{"id":47866,"date":"2017-11-28T06:42:24","date_gmt":"2017-11-28T05:42:24","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.chemie.de%2Fnews%2F165780%2Fzucker-vom-fettmacher-zum-gesundheitsfoerdernden-wirkstoff-und-erdoel-ersatz.html%3FWT.mc_id%3Dca0065"},"modified":"2017-11-28T11:13:50","modified_gmt":"2017-11-28T10:13:50","slug":"eu-projekt-erforscht-neue-verwertungsmoeglichkeiten-von-zucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-projekt-erforscht-neue-verwertungsmoeglichkeiten-von-zucker\/","title":{"rendered":"EU-Projekt erforscht neue Verwertungsm\u00f6glichkeiten von Zucker"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erh\u00f6htes Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten und der Wegfall der Zuckermarktordnung bringen in Europa eine Zucker\u00fcberproduktion von 300.000 Tonnen pro Jahr mit sich. Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und die Technische Universit\u00e4t Graz (TU Graz) entwickeln im EU-Projekt CARBAFIN neue Plattformtechnologien zur alternativen biotechnologischen Nutzung von Zucker. Neue Wertsch\u00f6pfungsketten werden erschlossen und Europas international f\u00fchrende Rolle in der Zuckerherstellung ausgebaut, Besch\u00e4ftigung gesichert und die Natur geschont. Projektpartner sind Industrieunternehmen Pfeifer &amp; Langen , die bitop AG oder AVA Biochem. CARBAFIN hat ein Volumen von 6,1 Millionen Euro.<\/strong><\/p>\n<p>Der Fall der Zuckerquote, die bisher in Europa die Produktion sowie den Export und Import reglementiert hat, geringerer Zuckerverbrauch und steigende Produktionszahlen lassen die Zuckerberge anwachsen und Preise sinken. Industrie und Landwirtschaft sind daher auf der Suche nach alternativen Verwertungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Zucker. Das mit 01. J\u00e4nner 2018 startende EU- Projekt CARBAFIN setzt sich zum Ziel, bio-basierte Plattform-Technologien f\u00fcr die Herstellung zucker- modifizierter Produkte im industriellen Ma\u00dfstab zu etablieren.<\/p>\n<h3>Vom \u201eFettmacher\u201c zum gesundheitsf\u00f6rdernden Wirkstoff und Erd\u00f6l-Ersatz<\/h3>\n<p>Durch innovative biokatalytische Glykosylierungsprozesse und den daraus hervorgehenden Produkten werden nachhaltige Anwendungen etwa bei Nahrungs- und Futtermitteln, Kosmetik, Reinigungsmitteln sowie biobasierten Polymeren erm\u00f6glicht. Einerseits sorgen die neuen Prozesse f\u00fcr bessere Wirkstoffe etwa in der Kosmetik-, Nahrungs- und Futtermittelindustrie, andererseits wird die Fruktose, der zweite Bestandteil der im Glukosylierungsprozess anfallenden Saccharose, immer wichtiger als petrochemischer Ersatzstoff zur Herstellung von Harzen, Farben, Klebstoffen, Biokraftstoffen oder Bio-Polymeren. Dabei werden ganz neue Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr die Verwendung \u00fcbersch\u00fcssiger Saccharose aus Zuckerr\u00fcben in Europa geschaffen.<br \/>\nDas CARBAFIN-Projektkonsortium, unter Koordination des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) und der TU Graz, f\u00fchrt die hohe Erfolgsquote \u00f6sterreichischer Projekteinreichungen in EU-Forschungsprogrammen fort.<\/p>\n<h3>Bedeutung f\u00fcr die heimische Wirtschaft<\/h3>\n<p>\u201eDas Projekt CARBAFIN zeigt einmal mehr die herausragende Position der Steiermark als Forschungs- und Innovationsland und die Qualit\u00e4t der heimischen Kompetenzzentren. Hier entwickeln Unternehmen, Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen gemeinsam Technologien f\u00fcr die Zukunft. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist der Hauptgrund daf\u00fcr, dass die Steiermark mit Abstand das Forschungsland Nummer eins in \u00d6sterreich ist und auch in<br \/>\nEuropa an der Spitze steht. Das Projekt st\u00e4rkt auch die heimische Wirtschaft und ist damit ein Motor f\u00fcr Wachstum, Wertsch\u00f6pfung und Arbeitspl\u00e4tze in der Steiermark\u201c, so Wirtschafts- und Wissenschaftslandesr\u00e4tin Barbara Eibinger-Miedl.