{"id":47546,"date":"2017-11-15T07:20:15","date_gmt":"2017-11-15T06:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=47546"},"modified":"2018-01-11T13:07:52","modified_gmt":"2018-01-11T12:07:52","slug":"altholzentsorgung-terrassendielen-aus-windraedern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/altholzentsorgung-terrassendielen-aus-windraedern\/","title":{"rendered":"Altholzentsorgung: Terrassendielen aus Windr\u00e4dern"},"content":{"rendered":"<p>Ist die Verbrennung wirklich der beste Weg der Altholzentsorgung? Zumindest ist sie in Deutschland derzeit der g\u00e4ngigste Weg: Von den neun Millionen Tonnen Altholz, die allj\u00e4hrlich anfallen, geht \u2013 seit die Deponierung vor Jahren gesetzlich unterbunden wurde \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Teil in Heizkraftwerke. Allerdings wandelt sich die Bewertung in Politik und Wissenschaft; zunehmend gewinnt die stoffliche Verwertung Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<p>Forscher arbeiten l\u00e4ngst auf unterschiedlichste Weise an der Entwicklung von Alternativen zum Altholzfeuer. Dabei haben sie im Grundsatz zwei Pfade im Auge: Der eine ist der chemische Umbau der Holzbestandteile, etwa indem aus Altholz h\u00f6herwertige Chemikalien wie Milchs\u00e4ure gewonnen werden. Daraus wiederum k\u00f6nnen Biokunststoffe hergestellt werden.<\/p>\n<p>Entsprechende industriell einsetzbare Bioraffinerie-Verfahren zu entwickeln ist Ziel eines F\u00f6rderprojekts des Bundesforschungsministeriums, das vom BioEconomy Cluster in Halle betreut wird. Und der zweite Weg besteht darin, den Rohstoff weiterhin als Holz in neuen Produkten einzusetzen.<\/p>\n<p>Das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung in Braunschweig, das Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI), verfolgt beide Pfade. Ein prominentes Beispiel f\u00fcr die neue Nutzung von altem Holz ist das Recycling der Fl\u00fcgel von Windkraftanlagen. In denen n\u00e4mlich kommt seit Jahren wertvolles Balsaholz zum Einsatz.<\/p>\n<p>Selbst in den 75 Meter langen Rotorbl\u00e4ttern der Firma Siemens, die zu den l\u00e4ngsten derzeit in der Branche z\u00e4hlen, wird noch in gro\u00dfem Stil Balsaholz eingesetzt. Weil auch schon in den Anf\u00e4ngen der modernen Windkraft Balsaholz genutzt wurde und diese Anlagen nun nach und nach abgebaut werden, sucht das WKI nach Methoden, das Holz zur\u00fcckzugewinnen, um es f\u00fcr weitere Nutzungswege zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Balsaholz ist sehr druckstabil<\/p>\n<p>\u201eBalsaholz ist ein guter Isolator\u201c, sagt WKI-Forscher Peter Meinlschmidt. Deswegen entwickle man Verfahren, das Holz von den Glasfaserbestandteilen der Fl\u00fcgel zu trennen, um es sp\u00e4ter f\u00fcr D\u00e4mmstoffe oder auch f\u00fcr WPC \u2013 \u201eWood Plastic Composite\u201c, einen Holz-Plastik-Verbundwerkstoff \u2013 zu nutzen. WPC-Produkte aus anderen Holzarten, etwa zur Fertigung von Terrassendielen, werden l\u00e4ngst verkauft. Durch Balsaholz, hofft Meinlschmidt, k\u00f6nnten diese deutlich leichter werden. Gleiches gelte f\u00fcr Holzd\u00e4mmstoffe und auch Holzsch\u00e4ume.