{"id":45600,"date":"2017-09-08T07:20:00","date_gmt":"2017-09-08T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.umsicht.fraunhofer.de%2Fde%2Fpresse-medien%2F2017%2Fpilze-als-daemmschutz.html"},"modified":"2017-09-07T12:02:04","modified_gmt":"2017-09-07T10:02:04","slug":"pilze-als-daemmmaterial-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pilze-als-daemmmaterial-nutzen\/","title":{"rendered":"Pilze als D\u00e4mmmaterial nutzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Zeiten, in denen Pilze ausschlie\u00dflich auf unseren Tellern landen, sind vorbei. Je nach Verarbeitung eignen sich Myzelien n\u00e4mlich auch als D\u00e4mmmaterial oder Baustoff und bieten somit eine nachhaltige Alternative zu Styropor oder Sperrholz. Fraunhofer UMSICHT-Mitarbeiterin Julia Krayer will pilzbasierte Materialien auf dem Markt etablieren.<\/strong><\/p>\n<p>Mit Pilzen assoziieren viele Menschen den Fruchtk\u00f6rper, der sichtbar aus dem Boden ragt und h\u00e4ufig verzehrt wird. Der eigentliche Pilz besteht jedoch aus einem feinen Geflecht fadenf\u00f6rmiger Zellen und w\u00e4chst unterirdisch im Boden. Die Tatsache, dass sich dieses sogenannte Myzel je nach Verarbeitung ebenso als Werk- oder Baustoff eignet, nutzt Julia Krayer schon l\u00e4nger f\u00fcr ihre Arbeit. Die Biodesignerin arbeitet bei Fraunhofer UMSICHT in der Abteilung f\u00fcr Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement und in der <a href=\"https:\/\/dezentrale-dortmund.de\/\" target=\"_blank\">DEZENTRALE Dortmund<\/a>, einer offenen Werkstatt des Instituts f\u00fcr gemeinschaftliche Projekte zu Zukunftsfragen im urbanen Raum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45681\" aria-describedby=\"caption-attachment-45681\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45681 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prozess-300x223.jpg\" alt=\"1504082193854_pilzmaterial-prozess\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prozess-300x223.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prozess.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45681\" class=\"wp-caption-text\">Zerbr\u00f6selt l\u00e4sst sich das Pilzmaterial in jede beliebige Form pressen. \u00a9 Foto Fraunhofer UMSICHT\/Julia Krayer <a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/2017\/pilze-als-daemmschutz\/_jcr_content\/contentPar\/pressarticle\/pressArticleParsys\/textblockwithpics\/imageComponent1\/image.img.large.jpg\/1504082193854_pilzmaterial-prozess.jpg\" target=\"_blank\">&#8211; Zoom &#8211;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Krayer forscht an pilzbasierten Materialien und entwickelt Verfahren, mit denen sich diese zu Werkstoffen weiterverarbeiten lassen. Im Rahmen der Materialentwicklung werden Pilzwurzeln zun\u00e4chst mit einem N\u00e4hrboden aus biologischem Abfall wie Kaffeesatz, Stroh und Buchensp\u00e4nen vermischt. \u00bbNach zwei bis drei Wochen durchziehen die Myzelien-F\u00e4den das gesamte Substrat und bilden so eine feste Struktur, die anschlie\u00dfend zerkleinert wird\u00ab, erkl\u00e4rt die Biodesignerin. Das zerbr\u00f6selte Pilzmaterial l\u00e4sst sich nun in jede beliebige Form pressen, in der es zun\u00e4chst verh\u00e4rtet und im Ofen getrocknet wird, bevor es weiterverarbeitet werden kann. \u00bbDas auf diese Weise entstehende Material hat sehr gute D\u00e4mmwerte und macht es somit zu einer Alternative zu Styropor\u00ab, sagt Julia Krayer. Wird das pilzbasierte Material zus\u00e4tzlich gepresst, erreicht es einen \u00e4hnlichen H\u00e4rtegrad wie Sperrholz und l\u00e4sst sich auch f\u00fcr den Bau stabiler M\u00f6bel verwenden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45683\" aria-describedby=\"caption-attachment-45683\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45683 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-ofen-300x223.jpg\" alt=\"1504082193854_pilzmaterial-ofen\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-ofen-300x223.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-ofen.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45683\" class=\"wp-caption-text\">Nach dem Trocknen im Ofen hat der nachhaltige Baustoff \u00e4hnliche D\u00e4mmwerte wie Styropor. \u00a9 Foto Fraunhofer UMSICHT\/Julia Krayer <a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/2017\/pilze-als-daemmschutz\/_jcr_content\/contentPar\/pressarticle\/pressArticleParsys\/textblockwithpics\/imageComponent2\/image.img.large.jpg\/1504082193854_pilzmaterial-ofen.jpg\" target=\"_blank\">&#8211; Zoom &#8211;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<h3>Schallabsorber aus Pilzen, statt aus Styropor<\/h3>\n<p>Aus dem pilzbasierten Material lassen sich in einem weiteren Schritt Produkte f\u00fcr die Innenarchitektur herstellen, zum Beispiel Schallabsorber. Derzeit bestehen Akustikelemente im Innenarchitekturbereich, mit denen sich W\u00e4nde oder einzelne Raumelemente verkleiden lassen, fast alle aus Kunststoffsch\u00e4umen wie beispielsweise Styropor, sagt Krayer: \u00bbDiese Produkte sind somit weder besonders nachhaltig, noch lassen sie sich gut recyceln, da sie meist zus\u00e4tzlich mit Brandschutzmitteln bearbeitet wurden.