{"id":49138,"date":"2018-01-23T06:41:08","date_gmt":"2018-01-23T05:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?guid=973260e70febb87fdfa8598e1ab84f1e"},"modified":"2018-01-17T09:59:13","modified_gmt":"2018-01-17T08:59:13","slug":"biologisch-abbaubare-mikroplastik-alternativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biologisch-abbaubare-mikroplastik-alternativen\/","title":{"rendered":"Biologisch abbaubare Mikroplastik-Alternativen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach wie vor wird in kosmetischen Pflegeprodukten Mikroplastik eingesetzt, obwohl die umweltsch\u00e4digenden Folgen hinl\u00e4nglich bekannt sind. Winzige Plastikpartikel aus Peelings und anderen Hautpflegeprodukten gelangen \u00fcber die Abwassersysteme ins Meer und schlie\u00dflich in unsere Nahrungskette. In einem Forschungsprojekt hat das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS gemeinsam mit Partnern Materialien getestet, die Mikroplastik in Kosmetikprodukten ersetzen k\u00f6nnen und biologisch abbaubar sind.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_49265\" aria-describedby=\"caption-attachment-49265\" style=\"width: 287px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-49265\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/1515571781426_020118-PM-microplastics.jpg\" alt=\"Fotografische Abbildung der Zahnschmelzproben im Ausgangszustand, nach Verf\u00e4rbung und nach der Reinigung. Die Reinigung der Proben erfolgte mit einer Cellulose-haltigen Zahnpasta.\" width=\"287\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515571781426_020118-PM-microplastics.jpg 868w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515571781426_020118-PM-microplastics-300x136.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515571781426_020118-PM-microplastics-600x272.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-49265\" class=\"wp-caption-text\">Fotografische Abbildung der Zahnschmelzproben im Ausgangszustand, nach Verf\u00e4rbung und nach der Reinigung. Die Reinigung der Proben erfolgte mit einer Cellulose-haltigen Zahnpasta.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In vielen Kosmetikartikeln wie K\u00f6rperpeelings oder Deodorants sind kleinste Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik, beispielsweise aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) enthalten. Als \u00bbsanfte Abrasiva (Schleifmittel)\u00ab entfernen sie durch Reibung abgestorbene Hautschuppen und regen die Durchblutung der Haut an. Wegen ihrer chemischen Best\u00e4ndigkeit und ihrer Farb-, Geruchs- sowie Geschmacklosigkeit werden sie dar\u00fcber hinaus auch h\u00e4ufig als Stabilisatoren und F\u00fcllmittel eingesetzt. Polyethylen und Polypropylen sind biologisch nicht abbaubar und wegen der geringen Partikelgr\u00f6\u00dfe von weniger als 5 Millimetern kann das mit Kosmetika ins Abwasser gelangte Mikroplastik in Kl\u00e4ranlagen nicht ausreichend entfernt werden. Damit gelangt es in die Umwelt und in unsere Gew\u00e4sser. Im Meer werden die Mikroplastikpartikel von Lebewesen aufgenommen und gelangen so schlussendlich in unsere Nahrungskette. Viele Kosmetik-Hersteller haben daher angek\u00fcndigt, auf den Einsatz von Mikroplastik zu verzichten und stattdessen in Zukunft geeignete Alternativen einzusetzen.<\/p>\n<p>Mit dem jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekt \u00bbKosLigCel\u00ab im Rahmen des Spitzenclusters BioEconomy leistet das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS einen Beitrag dazu. In dem vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung gef\u00f6rderten Projekt wurden gemeinsam mit der CFF GmbH, einem Zellstoffverarbeiter aus Gehren in Th\u00fcringen, sowie der Skinomics GmbH aus Halle (Saale), die haupts\u00e4chlich f\u00fcr galenische und dermatologische Untersuchung der Produkte zust\u00e4ndig ist, erfolgreich Alternativen aus biologisch abbaubaren Materialien entwickelt und getestet.<\/p>\n<p>Das Ziel war eine kosteng\u00fcnstige Herstellung biologisch abbaubarer Cellulosepartikel aus Buchenholz, Hafer, Weizen und Mais, die die Anforderungen an Abrasivit\u00e4t und Reinigungsleistung in Zahn- und Hautpflege-Produkten erf\u00fcllen. Konkret wurden Alternativen f\u00fcr K\u00f6rperpeelings und Zahncremes getestet. Die besondere Herausforderung lag darin, die Cellulosepartikel so zu designen, dass ihre Gr\u00f6\u00dfe, Form, H\u00e4rte sowie Oberfl\u00e4chenstruktur zu den gew\u00fcnschten Produkteigenschaften f\u00fchrt. Dazu wurde Cellulose aus Buchenholz speziell modifiziert und der Optimierungsprozess durch Mikrostrukturanalytik am Fraunhofer IMWS begleitet.