{"id":48580,"date":"2017-12-14T07:26:23","date_gmt":"2017-12-14T06:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=48580"},"modified":"2017-12-12T13:38:26","modified_gmt":"2017-12-12T12:38:26","slug":"oesterreich-biokunststoffe-als-nachhaltige-zukunftsloesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oesterreich-biokunststoffe-als-nachhaltige-zukunftsloesung\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreich: Biokunststoffe als nachhaltige Zukunftsl\u00f6sung?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wo an Kunststoffen aus biogenen Rohstoffen bereits \u00fcberall geforscht wird, zeigte der dritte Stakeholderdialog Biobased Industry, der vom BMVIT in Kooperation mit dem Fachverband der Chemischen Industrie am Montag veranstaltet wurde, in beeindruckender Weise. Rotorbl\u00e4tter aus Hanffasern, Lignin als Polystyrolersatz, Verpackungen aus Lebensmittelabf\u00e4llen, Folien aus Cellulose \u2013 den M\u00f6glichkeiten von biobasierten Kunststoffen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Oder doch?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWill man auf Erd\u00f6l als Rohstoff verzichten, so kommt automatisch die Frage auf, ob es \u00fcberhaupt genug Biomasse gibt, um es zu ersetzen\u201c, erkl\u00e4rt Hubert Culik, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie in seiner Er\u00f6ffnungsrede. \u201eDie h\u00f6chste Wertsch\u00f6pfung kann nur durch kaskadischen Nutzung von biogenen Rohstoffen erzielt werden.\u201c So lange sich etwa Kunststoff recyceln l\u00e4sst, sollte dies gemacht werden. Erst wenn es technisch nicht mehr m\u00f6glich ist, das Produkt wiederzuverwerten, sollte es f\u00fcr die Energiegewinnung genutzt werden.<\/p>\n<p>Zu diesem Schluss kommt auch Johan Sanders von der Wageningen University in seiner Keynote. Er errechnete f\u00fcr Biomasse, die als Grundlage f\u00fcr chemische Bausteine diente, den zehnfachen Wert von Biomasse, die lediglich zur Energiegewinnung herangezogen wird.<\/p>\n<p>Das Argument, dass Erd\u00f6l ein wesentlich billigerer Rohstoff ist und zahlreiche Branchen darum aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden daran festhalten m\u00fcssen, l\u00e4sst Sanders so nicht gelten. Denn in der Rechnung muss auch der Kapitaleinsatz, der f\u00fcr den hohen Energiebedarf bei petrochemischen Prozessen get\u00e4tigt werden muss, sowie der Verlust beim W\u00e4rmeaustausch ber\u00fccksichtigt werden. In seiner ganzheitlichen Betrachtung sind bereits jetzt zahlreiche Produkte aus biobasierten Rohstoffen durchaus mit denen aus Erd\u00f6l konkurrenzf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Culik wies auch darauf hin, dass die Effizienz in der Verwendung von biogenen Rohstoffen verbessert werden muss. \u201eSo, wie man fr\u00fcher bei der Schlachtung eines Tieres jeden Teil als wertvoll und verwendbar betrachtet hat, so m\u00fcssen wir auch heute mit der verf\u00fcgbaren Biomasse umgehen.\u201c Sanders best\u00e4tigte diese Aussage mit der Rechnung, dass eine kleine Bioraffinierie bei der Energieerzeugung einen Wert von 45 Euro pro Tonne Biomasse erm\u00f6glicht und weitere 200 Euro pro Tonne, wenn etwa aus dem Rapsschrot Protein, Aminos\u00e4uren, Lignocellulose, Phosphor, Fasern und Tierfutter gewonnen wird.<\/p>\n<p>Doch die Verf\u00fcgbarkeit des Rohstoffes ist nicht die einzige Frage, die sich Unternehmen stellen, wenn sie biogenen Kunststoff erzeugen wollen. So zeigte das Umweltbundesamt mit dem \u201eSzenario 2050\u201c &#8211; einem Projekt, das sich mit der Herausforderung besch\u00e4ftigt, alle Kunststoffe in der EU im Jahr 2050 biobasiert zu produzieren -, dass sich im diesem Bereich noch erheblicher Forschungsbedarf befindet. Zwar wurden f\u00fcr viele herk\u00f6mmliche Kunststoffarten bereits Ersatzwerkstoffe auf Biobasis gefunden, die industrielle Fertigung steckt aber noch in den Kinderschuhen. Au\u00dferdem ist beo vielen biobasierten Kunststoffen derzeit ein Recycling technisch nicht m\u00f6glich, was die kaskadische Nutzung einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Auch sind die Eigenschaften der neuen biogenen Kunststoffe meist nicht mit jenen ihrer Vorg\u00e4nger zu vergleichen. Bettina Schrenk von greiner packaging wies darauf hin, dass biobasierte Kunststoffe nicht auf bestehenden Anlagen verarbeitet werden k\u00f6nnen und hier hohe Investitionen get\u00e4tigt werden m\u00fcssen. Schrenk r\u00e4umte auch mit dem Irrglauben auf, dass Kunststoffe aus biogenen Rohstoffen automatisch biologisch abbaubar sind. Denn genauso wie bei Kunststoffen auf Erd\u00f6lbasis entscheidet hier die chemische Zusammensetzung \u00fcber diese Eigenschaft und nicht der verwendete Rohstoff.<\/p>\n<p>Die chemische Industrie versteht sich als Motor, wenn es darum geht, Strategien und Konzepte f\u00fcr die Produktion mit nachwachsenden Rohstoffen zu finden. Darum forscht man intensiv nach v\u00f6llig neuartigen Verfahren und Materialien, die den Kunden ma\u00dfgeschneiderte Produkte und L\u00f6sungen bieten und ist zuversichtlich, L\u00f6sungen f\u00fcr die aktuellen Fragestellungen zu finden. \u201eDer Gesetzgeber ist hier gefragt, mit Anreizen anstatt mit gesetzlichen Vorgaben f\u00fcr das richtige Umfeld f\u00fcr weitere Innovationen und Fortschritte zu sorgen\u201c, so Hubert Culik.<\/p>\n<p>Der Besucherrekord von 130 Teilnehmern zeigte das deutliche Interesse f\u00fcr das vielschichtige Thema \u201eBiobased Industry\u201c. An einer Weiterf\u00fchrung der Veranstaltung wird bereits gearbeitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Mag. Dorothea Pritz<br \/>\nTel.: 05 90 900 &#8211; 3364<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:pritz@fcio.at\" target=\"_blank\">pritz@fcio.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo an Kunststoffen aus biogenen Rohstoffen bereits \u00fcberall geforscht wird, zeigte der dritte Stakeholderdialog Biobased Industry, der vom BMVIT in Kooperation mit dem Fachverband der Chemischen Industrie am Montag veranstaltet wurde, in beeindruckender Weise. 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