{"id":48107,"date":"2017-12-01T07:29:09","date_gmt":"2017-12-01T06:29:09","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=48107"},"modified":"2017-11-29T16:23:00","modified_gmt":"2017-11-29T15:23:00","slug":"hanf-die-gruene-loesung-fuer-unsere-plastiksucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hanf-die-gruene-loesung-fuer-unsere-plastiksucht\/","title":{"rendered":"Hanf: Die gr\u00fcne L\u00f6sung f\u00fcr unsere Plastiksucht"},"content":{"rendered":"<p>Menschen sind auf be\u00e4ngstigende Weise s\u00fcchtig nach Plastik \u2013 und das wird zudem stetig schlimmer. In den USA werden nur 14 % des Plastiks gesammelt und nur 5 % aktuell wiederverarbeitet, daher fallen 95 % des Plastikabfalls in das Einwegsystem und enden dementsprechend auf der Deponie \u2013 oder noch schlimmer \u2013 im Ozean. Wie die Ellen MacArthur Foundation festhielt, wird bis zum Jahr 2050 mehr Plastik in den Weltmeeren schwimmen als Fische, sollte sich nicht bald etwas \u00e4ndern. Das ist nat\u00fcrlich eine katastrophale Situation, die dringend nach leistbaren und skalierbaren L\u00f6sungen verlangt. Versuche, die Verwendung von Plastik zu reduzieren und Recyclingprogramme zu verst\u00e4rken, werden der Situation nur bis zu einem gewissen Grad Herr werden. Was wir dringend ben\u00f6tigen, ist ein Redesign des Systems und eine grunds\u00e4tzliche Verlagerung hinsichtlich der verwendeten Rohmaterialien in der gesamten Plastikproduktion.<\/p>\n<p>Wie sich herausstellte, hat Hanf gl\u00fccklicherweise das Zeug dazu, diesem Ruf nach Ver\u00e4nderung nachzukommen. Hanf\u00f6l, Lignin, Hanfasern und -sch\u00e4ben sind nicht nur unglaublich versatil, sondern k\u00f6nnen zudem au\u00dfergew\u00f6hnlich g\u00fcnstig wie profitabel produziert werden. Diese eindrucksvollen Rohmaterialien aus Hanf k\u00f6nnen genutzt werden, um Tausende verschiedene Produkte zu erzeugen, beispielsweise Biokunststoff, Biopolymer oder Biokomposit. Nachdem Hanf in den USA seit mehr als 78 Jahren nicht mehr kommerziell angebaut wurde, lassen aktuelle Trends hin zur Legalisierung des Anbaus von Nutzhanf neue wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr diese vielseitige Pflanze entstehen. Damit Hanf aber schlie\u00dflich so positiv auf die Umweltbelastung einwirken kann, wie es ihm zuzutrauen ist, braucht es jedoch immer noch die volle Legalisierung auf Bundesebene, ebenso wie staatliche Subventionen und Investitionen, um das neue Wachstum auch anzukurbeln.<\/p>\n<p>Hanffaserkunststoffe werden k\u00fcnftig schon Bruchteile von Kunststoffen auf Erd\u00f6lbasis ersetzen, obwohl es Anzeichen gibt, die f\u00fcr einen kompletten Umstieg der gro\u00dfen Unternehmen sprechen, da Hanffaserkunststoffe nicht nur st\u00e4rker, sondern auch um einiges leichter und dar\u00fcber hinaus schadstofffrei sind. Autohersteller wie BMW und Mercedes Benz nutzen hanfbasierte Biokunststoffe derzeit f\u00fcr die Isolierung von T\u00fcrverkleidungen und des Innenraums. Im neuen BMW i3 wurde Hanf zur Leistungssteigerung eingesetzt, einerseits um Gewicht zu sparen und andererseits, um \u00e4sthetischen Designanspr\u00fcchen gerecht zu werden. Designer Benoit Jacob ist der Meinung, die Verwendung von nat\u00fcrlichen Materialien wie Hanf verpasse dem Inneren des i3 ein Ambiente wie in \u201eeinem kleinen Loft auf R\u00e4dern\u201c. Dankenswerterweise geh\u00f6ren diese beiden Autohersteller nicht zu den einzigen Unternehmen, die auf hanfbasierte Biomaterialien setzen. Neben ihnen gibt es eine Vielzahl von aufregenden Start-ups, welche die Gelegenheit ergreifen, einerseits Umweltschutz zu betreiben und zeitgleich Profite damit zu schlagen.