{"id":45490,"date":"2017-08-30T07:26:52","date_gmt":"2017-08-30T05:26:52","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45490"},"modified":"2017-08-25T15:43:32","modified_gmt":"2017-08-25T13:43:32","slug":"mit-faserverpackungen-die-welt-erobern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mit-faserverpackungen-die-welt-erobern\/","title":{"rendered":"Mit Faserverpackungen die Welt erobern"},"content":{"rendered":"<p>Pflanzenabf\u00e4lle sind f\u00fcr Eduardo Gordillo der ideale Rohstoff f\u00fcr Verpackungen und Einweggeschirr. Sein Hamburger Start-up Bio-lutions verarbeitet Agrarreste zu biologisch abbaubaren Fasergussformen. Das mehrfach preisgekr\u00f6nte Material kann mit wenig technischem Aufwand hergestellt werden \u2013 \u00fcberall auf der Welt.<\/p>\n<p>Verpackungen und Einweggeschirr aus Kunststoff geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften M\u00fcllquellen auf der Welt. Besonders akut ist das Problem in Indien \u2013 hier will die Politik ein Umdenken bewirken, um die M\u00fcllflut einzud\u00e4mmen. In manchen Bundesstaaten wurde dazu ein Plastik-Verbot erlassen.<\/p>\n<p>Nun sind dort nachhaltige Alternativen f\u00fcr Verpackungen gefragt. F\u00fcr Eduardo Gordillo und sein Start-up Bio-lutions International AG ist es ein Gl\u00fccksfall. Die Hamburger bauen derzeit mit Unterst\u00fctzung der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in Bangalore eine Produktionsanlage f\u00fcr biobasierte Verpackungen und Einweggeschirr auf: \u201eMit unserem Prozess k\u00f6nnen wir dort bald bis zu 2.000 Tonnen davon im Jahr produzieren\u201c, freut sich Eduardo Gordillo.<\/p>\n<p>\u00d6kologisch wertvoll und dezentral produzierbar<\/p>\n<p>Gordillo stammt aus Kolumbien, wo er Architektur studiert hat. Bereits vor zwanzig Jahren kam er nach Deutschland. An der Kunstakademie in Stuttgart absolvierte er einen Masterstudiengang in Industriedesign. 2005 gr\u00fcndete er in Hamburg die Designagentur upgrading GmbH, deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer er heute noch ist. Gleichzeitig begann er, sich auch f\u00fcr die Herstellung von \u00f6kologischen Produkten zu interessieren. Vor f\u00fcnf Jahren kam ihm die Idee f\u00fcr das Spin-Off namens Bio-lutions. \u201eIch wollte ein \u00f6kologisch wertvolles Produkt kreieren, das sich dezentral und klimaschonend herstellen l\u00e4sst. Deshalb haben wir uns auf pflanzliche Agrarabf\u00e4lle als Rohstoff konzentriert\u201c, sagt Gordillo.<\/p>\n<p>Nach jahrelangem T\u00fcfteln mit dem Technologiepartner Zelfo aus dem brandenburgischen Joachimsthal ist ein sogenanntes Up-Cycling-Verfahren entstanden, das \u00fcberall auf der Welt zum Einsatz kommen k\u00f6nnte: bisher ungenutzte Pflanzenreste aus der Landwirtschaft werden in innovative und wertige Produkte verwandelt. Ob Reisstroh, Bananenst\u00e4mme oder Ananasstr\u00e4ucher \u2013 f\u00fcr die Hamburger sind die Agrarabf\u00e4lle die Ressource f\u00fcr Verpackungsmaterial und Einweggeschirr. \u201eWir haben auch schon Tomaten in Verpackungen gepackt, die aus Tomatenpflanzen hergestellt wurden\u201c, sagt Gordillo. Ein Konzept, das die Hamburger Re-Packaging nennen.