<\/p>\n<p>\u00bbWir haben nach zweij\u00e4hriger Forschungsarbeit mit den Projektpartnern sehr gute Ergebnisse erzielt: eine Testzahnpasta mit den optimierten Buchenholz-Cellulosepartikeln zeichnet sich durch eine geringe Abrasionswirkung, aber dennoch gute Reinigungsleistung aus\u00ab, sagt Dr. Sandra Sarembe, Projektkoordinatorin am Fraunhofer IMWS. Die biologisch abbaubaren Partikel in der Zahnpasta dienen der mechanischen Entfernung von bakterieller Plaque, Zahnverf\u00e4rbungen und Essensr\u00fcckst\u00e4nden, dabei d\u00fcrfen sie den Zahnschmelz allerdings nicht besch\u00e4digen. \u00bbBei der Materialcharakterisierung mehrerer Cellulose-Typen haben wir durchweg positive Daten erhoben. Dies gilt auch f\u00fcr den Einsatz dieser Stoffe in Waschpeelings und anderen Hautkosmetika\u00ab, sagt Sarembe weiter. Das Forscherteam konnte materialwissenschaftlich best\u00e4tigen, dass Cellulose-Partikel in Kosmetikprodukten als Ersatz f\u00fcr Polyethylen vergleichbare Wirkung zeigen. Zudem sind sie im Wasser biologisch abbaubar und k\u00f6nnen kosteng\u00fcnstig hergestellt werden. Auch als F\u00fcllstoff in Aluminium-freien Deodorants kommen die Cellulose-Partikel infrage.<\/p>\n<p>\u00bbDie Nutzung von Cellulose als biobasierte F\u00fcllstoffe k\u00f6nnte auch in weiteren Einsatzfeldern wie in medizinischen Produkten m\u00f6glich sein. Au\u00dferdem sind verschiedene Cellulose-Typen mischbar, die einen breiten Einsatz versprechen. Daher weisen die Partikel ein hohes Potenzial f\u00fcr neue Produktentwicklungen sowie attraktive Marketingm\u00f6glichkeiten f\u00fcr nachhaltige oder sogar vegane Produkte auf\u00ab, sagt Dr. Andreas Kiesow, Projektleiter am Fraunhofer IMWS.<\/p>\n<p>Die gewonnen Ergebnisse k\u00f6nnen zuk\u00fcnftig auch f\u00fcr die Entwicklung in anderen Kosmetikbereichen wie etwa in der dekorativen Kosmetik f\u00fcr Mascara, Puder oder Lippenstift dienen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_49266\" aria-describedby=\"caption-attachment-49266\" style=\"width: 472px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-49266\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/1515508204740_2015-10-14-Cellulosefasernslider.jpg\" alt=\"Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Cellulosepartikeln aus Buchenholz, die in verschiedene Pflegeprodukte eingearbeitet wurden.  \u00a9 Foto Fraunhofer IMWS\" width=\"472\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515508204740_2015-10-14-Cellulosefasernslider.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515508204740_2015-10-14-Cellulosefasernslider-300x143.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2018\/01\/1515508204740_2015-10-14-Cellulosefasernslider-600x285.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-49266\" class=\"wp-caption-text\">Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Cellulosepartikeln aus Buchenholz, die in verschiedene Pflegeprodukte eingearbeitet wurden. \u00a9 Foto Fraunhofer IMWS<\/figcaption><\/figure>\n<h3>\u00dcber die CFF GmbH &amp; Co. KG<\/h3>\n<p>Die CFF GmbH &amp; Co KG besch\u00e4ftigt sich seit 40 Jahren mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Cellulosefasern und Cellulosepulvern. Sie ist spezialisiert auf kundenspezifische Produktionen nat\u00fcrlicher Cellulosefasern aus organischen und nachwachsenden Rohstoffen. Der Fokus liegt dabei auf qualitativ hochwertigen, ma\u00dfgeschneiderten Produkten f\u00fcr individuelle Anwendungen. Basierend auf einem weltweiten Vertriebsnetz finden die Fasern Anwendung im Stra\u00dfenbau, Bauchemie, Filtration, Lebensmittelindustrie und Kosmetik.<\/p>\n<h3>\u00dcber die Skinomics GmbH<\/h3>\n<p>Die 2008 gegr\u00fcndete Skinomics GmbH ist spezialisiert auf Entwicklung, Optimierung und Tests von Pr\u00e4paraten zur dermalen Anwendung im Auftrag von Produzenten in der Kosmetik-, Medizinprodukt- und Pharmabranche sowie f\u00fcr Rohstofflieferanten. Dabei gr\u00fcndet die Forschungs- und Entwicklungst\u00e4tigkeit auf einer interdisziplin\u00e4ren Verkn\u00fcpfung von pharmazeutischen und dermatologischen Fachkenntnissen. Die Skinomics GmbH \u00fcberf\u00fchrt zudem Systemarzneistoffe in Applikationssysteme und identifiziert neuartige Wirkstoffe und Hilfsstoffe f\u00fcr den Einsatz in kosmetischen und pharmazeutischen Hautpr\u00e4paraten.<\/p>\n<h3>\u00dcber den Spitzencluster BioEconomy<\/h3>\n<p>Im Cluster BioEconomy, der seit 2012 Spitzencluster des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung ist, arbeiten Partner aus Industrie und Forschung in Mitteldeutschland an den Grundlagen der stofflichen und energetischen Nutzung von Non-Food-Biomasse. Der Spitzencluster BioEconomy verbindet die f\u00fcr die Bio\u00f6konomie relevanten Industriebereiche wie die chemische Industrie, die Papier- und Zellstoffindustrie, die Land- und Forstwirtschaft, die Energiewirtschaft sowie den Maschinen- und Anlagenbau in Mitteldeutschland und bildet erstmals die gesamte Innovations- und Wertsch\u00f6pfungskette branchen\u00fcbergreifend ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach wie vor wird in kosmetischen Pflegeprodukten Mikroplastik eingesetzt, obwohl die umweltsch\u00e4digenden Folgen hinl\u00e4nglich bekannt sind. Winzige Plastikpartikel aus Peelings und anderen Hautpflegeprodukten gelangen \u00fcber die Abwassersysteme ins Meer und schlie\u00dflich in unsere Nahrungskette. 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