\u00e4tter u. v. a. wieder Verwendung. Beispiele hierzu im folgenden Kapitel und unter der Rubrik Produkte.<\/p>\n<p>Anwendungsbereiche<\/p>\n<p>Die Anwendungsbereiche f\u00fcr biobasierte Werkstoffe sind vielf\u00e4ltig, vor allem wenn es sich um biobasierte Kunststoffe handelt. Von A wie Armaturenbrett \u00fcber B wie Brotdose, C wie Computergeh\u00e4use, D wie D\u00fcbel bis Z wie Zahnb\u00fcrste, in allen Lebensbereichen sind Kunststoffe zu finden \u2013\u00a0daher gibt es auch f\u00fcr die biobasierten Alternativen ein gro\u00dfes Nutzungspotential.<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 wurden weltweit 311 Mio. Tonnen Kunststoffe produziert, laut Branchenverband European Bioplastics aber nur 1,7 Mio. Tonnen Bioplastik. Diese Zahl hat sich 2016 mehr als verdoppelt, inzwischen wurden weltweit 4,16 Mio. Tonnen biobasierte Kunststoffe produziert. Zu den gr\u00f6\u00dften Nutzern z\u00e4hlt hier die Verpackungsindustrie. Sie nutzt bereits 1,6 Mio. Tonnen (39%) biobasierten Kunststoff, etwa f\u00fcr Lebensmittelfolien.<\/p>\n<p>Vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten<\/p>\n<p>Bedarf ist also reichlich vorhanden, nicht nur bez\u00fcglich biobasierter Verpackungen und Folien. Im Jahr 2009 f\u00fchrte Coca Cola eine Flasche ein, die zu 30% aus pflanzlichem Material besteht. Zuckerrohr basiertes Ethanol aus Brasilien ersetzt anteilig die Rohstoffe auf Erd\u00f6lbasis, die normalerweise zur Herstellung von PET-Flaschen ben\u00f6tigt werden. Die Flasche ist ebenso wie Flaschen aus herk\u00f6mmlichen PET vollst\u00e4ndig recycelbar. Es wird sowohl daran gearbeitet, das Material f\u00fcr die Flaschen zu 100% aus Pflanzenabf\u00e4llen zu gewinnen als auch an Verfahren, Bio-Ethanol aus anderen Pflanzen und Pflanzenresten herzustellen.<\/p>\n<p>Auch in der Medizin werden biobasierte Kunststoffe bereits seit Jahren eingesetzt. Polymilchs\u00e4ure (PLA) beispielsweise wird h\u00e4ufig als chirurgisches Nahtmaterial genutzt oder es kommt in resorbierbaren Implantaten wie Schrauben, N\u00e4geln und Platten zum Einsatz. Das Material wird durch den Stoffwechsel abgebaut und macht so eine weitere Operation zur Entnahme \u00fcberfl\u00fcssig. Auch in Hygieneartikeln finden biobasierte Kunststoffe h\u00e4ufig Verwendung, als Windelfolie oder Betteinlagen und auch in Einmalhandschuhen werden die biobasierten Folien bereits genutzt.<\/p>\n<p>Naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe (NFK) zeichnen sich durch eine hohe Stabilit\u00e4t aus, diese erhalten sie durch die eingearbeiteten Naturfasern. Bauteile aus NFK weisen somit hohe Festigkeiten sowie eine geringe Dichte auf, d. h. sie sind mechanisch strak belastbar und gleichzeitig leicht. Durch diese Eigenschaften sind sie optimal f\u00fcr den Automobilbau geeignet, wo sie auch haupts\u00e4chlich Verwendung finden, u. a. f\u00fcr den Bau von T\u00fcrverkleidungen, Sitzschalen und Hutablagen. Immerhin besteht ein modernes Auto zu etwa einem Drittel aus Kunststoff.<\/p>\n<p>Aber es gibt auch Beispiele aus anderen Bereichen, in denen naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe eingesetzt werden. So stellt die hessische Firma Biowert Terrassendielen aus einem Kunststoff her, der zu 75% aus Wiesengras besteht.<\/p>\n<p>Wood-Plastics-Composites finden vor allem in der Baubranche Anwendung. Hier werden sie gerne genutzt f\u00fcr die Produktion von Terrassenbel\u00e4gen, Bootsstegen und Promenaden, aber auch f\u00fcr Au\u00dfenfassaden, als Sicht- und L\u00e4rmschutzw\u00e4nde, Z\u00e4une sowie Gel\u00e4nder, Fensterrahmen und T\u00fcren.