{"id":45604,"date":"2017-09-07T07:29:16","date_gmt":"2017-09-07T05:29:16","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fbiowissenschaften-chemie%2Fvon-der-entzauberung-magischer-pilze.html"},"modified":"2017-09-05T12:49:38","modified_gmt":"2017-09-05T10:49:38","slug":"von-der-entzauberung-magischer-pilze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/von-der-entzauberung-magischer-pilze\/","title":{"rendered":"Von der Entzauberung magischer Pilze"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_45639\" aria-describedby=\"caption-attachment-45639\" style=\"width: 267px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45639 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/17-13_Psilocybe_cyanescens-631691ee.jpg\" alt=\"17-13_Psilocybe_cyanescens-631691ee\" width=\"267\" height=\"200\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45639\" class=\"wp-caption-text\">Der Pilz <em>Psilocybe cyanescens<\/em>, auch bl\u00e4uender Kahlkopf genannt, ist ein stark psilocybinbildender Pilz. Quelle: Dirk Hoffmeister<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Seit fast 60 Jahren ist der Stoff namens Psilocybin bekannt. Er verleiht den sogenannten Magic Mushrooms, auch Zauberpilze genannt, die Magie \u2013 also ihre starke psychedelische Wirkung. Ein Geheimnis blieb jedoch: Wie genau bilden die Pilze der Gattung Psilocybe diese wirkungsvolle Substanz? Das Forschungsteam um den Jenaer Professor Dirk Hoffmeister konnte es jetzt l\u00fcften.<\/strong><\/p>\n<p>Artefakte und Kunstwerke beweisen, dass indigene V\u00f6lker Mittelamerikas bereits um 2000 vor unserer Zeitrechnung mit halluzinogenen Pilzen experimentierten. Sie verehrten die Zauberpilze und nutzten sie zu spirituellen Zwecken.<\/p>\n<h3>Was die Pilze zum Zaubern bringt<\/h3>\n<p>Zwar ist die naturwissenschaftliche Forschung seit den 1950er Jahren fasziniert von der pharmakologischen Wirkung der Pilze. Von g\u00f6ttlicher Zauberei und Magie lassen sich Wissenschaftler jedoch nicht beeindrucken: Schon 1958 isolierte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann den Wirkstoff Psilocybin und kl\u00e4rte seine einzigartige chemische Struktur auf. Auch die Wirkungsweise des Naturstoffs, der dem \u201eGl\u00fcckshormon\u201c Serotonin \u00e4hnelt, ist weitgehend nachvollzogen. Dar\u00fcber hinaus zeigten erste Studien aus den 1960er Jahren m\u00f6gliche Wege auf, wie die Pilze dieses besondere Molek\u00fcl bilden.<br \/>\nDoch welche Werkzeuge, sprich Enzyme, den Pilzen die besondere F\u00e4higkeit zur Bildung von Psilocybin verleihen, war bisher unbekannt.<\/p>\n<p>Dirk Hoffmeister ist Professor am Pharmazeutischen Institut der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena und leitet eine assoziierte Forschungsgruppe am Leibniz-Institut f\u00fcr Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie \u2013 Hans-Kn\u00f6ll-Institut. Hoffmeisters Forscherteam gelang es nun, die Enzyme zu identifizieren, mit deren Hilfe die Pilze ihre magischen Substanzen aufbauen. Die Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen au\u00dferdem fest, dass die Biosynthese in einer anderen Reihenfolge stattfindet, als es \u00e4ltere Studien beschrieben. Ihre Ergebnisse erschienen k\u00fcrzlich in der renommierten Zeitschrift Angewandte Chemie.