{"id":45221,"date":"2017-08-17T06:45:13","date_gmt":"2017-08-17T04:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.innovations-report.de%2Fhtml%2Fberichte%2Fagrar-forstwissenschaften%2Fklimawandel-die-tanne-sticht-fichte-und-buche-aus.html"},"modified":"2017-08-14T14:45:45","modified_gmt":"2017-08-14T12:45:45","slug":"klimawandel-die-tanne-sticht-fichte-und-buche-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klimawandel-die-tanne-sticht-fichte-und-buche-aus\/","title":{"rendered":"Klimawandel \u2013 die Tanne sticht Fichte und Buche aus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fichten und Buchen k\u00f6nnen mit dem sich rasch ver\u00e4ndernden Klima kaum Schritt halten. F\u00fcr die auf Fichtenholz ausgerichtete Waldwirtschaft birgt dies Risiken. Diese liessen sich verringern, wenn man vermehrt auf Weisstannen setzen und Fichten von w\u00e4rmeren Wuchsorten verwenden w\u00fcrde, wie eine Studie der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt f\u00fcr Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigt.<\/strong><\/p>\n<p>Durch den Klimawandel wird es im Schweizer Wald w\u00e4rmer und trockener. Um an ihrem jetzigen Wuchsort weiterhin zu gedeihen, m\u00fcssten die B\u00e4ume ihr Erbgut an das sich schnell ver\u00e4ndernde Klima anpassen. Dazu sind sie aber in so kurzer Zeit kaum imstande \u2013 eine einzige Baumgeneration dauert ja schon rund 100 Jahre oder l\u00e4nger. F\u00fcr die W\u00e4lder wird deshalb entscheidend sein, wie gut die B\u00e4ume bereits heute an das zuk\u00fcnftige Klima angepasst sind.<\/p>\n<h3>Einzigartiger Vergleich von Fichte, Tanne und Buche<\/h3>\n<figure id=\"attachment_45247\" aria-describedby=\"caption-attachment-45247\" style=\"width: 273px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45247\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Karte_DE_gr-300x212.jpg\" alt=\"Verteilung der untersuchten 92 Fichten- (Picea abies), 90 Tannen- (Abies alba) und 77 Buchenpopulationen (Fagus sylvatica) in der Schweiz. Der Stern weist auf den Pflanzgarten bei Matzendorf (Kt. Solothurn) hin. Die sechs biogeografischen Regionen sind mit unterschiedlichen Farben markiert. (Gonseth et al., 2001). Grafik: WSL \" width=\"273\" height=\"193\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/Karte_DE_gr-300x212.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/Karte_DE_gr-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/Karte_DE_gr-600x424.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45247\" class=\"wp-caption-text\">Verteilung der untersuchten 92 Fichten- (Picea abies), 90 Tannen- (Abies alba) und 77 Buchenpopulationen (Fagus sylvatica) in der Schweiz. Der Stern weist auf den Pflanzgarten bei Matzendorf (Kt. Solothurn) hin. Die sechs biogeografischen Regionen sind mit unterschiedlichen Farben markiert. (Gonseth et al., 2001). Grafik: WSL<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Forschungsteam der WSL unter der Leitung von Caroline Heiri untersuchte erstmals f\u00fcr Schweizer Fichten, Tannen und Buchen, welchem Risiko diese drei f\u00fcr die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft wichtigsten Baumarten durch den Klimawandel ausgesetzt sind. Die Forschenden f\u00fchrten ihre Untersuchung im Rahmen des Forschungsprogramms &#8220;Wald und Klimawandel&#8221; vom Bundesamt f\u00fcr Umwelt BAFU und der WSL durch. Sie gingen zuerst der Frage nach, wie stark sich die B\u00e4ume \u00fcber viele Baumgenerationen hinweg an das Klima ihres jeweiligen Wuchsortes angepasst haben. Starke genetische Anpassung bedeutet, dass eine Baumpopulation auf bestimmte Umweltbedingungen fixiert ist, geringe Anpassung, dass sie sich bei unterschiedlichen Bedingungen behaupten kann. Mithilfe von Klimaszenarien sch\u00e4tzte das Forschungsteam dann das Risiko ab, dass die Populationen gegen Ende des 21. Jahrhunderts schlecht angepasst sind.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Bisherige Studien ergaben, dass die Fichte insbesondere im Schweizer Mittelland durch zunehmende W\u00e4rme und Trockenheit unter Druck geraten wird. Die neue Untersuchung zeigt nun, dass diese Baumart sogar landesweit einem hohen klimatisch bedingten Risiko ausgesetzt ist. Schweizer Fichten haben sich offenbar in den vergangenen Jahrtausenden stark an das Lokalklima ihres Wuchsortes angepasst. Sie und ihre Nachkommen d\u00fcrften zunehmend schlecht angepasst sein an die steigenden Temperaturen in den n\u00e4chsten Jahrzehnten, insbesondere in heute schon warmen Regionen.