{"id":4693,"date":"1999-04-10T00:00:00","date_gmt":"1999-04-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=19990410-01n"},"modified":"1999-04-10T00:00:00","modified_gmt":"1999-04-09T22:00:00","slug":"erste-hanfpassivhaussiedlung-mit-thermo-hanf-und-hanfschaeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/erste-hanfpassivhaussiedlung-mit-thermo-hanf-und-hanfschaeben\/","title":{"rendered":"Erste Hanfpassivhaussiedlung mit Thermo-Hanf und Hanfsch\u00e4ben"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Eine tolle Pflanze, ein idealer Rohstoff, der sich hervorragend zum Isolieren eignet&#8221;, erkl\u00e4rt Carmen<br \/>\nHock-Heyl. Die 38j\u00e4hrige ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Firma Hock mit Stammsitz in Stutensee bei Karlsruhe. Zwei Jahre hat sie mit Nutzhanffasern experimentiert. Um als Baustoff gut einsetzbar zu sein, mu\u00dfte das Hanfmaterial erst in eine praktische Form gebracht werden, die sich<br \/>\nleicht verarbeiten l\u00e4\u00dft. Herausgekommen ist ein Produkt namens &#8220;Thermo-Hanf&#8221;. Die braunen Matten werden in unterschiedlichen St\u00e4rken angeboten, und sie k\u00f6nnen \u00fcberall im Wand- und im Dachbereich eingebaut werden.<br \/>\n&#8220;Mit diesem Material haben wir einen \u00f6kologisch einwandfreien Baustoff zur Verf\u00fcgung&#8221;, meint Carmen<br \/>\nHock-Heyl, Chefin eines Zimmereibetriebes. Zusammen mit der Karlsruher Architektin Doris Fl\u00fcgel und dem Baustatiker Rolf G\u00fcnther hat die Unternehmerin Hock-Heyl den &#8220;Arbeitskreis Hanfhaus&#8221; gegr\u00fcndet. &#8220;Unser Ziel war es, ein Haus zu konzipieren, das zu \u00fcber 50 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf besteht&#8221;, erinnert sich \u00d6ko-Architektin Fl\u00fcgel.<br \/>\nDas bundesweit erste Hanfhaus ist nun als Pilotprojekt aus dem Boden gestampft worden. Von au\u00dfen sieht<br \/>\ndas Einfamilienhaus mit etwa 115 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che aus wie alle anderen im Neubaugebiet am<br \/>\nOrtsrand von Stutensee. Zun\u00e4chst fallen nur die beiden Sonnenkollektoren auf, die f\u00fcr die Erw\u00e4rmung des Brauchwassers sorgen. Die Feinheiten liegen im Detail. Auf Stahlbeton steht ein Holzgerippe, dessen Zwischenr\u00e4ume mit Hanfmatten ausgef\u00fcllt sind. Die Holzrahmenkonstruktion ist in wenigen Tagen wetterfest errichtet, denn die einzelnen Elemente k\u00f6nnen komplett in der Zimmerei vorgefertigt werden. Auch das Dach wurde mit Cannabis-D\u00e4mmung isoliert. Auf Decken und B\u00f6den kommen Hanfsch\u00e4ben &#8211; die holzigen Teile des Pflanzenstengels.<br \/>\nDer Vorteil: Das nat\u00fcrliche D\u00e4mmmaterial ist feuchtigkeitsregulierend und klimaausgleichend. Dadurch erzeugt es ein au\u00dfergew\u00f6hnlich gesundes Wohnklima und bietet zus\u00e4tzlich eine optimale Isolierung, die das Heizungsbudget schont. Die Bewohner des neuen Hanfhauses ben\u00f6tigen nur rund 45 Prozent des<br \/>\nEnergiebedarfs konventioneller Geb\u00e4ude.