{"id":45596,"date":"2017-09-08T07:26:13","date_gmt":"2017-09-08T05:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fbiowissenschaften-chemie%2Fmainzer-chemiker-stellen-studie-ueber-plastik-fressende-raupe-in-frage.html"},"modified":"2017-09-06T13:59:07","modified_gmt":"2017-09-06T11:59:07","slug":"mainzer-chemiker-stellen-studie-ueber-plastik-fressende-raupe-in-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mainzer-chemiker-stellen-studie-ueber-plastik-fressende-raupe-in-frage\/","title":{"rendered":"Mainzer Chemiker stellen Studie \u00fcber Plastik fressende Raupe in Frage"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_45653\" aria-describedby=\"caption-attachment-45653\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-45653 size-full\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/09_orgchemie_infrarotspektrometer_raupe_polyethylen_rdax_190x139.jpg\" alt=\"09_orgchemie_infrarotspektrometer_raupe_polyethylen_rdax_190x139\" width=\"190\" height=\"139\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45653\" class=\"wp-caption-text\">Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Opatz untersuchen Hackfleisch als tierische Protein-Fett-Mischung mit dem Infrarotspektrometer. (Foto\/\u00a9: Carina Weber\/Stefan Pusch) <a href=\"http:\/\/www.uni-mainz.de\/presse\/aktuell\/bilder\/09_orgchemie_infrarotspektrometer_raupe_polyethylen.jpg\" target=\"_blank\">&#8211; Zoom &#8211;<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Meldung \u00fcber plastikt\u00fctenfressende Raupen ging im April weltweit durch die Medien. Die Autoren um Federica Bertocchini von der Universit\u00e4t in Santander, Spanien, hatten berichtet, dass die Larven der Wachsmotte <em>Galleria mellonella<\/em> in der Lage seien, Plastikt\u00fcten aus Polyethylen (PE) zu verdauen. Das Polymer Polyethylen wird \u00fcberwiegend f\u00fcr Kunststoffverpackungen und Plastikt\u00fcten eingesetzt. Nun haben Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU) aus der Gruppe um Prof. Dr. Till Opatz vom Institut f\u00fcr Organische Chemie die im Fr\u00fchjahr ver\u00f6ffentlichten Ergebnisse und Versuchsdurchf\u00fchrungen kritisch begutachtet und eine Gegendarstellung der aufsehenerregenden Funde publiziert. Demnach konnte kein Nachweis erbracht werden, dass Polyethylen tats\u00e4chlich von Raupen verdaut wird.<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die spanische Autorengruppe festgestellt hatte, dass die besagten Raupen L\u00f6cher in Einkaufst\u00fcten fra\u00dfen, gingen sie der Frage nach, ob es sich dabei tats\u00e4chlich um einen biochemischen Verdauungsvorgang durch Enzyme oder Bakterien in den Verdauungsorganen der Raupen oder lediglich um eine mechanische Zerkleinerung durch deren Kauwerkzeuge handelt. Im zweiten Fall w\u00fcrde das Plastik lediglich in kleineren St\u00fccken, aber chemisch unver\u00e4ndert wieder ausgeschieden. Um dies zu kl\u00e4ren, entwarf die Gruppe ein Versuchsprotokoll, bei dem der Einfluss von Raupenhomogenisat auf einer Polyethylenoberfl\u00e4che untersucht wurde. Raupenhomogenisat ist die protein- und lipidreiche Masse der in gefrorenem Zustand zersto\u00dfenen Raupen mit intakten Verdauungsenzymen. F\u00fcr die Auswertung wurden spektroskopische und mikroskopische Methoden herangezogen.<\/p>\n<p>Bertocchini et al. berichteten nach der Behandlung der Plastikt\u00fcten mit Raupenhomogenisat von einem Abbau des Polyethylens zu Ethylenglycol, das ein Spaltprodukt des Kunststoffs sein k\u00f6nnte. Dies w\u00fcrde f\u00fcr einen biochemischen Abbau sprechen. Insbesondere die durch Infrarotspektroskopie erhaltenen und ver\u00f6ffentlichten Daten lassen jedoch am Nachweis von Ethylenglycol zweifeln. Die Arbeitsgruppe um Opatz konnte in einfachen Kontrollexperimenten zeigen, dass andere Signale, die f\u00fcr den eindeutigen Nachweis von Ethylenglycol besonders wichtig sind, in den ver\u00f6ffentlichten Spektren fehlen. Diese notwendigen Kontrollexperimente sind jedoch in der urspr\u00fcnglichen Studie nicht erfolgt. Die Signale vermeintlich biochemischer Abbauprodukte sind hingegen fast deckungsgleich zu Signalmustern, die eine tierische Protein-Fett-Mischung verursacht. Zu diesem Zweck hatten Mitglieder der Gruppe Opatz Eigelb und Hackfleisch analog zum ver\u00f6ffentlichten Versuchsprotokoll vermessen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Mainzer Forscher ist damit klar: Es wurden nicht etwa Kunststoff-Abbauprodukte, sondern Raupen\u00fcberreste detektiert. Diese \u00dcberreste w\u00fcrden auch die meisten anderen Messergebnisse zwanglos erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Mainzer Wissenschaftler erschienen k\u00fcrzlich als Autorenkorrespondenz in Current Biology, dem gleichen wissenschaftlichen Journal, in dem bereits die Studie von Bertocchini et al. ver\u00f6ffentlicht worden war. Obwohl der biochemische Abbau damit noch nicht endg\u00fcltig widerlegt ist, erscheint die als Sensationsmeldung ver\u00f6ffentlichte Arbeit zumindest sehr fragw\u00fcrdig und kann ohne weitere unterst\u00fctzende Resultate eigentlich keinen Bestand mehr haben.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Ver\u00f6ffentlichung<\/h3>\n<p>C. Weber, S. Pusch, T. Opatz, Polyethylene bio-degradation by caterpillars?, Current Biology 27, 744-745, 07. August 2017, <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.cub.2017.07.004\" target=\"_blank\">DOI:10.1016\/j.cub.2017.07.004<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Till Opatz<br \/>\nInstitut f\u00fcr Organische Chemie<br \/>\nJohannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz<br \/>\n55099 Mainz<br \/>\nTel.: 06131 39-22272<br \/>\nFax: 06131 39-22338<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:opatz@uni-mainz.de\" target=\"_blank\">opatz@uni-mainz.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meldung \u00fcber plastikt\u00fctenfressende Raupen ging im April weltweit durch die Medien. Die Autoren um Federica Bertocchini von der Universit\u00e4t in Santander, Spanien, hatten berichtet, dass die Larven der Wachsmotte Galleria mellonella in der Lage seien, Plastikt\u00fcten aus Polyethylen (PE) zu verdauen. Das Polymer Polyethylen wird \u00fcberwiegend f\u00fcr Kunststoffverpackungen und Plastikt\u00fcten eingesetzt. 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