<\/p>\n<p>Investionen in F&amp;E erforderlich<\/p>\n<p>Einen herk\u00f6mmlichen Kunststoff durch einen Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen zu ersetzen ist oft kein Kinderspiel. Es kann nicht einfach weiterproduziert werden wie bisher. Diese Erfahrung machten auch zwei Unternehmen aus Baden-W\u00fcrttemberg. Gemeinsam suchten die Unternehmen Eurodisc und Tecnaro die optimale Rezeptur zur Herstellung einer Frisbee-Scheibe aus nachwachsenden Rohstoffen. F\u00fcndig wurden sie erst nach mehr als drei Jahren. Erste Prototypen waren zu schwer, die Scheiben flogen nicht. Dann wiederum war das Material nicht flexibel genug, bildete bei der Verarbeitung Blasen oder war zu klebrig. Schlie\u00dflich kam bei den Frisbee-Scheiben eine Rezeptur aus Polyethylen auf Basis von Zucker und einem Bio-Polyethylen zum Einsatz.<\/p>\n<p>Noch l\u00e4nger arbeitete die Firma AmSilk aus Martinsried an der Entwicklung eines ganz besonderen Materials. Schon lange begeistern sich Biomaterialforscher f\u00fcr die besonderen Eigenschaften von Spinnenseide. Spinnenseide ist ultraleicht, extrem robust, antibakteriell und superelastisch. Elf Jahre dauerte es bis zur Marktreife der Faser namens Biosteel. Die k\u00fcnstliche Spinnenseide wird rekombinant, also mit gentechnisch ver\u00e4nderten Bakterien hergestellt. Sie ist nicht nur leicht und fest, sondern mit einem Enzym auch vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar und ressourcenschonend herzustellen. Inzwischen wird die Spinnenseide nicht nur in einem Laufschuh, der rund 15% leichter ist als vergleichbare Schuhe, verarbeitet, sondern findet auch Anwendung in der Beschichtung von Implantaten oder als Basis f\u00fcr die Herstellung von Herzersatzgewebe.<\/p>\n<p>Des Weiteren gibt es sehr viele Projekte und Ideen, die sich damit besch\u00e4ftigen, rein biobasierte Materialien oder Reststoffe sinnvoll weiter zu verwerten. Im Bereich des Caterings werden diese Materialien gerne eingesetzt, da Verpackungsmaterialien aus Holzschliff, Einweggeschirr aus Zuckerrohrfaser, ein Reststoff, der massenhaft durch die Zucker-Extraktion bei der Gewinnung von Rohrzucker entsteht, sowie Besteck aus Palmbl\u00e4ttern gemeinsam entsorgt werden k\u00f6nnen, denn die Produkte sind alle komplett kompostierbar.<\/p>\n<p>Auch in der Modebranche werden immer h\u00e4ufiger Verfahren eingesetzt, um aus Reststoffen neue Materialien zu gewinnen. Kleider aus Fasern, die aus Milchabf\u00e4llen der Lebensmittelindustrie gewonnen werden oder Lachshaut als Leder f\u00fcr G\u00fcrtel und Taschen. Recycelte Polyesterfasern und Reish\u00fclsen werden zum Sneaker oder in Kombination mit Kaffeesatz zur Funktionskleidung. Auch aus heimischem Holz sowie aus Bambus werden Fasern f\u00fcr die Bekleidungsbranche. Im Vergleich zur Baumwolle sind sie deutlich umweltschonender \u2013 sie verbrauchen weniger Wasser und sparen auch CO2 ein.<\/p>\n<p>Weitere Infos zu einzelnen Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen oder auch Reststoffen finden Sie in der Rubrik Produkte und im nachfolgenden Video.<\/p>\n<div class=\"BorlabsCookie _brlbs-cb-youtube\">\n<div class=\"_brlbs-content-blocker\">\n<div class=\"_brlbs-embed _brlbs-video-youtube\"> <img decoding=\"async\" class=\"_brlbs-thumbnail\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/plugins\/borlabs-cookie\/assets\/images\/cb-no-thumbnail.png\" alt=\"YouTube\"> <\/p>\n<div class=\"_brlbs-caption\">\n<p>By loading the video, you agree to YouTube&#8217;s privacy policy.