<\/p>\n<p>Horst Bischof, Vize-Rektor der TU Graz, betont den Wissenstransfer zwischen Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen und lobt die jahrelange Zusammenarbeit der TU Graz mit dem acib: \u201eNeuland betreten, Erkenntnisse gewinnen und umsetzen ist ein grundlegender Anspruch von Forschung. Dar\u00fcber hinaus setzt die TU Graz gemeinsam mit starken Partnern auch auf den Transfer der daraus entstehenden Innovationen in die Wirtschaft. Die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft wird intensiv in Kompetenzzentren gelebt, und acib ist ein starker Partner der TU Graz. Kompetenzzentren sind ein ideales Vehikel f\u00fcr die Akquisition von EU-Projekten. Mit CARBAFIN konnte ein weiteres hoch dotiertes EU-Projekt nach Graz geholt werden. Dies ist mehr als erfreulich und st\u00e4rkt den Standort sowie die Zusammenarbeit des acib mit der TU Graz.\u201c<\/p>\n<p>Die Bedeutung der exzellenten Forschungslandschaft, gepaart mit den ausgezeichneten Technologie- und Produktionsf\u00e4higkeiten regionaler Wirtschaftsbetriebe, streicht auch Johann Harer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des steirischen Humantechnologie-Clusters, hervor. Sowohl das acib als auch die TU Graz sind Mitglieder des Clusters. \u201eDie Steiermark als internationale Drehscheibe f\u00fcr diese Zukunftsplattformtechnologien von CARBAFIN zu etablieren und sichtbar zu machen, wird auch das Bestreben des Humantechnologieclusters sein. Wir sind stolz, dass sich die Pharma- und Biotechnologie \u2013 insbesondere in den Bereichen Forschung und Engineering \u2013 in den vergangenen Jahren als eines der zukunftsweisenden St\u00e4rkefelder in der Steiermark herauskristallisiert hat\u201c, sagt Harer.<\/p>\n<h3>Ende der Zuckerquote, steigende Produktionszahlen und sinkender Zuckerverbrauch<\/h3>\n<p>Die europ\u00e4ische Zuckerindustrie, weltweit f\u00fchrend in der Zuckerherstellung aus Zuckerr\u00fcben, ist mit einschneidenden Ver\u00e4nderungen konfrontiert. Die Zuckermarktregelung, die seit 1968 die Produktion und den Export\/Import reglementiert, lief mit Ende September 2017 aus. Saccharose aus europ\u00e4ischen Zuckerr\u00fcben bekommt zunehmend Konkurrenz von Saccharose aus Zuckerrohr und Isoglucose, einem billigen Glukose\/Fruktose-Gemisch. Auch soziale Entwicklungen spielen eine Rolle: Das erh\u00f6hte Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten f\u00fchrt zu sinkenden Zahlen beim Konsum von Zucker. F\u00fcr Industrie und Landwirte, die mit sinkendem Profit konfrontiert sind, kein Zuckerschlecken: Mehr als 180.000 Menschen sind direkt oder indirekt \u00fcber die Zuckerr\u00fcbenindustrie in \u00fcber 20 EU-Mitgliedsstaaten besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<h3>Alternative Nutzungs- und Anwendungsm\u00f6glichkeiten von Zucker durch CARBAFIN<\/h3>\n<p>Die in CARBAFIN entwickelten biokatalytischen Produktionstechnologien er\u00f6ffnen der europ\u00e4ischen Zuckerindustrie und beteiligten Partnern neue, innovative Nutzungsm\u00f6glichkeiten von Zuckerbestandteilen. \u201eWir nutzen die beiden Grundbausteine der Saccharose \u2013 Glukose und Fruktose \u2013, um daraus v\u00f6llig neue, hochwertige Produkte zu machen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Bernd Nidetzky, CSO und Projektkoordinator am acib.<br \/>\nMithilfe des biokatalytischen Prozesses der Glukosylierung wertet CARBAFIN Produkte auf und stellt sie in industriell relevanten Mengen zur Verf\u00fcgung. \u201eMithilfe eines Biokatalysators \u00fcbertragen wir die Glukose auf ein anderes Molek\u00fcl. Die so entstehenden glukosylierten Verbindungen zeigen verbesserte Eigenschaften wie spezielle biologische Wirksamkeit, bessere Wasserl\u00f6slichkeit oder h\u00f6here Stabilit\u00e4t\u201c, erkl\u00e4rt Nidetzky. Ein Beispiel f\u00fcr ein glukosidisches Produkt ist Cellobiose, dessen Herstellung in den letzten Jahren bei CARBAFIN-Projektpartner Pfeifer &amp; Langen GmbH &amp; Co. KG entwickelt wurde. \u201eDieses funktionale Disaccharid wird \u00fcber ein aktiviertes Glucosemolek\u00fcl aus Saccharose und Glucose enzymatisch hergestellt und besitzt umfangreiche Anwendungsm\u00f6glichkeiten im Lebensmittelbereich\u201c, erkl\u00e4rt Thomas H\u00e4\u00dfler, Gruppenleiter Biotechnologie bei Pfeifer &amp; Langen. &#8220;Je nach Stoffgruppe finden Glukoside neben der Nahrungs- und Futtermittelindustrie au\u00dferdem Anwendung als funktionelle Zus\u00e4tze oder l\u00f6sliche Faser- bzw.