{"id":45157,"date":"2017-08-14T07:20:57","date_gmt":"2017-08-14T05:20:57","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45157"},"modified":"2017-08-10T11:51:15","modified_gmt":"2017-08-10T09:51:15","slug":"eu-will-weniger-raps-im-tank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-will-weniger-raps-im-tank\/","title":{"rendered":"EU will weniger Raps im Tank"},"content":{"rendered":"<p>Die Bundesb\u00fcrger kaufen zwar weniger Dieselautos, aber die Nachfrage nach Dieselkraftstoff steigt kr\u00e4ftig. Denn die gute Konjunktur h\u00e4lt Lastwagen und Transporter am Laufen. Das Verr\u00fcckte ist, dass der Anteil von Biodiesel immer weiter sinkt &#8211; und zwar ausgerechnet deshalb, weil er immer besser wird und immer weniger Treibhausgase ausst\u00f6\u00dft. F\u00fcr die Rapsbauern k\u00f6nnte es bald sogar noch schlimmer kommen.<\/p>\n<p>Die Mineral\u00f6lwirtschaft ist gesetzlich verpflichtet, ihre Klimabelastung zu reduzieren. Vor zwei Jahren wurde die Biokraftstoff-Quote ersetzt durch eine Treibhausgas-Quote. \u00abNun werden aber die Bio-Kraftstoffe immer effizienter\u00bb, erl\u00e4utert Alexander von Gersdorff, Verbandssprecher der Mineral\u00f6lwirtschaft. Inzwischen belasten sie das Klima 70 Prozent weniger als fossiler Diesel. Die Mineral\u00f6lkonzerne m\u00fcssen also immer weniger teuren Biodiesel hineinmischen, um ihre Treibhausgas-Quote zu erf\u00fcllen. \u00abDie Biokraftstoffe werden Opfer ihres eigenen Erfolges\u00bb, sagt Gersdorff.<\/p>\n<p>Im ersten Quartal 2017 ist der Dieselverbrauch in Deutschland gegen\u00fcber dem Vorjahr um sieben Prozent gestiegen. Der Anteil des Biodiesels ist jedoch um sieben Prozent gesunken. Und das, obwohl die Klimavorgaben f\u00fcr die \u00d6lkonzerne zu Jahresbeginn versch\u00e4rft wurden.<\/p>\n<p>\u00abDas zeigt das Ausma\u00df der verkorksten Regulierung, die nur dem Marktanteil fossiler Energie zugutekommt\u00bb, klagt Elmar Baumann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes der Biokraftstoffindustrie (VDB). \u00abDie bornierte Weigerung des Bundesumweltministeriums, die H\u00f6he der gesetzlich vorgeschriebenen Treibhausgasminderung an die Realit\u00e4ten im Kraftstoffmarkt anzupassen, beschneidet den Klimaschutz im Stra\u00dfenverkehr und sch\u00e4digt die deutsche Biokraftstoffindustrie.\u00bb<\/p>\n<p>In Deutschland wird Biodiesel vor allem aus Raps hergestellt: Rund zwei Millionen Tonnen stammen aus der \u00d6lpflanze, 750.000 Tonnen sind \u00abaltes Frittenfett\u00bb, wie VDB-Sprecher Frank Br\u00fchning sagt.<\/p>\n<p>Umgekehrt sind f\u00fcr die Rapsbauern die Biodiesel-Hersteller die gr\u00f6\u00dften Abnehmer und nicht etwa die Lebensmittelproduzenten. \u00abDas ist ein \u00f6konomisch wichtiges Standbein, und Raps ist auch f\u00fcr die Fruchtfolge wichtig\u00bb, sagt Manuela Specht, Referentin beim Deutschen Bauernverband. Angebaut wird der Raps vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, den anderen ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern und Schleswig-Holstein. Beim Pressen f\u00e4llt neben dem \u00d6l als Rest Eiwei\u00df-Futter f\u00fcr H\u00fchner, Schweine, Rinder an. So importierten Tierhalter weniger Soja aus S\u00fcdamerika, sagt Br\u00fchning.<\/p>\n<p>Vor Jahren schien Biodiesel ein K\u00f6nigsweg zu sein: Statt Fl\u00e4chen stillzulegen oder Getreideberge anzuh\u00e4ufen, konnten die Bauern helfen, das Klima zu retten. \u00abDa wurde unheimlich viel investiert\u00bb, sagt Specht.<\/p>\n<p>Aber dann stie\u00dfen Umweltsch\u00fctzer und Kirchen die Debatte dar\u00fcber an, ob Lebensmittel angesichts des Hungers auf der Welt wirklich in den Tank geh\u00f6ren. Zudem wurde f\u00fcr Biodiesel aus Palm\u00f6l Regenwald gerodet. \u00abGr\u00fcne Klimakiller\u00bb, hie\u00df es. Eine \u00abMogelpackung auf Kosten der Umwelt\u00bb, kritisiert Greenpeace.<\/p>\n<p>Heute stammt Soja- und Palm\u00f6l f\u00fcr Biodiesel in Deutschland &#8211; einige 100.000 Tonnen j\u00e4hrlich &#8211; aus nachhaltigem, zertifiziertem Anbau. Von einst 50 Biodiesel-Werken sind noch 20 \u00fcbrig geblieben. Die H\u00e4lfte ihrer Produktion exportieren sie in andere EU-L\u00e4nder und die USA.<\/p>\n<p>Jetzt droht ihnen der n\u00e4chste Schlag: Die EU-Kommission will Raps beim Klimaschutz nur noch halb so hoch anrechnen und Biokraftstoffe aus Abf\u00e4llen, Restholz oder Stroh mit hohen Pflichtquoten voranbringen. Dann k\u00f6nnte es bald schon \u00absehr d\u00fcster aussehen &#8211; dann gibt es unsere Industrie nicht mehr\u00bb, hei\u00dft es beim Biokraftstoff-Verband. \u00abIn Br\u00fcssel herrscht keine Verl\u00e4sslichkeit\u00bb, kritisiert Specht und bezweifelt, ob sich mit Abf\u00e4llen noch genug Biodiesel produzieren l\u00e4sst. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht die EU-Kommission auf dem Holzweg und mahnt, Biokraftstoffe seien unverzichtbar. Die Bundesregierung hat sich noch nicht positioniert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundesb\u00fcrger kaufen zwar weniger Dieselautos, aber die Nachfrage nach Dieselkraftstoff steigt kr\u00e4ftig. Denn die gute Konjunktur h\u00e4lt Lastwagen und Transporter am Laufen. Das Verr\u00fcckte ist, dass der Anteil von Biodiesel immer weiter sinkt &#8211; und zwar ausgerechnet deshalb, weil er immer besser wird und immer weniger Treibhausgase ausst\u00f6\u00dft. 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