<\/p>\n<p>Auch die Laubbaumart Buche ist klimatischen Risiken ausgesetzt, allerdings weniger stark als die Fichte. Ganz im Gegensatz zur Tanne. Diese hat ihre Wachstumseigenschaften in praktisch allen untersuchten Populationen kaum an das lokale Klima angepasst. Sie d\u00fcrfte mit einem weiteren Wandel des Klimas durchaus klarkommen. &#8220;Dass die Fichte so stark und die Tanne fast gar nicht an die lokalen klimatischen Bedingungen angepasst ist, hat uns sehr \u00fcberrascht&#8221;, sagt Aline Frank von der WSL, Erstautorin dieser Studie.<\/p>\n<h3>Handlungsbedarf und Hoffnung f\u00fcr die Waldwirtschaft<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_45248\" aria-describedby=\"caption-attachment-45248\" style=\"width: 168px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-45248\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/hoehenmessung_gr-266x300.jpg\" alt=\"Messung der Baumh\u00f6he an jungen Fichten (Picea abies) mit einem Doppelmeter.  Foto: Aline Frank \/ WSL \" width=\"168\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/hoehenmessung_gr-266x300.jpg 266w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/hoehenmessung_gr-908x1024.jpg 908w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/hoehenmessung_gr-600x677.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/08\/hoehenmessung_gr.jpg 1537w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45248\" class=\"wp-caption-text\">Messung der Baumh\u00f6he an jungen Fichten (Picea abies) mit einem Doppelmeter.<br \/>Foto: Aline Frank \/ WSL<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die neuen Ergebnisse, die soeben in der Fachzeitschrift Global Change Biology ver\u00f6ffentlicht wurden, sind wichtig f\u00fcr die Forstpraxis. Sie zeigen, dass die an das jeweilige lokale Klima angepasste Fichte, der &#8220;Brotbaum&#8221; der Schweizer Waldwirtschaft, mit voranschreitendem Klimawandel bis Ende des 21. Jahrhunderts schweizweit gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>Es besteht also Handlungsbedarf, will man fichtenreiche W\u00e4lder rechtzeitig auf den Klimawandel vorbereiten. Die Fichte sollte an allen Wuchsorten k\u00fcnftig zur\u00fcckhaltend verwendet und nur auf gut wasserversorgten Wuchsorten gef\u00f6rdert werden. Um dem Klimawandel etwas vorzugreifen, k\u00f6nnen junge Fichten, deren Samen von w\u00e4rmeren Wuchsorten stammen, an heute noch k\u00fchleren Orten gepflanzt werden. Vorausgesetzt, diese so genannten Herk\u00fcnfte sind gen\u00fcgend frostresistent, um mit den gegebenenfalls noch harscheren Klimabedingungen am neuen Standort zurecht zu kommen. Dabei k\u00f6nnen sowohl einheimische Herk\u00fcnfte verwendet werden, z.B. Fichten vom Talboden f\u00fcr einen h\u00f6her gelegenen Wald, wie auch ausl\u00e4ndische Herk\u00fcnfte aus besonders warmen Regionen.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Vorgehen ist f\u00fcr die Buche denkbar; hier bieten sich Herk\u00fcnfte von heute bereits trockenen Wuchsorten an. &#8220;Wenn wir Saatgut von B\u00e4umen aus w\u00e4rmeren und trockeneren Regionen verwenden, haben wir mindestens f\u00fcr eine weitere Waldgeneration die Chance, dass die Baumart weiter gedeiht. Die W\u00e4lder bleiben damit stabil und sch\u00fctzen vor Naturgefahren,&#8221; folgert Ko-Autorin Caroline Heiri (WSL) aus den Forschungsergebnissen. &#8220;Eine Wunderherkunft gibt es allerdings weder f\u00fcr Fichten noch f\u00fcr Buchen,&#8221; sagt Aline Frank. &#8220;Daher ist auch ein Wechsel der Baumart in Betracht zu ziehen.&#8221; Hier k\u00f6nnte die Tanne, die sich in der Studie aufgrund ihrer grossen klimatischen Flexibilit\u00e4t als &#8220;Allrounderin&#8221; herausgestellt hat, f\u00fcr die Forstpraxis zur Hoffnungstr\u00e4gerin werden. Die F\u00f6rderung dieser Baumart bietet also f\u00fcr die Waldwirtschaft grosse Chancen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fichten und Buchen k\u00f6nnen mit dem sich rasch ver\u00e4ndernden Klima kaum Schritt halten. F\u00fcr die auf Fichtenholz ausgerichtete Waldwirtschaft birgt dies Risiken. Diese liessen sich verringern, wenn man vermehrt auf Weisstannen setzen und Fichten von w\u00e4rmeren Wuchsorten verwenden w\u00fcrde, wie eine Studie der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt f\u00fcr Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigt. Durch den Klimawandel [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[13686,13536],"supplier":[3903,79],"class_list":["post-45221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-baeume","tag-forstwirtschaft","supplier-eidgenoessischen-forschungsanstalt-fuer-wald-schnee-und-landschaft-wsl","supplier-schweizer-bundesamt-fuer-umwelt-bafu"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45221"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45221\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45221"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=45221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}