{"id":48599,"date":"2017-12-15T06:42:05","date_gmt":"2017-12-15T05:42:05","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fagrar-forstwissenschaften%2Fkaskadennutzung-auch-bei-holz-positiv.html"},"modified":"2017-12-13T10:57:07","modified_gmt":"2017-12-13T09:57:07","slug":"kaskadennutzung-auch-bei-holz-positiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kaskadennutzung-auch-bei-holz-positiv\/","title":{"rendered":"Kaskadennutzung auch bei Holz positiv"},"content":{"rendered":"<p><strong>Noch etwa zehn Jahre lang kann die nachhaltige Forstwirtschaft die immer gr\u00f6\u00dfere Nachfrage nach Holz stillen. In Deutschland und Europa werden somit neue Konzepte diskutiert, um die nachwachsende, aber dennoch begrenzte Ressource Holz industriell verantwortungsbewusster und effizienter zu nutzen. Wissenschaftler der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM) analysieren mit Daten aus einem europ\u00e4ischen Forschungsprojekt, wie effizient die Mehrfachnutzung zwischen Holzernte und Verbrennung sein k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_48605\" aria-describedby=\"caption-attachment-48605\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-48605\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/csm_Holzkaskade_1251676_20d813355d.jpg\" alt=\"Bei der Kaskadennutzung wird das Holz mit einer Quote von 46 Prozent deutlich effizienter verwendet als bei der einfachen Nutzung. (Foto: R. Rosin \/ TUM)\" width=\"192\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_Holzkaskade_1251676_20d813355d.jpg 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_Holzkaskade_1251676_20d813355d-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_Holzkaskade_1251676_20d813355d-600x450.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48605\" class=\"wp-caption-text\">Bei der Kaskadennutzung wird das Holz mit einer Quote von 46 Prozent deutlich effizienter verwendet als bei der einfachen Nutzung. (Foto: R. Rosin \/ TUM)<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fchrt die Kaskadennutzung von Holz wirklich zu einer erh\u00f6hten Ressourceneffizienz? Wenn etwa das Rohholz vor der energetischen Nutzung im Kraftwerk erst zu Konstruktionselementen, dann zu Lamellen f\u00fcr einen Tisch und schlie\u00dflich zu Sp\u00e4nen einer Spanplatte wird? F\u00fcr eine Antwort auf diese Frage hat sich Michael Risse zusammen mit Professorin Gabriele Weber-Blaschke und Professor Klaus Richter vom Lehrstuhl f\u00fcr Holzwissenschaft der TUM auf die Suche nach einer geeigneten Bewertungsmethodik gemacht.<\/p>\n<p>Ein Kaskadensystem aus vielen Lieferanten, Herstellern und Nutzern ist komplex und aufw\u00e4ndig. Die Stoffstr\u00f6me innerhalb und zwischen den Kaskadenstufen sind zahlreich und verflochten. In der Theorie ist das Konzept seit Jahren beschrieben und inzwischen wissenschaftlich belegt, dass sich fossile Rohstoffe einsparen lassen, Treibhausgasemissionen vermindert werden und sich die Wertsch\u00f6pfung steigern l\u00e4sst. Bisher jedoch fehlte eine gezielte Betrachtung der Ressourceneffizienz.<\/p>\n<p>Da die biologische Erzeugung von Holz sich grunds\u00e4tzlich von synthetischen Rohstoffen unterscheidet, gilt es zu untersuchen, ob und inwieweit sich eine Kaskadennutzung bei nachwachsende Rohstoffen unter Effizienzbetrachtung lohnt.<\/p>\n<p>Um den charakteristischen Merkmalen der Kaskadennutzung gerecht zu werden, verwendete Holzwissenschaftler Risse den ganzheitlichen Lebenszyklus-Ansatz und analysierte die Exergie s\u00e4mtlicher verwendeter Materialien, der internen Recyclingprozesse und den Verbrauch weiterer prim\u00e4rer Ressourcen wie etwa der beanspruchten Fl\u00e4chen. Als Exergie wird der Teil der Energie bezeichnet, der in Arbeit umgewandelt werden kann.<\/p>\n<h3>Einsparung vor allem zu Beginn der Produktionskette<\/h3>\n<p>Die Wissenschaftler und die Wissenschaftlerin der TUM verglichen in zwei Szenarien den Weg von einer Tonne Altholz mit der Bereitstellung derselben Funktionen aus Frischholz. Im ersten Szenario wurde das Altholz in einem Kaskadensystem zun\u00e4chst zu Schnittholz und danach noch zwei weitere Male zu Spanplatten verarbeitet. Im Referenzszenario wurden dieselben Produkte hergestellt, allerdings jeweils aus Frischholz.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Bei der Kaskadennutzung wird das Holz mit einer Quote von 46 Prozent deutlich effizienter verwendet als bei der einfachen Nutzung, die auf 21 Prozent kommt. Die gr\u00f6\u00dfte Einsparung ist am Anfang der Produktionskette zu verzeichnen durch den reduzierten Einsatz von Frischholz und damit einhergehendem geringeren Fl\u00e4chenbedarf. W\u00e4hrend der weiteren Verarbeitung des Holzes bleibt die Kaskadennutzung zwar effizienter, aber in deutlich geringerem Umfang. In beiden Szenarien verbraucht die Spanplattenherstellung die meisten Ressourcen, insbesondere bei der Trocknung und Verklebung.