<\/p>\n<p>Dieser Artikel wird einen Einblick in die gegenw\u00e4rtige Unternehmenslandschaft bez\u00fcglich Hanffaser-Biokunststoffen und Biomaterialien in Nordamerika liefern.<\/p>\n<p>Ein junges Unternehmen namens c2renew mit Sitz in Fargo, North Dakota entwickelt leistungsorientierte Biokompositmaterialien, die eine gr\u00fcne Alternative bei stabilen Preisen bieten. Aufgrund ihrer gro\u00dfen Kompetenz in Sachen Biomaterialien f\u00fcllen sie eine Nische im Bereich der industriellen Verbundwerkstoffe, was einzigartig ist, wenn man bedenkt, welchen Platz das Unternehmen in der Lieferkette einnimmt. Nachdem sie begonnen hatten f\u00fcr gro\u00dfe Firmen wie John Deere, Bobcat, Appareo und Toshiba Biokomposit-Kunststoffteile nach Ma\u00df zu produzieren, mussten sie anf\u00e4nglich feststellen, dass diese gro\u00dfen Unternehmen im Grunde nur auf ihre Kostenwettbewerbsf\u00e4higkeit Wert legten; doch jetzt, wo auch sie sich dem Wandel anvertrauen und dem Thema Nachhaltigkeit mehr Aufmerksamkeit schenken, gewinnt der \u00f6kologische Mehrwert ebenso an Bedeutung f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Die Wertsch\u00e4tzung von Nachhaltigkeit ist etwas, das innovative und verantwortungsbewusste kleinere Unternehmen und Start-ups nicht nur leben, sondern das ihnen dar\u00fcber hinaus auch zum Durchbruch verhilft. Earthkind zum Beispiel, eine aufstrebende Marke, die alle m\u00f6glichen Arten von nat\u00fcrlichen Lufterfrischern und Insektenabwehrmitteln verkaufen, wandte sich Hilfe suchend an c2renew, um ein leistungsstarkes und attraktives Produkt aus Biokompositkunststoff zu produzieren. Ein weiteres Beispiel f\u00fcr ein Start-up, das mit c2renew arbeitet, ist eine Firma namens 3DFUEL, die Filamente f\u00fcr 3-D-Drucker herstellt. Zusammen kreierten sie drei verschiedene Filamenttypen aus Biokunststoff: \u201eEntwinded\u201c aus Hanf, \u201eWound up\u201c aus Kaffeeabf\u00e4llen und \u201eBuzzed\u201c aus Brauereiabf\u00e4llen.<\/p>\n<p>Ein Unternehmen mit Sitz in Texas und Namen Greenspring Technologies verwendet eben dieses \u201eEntwined\u201c Filament aus Hanf-Biokunststoff, um Firmenstifte und andere Spielereien wie Gitarrenpl\u00e4ttchen, herzustellen. Eigent\u00fcmer Mark Linday sagt, dass sie bereits zum Formenbau der Hanf-Kunststoff-Stifte \u00fcbergegangen seien und weiters, dass einer ihrer Stifte erst k\u00fcrzlich zur Unterzeichnung des neuen Hanfgesetzes in Pennsylvania verwendet wurde.<\/p>\n<p>Der Mitbegr\u00fcnder und CTO von c2renew, Dr. Chad Ulven, ist au\u00dferordentlicher Professor an der North Dakota State University und arbeitet als Forscher im Center for Sustainable Materials Science \u2013 einem Forschungsansatz an der NDSU, der bereits seit f\u00fcnf Jahren von der National Science Foundation gef\u00f6rdert wird. Das strategische Hauptziel ist, einen transformativen Ansatz zur Entwicklung von nachhaltigen Materialien zu entwickeln und einzuf\u00fchren, der sich von landwirtschaftlichen Materialien ableitet, um petrochemische Polymerwerkstoffe im Alltagsgebrauch zu ersetzen. Dabei handelt es sich um eine gro\u00dfe Gruppe von Wissenschaftlerin, die aus der Landtechnik, der Chemie, dem Maschinenbau und aus anderen Gebieten kommen.