{"id":45072,"date":"2017-08-10T07:26:51","date_gmt":"2017-08-10T05:26:51","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=45072"},"modified":"2017-08-08T12:59:15","modified_gmt":"2017-08-08T10:59:15","slug":"die-gras-papierschale-fuer-bioaepfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-gras-papierschale-fuer-bioaepfel\/","title":{"rendered":"Die Gras-Papierschale f\u00fcr Bio\u00e4pfel"},"content":{"rendered":"<p>Die kleinen Pellets lassen zun\u00e4chst an Trockenfutter f\u00fcr Tiere denken. Stolz pr\u00e4sentiert Uwe D\u2019Agnone in seiner Hand die etwas kr\u00fcmeligen R\u00f6llchen. Mehr als f\u00fcnf Jahre Entwicklungsarbeit hat er in sein Produkt gesteckt. Vom Bundesumweltministerium gab es daf\u00fcr im vergangenen Jahr den Start Green Award, k\u00fcrzlich konnte D\u2019Agnone auch einen ersten gro\u00dfen Kunden gewinnen.<\/p>\n<p>Seine Pellets bestehen aus Gras. Sie werden bei der Herstellung von Papier und Kartons beigemischt und reduzieren den Einsatz von Holz. D\u2019Agnone verwendet am liebsten die griffige Bezeichnung \u201e<a href=\"http:\/\/www.graspapier.de\/produkt-idee\/\" target=\"_blank\">Graspapie<\/a>r\u201c. Das hellbraun-hellgr\u00fcne Material besteht zu 40 Prozent aus getrocknetem Gras und zu 60 Prozent aus Holz-Frischfasern. Der K\u00f6lner Lebensmittelh\u00e4ndler Rewe nutzt es seit kurzem als Verpackungsschale f\u00fcr Bio-\u00c4pfel. \u201eMit Papier aus Gras betreten wir v\u00f6lliges Neuland in der Branche\u201c, sagt Dirk Heim, bei Rewe f\u00fcr das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich. Als Vorteil nennt die Supermarktkette \u201eeine vergleichsweise gute \u00d6ko-Bilanz\u201c. Gras sei nicht nur ein schnell nachwachsender Rohstoff. Bei der Verarbeitung zu Graspellets w\u00fcrden zudem weniger Wasser und Energie ben\u00f6tigt als bei der Herstellung von Frischfaser oder Altpapier.<\/p>\n<p>\u201eIch bin ein T\u00fcftler\u201c, beschreibt sich der 53 Jahre alte D\u2019Agnone. In einer gro\u00dfen Druckerei lie\u00df er sich einst zum Industriekaufmann ausbilden, hielt es aber nicht lange im Angestelltenverh\u00e4ltnis aus. Im Alter von 28 Jahren zog er mit selbstentwickelten Werbemitteln eine eigene Firma auf. In Hennef nahe Bonn stellt D\u2019Agnone mit 15 festangestellten Mitarbeitern Saatgut-Karten f\u00fcr Kunden wie Danone, DM-Markt oder Greenpeace her. Dabei werden Pflanzensamen in biologisch abbaubares Papier eingearbeitet, das dann eingepflanzt werden kann. Zum Sortiment geh\u00f6ren auch Saatgut-Becher, aus denen ein Mini-Kr\u00e4utergarten w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Vorbehalte der Papierfabriken<\/p>\n<p>Jedes Jahr versuche er ein neues Produkt herauszubringen, sagt D\u2019Agnone. \u201eAm meisten besch\u00e4ftigt mich dabei das Thema Nachhaltigkeit.\u201c Mit seiner hemds\u00e4rmeligen Art machte er sich vor gut f\u00fcnf Jahren auf die Suche nach einem alternativen Faserstoff f\u00fcr die Papierherstellung und stie\u00df auf Gras. Die ersten Schritte unternahm D\u2019Agnone selbst: Er zerkleinerte Gras und mischte es mit Zellstoff. Bei einem benachbarten Papiermacher entstand manuell auf einem Papiersch\u00f6pfsieb der erste Bogen Graspapier. Bis heute hat er einen Ehrenplatz im B\u00fcro.<\/p>\n<p>Bei einer Papierfabrik in der Eifel folgte der erste Versuch auf einer kleinen Papiermaschine. Nach dem erfolgreichen Test bewilligte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt eine F\u00f6rderung f\u00fcr das Projekt. Auf einer Anlage der Papiertechnischen Stiftung in der N\u00e4he von Dresden wurden verschiedene Rezepturen erprobt, bei der Aufbereitung der Grasfaser half die Universit\u00e4t Bonn. Zur Finanzierung des Vorhabens nahm D\u2019Agnone einen stillen Teilhaber mit in seine Ende 2012 gegr\u00fcndete Creapaper GmbH auf.