<br \/>\nBallaststoffe in Kosmetikartikeln oder dem Reinigungssektor&#8221;, wei\u00df Christiane Luley, Forscherin am acib.<\/p>\n<h3>Fruktose zu Plattformchemikalien und Bioplastik weiterverarbeitet<\/h3>\n<p>Im Glukosylierungsprozess f\u00e4llt in gleichen Mengen neben dem glukosidischen Produkt auch Fruktose an \u2013 der zweite Baustein von Saccharose. \u201eNeben ihrer Verwendung als S\u00fc\u00dfungsmittel wird Fruktose auch in nicht-lebensmittelbezogenen Bereichen immer wichtiger f\u00fcr die Industrie \u2013 Stichwort petrochemische Ersatzstoffe. Aus Fruktose kann HMF (Hydroxymethylfurfural) erzeugt werden, eine wirtschaftlich hoch relevante Plattformchemikalie f\u00fcr Bereiche wie Harze, Farben, Klebstoffe, Biokraftstoffe oder Bio-Polymere.<br \/>\nHMF kann au\u00dferdem zum Oxidationsprodukt FDCA (2,5-Furandicarbons\u00e4ure) weiterverarbeitet werden. Im Jahr 2004 wurde FDCA vom US Department f\u00fcr Energie sogar als eine der 12 wichtigsten Next-Generation-Plattformchemikalien der Welt klassifiziert. Sein gr\u00f6\u00dftes Potenzial liegt im Plastikverpackungsmarkt: \u201eZu 100% biobasiertem PET-Ersatz verarbeitet, lassen sich \u201agr\u00fcne\u2018 Plastiktrinkflaschen herstellen\u201c, erkl\u00e4rt Gilbert Anderer vom an CARBAFIN beteiligten Schweizer Spezialchemikalienherstellers AVA, Weltmarktf\u00fchrer in der HMF-Produktion.<\/p>\n<h3>Nachhaltig im Sinne einer bio-basierten \u00d6konomie<\/h3>\n<p>Ziel ist, das Wirtschaftswachstum durch die industrielle biotechnologische Herstellung innovativer glykosylierter Produkte anzukurbeln und neue Wertsch\u00f6pfungsketten im Sinne einer nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaft zu erm\u00f6glichen. Das soll die Natur langfristig schonen. \u201eIm Vergleich zur chemischen Synthese produzieren enzymatische Reaktionen f\u00fcnfmal weniger Abf\u00e4lle. Da in CARBAFIN beide wertvollen Bestandteile der Saccharose weiterverarbeitet und kosteneffiziente Up- und Downstream-Prozesse etabliert werden, wird eine Senkung der Produktionskosten um 30% erwartet. \u201eIndem wir der Industrie eine Plattform-Glykosylierungstechnologie mit laufender Prozess- und Qualit\u00e4tskontrolle zur Verf\u00fcgung stellen, wird es zuk\u00fcnftig leichter und schneller m\u00f6glich, unterschiedliche glukosylierte Produkte auf den Markt zu bringen\u201c, so Barbara Petschacher, Forscherin an der TU Graz. Herausforderung und Vorgabe ist, im Projektverlauf die Produktionskapazit\u00e4t in den industriellen Ma\u00dfstab zu heben.<\/p>\n<h3>Ganzheitliche Kreislaufwirtschaft und Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze<\/h3>\n<p>CARBAFIN tr\u00e4gt einen wesentlichen Teil zum EU-Forschungsprogramm \u201eIndustrie 2020 in der Kreislaufwirtschaft\u201c bei. Die \u00f6konomische und \u00f6kologische Machbarkeit des Prozesses soll im Zuge eines Life-Cycle-Assessment \u00fcber den gesamten Produktzyklus optimiert und bewertet werden. Besonderes Augenmerk gilt der Bewusstseinsbildung der Endkonsumenten im Bereich Biotechnologie. Die in CARBAFIN entwickelten Gesch\u00e4ftsmodelle sollen zudem Marktchancen und Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmungen erh\u00f6hen. H\u00e4\u00dfler dazu: \u201eDurch den Ausbau bestehender und durch die Erschlie\u00dfung neuer Verwertungswege der Saccharose m\u00f6chte die Pfeifer &amp; Langen GmbH &amp; Co. KG die europ\u00e4ische Agrarwirtschaft im R\u00fcbenanbau nachhaltig festigen.\u201c Aus diesen Ma\u00dfnahmen abgeleitet, l\u00e4sst sich auf lange Sicht die Schaffung von 500 bis 1.000 Arbeitspl\u00e4tzen prognostizieren.<br \/>\nCARBAFIN leistet somit einen wichtigen Beitrag, um die weltweit f\u00fchrende Rolle Europas in der industriellen Biotechnologie zu festigen und Europas Position als Innovationsf\u00fchrer im Bereich zucker-basierender Produkte zu sichern, hie\u00df es in der 1m 14. November im Rahmen des European Summit of Industrial Biotechnology (esib) in Graz stattfindenden Pressekonferenz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erh\u00f6htes Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten und der Wegfall der Zuckermarktordnung bringen in Europa eine Zucker\u00fcberproduktion von 300.000 Tonnen pro Jahr mit sich. 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