\u00ab Mit den pilzbasierten Materialien will die Biodesignerin eine nachhaltige und kosteng\u00fcnstige Alternative zu herk\u00f6mmlichen Produkten im Werk- und Baustoffbereich auf den Markt bringen. Denn f\u00fcr das von ihr entwickelte Verfahren werden als Ausgangsstoffe lediglich Abf\u00e4lle aus der Lebensmittelproduktion genutzt. \u00bbSomit m\u00fcssen wir keine teuren Materialien einkaufen, und wir verzichten ebenfalls auf Holz, das erst Jahrzehntelang wachsen muss.\u00ab<\/p>\n<figure id=\"attachment_45684\" aria-describedby=\"caption-attachment-45684\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45684 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prototypdaemmung-300x223.jpg\" alt=\"1504082193854_pilzmaterial-prototypdaemmung\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prototypdaemmung-300x223.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/09\/1504082193854_pilzmaterial-prototypdaemmung.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45684\" class=\"wp-caption-text\">Prototyp einer D\u00e4mmplatte aus Myzelien. \u00a9 Foto Fraunhofer UMSICHT\/Julia Krayer <a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/2017\/pilze-als-daemmschutz\/_jcr_content\/contentPar\/pressarticle\/pressArticleParsys\/textblockwithpics\/imageComponent3\/image.img.large.jpg\/1504082193854_pilzmaterial-prototypdaemmung.jpg\" target=\"_blank\">&#8211; Zoom &#8211;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<h3>N\u00e4chster Schritt: Unternehmensgr\u00fcndung<\/h3>\n<p>Mit dem Pilzmaterial-Projekt hat ein Team um Julia Krayer bereits den Wissensdreieck-Wettbewerb des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) gewonnen und so Zugang zu den Fdays (FraunhoferDays) erhalten. Das Programm hilft jungen Forschern, ein Gesch\u00e4ftsmodell f\u00fcr ihr Konzept zu erstellen, m\u00f6gliche H\u00fcrden im Vorfeld zu erkennen und alternative Strategien zu entwickeln. Mit dem Gewinn verbunden ist au\u00dferdem ein Preisgeld in H\u00f6he von 80.000 Euro, das Krayer und ihre drei Mitstreiterinnen nun in eine erste Produktentwicklung investieren &#8211; sei es f\u00fcr den Bau von Prototypen, die Anschaffung ben\u00f6tigter Ger\u00e4tschaften oder die Durchf\u00fchrung von Testphasen.<\/p>\n<p>Im Fokus der Forschung steht derzeit die Frage, unter welchen Bedingungen das Material am besten w\u00e4chst, beispielsweise in Hinblick auf die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit. Ein Gro\u00dfteil dieser Arbeiten findet entweder in Julia Krayers Atelier oder in der DEZENTRALE Dortmund statt. \u00bbF\u00fcr die Zukunft planen wir jedoch, eigene R\u00e4umlichkeiten zu beziehen und suchen derzeit nach geeigneten Immobilien im Ruhrgebiet\u00ab. Ebenfalls sei in \u00dcberlegung, mit Pilzfarmen zusammenzuarbeiten, die die Infrastruktur und Technik bereits haben, um dorthin Teile des Prozesses auszulagern.<\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt steht f\u00fcr Krayer und ihre Mitstreiterinnen die Vorbereitung einer Unternehmensgr\u00fcndung auf dem Plan. Derzeit versuchen die Gr\u00fcnderinnen einen EXIST-Antrag durchzubringen. Bei EXIST (Existenzgr\u00fcndungen aus der Wissenschaft) handelt es sich um ein F\u00f6rderprogramm des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWi), das wissensbasierte Existenzgr\u00fcndungen unterst\u00fctzt. F\u00fcr die Finanzierung des geplanten Biotechnologie-Start-ups erhofft sich Julia Krayer eine Mischung aus EXIST-F\u00f6rderung und Investment.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p>Jeden Dienstag betreut Julia Krayer in der DEZENTRALE Dortmund das offene Biolab. Hier wird gemeinsam mit Interessierten erforscht, wie man Bakterien, Algen, Pilze und Co. in neuer Form nutzbar machen kann und sich daraus biobasierte Materialien entwickeln lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Julia Krayer M.A.<br \/>\nTelefon +49 208 8598-1401<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/send-mail?m=1.9eebcdc2aef185c9d6db6d87f9b93943&amp;k=4a756c6961204b7261796572204d2e412e&amp;r=2f64652f7072657373652d6d656469656e2f323031372f70696c7a652d616c732d6461656d6d73636875747a2e68746d6c\" target=\"_blank\">E-Mail senden<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeiten, in denen Pilze ausschlie\u00dflich auf unseren Tellern landen, sind vorbei. Je nach Verarbeitung eignen sich Myzelien n\u00e4mlich auch als D\u00e4mmmaterial oder Baustoff und bieten somit eine nachhaltige Alternative zu Styropor oder Sperrholz. Fraunhofer UMSICHT-Mitarbeiterin Julia Krayer will pilzbasierte Materialien auf dem Markt etablieren. 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