{"id":45214,"date":"2017-08-15T07:26:48","date_gmt":"2017-08-15T05:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45214"},"modified":"2017-08-11T12:25:36","modified_gmt":"2017-08-11T10:25:36","slug":"den-rohstoff-lignocellulose-verwerten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/den-rohstoff-lignocellulose-verwerten\/","title":{"rendered":"Den Rohstoff Lignocellulose verwerten"},"content":{"rendered":"<p>Die optimale Verwendung nachwachsender Rohstoffe als Energiequelle und Ersatz f\u00fcr die Produktion bislang erd\u00f6lbasierter Produkte spielt eine zunehmend gr\u00f6\u00dfere Rolle. Dazu geh\u00f6rt auch die Verwendung von pflanzlichen Reststoffen und im Speziellen der sogenannten Lignocellulose. Sie ist Hauptbestanteil der Zellw\u00e4nde verholzter Pflanzen. Das LX-Verfahren erm\u00f6glicht die Produktion von Biokraftstoffen, Biochemikalien und nat\u00fcrlichem Lignin aus Lignocellulose. Die promovierte Chemikerin Katrin Streffer ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des brandenburgischen Unternehmens LXP-Group GmbH, das derzeit erprobt, wie das Verfahren im gro\u00dftechnischen Ma\u00dfstab \u00f6konomisch rentabel gestaltet werden kann.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Was ist das LX-Verfahren, auf dem Ihre Gesch\u00e4ftsidee beruht?<\/p>\n<p>Antwort Katrin Streffer<\/p>\n<p>Das LX-Verfahren basiert auf den Forschungsergebnissen unseres Mitgr\u00fcnders und promovierten Chemikers Friedrich Streffer. Das LX-Verfahren kann jegliches pflanzliches Material, vor allem das sogenannte Strukturmaterial verwenden, also Pflanzenteile wie \u00c4ste, Bl\u00e4tter, Halme oder Stroh. Diese Pflanzenteile bestehen aus einem Verbund von drei Biopolymeren: Erstens Cellulose, die man aus Baumwolle oder Papier kennt. Zweitens Hemicellulose, die ebenso wie die Cellulose aus aneinandergereihten Zuckern aufgebaut ist. Drittens Lignin, welches die anderen beiden Biopolymere umh\u00fcllt und vor mikrobiellem Abbau sch\u00fctzt. F\u00fcr gew\u00f6hnlich bestehen pflanzliche Abfall- und Reststoffe der Land- und Forstwirtschaft sowie der Kommunen \u00fcberwiegend aus diesen Komponenten.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Welche Marktl\u00fccke wollen Sie mit ihrer Firma f\u00fcllen und mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?<\/p>\n<p>Antwort Katrin Streffer<\/p>\n<p>Heutige Produktionsanlagen, die auf der Basis biobasierter Rohstoffe arbeiten, sogenannte Bioraffinerien, nutzen Zucker oder St\u00e4rke. LXP will Bioraffinerien fit f\u00fcr die Nutzung der ganzen Pflanze machen und damit das gesamte CO2 nutzen, das durch das Pflanzenwachstum gebunden wird. Diese Nutzung der gesamten Pflanze ist wichtig, da der Ruf nach einem geringeren CO2-Aussto\u00df immer lauter wird, beispielsweise haben sich mit dem Pariser Klimaabkommen viele Staaten dazu bekannt. Um dies sinnvoll tun zu k\u00f6nnen, ist ein Aufschluss notwendig, der die Cellulose und Hemicellulose vom Lignin trennt. Leider ist heute kein solches Verfahren mit zufriedenstellenden \u00f6konomischen Parametern kommerzialisiert. LXP arbeitet mit Rohstofflieferanten aus dem Agrar- und Forstsektor sowie Recycling-Firmen zusammen. Auf der Prozess- und Abnehmer-Seite sind es vor allem Unternehmen aus dem Chemie- und Energie-Sektor, die sich heute bereits mit nachwachsenden Ressourcen besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Wie weit sind Sie mit der Planung und dem Bau Ihrer Produktionsanlage?<\/p>\n<p>Antwort Katrin Streffer<\/p>\n<p>Im letzten Monat ist es uns gelungen, die Planung und Finanzierung unserer Demonstrationsanlage zu realisieren, die etwa 500 Tonnen trockene Biomasse verarbeiten kann. Der Bau der Anlage hat begonnen. Gleichzeitig treiben wir die Gespr\u00e4che mit Partnern f\u00fcr den n\u00e4chsten Skalierungsschritt in dem Bereich von 30.000 bis 50.000 Tonnen pro Jahr weiter voran. Hier werden dann schon die Ergebnisse aus der Demonstrationsanlage einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Wo sehen Sie H\u00fcrden, die noch \u00fcberwunden werden m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Antwort Katrin Streffer<\/p>\n<p>Langfristig werden sich Materialien und Energietr\u00e4ger aus erneuerbaren Ressourcen durchsetzen, wenn sie wirtschaftlich mit den auf \u00d6l basierten Produkten konkurrieren k\u00f6nnen. Dies sind nicht zwangsl\u00e4ufig die gleichen Molek\u00fcle, jedoch braucht es eine vergleichbare oder bessere Funktionalit\u00e4t. Eine interessante Frage dabei wird sein, die richtige Schnittstelle zwischen dezentraler Vorverarbeitung und zentraler Weiterverarbeitung zu finden. Bei den Rohstoffen werden wir weitere L\u00f6sungen im Bereich der Logistik sehen, da wir uns jetzt mit Rohstoffen besch\u00e4ftigen, die bisher nicht gehandelt wurden und deren Logistikketten somit noch unterentwickelt sind. Bei einigen unserer Partner sehen wir hier bereits vielversprechende Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Frage<\/p>\n<p>Welche Rolle wird das LX-Verfahren Ihrer Einsch\u00e4tzung nach in Zukunft spielen?<\/p>\n<p>Antwort Katrin Streffer<\/p>\n<p>Um Produkte wirtschaftlich herzustellen, ist es notwendig, alle in der Biomasse enthaltenen Komponenten sinnvoll zu nutzen. Jede Technologie, die ein Teil des Rohstoffs von vornherein als Abfallprodukt ansieht, wird es schwer haben, wirtschaftlich zu bestehen. Wir sehen die LX-Technologie in Zukunft als eine kosteng\u00fcnstige Technologie, die Lignocellulose f\u00fcr Bioraffinerien erschlie\u00dft, sowohl in zentralen als auch in dezentralen Anlagen. Welche Anlagengr\u00f6\u00dfe zum Schluss das wirtschaftliche Optimum darstellen wird, ist aus heutiger Sicht stark von dem Rohstoffmix und dessen Kostenstruktur abh\u00e4ngig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die optimale Verwendung nachwachsender Rohstoffe als Energiequelle und Ersatz f\u00fcr die Produktion bislang erd\u00f6lbasierter Produkte spielt eine zunehmend gr\u00f6\u00dfere Rolle. Dazu geh\u00f6rt auch die Verwendung von pflanzlichen Reststoffen und im Speziellen der sogenannten Lignocellulose. Sie ist Hauptbestanteil der Zellw\u00e4nde verholzter Pflanzen. Das LX-Verfahren erm\u00f6glicht die Produktion von Biokraftstoffen, Biochemikalien und nat\u00fcrlichem Lignin aus Lignocellulose. 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