<\/p>\n<p>Die Materialforschung und die Normierung der Produktion sind wichtige erste Schritte in der Revolution zur Biokunststoffherstellung. Es ist klar, dass es die j\u00fcngere Generation von Unternehmern sein wird, die diese Produkte auf den Markt bringen werden, wie die frischgebackenen Absolventen der Leeds School of Business an der Universit\u00e4t von Colorado und Gr\u00fcnder von Sana Packaging, James Eichner und Ron Basak-Smith. Vor weniger als einem Jahr haben die Jungunternehmer ihre Firma f\u00fcr Verpackungen aus Hanfkunststoff als ein Hochschulprojekt w\u00e4hrend ihrer Studienzeit gestartet. Doch schon bald wurden sie in das Canopy Boulder Accelerator Program aufgenommen. Seit die beiden im Mai 2017 erfolgreich gleichzeitig die Uni und das Accelerator Program abgeschlossen hatten, sind sie Vollzeit damit besch\u00e4ftigt, ihr Unternehmen voranzutreiben. Sana Packaging setzt den Fokus auf die Produktion attraktiver, umweltvertr\u00e4glicher und sicherer Verpackungsl\u00f6sungen f\u00fcr den medizinischen Cannabismarkt und f\u00fcr den Freizeitverbrauch von Cannabis. In dieser Marktnische geh\u00f6ren die beiden mit Abstand zu den Marktf\u00fchrern. Sie sind der \u00dcberzeugung, dass ihnen diese Position dazu verhelfen wird, zuk\u00fcnftig auch in andere M\u00e4rkte zu reinvestieren und zu expandieren.<\/p>\n<p>Sunstrand, eine weitere technisch fortgeschrittene Firma f\u00fcr Biomaterialien, leistet beeindruckende Arbeit in Louisville, Kentucky. Sunstrand ist der Premiumanbieter von Biomaterialen f\u00fcr technische Anwendungen in den USA. CEO Trey Riddle und sein Team beanspruchen f\u00fcr sich, den Industrieprozess f\u00fcr die Entfernung der Rinde perfektioniert zu haben, beziehungsweise die beste Dekortikationsausr\u00fcstung zur Trennung von Hanfsch\u00e4ben und Fasern zu stellen. Sie f\u00fchren dar\u00fcber hinaus noch weitere Prozesse durch, um den materialbedingten Herstellerspezifikationen gerecht zu werden. Sunstrand beliefert vorgelagerte Hersteller im Bereich der Produktgestaltung.<\/p>\n<p>Sunstrands Produkte und Abl\u00e4ufe sind darauf abgestimmt, konstant hochwertige Materialien zu liefern, die mit den unterschiedlichsten Anwendungen kompatibel sind. Ihr Fokus liegt darauf, Rohstoffe f\u00fcr Plastik-, Polymerwerkstoff- und Nonwoven-Fertigungsindustrien in Massenproduktion herzustellen. Indem sie ihre Materialen lokal zukaufen und innovative Verarbeitungstechnologien kreieren, erm\u00f6glichen sie den Produzenten, leistungsstarke, attraktive und nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen. Vor Sunstrand wurde nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, traditionelle Materialen irgendwann ersetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Derzeit arbeitet Sunstrand an einem Pilotprojekt: einer Verarbeitungsmaschine, die 3.000 Tonnen j\u00e4hrlich fasst. Geplant ist jedoch, zuk\u00fcnftig Aufbereitungsanlagen f\u00fcr 22.000 Tonnen j\u00e4hrlich im industriellen Ma\u00dfstab zu bauen.