<br \/>\nStyropor und Mineralwollbahnen k\u00f6nnen so durch die nachwachsende Alternative ersetzt werden. Die<br \/>\nThermo-Hanfmatten lassen sich ohne Gesundheitsgef\u00e4hrdung verlegen. &#8220;Vor allem Allergiker k\u00f6nnen<br \/>\naufatmen, weil das Material nicht schimmelt und auch nicht anf\u00e4llig f\u00fcr Pilze ist&#8221;, meint Hock-Heyl. Das Pilotprojekt hat viele H\u00e4uslebauer neugierig gemacht. Denn auch der Preis stimmt. F\u00fcr einen Quadratmeter wurden Kosten von 2.150 Mark ermittelt. &#8220;Damit liegen wir sogar noch fast 200 Mark unter den Preisen konventionell gebauter H\u00e4user&#8221;, meint Architektin Doris Fl\u00fcgel. Die Stadt Stutensee unterst\u00fctzt die Hanfhaus-Initiative. &#8220;Ich erkenne in dieser Bauweise nur Vorteile&#8221;, erkl\u00e4rt der kommunale Baumeister Michael K\u00f6gel.<br \/>\nIm Rahmen der &#8220;Lokalen Agenda 21&#8221; zur Erhaltung der Lebensgrundlagen im 21. Jahrhundert hat sich der<br \/>\nGemeinderat zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung verpflichtet. Deshalb soll noch im April der Spatenstich zur ersten Hanfpassivhaus-Siedlung erfolgen. Die Idee des Passivhauses: Man kann darin ohne Heizung leben. F\u00fcr allzu skeptische Zeitgenossen wird ein kleiner Kaminofen eingebaut.<br \/>\nDie 13 geplanten Passivh\u00e4user, deren Konstruktion fast ganz aus Holz und Hanf besteht, werden v\u00f6llig<br \/>\nluftdicht gebaut. Sie haben einen Kreuzw\u00e4rmetauscher, der Frischluft zuf\u00fchrt und verbrauchte Innenluft absaugt. Eine W\u00e4rmepumpe erhitzt die vorgew\u00e4rmte Frischluft. Warmes Wasser wird, wie beim ersten<br \/>\nHanfmusterhaus, \u00fcber Sonnenkollektoren erzeugt. &#8220;Diese Bauweise gelingt mit dem D\u00e4mmstoff Hanf am<br \/>\nbesten&#8221;, erkl\u00e4rt Hanf-Pionierin Hock-Heyl. Au\u00dferdem sei Hanf auf Ewigkeit verf\u00fcgbar, die Pflanze ben\u00f6tige kaum D\u00fcnger, und letztlich verbrauche sie w\u00e4hrend des Wachstums Kohlendioxid), leiste somit einen kleinen Beitrag auch zum Klimaschutz.<br \/>\nMit der Hanfd\u00e4mmung werden rund zwei Tonnen Kohlendioxid eingespart, die normalerweise bei der<br \/>\nHerstellung von handels\u00fcblichen D\u00e4mmstoffen anfallen. Ganz wichtig f\u00fcr die drei Initiatoren des Hanfhaus-Arbeitskreises: Der Rohstoff wird in der Region angebaut und auch regional verarbeitet. &#8220;So k\u00f6nnen lange Transportwege vermieden werden, Kosten und Energie lassen sich so auch noch einsparen&#8221;, erkl\u00e4rt Unternehmerin Hock-Heyl. In seiner \u00d6kobilanz sei das Projekt einfach spitze.<br \/>\nF\u00fcr ein Hanfhaus werden die saftiggr\u00fcnen Pflanzen von einem Hektar Anbaufl\u00e4che ben\u00f6tigt. &#8220;Wenn man<br \/>\ndiese Bauweise bundesweit \u00fcbertragen w\u00fcrde, so w\u00fcrden Handwerksbetriebe, Landwirte und die Umwelt<br \/>\ndavon profitieren&#8221;, glaubt Hock-Heyl. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, wird Deutschlands erste Hanfpassivhaus-Siedlung schon im Juni komplett bezugsfertig sein.\n<\/p>\n<p>\nQuelle: Michael Franken, taz 10.4.1999<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Eine tolle Pflanze, ein idealer Rohstoff, der sich hervorragend zum Isolieren eignet&#8221;, erkl&auml;rt Carmen<br \/>\nHock-Heyl. 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