{"id":48688,"date":"2017-12-20T06:42:28","date_gmt":"2017-12-20T05:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=48688"},"modified":"2017-12-15T09:40:47","modified_gmt":"2017-12-15T08:40:47","slug":"aus-abwaessern-der-joghurtproduktion-sollen-viehfutter-und-flugzeug-kraftstoffe-entstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-abwaessern-der-joghurtproduktion-sollen-viehfutter-und-flugzeug-kraftstoffe-entstehen\/","title":{"rendered":"Aus Abw\u00e4ssern der Joghurtproduktion sollen Viehfutter und Flugzeug-Kraftstoffe entstehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, mit dem sich Sauermolke, ein Abfallprodukt der Herstellung von bestimmten Milchprodukten, weiterverwenden l\u00e4sst, ohne dass zus\u00e4tzliche Chemikalien eingesetzt werden m\u00fcssen. Professor Lars Angenent vom Zentrum f\u00fcr Angewandte Geowissenschaften der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und internationale Kolleginnen und Kollegen setzten lediglich Kulturen verschiedener Mikroorganismen ein, \u00e4hnlich denen im menschlichen Darm, dem sogenannten Mikrobiom. Das daraus entstandene Bio-\u00d6l k\u00f6nne als Tierfutter oder nach Weiterbearbeitung als Kraftstoff f\u00fcr Flugzeuge verwendet werden, so das Ergebnis. Die Studie wurde im Fachjournal Joule ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_48691\" aria-describedby=\"caption-attachment-48691\" style=\"width: 171px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-48691\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/csm_17-12-13Molke_Angenent_01_bbac8abd4f.jpg\" alt=\"Das aus Sauermolke entstandene Bio-\u00d6l kann als Tierfutter oder Flugzeug-Kraftstoff genutzt werden. Photocredit: Lars Angenent, University of T\u00fcbingen\" width=\"171\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_17-12-13Molke_Angenent_01_bbac8abd4f.jpg 180w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_17-12-13Molke_Angenent_01_bbac8abd4f-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48691\" class=\"wp-caption-text\">Das aus Sauermolke entstandene Bio-\u00d6l kann als Tierfutter oder Flugzeug-Kraftstoff genutzt werden. Photocredit: Lars Angenent, University of T\u00fcbingen<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr jeden Liter Milch, der in die Herstellung von Produkten wie Quark und griechischem Joghurt oder Frischk\u00e4se geht, entstehen in der Fabrik zwei Liter sogenannte Sauermolke als Abfallprodukt. Diese kann wegen des hohen S\u00e4uregehalts nicht in gro\u00dfen Mengen an Tiere verf\u00fcttert werden. Sie ist noch reich an organischen Stoffen wie Milchzucker und muss entsorgt oder auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen ausgebracht werden.<\/p>\n<p>In der Studie untersucht Lars Angenent, Humboldtprofessor f\u00fcr Umweltbiotechnologie an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, wie sich Sauermolke in wiederverwertbare Produkte umwandeln l\u00e4sst. Er nutzte daf\u00fcr einen Bioreaktor mit verschiedenen Bakterienkulturen, ein sogenanntes Reaktor-Mikrobiom. \u201eDieses Mikrobiom ist eine offene Kultur, in der sich auch Bakterien von au\u00dferhalb ansiedeln k\u00f6nnen, \u00e4hnlich dem Mikrobiom in unserem Darm. Eine Sterilisation des Bioreaktors oder des Abwassers ist deshalb nicht n\u00f6tig\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eBestimmte Bakterien werden dann selektiert und der Prozess so gelenkt, dass wertvollere organische Stoffe mit l\u00e4ngeren Kohlenstoffketten entstehen.\u201c<\/p>\n<p>Angenent erl\u00e4utert den Prozess im Detail: \u201eWir haben nacheinander zwei Tanks mit unterschiedlichen Temperaturen eingesetzt. Im ersten, auf 50 Grad Celsius erhitzten Tank wandelte das Mikrobiom Zucker in S\u00e4ure als Zwischenprodukt um \u2012 die gleiche S\u00e4ure, die entsteht, wenn Milch sauer wird. Im zweiten Tank setzte das Mikrobiom bei 30 Grad Celsius die vorhandenen Stoffe in Produkte mit sechs bis neun Kohlenstoffen in einer Reihe um.\u201c Angenents T\u00fcbinger Forschungsgruppe zur Umweltbiotechnologie untersuchte danach auch, welche Bakterien sich in den offenen Kulturen angesiedelt hatten.<\/p>\n<p>Das neue entstandene Produkt k\u00f6nnte zur F\u00fctterung von Tieren eingesetzt werden und durch seine antimikrobiellen Eigenschaften sogar der Vorbeugung von Tierkrankheiten dienen. Nach Bearbeitung in einer Raffinerie lie\u00dfe sich damit auch Kraftstoff f\u00fcr Flugzeuge produzieren, sagte der Wissenschaftler. Weil das Produkt aus dem Bioreaktor-Mikrobiom viel Kohlenstoff enthalte, entwickle es \u00f6lige Eigenschaften und k\u00f6nne leichter vom Wasser getrennt werden, in dem es hergestellt wurde. Danach m\u00fcsse das \u00d6l gereinigt und in einer Raffinerie weiterverarbeitet werden. \u201eWir stellen somit Bio-\u00d6l aus bakterieller Produktion her.\u201c Das Innovative daran sei, dass f\u00fcr den Prozess keine anderen kohlestoffreichen Chemikalien verwendet werden m\u00fcssten, das Abwasser allein reiche aus. Bislang habe man die Herstellung von Stoffen mit langen Kohlenstoffketten nur durch Zugabe teurer Chemikalien erreicht.<\/p>\n<p>Die Produktion von Bio-\u00d6l geh\u00f6rt zur Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft, die alle Abfallprodukte in wertvollere Stoffen recycelt. \u201eEine Kreislaufwirtschaft kann nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn die Energie aus erneuerbaren Quellen kommt und der Kohlenstoff f\u00fcr Chemikalien aus Kohlendioxid und anderen kohlenstoffhaltigen Abf\u00e4llen wie Sauermolke\u201c, sagt Angenent. Nun m\u00fcsse untersucht werden, wie andere Abw\u00e4sser ebenso in n\u00fctzliche Chemikalien verwandelt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, mit dem sich Sauermolke, ein Abfallprodukt der Herstellung von bestimmten Milchprodukten, weiterverwenden l\u00e4sst, ohne dass zus\u00e4tzliche Chemikalien eingesetzt werden m\u00fcssen. Professor Lars Angenent vom Zentrum f\u00fcr Angewandte Geowissenschaften der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und internationale Kolleginnen und Kollegen setzten lediglich Kulturen verschiedener Mikroorganismen ein, \u00e4hnlich denen im menschlichen Darm, dem sogenannten Mikrobiom. 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