{"id":45398,"date":"2017-08-25T07:23:17","date_gmt":"2017-08-25T05:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45398"},"modified":"2017-08-23T14:15:37","modified_gmt":"2017-08-23T12:15:37","slug":"saphium-bio-plastik-startup-finanziert-forschung-mit-bakterien-verkauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/saphium-bio-plastik-startup-finanziert-forschung-mit-bakterien-verkauf\/","title":{"rendered":"Saphium: Bio-Plastik-Startup finanziert Forschung mit Bakterien-Verkauf"},"content":{"rendered":"<p>Welche Probleme gibt\u2019s, die man biotechnologisch l\u00f6sen k\u00f6nnte? \u2013 Das fragten sich zwei Mikrobiologen und drei Pflanzenwissenschaftler, allesamt Absolventen der TU Graz. Sie suchten nach einer Idee, um bei einem Bio-Inkubator in Irland mitzumachen und kamen so auf Biokunststoff. Bei Saphium sind Bakterien die Produzenten. Sie stellen abbaubares Plastik her: eine ungiftige Alternative, umweltfreundlich und zu 100 Prozent kompostierbar. Ein weiterer Vorteil: \u201cUnser Material ist wasserfest. Nicht wie bei anderen kompostierbaren Bioplastik-S\u00e4cken, die irgendwann doch durchl\u00e4ssig werden. Das kann bei unserem Material nicht passieren\u201d, sagt Christof Winkler-Hermaden aus dem Team der jungen Entwickler. Das Saphium-Bioplastik ist zudem abbaubar: In etwa drei Monaten zersetzen die Mikroorganismen im Boden das Material.<\/p>\n<p>Bakterien wachsen mit CO2 und Wasserstoff<\/p>\n<p>Konventionelles Plastik hingegen basiert auf Erd\u00f6l. Es dauert hunderte Jahre bis, es abgebaut ist und es beinhaltet giftige Zusatzstoffe, die der Mensch auch aufnimmt. Ganz zu schweigen von Umweltverschmutzung im Meer und am Land sowie der globalen Erw\u00e4rmung. \u201cUnsere erste Idee war aus Algen, CO2 und Sonne Bioplastik zu machen\u201d, erz\u00e4hlt Winkler-Hermaden. Da braucht man auch keine Ackerfl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau. \u201cDann sind wir aber draufgekommen, dass das mit Algen nicht funktioniert und haben umgeschwenkt auf Bakterien, also Mikroorganismen\u201d. Die k\u00f6nnen auf CO2 und Wasserstoff wachsen. Es gebe zwar auch andernorts Versuche dazu, aber weltweit mache das bisher niemand ernsthaft.<\/p>\n<p>Wie kommt der Kunststoff aus den Zellen?<\/p>\n<p>Bei diesen biotechnologischen Mikroorganismen handelt es sich um nat\u00fcrlich vorkommende Polyester, die von den Bakterien gebildet werden. In der Natur passiert das durch Fermentation von Zucker oder Fetten. Deswegen f\u00fcttert man in der herk\u00f6mmlichen Industrie die Bakterien mit Lebensmittelabfallstoffen oder Raps\u00f6l. Das sei sehr teuer und f\u00fcr die Massenproduktion ungeeignet. Das Saphium-Team hat festgestellt, dass das Herausl\u00f6sen des Kunststoffes aus den Zellen, der Kostentreiber ist und arbeitet an einem physikalischen Verfahren.