<\/p>\n<p>Die patentierte Technologie basiert auf raffinierter Mechanik: Die Pflanzenteile werden mit einer Maschine zu besonders feinen Faserst\u00fcckchen zermahlen. Es entstehen sogenannte selbstbindende nano- und mikrofibrillierte Fasern. \u201eDie Naturfasern lagern sich \u00e4hnlich wie bei einem Klettverschluss selbst aneinander an, man muss nur etwas Wasser dazu geben\u201c, sagt Gordillo. Es entsteht ein Faserbrei, der sich in vielf\u00e4ltige Formen pressen l\u00e4sst \u2013 von der Gem\u00fcseverpackung bis zum Teller.<\/p>\n<p>Der Prozess spart Wasser und Energie und kommt ganz ohne Chemikalien und Zus\u00e4tze aus, wie sie in der Zellstoffindustrie \u00fcblich sind. Die Produkte sind kompostierbar oder sie k\u00f6nnen klimaschonend verbrannt werden. \u201eDa wir unsere Rohstoffe vor Ort beziehen und lokal produzieren k\u00f6nnen, ist unser Verfahren sowohl \u00f6kologisch als auch \u00f6konomisch nachhaltig\u201c, sagt Gordillo.<\/p>\n<p>Nur zu gut wei\u00df der Unternehmer, dass es besonders vom Preis abh\u00e4ngt, ob sich sein Verfahren durchsetzen kann. \u201eNur wenn Sie \u00f6kologische Produkte im gleichen Preisrahmen wie konventionelle Produkte anbieten, haben Sie eine Chance auf dem Markt\u201c sagt Gordillo, \u201eund hier k\u00f6nnen wir gut mithalten\u201c. Ein weiteres Plus: das Verfahren mache nicht abh\u00e4ngig von Rohstofflieferanten. \u201eIn unseren H\u00e4nden funktionieren viele Pflanzenmaterialien.\u201c Zudem brauche es keine Spezialisten, um die Maschinen vor Ort zu bedienen.<\/p>\n<p>Mehrfach ausgezeichnete Innovation<\/p>\n<p>Auch die Fachwelt ist bereits \u00fcberzeugt: Im vergangenen Mai wurde das innovative Material des Start-ups mit dem internationalen Innovationspreis \u201eBio-based Material of the Year 2017\u201c ausgezeichnet. Und im August gab es f\u00fcr Bio-lutions zudem den \u201eDeutschen Verpackungspreis 2017\u201c in der Kategorie Nachhaltigkeit.<\/p>\n<p>Die im Jahr 2017 in Bangalore errichtete Pilotanlage, in der bereits mehrere einheimische Joint-Venture-Partner und Mitarbeiter arbeiten, ist denn auch erst der Anfang. Die DEG, eine Durchf\u00fchrungsorganisation des Bundesminsteriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, unterst\u00fctzt den Ausbau der Anlage. Bis Ende dieses Jahres soll auf einer Fl\u00e4che von 1.500 Quadratmetern produziert werden.<\/p>\n<p>Neben Indien wollen die Hamburger weitere L\u00e4nder in Asien, Amerika, Europa und Australien f\u00fcr ihre Idee begeistern. \u201eHier sind wir im Gespr\u00e4ch mit potenziellen Joint-Venture-Partnern sowie Kunden\u201c, so Gordillo. Der Verpackungsinnovator ist deshalb gerade sehr viel unterwegs, um die Biomaterialien-Welt von seiner Technologie zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflanzenabf\u00e4lle sind f\u00fcr Eduardo Gordillo der ideale Rohstoff f\u00fcr Verpackungen und Einweggeschirr. Sein Hamburger Start-up Bio-lutions verarbeitet Agrarreste zu biologisch abbaubaren Fasergussformen. Das mehrfach preisgekr\u00f6nte Material kann mit wenig technischem Aufwand hergestellt werden \u2013 \u00fcberall auf der Welt. Verpackungen und Einweggeschirr aus Kunststoff geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften M\u00fcllquellen auf der Welt. 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