<\/p>\n<h3>Ressourceneffiziente Verarbeitung steckt noch in Kinderschuhen<\/h3>\n<p>In der industriellen Praxis steckt die Kaskadennutzung noch in den Kinderschuhen, es fehlt an den notwendigen Logistikprozessen und der angepassten Verfahrenstechnik \u2013 und: \u201eDie energetische Nutzung hat noch Vorrang vor der stofflichen Nutzung von Holz\u201c, beklagt Lehrstuhlinhaber Professor Klaus Richter.<\/p>\n<p>Fast die H\u00e4lfte der j\u00e4hrlich geernteten 60 Millionen Tonnen Waldholz flie\u00dfe direkt oder bei der industriellen Verarbeitung in die energetische Nutzung. Diesen Weg subventioniere noch bis 2019 das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), etwa dadurch, dass mit Einspeiseverg\u00fctungen W\u00e4rmeerzeugung aus Holzenergie gef\u00f6rdert oder Investitionszusch\u00fcsse f\u00fcr Heizungsanlagen, wie Holzpellet- oder Hackschnitzelheizungen gew\u00e4hrt werden. Diesen einseitigen Anreiz habe schon im Jahr 2016 das umfangreiche Klimaschutz-Gutachten von Land- und Forstwirtschaft kritisiert, an dem auch Mitarbeiter des Lehrstuhls f\u00fcr Holzwissenschaft der TUM mitgewirkt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Nur etwa ein Drittel des in Deutschland aufkommenden Altholzes wird heute in Spanplatten verarbeitet, etwa sieben Millionen Tonnen wandern laut Richter direkt in die Verbrennung, um in entsprechenden Kraftwerken W\u00e4rme und Strom zu erzeugen. Dem Holzwissenschaftler ist das mindestens ein Schritt zu wenig.<\/p>\n<p>Prof. Richter pl\u00e4diert f\u00fcr eine intensivere stoffliche Nutzung von Holz: \u201eWir m\u00fcssen den Rohstoff Holz mittelfristig effizienter, sprich mehrmals stofflich nutzen, bevor wir ihn verbrennen oder zu Pellets verarbeiten. Die materialtechnischen Eigenschaften stehen einer Kaskadennutzung nicht im Wege. Es muss aber die Verarbeitung und Nutzung von Holz planerisch und konzeptionell angepasst werden, damit die Mehrfachnutzung Realit\u00e4t wird.\u201c<\/p>\n<p>Es sind aus der Sicht von Doktorand Michael Risse zudem weitere Analysen im Zusammenhang mit der Kaskadennutzung wichtig: \u201eEs sollte bei der Effizienzanalyse zum Beispiel auch die Knappheit der einzelnen prim\u00e4ren nat\u00fcrlichen Ressourcen einbezogen werden.\u201c Seine im Fachmagazin \u201eResources, Conservation &amp; Recycling\u201c publizierte Studie ber\u00fccksichtige beispielsweise nicht den sogenannten \u201eSubstitutionseffekt\u201c, und damit ein weiteres gewichtiges Argument f\u00fcr eine Kaskadennutzung: \u201eWer Holzprodukte verwendet, kann Treibhausgasemissionen vermeiden, die bei der Produktion von Nicht-Holz-Produkten wie Stahl oder Beton entstehen \u2013 und das mit jeder weiteren Kaskadenstufe erneut,\u201c erkl\u00e4rt Professor Richter. \u201eZudem ist Holz das einzige Material, das Kohlenstoff speichert \u2013 \u00fcber seine gesamte Lebensdauer hinweg.\u201c<\/p>\n<p>Auf diese Weise bleibt der w\u00e4hrend des Baumwachstums gebundene Kohlenstoff der Atmosph\u00e4re entzogen und wird erst am Ende der \u2013 m\u00f6glichst langen \u2013 Kaskade wieder frei. \u201eDennoch: Nur theoretische Analysen reichen nicht. Wir brauchen ein Handeln der Politik und der Industrie\u201c, sagt Richter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_48606\" aria-describedby=\"caption-attachment-48606\" style=\"width: 481px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-48606\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/csm_171211_Kaskade_schematisch_25c9ade967.jpg\" alt=\"Die Illustration zeigt das Konzept einer Kaskadennutzung von Holz mit ihren einzelnen Stufen. (Quelle: H\u00f6glmeier 2015)\" width=\"481\" height=\"376\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_171211_Kaskade_schematisch_25c9ade967.jpg 767w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_171211_Kaskade_schematisch_25c9ade967-300x235.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/12\/csm_171211_Kaskade_schematisch_25c9ade967-600x469.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-48606\" class=\"wp-caption-text\">Die Illustration zeigt das Konzept einer Kaskadennutzung von Holz mit ihren einzelnen Stufen. (Quelle: H\u00f6glmeier 2015)<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch etwa zehn Jahre lang kann die nachhaltige Forstwirtschaft die immer gr\u00f6\u00dfere Nachfrage nach Holz stillen. 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