<\/p>\n<p>Irischer Bio-Inkubator als Starthilfe<\/p>\n<p>Da kommen so ein Erstinvestment und eine Laborzeit im irischen Cork schon ganz recht. RebelBio ist ein Inkubator f\u00fcr Biotechnologie. Pro Jahr werden etwa zehn Startups aus der ganzen Welt aufgenommen. Daf\u00fcr will sich SOS Ventures, die Firma hinter RebelBio, aber mit acht Prozent am Unternehmen beteiligen. Neben 50.000 Euro bekommen Startups noch einmal so viel in Sachleistungen. Das hei\u00dft im Fall von Saphium: Laborfl\u00e4chen f\u00fcr drei Monate, davor ein Monat Vorbereitungszeit und Businessmodelentwicklung. \u201cWir waren damals in unterschiedlicher Besetzung im Labor in Cork\u201d, berichtet Winkler-Hermaden, \u201cmanchmal zu f\u00fcnft, dann doch wieder zu dritt. Es empfiehlt sich zu zweit und zu dritt nach Cork zu gehen\u201d, erg\u00e4nzt er. Mittlerweile haben schon drei \u00f6sterreichische Startups bei RebelBio mitgemacht: Valanx Biotech entwickeln ein Protein-Anker-System f\u00fcr synthetische Biologie, Kilobaser machen ein \u201cNespresso-System\u201d f\u00fcr DNA-Synthese.<\/p>\n<p>\u201cBiotechnologie early stage\u201d<\/p>\n<p>Im Anschluss, es war im Herbst 2015, ging f\u00fcr Saphium die Forschung im Science Park Graz weiter. \u201cWir machen noch Biotechnologie early stage. So ist es schwierig ein Investment zu bekommen und schon gewinnbringend zu sein\u201d, sagt Winkler-Hermaden. Schlie\u00dflich sind die Produktionskosten stark vom Ma\u00dfstab abh\u00e4ngig: Mit einem 500.000 Liter-Bioreaktor enstehen f\u00fcr Saphium f\u00fcr die gleiche Menge an Bio-Plastik rund ein Hundertstel der Kosten, die mit einem 300 Liter-Reaktor zu zahlen sind.<\/p>\n<p>Win-win mit Kn\u00f6llchenbakterien: Boost f\u00fcr das Startup und die K\u00e4ferbohne<\/p>\n<p>Um erste Ums\u00e4tze zu generieren, Investoren zu locken und die Reaktoren an der Produktionsst\u00e4tte anders zu verwenden, startete das Startup nun ein zweites gro\u00dfes Projekt: In den Tanks \u2013 produziert wird \u00fcbrigens am Gel\u00e4nde des s\u00fcdsteirischen Weinguts der Familie Winkler-Hermaden \u2013 wachsen auch sogenannte Rhizobien. Diese Kn\u00f6llchenbakterien bewohnen Ackerb\u00f6den. Sie k\u00f6nnen Stickstoff aus der Luft fixieren und Pflanzen, zum Beispiel H\u00fclsenfr\u00fcchte wie die Mungo- oder K\u00e4ferbohne und Soja mit Stickstoff versorgen. Das unterst\u00fctzt ihr Wachstum. Laut Winkler-Hermaden steigern die Rhizobien den Ertrag von f\u00fcnf bis zu 30 Prozent. \u201cDie Pflanzen wachsen mehr, der Humusaufbau wird unterst\u00fctzt, die Bodenqualit\u00e4t ist besser\u201d, schw\u00e4rmt der Biologe. Zus\u00e4tzlich zum Stickstoff werden n\u00e4mlich Pflanzenhormone ausgesch\u00fcttet. Sie signalisieren der Pflanze, dass sie loswachsen soll. Und noch eine dritte Funktion erw\u00e4hnt er: \u201cDie Leguminosen, also H\u00fclsenfr\u00fcchtler, k\u00f6nnen aus dem Boden N\u00e4hrstoffe aufbereiten und Phosphat freisetzen.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Probleme gibt\u2019s, die man biotechnologisch l\u00f6sen k\u00f6nnte? \u2013 Das fragten sich zwei Mikrobiologen und drei Pflanzenwissenschaftler, allesamt Absolventen der TU Graz. Sie suchten nach einer Idee, um bei einem Bio-Inkubator in Irland mitzumachen und kamen so auf Biokunststoff. Bei Saphium sind Bakterien die Produzenten. 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