{"id":45689,"date":"2017-09-11T07:26:36","date_gmt":"2017-09-11T05:26:36","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45689"},"modified":"2017-09-07T12:24:24","modified_gmt":"2017-09-07T10:24:24","slug":"nachwachsende-baustoffe-fuer-die-staedte-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachwachsende-baustoffe-fuer-die-staedte-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Nachwachsende Baustoffe f\u00fcr die St\u00e4dte der Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus dem Wurzelwerk von Pilzen wachsen Bausteine, die sich zu selbsttragenden Strukturen aufeinanderschichten lassen: Wissenschaftler am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) und an der ETH Z\u00fcrich erforschen den Einsatz von Pilzmyzelium in der Architektur. Wiederverwertbare Baustoffe wie Myzelium oder Bambus k\u00f6nnten k\u00fcnftig konventionelle Materialien wie Stahl und Beton ersetzen. Derzeit zeigen die Forscher ihre Vision unter dem Titel \u201eBeyond Mining \u2013 Urban Growth\u201c bei der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017.<\/strong><\/p>\n<p>Das globale Bauwesen konzentriert sich auf einige wenige Materialien \u2013 aber die Ressourcen sind endlich. So droht Sand, ein wichtiger Zuschlagstoff f\u00fcr Beton, in manchen Regionen bald auszugehen. Der Einsatz von Stahlbeton macht viele L\u00e4nder von Importen abh\u00e4ngig. Wissenschaftler des Fachgebiets Nachhaltiges Bauen an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Architektur des KIT suchen nach Alternativen zu den konventionellen Materialien. \u201eUnsere Vision ist, H\u00e4user k\u00fcnftig sozusagen wachsen zu lassen und nach Ende ihrer Nutzung die Baustoffe wiederzuverwerten\u201c, erkl\u00e4rt der Leiter des Fachgebiets, Professor Dirk E. Hebel. Gemeinsam mit der Block Research Group (BRG) an der ETH Z\u00fcrich erforscht das interdisziplin\u00e4re Karlsruher Team aus Architekten, Bau- und Bioingenieuren, Material- und Energiewissenschaftlern unter Federf\u00fchrung von Karsten Schlesier und Felix Heisel den Einsatz regenerativer Materialien in der Architektur.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45691\" aria-describedby=\"caption-attachment-45691\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45691 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft-300x200.jpg\" alt=\"2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45691\" class=\"wp-caption-text\">Mycotree <a href=\"http:\/\/www.kit.edu\/downloads\/pi_bilder\/2017_121_Nachwachsende_Baustoffe_fuer_die_Staedte_der_Zukunft.JPG\" target=\"_blank\">&#8211; Zoom &#8211;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis 5. November pr\u00e4sentieren die Forscher unter dem Titel \u201eBeyond Mining \u2013 Urban Growth\u201c bei der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017 ihren \u201eMycoTree\u201c: eine Struktur aus Pilzmyzelium und Bambus, deren Geometrie sie mit Methoden grafischer Statik in 3D optimiert und tragf\u00e4hig gemacht haben \u2013 in dieser Form eine Weltneuheit. Ein Making-of-Video ist unter <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/232044405\" target=\"_blank\">https:\/\/vimeo.com\/232044405<\/a> zu sehen.<\/p>\n<p>Myzelium ist das Wurzelwerk von Pilzen, ein schnell wachsendes feines Geflecht aus fadenf\u00f6rmigen Zellen. Die Pilze ern\u00e4hren sich von Cellulose, dem Hauptbestandteil pflanzlicher Zellw\u00e4nde, und wandeln sie in Chitin um. Um Bausteine aus Myzelium herzustellen, verwenden die Forscher aus Karlsruhe und Z\u00fcrich den Pilz Ganoderma lucidum (Gl\u00e4nzender Lackporling) und mischen Pilzgewebe mit Holzsp\u00e4nen oder anderen pflanzlichen Abf\u00e4llen. Auf einer Farm des Industriepartners Mycotech in Indonesien w\u00e4chst in wenigen Tagen eine dichte, schwamm\u00e4hnliche Substanz aus miteinander verflochtenen Zellf\u00e4den. Diese Masse l\u00e4sst sich in fast jede Form f\u00fcllen, wo sie sich \u00fcber einige Tage weiter verdichtet. Abschlie\u00dfend wird sie getrocknet, um das Wachstum zu stoppen und den Pilz abzut\u00f6ten. Ergebnis sind leichte Bausteine, die gut isolieren. Das Team um Professor Dirk E. Hebel arbeitet au\u00dferdem an neuartigen Verbundwerkstoffen mit Bambus. Dieser besitzt lange, stabile Fasern und w\u00e4chst deutlich schneller als Holz.<\/p>\n<p>Die Druck- und Zugbelastbarkeit gewachsener oder wiederverwerteter Baustoffe ist gew\u00f6hnlich vergleichsweise gering. Durch gezielte Gestaltung der geometrischen Form und des inneren Kr\u00e4fteflusses lassen sich diese Eigenschaften jedoch wesentlich verbessern. Die Wissenschaftler am KIT und der ETH Z\u00fcrich greifen dabei auf Methoden grafischer Statik zur\u00fcck, bei der statische Aufgaben zeichnerisch gel\u00f6st werden. Mithilfe moderner Software erweitern sie die traditionell zweidimensionale grafische Statik auf die dritte Dimension. \u201eNachwachsende Baustoffe erhalten so das Potenzial, konventionelle Materialien in vielen architektonischen Strukturen zu ersetzen\u201c, erkl\u00e4rt Dirk E. Hebel.<\/p>\n<p>Die Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017 l\u00e4uft vom 2. September bis 5. November. Unter dem Titel \u201eImminent Commons\u201c widmet sich die Veranstaltung mit Ausstellungen, Vortr\u00e4gen, Diskussionen und Workshops den architektonischen, technischen, sozialen und \u00f6kologischen Herausforderungen, vor denen die St\u00e4dte der Welt heute und morgen stehen, und stellt m\u00f6gliche L\u00f6sungen f\u00fcr die n\u00e4here und fernere Zukunft vor. Informationen unter <a href=\"http:\/\/seoulbiennale.org\" target=\"_blank\">http:\/\/seoulbiennale.org<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber das KIT &#8211; Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie<\/h3>\n<p>Als \u201eDie Forschungsuniversit\u00e4t in der Helmholtz-Gemeinschaft\u201c schafft und vermittelt das KIT Wissen f\u00fcr Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen ma\u00dfgebliche Beitr\u00e4ge in den Feldern Energie, Mobilit\u00e4t und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplin\u00e4ren Basis in Natur-, Ingenieurs-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 26.000 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universit\u00e4res Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationst\u00e4tigkeit am KIT schl\u00e4gt die Br\u00fccke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Simon Scheuerle<br \/>\nTel.: 0721\/608-48761<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:simon.scheuerle@kit.edu\" target=\"_blank\">simon.scheuerle@kit.edu<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Wurzelwerk von Pilzen wachsen Bausteine, die sich zu selbsttragenden Strukturen aufeinanderschichten lassen: Wissenschaftler am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) und an der ETH Z\u00fcrich erforschen den Einsatz von Pilzmyzelium in der Architektur. Wiederverwertbare Baustoffe wie Myzelium oder Bambus k\u00f6nnten k\u00fcnftig konventionelle Materialien wie Stahl und Beton ersetzen. 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