<br \/><a href=\"https:\/\/policies.google.com\/privacy?hl=en&amp;gl=en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Learn more<\/a><\/p>\n<p><a class=\"_brlbs-btn _brlbs-icon-play-white\" href=\"#\" data-borlabs-cookie-unblock role=\"button\">Load video<\/a><\/p>\n<p><label><input type=\"checkbox\" name=\"unblockAll\" value=\"1\" checked> <small>Always unblock YouTube<\/small><\/label><\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"borlabs-hide\" data-borlabs-cookie-type=\"content-blocker\" data-borlabs-cookie-id=\"youtube\"><script type=\"text\/template\">PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iRm9sZ2UgNCDigJMgWm9vbSsg4oCTIEdyw7xuZSBQcm9kdWt0aW9uIiB3aWR0aD0iNTAwIiBoZWlnaHQ9IjI4MSIgc3JjPSJodHRwczovL3d3dy55b3V0dWJlLW5vY29va2llLmNvbS9lbWJlZC9IN3JlRDlDcmtxND9mZWF0dXJlPW9lbWJlZCIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93PSJhY2NlbGVyb21ldGVyOyBhdXRvcGxheTsgY2xpcGJvYXJkLXdyaXRlOyBlbmNyeXB0ZWQtbWVkaWE7IGd5cm9zY29wZTsgcGljdHVyZS1pbi1waWN0dXJlOyB3ZWItc2hhcmUiIHJlZmVycmVycG9saWN5PSJzdHJpY3Qtb3JpZ2luLXdoZW4tY3Jvc3Mtb3JpZ2luIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4+PC9pZnJhbWU+<\/script><\/div>\n<\/div>\n<p>Folge 4 \u2013 Zoom+ \u2013 Gr\u00fcne Produktion<\/p>\n<h3>\u00d6ffentliche F\u00f6rderung<\/h3>\n<p>Die Bundesregierung hat sich in Deutschland schon fr\u00fchzeitig darauf verst\u00e4ndigt, wie Forschungspolitik die Entwicklung einer nachhaltigen Bio\u00f6konomie vorantreiben kann. Als eines der ersten L\u00e4nder hat Deutschland Ende 2010 eine langfristig angelegte, ressort\u00fcbergreifende \u201eNationale Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030\u201c ver\u00f6ffentlicht und damit hierzulande erstmals konkrete Weichen f\u00fcr eine biobasierten Wirtschaft gestellt.<\/p>\n<p>Die Strategie wurde unter Federf\u00fchrung des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit sechs weiteren Ministerien erarbeitet. Unter ihrem Dach wurden insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro an Mitteln f\u00fcr Forschung und Entwicklung (F&amp;E) zur Verf\u00fcgung gestellt. Die \u201eNationale Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030\u201c hat alle zum damaligen Zeitpunkt relevanten Ziele und Visionen konkretisiert und hier auch im internationalen Vergleich einen hohen Standard gesetzt. Kaum ein anderes Land hat sich so fr\u00fch und dezidiert mit den Themen der Bio\u00f6konomie und ihrer Bedeutung f\u00fcr den industriellen Strukturwandel sowie f\u00fcr den Klima- und Umweltschutz im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Die industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe \u2013 unter Ber\u00fccksichtigung des Primats der Ern\u00e4hrungssicherung \u2013 ist daher ein zentraler Treiber der Bio\u00f6konomie. Zunehmend wird hierbei das gro\u00dfe Potenzial der Verwertung bislang ungenutzter Nebenstr\u00f6me oder Rest- und Abfallstoffe erschlossen. Unter dem Dach der Forschungsstrategie werden daher effiziente und intelligente Verfahren und Technologien gef\u00f6rdert, um Biomasse als Rohstoff durch Kaskadennutzung bis hin zu Recyclingprozessen in einen nachhaltigen Stoffkreislauf einzubringen und die Wertsch\u00f6pfung zu steigern.<\/p>\n<p>Mit der im Sommer 2013 vom Bundeskabinett beschlossenen \u201eNationalen Politikstrategie Bio\u00f6konomie\u201c hat die Bundesregierung einen weiteren Meilenstein f\u00fcr den Wandel zu einer biobasierten, nachhaltigen Wirtschaft gelegt. Die unter Federf\u00fchrung des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) erstellte, ressort\u00fcbergreifend wirksame Strategie hat sich zum Ziel gesetzt, eine koh\u00e4rente Politikgestaltung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mehrzahl bisheriger Materialien wird auf der Basis von Erd\u00f6l hergestellt. Doch laut der Internationalen Energieagentur (IEA) wird sp\u00e4testens im Jahr 2035 die maximale F\u00f6rderung der globalen Erd\u00f6lvorkommen erreicht sein. Eine Alternative k\u00f6nnten Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe sein. 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