<\/p>\n<p>\u201eBalsaholz hat kaum einen Brennwert und ist sehr druckstabil\u201c, sagt der WKI-Forscher \u2013 und deswegen lohne sich die R\u00fcckgewinnung aus alten Windradfl\u00fcgeln. Einen ganz anderen Weg hat sein Institutskollege Guido Hora eingeschlagen: \u201eUnser Ziel ist es, aus Altholz Plattformchemikalien f\u00fcr die Industrie zu gewinnen.\u201c So werden Grundchemikalien genannt, die als Ausgangsmaterial f\u00fcr zahlreiche Industrieprodukte dienen. Etwa Ethanol oder Methanol.<\/p>\n<p>Entstehen dabei allerdings wiederum Brennstoffe, stellt sich freilich die Frage, ob es dann nicht g\u00fcnstiger ist, das Altholz direkt zu verbrennen, weil jeder Schritt der Umwandlung wieder Aufwand und Energieverbrauch bedeutet. \u201eDie direkte Verbrennung ist aus Sicht der CO2-Bilanz g\u00fcnstiger\u201c, r\u00e4umt auch Hora ein, \u201eaber bei Themen wie Feinstaub oder auch Humantoxizit\u00e4t ergibt sich mitunter ein anderes Bild.\u201c<\/p>\n<p>Ohnehin sieht der Braunschweiger Forscher die Perspektiven von Bioraffinerie-Produkten vor allem abseits der energetischen Verwendung. Dies auch aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden: Speziell Methanol als wichtiger Grundstoff der Kunststoffherstellung unterliegt geringeren Preisschwankungen als die diversen Energietr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Technisch, sagt Wissenschaftler Hora, sei die Bio\u00f6konomie in Deutschland weit vorangeschritten. Nur k\u00e4men die Verfahren hierzulande kaum zum Einsatz, weil die \u00fcber Jahre hinweg attraktive F\u00f6rderung der Altholzverbrennung den alternativen M\u00e4rkten bislang die Rohstoffe entzieht.<\/p>\n<p>Kaskadennutzung<\/p>\n<p>Aber genau das d\u00fcrfte sich \u00e4ndern. Unter dem Stichwort Kaskadennutzung dr\u00e4ngt die Politik \u2013 auch seitens der EU \u2013 darauf, Altholz vermehrt stofflich zu recyceln, um es erst am Ende einer l\u00e4ngeren Nutzungskette zu verbrennen.<\/p>\n<p>Und so d\u00fcrfte der deutsche Altholzmarkt sich zu wandeln beginnen, wenn ab dem Jahr 2021 die ersten Biomassekraftwerke aus der 20-j\u00e4hrigen F\u00f6rderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) herausfallen. F\u00fcr einige Anlagen wird es dann n\u00e4mlich keine wirtschaftliche Perspektive mehr geben.<\/p>\n<p>\u201eAlleine mit der Stromerzeugung wird es schwierig\u201c, sagt Matthias Held vom Bundesverband Bioenergie. Andererseits ist er \u00fcberzeugt: \u201eAnlagen, die auch die W\u00e4rme verkaufen k\u00f6nnen und ausk\u00f6mmliche Entsorgungserl\u00f6se erzielen, haben gute Chancen, auch ohne EEG zu \u00fcberleben.\u201c<\/p>\n<p>Wie gro\u00df der Anteil der Kraftwerke sein wird, die das schaffen, ist schwer absch\u00e4tzbar. Es liegt aber auf der Hand, dass die Stromerzeugung aus Altholz im kommenden Jahrzehnt abnehmen wird. Zumal die Alternative, n\u00e4mlich die Technik zur stofflichen Nutzung, weit fortgeschritten ist: \u201eDas sind inzwischen industrienahe Verfahren\u201c, sagt Holzforscher Hora. Welche davon sich durchsetzen werden, ist freilich noch offen \u2013 neben der \u00d6kobilanz wird \u00addar\u00fcber die \u00d6konomie entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die Verbrennung wirklich der beste Weg der Altholzentsorgung? 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