{"id":48622,"date":"2017-12-15T07:23:16","date_gmt":"2017-12-15T06:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=48622"},"modified":"2017-12-13T14:32:46","modified_gmt":"2017-12-13T13:32:46","slug":"geht-es-auch-ohne-oel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/geht-es-auch-ohne-oel\/","title":{"rendered":"Geht es auch ohne \u00d6l?"},"content":{"rendered":"<p>Die biobasierte Wirtschaft ist ein Zukunftsmodell. Die Frage ist nur, wie man sie m\u00f6glichst nutzenstiftend in die Praxis umsetzen kann.<\/p>\n<p>Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat vor Kurzem mitgeteilt, dass man dort die gro\u00dfen Potenziale von Bioraffinerien st\u00e4rker nutzbar machen wolle. Das Ministerium hat daher eine F\u00f6rder\u00adinitiative \u201eTechnologie-Initiative Bioraffinerien\u201c ins Leben gerufen und und stellt hierf\u00fcr bis zu 15 Mio. EUR bereit. Bioraffinerien verwandeln Biomasse in Zwischenprodukte und chemische Grundstoffe, die wiederum biobasierte Rohstoffe f\u00fcr weitere Pro\u00addukte sind. Anders als bei herk\u00f6mmlichen Raffinerien basieren die Prozesse auf biogenen Rohstoffen, also solchen biologischen oder organischen Urprungs.<\/p>\n<p>Kein Zielkonflikt<\/p>\n<p>Ziel der Initiative ist, innovative prozesstechnologische L\u00f6sungen und Methoden f\u00fcr Bioraffinerien zu entwickeln und miteinander zu kombinieren, hei\u00dft es vom BMBF. F\u00fcr die Bundesregierung gelte dabei der Grundsatz, dass die Nahrungsmittelproduktion stets Vorrang habe. Nur wenn die Biomasse nicht der Ern\u00e4hrung diene, solle sie zu Rohstoffen, Produkten oder Energie weiterverarbeitet werden. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sagte: \u201eBiobasierte Produkte schonen Natur, Umwelt und Klima und schaffen Unabh\u00e4ngigkeit von fossilen Rohstofflieferanten. Bioraffinerien sind Innovationstreiber einer zuk\u00fcnftigen biobasierten Wirtschaft und versprechen auch hohe Chancen f\u00fcr Wachstum und Besch\u00e4ftigung.\u201c<\/p>\n<p>Einsatz von Bioraffinierien<\/p>\n<p>Die Besonderheit von Bioraffinerien liegt in der sogenannten Konversion. Dabei werden komplexe und gro\u00dfe Molek\u00fcle in kleinere Bestandteile zerlegt. Diese lassen sich dann als Basischemikalien vielf\u00e4ltig nutzen. Beispiele f\u00fcr die eingesetzten biobasierten Rohstoffe sind etwa Lignin und Cellulose. Dabei handelt es sich um Bestandteile von Holz, die auch in Abf\u00e4llen der Papierindustrie enthalten sind. In Bioraffinerien werden sie in ihre Bausteine wie Zucker und Phenole zerlegt und f\u00fcr den Einsatz als Grundstoffe in weiterverarbeitenden Industrien veredelt. Mit der Entwicklung geeigneter wissenschaftlicher und technologischer Grundlagen sollen mit den \u201eBioraffinerien der Zukunft\u201c vor allem auch wirtschaftlich konkurrenzf\u00e4hige Produkte auf den Markt kommen.<\/p>\n<p>Konzept Bio\u00f6konomie<\/p>\n<p>Die \u201eTechnologie-Initiative Bioraffinerien\u201c ist eingebettet in die \u201eNationale Forschungsstrategie Bio\u00f6konomie 2030\u201c der Bundesregierung. Bereits im September 2009 hatte das Bundeskabinett den \u201eAktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe\u201c verabschiedet. Im Anschluss erarbeiteten Vertreter von Wirtschaft, Forschung und Bundesministerien eine \u201eRoadmap Bioraffinerien\u201c. Mit ihr legte die Bundesregierung 2012 die Grundlagen f\u00fcr die Entwicklung und den Einsatz von Bioraffineriekonzepten. Auch der deutsche Bio\u00f6konomierat, ein unabh\u00e4ngiges Beratungsgremium der Bundesregierung, verwies 2016 in seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der \u201eNationalen Forschungsstrategie Bio\u00f6konomie\u201c auf das gro\u00dfe Potenzial von Bioraffinerien.