<\/p>\n<p>Das in den USA technologisch vielleicht fortgeschrittenste Unternehmen f\u00fcr die Verarbeitung von Biokunststoff ist PureVision Technology, Inc. Ein 24-j\u00e4hriges Technologieunternehmen f\u00fcr Bioraffinerien, das mit exklusiven, globalen Veredelungstechnologien und Marktrechten f\u00fcr die Produktion hanfbasierter Rohmaterialen und Produkte die Tochtergesellschaft PureHemp gegr\u00fcndet hat. PureHemp hat seine Erfindung eines kontinuierlichen Gegenstromreaktors, der \u201eCCR\u201c-Technologie, bereits in einem Pilotprojekt getestet, das \u00e4u\u00dferst erfreuliche Ergebnisse lieferte. Geplant ist, noch dieses Jahr einen CCR mit vier Tonnen im \u00fcberschaubaren kommerziellen Rahmen zu produzieren, um schlie\u00dflich Ende 2018 oder Anfang 2019 mit dem Bau eines CCRs f\u00fcr 40 Tonnen t\u00e4glich zu starten. Der Einsatz der CCR-Technologie von PureHemp wird dem aufstrebenden Wirtschaftszweig einen erheblichen Wertgewinn verschaffen, da durch sie die Gesamtheit der Hanfpflanze f\u00fcr die Produktion hanfbasierter Produkte verwendet werden kann. Mithilfe der PureHemp CCR-Technologie k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich zu den traditionellen, auch neuartigen Hanfprodukten hergestellt werden, speziell Zellstoff, Lignin, Zucker und Extrakte.<\/p>\n<p>Hanf kann zuk\u00fcnftig sogar f\u00fcr die Herstellung von Materialien verwendet werden, die \u00fcber Plastik, Polymer- und Verbundwerkstoffe hinausgehen. Wissenschaftler in NYC und auch anderswo setzten Hanf bereits erfolgreich in der Herstellung von Alternativen f\u00fcr Kohlenstoff-Nanor\u00f6hren aus Graphen ein, die sie HempPhene nennen. Je nachdem wie HempPhene produziert wird, besitzt es die Eigenschaft, 100 Mal st\u00e4rker und 1.000 Mal leichter als Stahl zu sein. Doch das Faszinierendste daran ist, dass HempPhene f\u00fcr einen Bruchteil der Kosten, die f\u00fcr die h\u00e4ndische Herstellung von Graphen ben\u00f6tigt werden, produziert werden kann, da die Pflanze die meiste Arbeit f\u00fcr uns \u00fcbernimmt. Es ist gut m\u00f6glich, dass wir schon bald auf zukunftsweisende Infrastruktur treffen, die auf HempPhene basiert: Br\u00fccken, Hochh\u00e4user und vieles mehr k\u00f6nnten dann aus Hanf bestehen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend macht es Spa\u00df, sich eine Zukunft vorzustellen, in der Plastik nichts Schlechtes mehr ist. Doch wenn wir in so einer Realit\u00e4t leben m\u00f6chten, m\u00fcssen wir als Konsumenten die Aufnahme und Verbreitung von hanfbasiertem Biokunststoff nicht nur verlangen, sondern auch erwarten und supporten. Es gibt die M\u00f6glichkeit, die Wege der Industrie zu verlagern und die Wirtschaft sogar daf\u00fcr zu nutzen, die Umwelt zu sch\u00fctzen, anstatt sie zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschen sind auf be\u00e4ngstigende Weise s\u00fcchtig nach Plastik \u2013 und das wird zudem stetig schlimmer. In den USA werden nur 14 % des Plastiks gesammelt und nur 5 % aktuell wiederverarbeitet, daher fallen 95 % des Plastikabfalls in das Einwegsystem und enden dementsprechend auf der Deponie \u2013 oder noch schlimmer \u2013 im Ozean. 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