<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde macht der Unternehmer die Vorbehalte der Papierfabriken gegen\u00fcber dem neuen Material aus. Neben der hohen Auslastung gebe es oftmals Sorgen, in den teuren Maschinen k\u00f6nnten St\u00f6rungen auftreten. Bei der \u00dcberzeugungsarbeit half der Versandh\u00e4ndler Otto, f\u00fcr den Creapaper vor drei Jahren das allererste Produkt \u2013 einen Schuhkarton aus Graspapier \u2013 entwickelte. Mittlerweile werden die Gras-Pellets von f\u00fcnf Papierfabriken eingesetzt, darunter bei der Papierfabrik Scheufelen in Lenningen bei Stuttgart.<\/p>\n<p>Dort will D\u2019Agnone bis Jahresende seine erste eigene Anlage zur Pellet-Herstellung aufstellen. Mit einem Maschinenbauer zusammen hat er sie auf die speziellen Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten, rund 1,3 Millionen Euro wird das Ganze kosten. Im Lauf des kommenden Jahres, so sieht es der Plan vor, sollen zwei weitere Anlagen folgen. Neben einer Volksbank gew\u00e4hrte daf\u00fcr auch die Bochumer GLS-Bank Kredite. Bis zu 35\u2006000 Tonnen Gras-Pellets will D\u2019Agnone im kommenden Jahr herstellen und damit zwischen 8 und 10 Millionen Euro umsetzen. Den Sprung in die Gewinnzone h\u00e4lt er dann f\u00fcr machbar.<\/p>\n<p>Derzeit werden die Gras-Pellets noch in Lohnarbeit von einem Betrieb im M\u00fcnsterland gefertigt. Das in Ballen angelieferte Heu wird luftgetrocknet, von Steinen und Sand befreit, zerkleinert, gemahlen und zu Pellets gepresst. Je Tonne Grasfaser k\u00e4men zwei Liter Wasser zum Einsatz und damit erheblich weniger als bei der Herstellung von Zellstoff aus Holz, sagt D\u2019Agnone. Auch der Stromverbrauch und die Emissionen an Kohlendioxid seien deutlich geringer als bei der chemischen Holz-Aufbereitung, beruft er sich auf eine vom Heidelberger Ifeu-Institut erstellte \u00d6ko-Bilanz. Nur aus dem n\u00e4heren Umkreis der Papierfabriken und von ungenutzten Ausgleichsfl\u00e4chen will er das Heu beziehen. Mit der Verwendung von Heu als Tierfutter soll seine Gesch\u00e4ftsidee nicht in Konkurrenz treten.<\/p>\n<p>Chancen auch bei Einkaufst\u00fcten<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rohstoff Gras gebe es \u201eein gewisses Potential\u201c in der Branche, hei\u00dft es vom Verband Deutscher Papierfabriken unter Verweis auf das positive Image und die Optik des Graspapiers. Der Einsatz von Pflanzenfasern sei in der Papierherstellung altbekannt, Holzfasern h\u00e4tten sie aber Mitte des 19. Jahrhunderts wegen besserer technischer Eigenschaften verdr\u00e4ngt. \u201eDie Gras-Pellets machen diesen Rohstoff auch wegen ihrer guten Lagerf\u00e4higkeit wieder interessanter f\u00fcr die Papierindustrie\u201c, stellt ein Verbandssprecher fest.<\/p>\n<p>Rund 90 Prozent aller Papieranwendungen sind nach Einsch\u00e4tzung von D\u2019Agnone mit Gras machbar. Einsatzchancen f\u00fcr sein Graspapier, das preislich zwischen der teureren Frischfaser und dem g\u00fcnstigeren Altpapier positioniert ist, wittert er in erster Linie bei Verpackungen f\u00fcr Lebensmittel, aber auch etwa bei Einkaufst\u00fcten. Mit mehreren Einzelh\u00e4ndlern befinde sich Creapaper derzeit in Gespr\u00e4chen. \u201eDie H\u00e4ndler sind sehr offen, viele suchen nach \u00f6kologischeren Verpackungen\u201c, befindet D\u2019Agnone. Seine Ziele sind ehrgeizig. Neue Mitarbeiter hat er an Bord geholt, \u201eum das Thema auch international schnell auszurollen\u201c. Die Verhandlungen mit weiteren Investoren stehen seinen Worten zufolge kurz vor dem Abschluss. Auch privat hegt D\u2019Agnone ein besonderes Faible f\u00fcr Rasen. In seinem Garten hat er den gleichen Rasensamen ges\u00e4t, auf dem einer seiner Kunden spielt \u2013 der Fu\u00dfballclub Juventus Turin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kleinen Pellets lassen zun\u00e4chst an Trockenfutter f\u00fcr Tiere denken. Stolz pr\u00e4sentiert Uwe D\u2019Agnone in seiner Hand die etwas kr\u00fcmeligen R\u00f6llchen. Mehr als f\u00fcnf Jahre Entwicklungsarbeit hat er in sein Produkt gesteckt. Vom Bundesumweltministerium gab es daf\u00fcr im vergangenen Jahr den Start Green Award, k\u00fcrzlich konnte D\u2019Agnone auch einen ersten gro\u00dfen Kunden gewinnen. 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