<\/p>\n<p>Die Bio\u00f6konomie ist eine an nat\u00fcrlichen Stoffkreisl\u00e4ufen orientierte Wirtschaftsform. Sie bietet die Chance, die weiter wachsende Weltbev\u00f6lkerung ausreichend mit Nahrungsmitteln, hochwertigen Produkten oder Energie zu versorgen. Nachwachsende Rohstoffe sind die Basis der Bio\u00f6konomie. Im Laufe der Evolution gelang es Lebewesen, unter den widrigsten Umst\u00e4nden zu wachsen. Nahezu \u00fcberall auf dem blauen Planeten gedeiht Leben \u2013 auch unter gr\u00f6\u00dfter Hitze, K\u00e4lte oder Trockenheit. Am erfolgreichsten erweisen sich die Organismen, die Ressourcen optimal verwerten. Die Bio\u00f6konomie nutzt das Wissen \u00fcber die vielf\u00e4ltigen \u00dcberlebensstrategien der Natur und verkn\u00fcpft dieses mit dem Erfindungsreichtum des Menschen. Technische und kulturelle Errungenschaften wachsen zusammen mit dem Werkzeugkasten der Natur.<\/p>\n<p>Erd\u00f6l ersetzen, Pflanzen besser nutzen<\/p>\n<p>Ein zentraler Aspekt der Bio\u00f6konomie ist die Eliminierung fossiler Rohstoffe in den industriellen Wertsch\u00f6pfungsketten. Erd\u00f6l soll beispielsweise bei der Herstellung von Kunststoffen durch pflanzliche Rohstoffe ersetzt werden. Pflanzen wachsen stetig nach und entziehen bei ihrem Wachstum der Atmosph\u00e4re genau so viel CO\u2082, wie bei einer eventuellen Verbrennung wieder freigesetzt wird \u2013 sie sind also klimaneutral. Die biobasierte Wirtschaft will auch den Folgen des bereits eingesetzten Klimawandels entgegentreten. Optimierte Pflanzen sollen trotz D\u00fcrren oder \u00dcberflutungen die weiter wachsende Menschheit ausreichend mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.<\/p>\n<p>Basis f\u00fcr Rohstoffe<\/p>\n<p>Die Natur liefert zudem eine F\u00fclle nachwachsender Rohstoffe \u2013 die auch die Industrie heute nutzen kann. Erd\u00f6l als Basis vieler chemischer Produkte geht irgendwann zur Neige, dagegen wachsen Pflanzen jedes Jahr von Neuem. Nachwachsende Rohstoffe bieten eine beachtenswerte Alternative. Wertvolle Dienste leisten auch Bakterien oder Pilze. Sie liefern nicht nur Rohstoffe oder medizinische Wirkstoffe, sondern dienen auch als Helfer bei der Herstellung vieler Produkte. Von ihnen gewonnene Stoffe wie zum Beispiel Enzyme k\u00f6nnen Reaktionen auf umweltfreundliche Art in Gang bringen. Konkrete Beispiele gibt es bereits.<\/p>\n<p>So experimentiert man etwa mit Chinaschilf. Das Projekt \u201eGrowing Advanced industrial Crops on Marginal Lands for Biorefineries (GRACE)\u201c wird bis 2022 von der Europ\u00e4ischen Union sowie Partnern aus der Industrie mit insgesamt 15 Mio. EUR gef\u00f6rdert und von der Universit\u00e4t Hohenheim in Stuttgart geleitet. Im Fokus steht dabei auch der Anbau neu gez\u00fcchteter, robusterer Sorten wie das aus China stammende Schilfgras Miscanthus. Der Vorteil: Einmal auf einem Feld ausgebracht, w\u00e4chst die Pflanze jahrzehntelang und bietet dabei einen hohen Fl\u00e4chenertrag. Die bis zu 3\u00a0m hohe, gen\u00fcgsame und vergleichsweise robuste Pflanze kann daher sowohl als Biomasse zur Energiegewinnung dienen als auch den Ausgangsstoff f\u00fcr neue biobasierte Produkte wie Biokunststoffe liefern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die biobasierte Wirtschaft ist ein Zukunftsmodell. Die Frage ist nur, wie man sie m\u00f6glichst nutzenstiftend in die Praxis umsetzen kann. 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