<\/p>\n<h3>Bahnbrechender Schritt zur kommerzialisierten Anwendung<\/h3>\n<p>Mithilfe des Modell-Bakteriums <em>Escherichia coli<\/em> lie\u00dfen sich die zuvor identifizierten Enzyme produzieren. Auf diese Weise konnten Hoffmeister und Kollegen die Wirkstoff-Synthese im Labor rekonstruieren und Psilocybin ohne Pilzzellen herstellen. Die vorangegangenen Untersuchungen waren damit best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>\u201eMit der Herstellung von Psilocybin mittels Enzymen machten wir einen gro\u00dfen Schritt, dieses stark wirksame Molek\u00fcl besser bereitzustellen\u201c, macht Hoffmeister deutlich. \u201eHierzulande sind Magic Mushrooms zwar haupts\u00e4chlich als Freizeitdroge bekannt und haben dementsprechend ein zweifelhaftes Image. Doch das pharmazeutische Interesse an deren Wirkstoff Psilocybin nimmt gegenw\u00e4rtig zu\u201c, pr\u00e4zisiert der Professor die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse mit dem Hinweis auf erste klinische Studien. Sie attestieren der Substanz Heilkr\u00e4fte: Beispielsweise k\u00f6nnte sie in einer geringen Dosis die Angst von Patienten mit lebensbedrohlichem Krebs reduzieren oder die Symptome von Depressionen und Antriebslosigkeit lindern.<\/p>\n<h3>\n<p>Originalpublikation<\/h3>\n<p>Fricke J, Blei F, Hoffmeister D (2017) <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/anie.201705489\/abstract\" target=\"_blank\">Enzymatic Synthesis of Psilocybin<\/a>. Angew Chem Int Ed. doi: 10.1002\/anie.201705489.<\/p>\n<h3>\n<p>\u00dcber das HKI<\/h3>\n<p>Das Leibniz-Institut f\u00fcr Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie \u2013 Hans-Kn\u00f6ll-Institut \u2013 wurde 1992 gegr\u00fcndet und geh\u00f6rt seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsausl\u00f6sung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre biologische Aktivit\u00e4t untersucht und f\u00fcr m\u00f6gliche Anwendungen als Wirkstoffe zielgerichtet modifiziert.<\/p>\n<p>Das HKI verf\u00fcgt \u00fcber f\u00fcnf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena (FSU) sind. Hinzu kommen mehrere Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion f\u00fcr das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Gemeinsam mit der FSU betreibt das HKI die Jena Microbial Resource Collection, eine umfassende Sammlung von Mikroorganismen und Naturstoffen. Zurzeit arbeiten etwa 400 Personen am HKI, davon 130 als Doktoranden.<\/p>\n<p>Das HKI ist Initiator und Kernpartner gro\u00dfer Verbundvorhaben wie der Exzellenz-Graduiertenschule <a href=\"http:\/\/www.jsmc.uni-jena.de\/\" target=\"_blank\">Jena School for Microbial Communication<\/a>, der Sonderforschungsbereiche <a href=\"http:\/\/www.funginet.de\/\" target=\"_blank\">FungiNet (Transregio)<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.chembiosys.de\/\" target=\"_blank\">ChemBioSys,<\/a> des Zentrums f\u00fcr Innovationskompetenz Septomics sowie von <a href=\"http:\/\/www.infectcontrol.de\/\" target=\"_blank\">InfectControl 2020<\/a>, einem Konsortium im BMBF-Programm Zwanzig20 \u2013 Partnerschaft f\u00fcr Innovation. Seit 2014 ist das HKI <a href=\"http:\/\/www.nrz-myk.de\/\" target=\"_blank\">Nationales Referenzzentrum f\u00fcr invasive Pilzinfektionen<\/a>.<\/p>\n<h3>\n<p>Kontakt<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Dirk Hoffmeister<br \/>\nFriedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena<br \/>\nPharmazeutische Mikrobiologie<br \/>\nTel.: +49 3641 949851<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:dirk.hoffmeister@leibniz-hki.de\" target=\"_blank\">dirk.hoffmeister@leibniz-hki.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Seit fast 60 Jahren ist der Stoff namens Psilocybin bekannt. Er verleiht den sogenannten Magic Mushrooms, auch Zauberpilze genannt, die Magie \u2013 also ihre starke psychedelische Wirkung. Ein Geheimnis blieb jedoch: Wie genau bilden die Pilze der Gattung Psilocybe diese wirkungsvolle Substanz? Das Forschungsteam um den Jenaer Professor Dirk Hoffmeister konnte es jetzt l\u00fcften. 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