{"id":44986,"date":"2017-08-04T07:26:28","date_gmt":"2017-08-04T05:26:28","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44986"},"modified":"2017-08-02T17:13:14","modified_gmt":"2017-08-02T15:13:14","slug":"klimastiftung-schweiz-ein-zusatzleben-fuer-abfallberge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klimastiftung-schweiz-ein-zusatzleben-fuer-abfallberge\/","title":{"rendered":"Klimastiftung Schweiz: Ein Zusatzleben f\u00fcr Abfallberge"},"content":{"rendered":"<p>Kunststoff aus Holzfasern. Das wollte Beat Karrer entwickeln und verkaufen, als er seine Firma FluidSolids gegr\u00fcndet hat. Doch nun hat sich ihm ein Gesch\u00e4ftsfeld aufgetan, das viel mehr Potenzial bietet \u2013 seiner Firma und dem Klimaschutz. Er ist mit grossen Unternehmen in aller Welt im Gespr\u00e4ch, bei denen jedes Jahr tausende Tonnen faseriger Abfall entstehen. Zum Beispiel Nussschalen, Getreideh\u00fclsen, leere Maiskolben oder auch Kartonschnipsel. Mit seinem Team entwickelt Beat Karrer individuelle, kundenspezifische Kunststoffrezepturen, damit diese Firmen aus ihrem Abfall Kunststoff machen k\u00f6nnen, den sie gleich selbst wieder verwenden.<\/p>\n<p>Vom Biokunststoff zur Abfallproblematik<\/p>\n<p>Erste Ideen f\u00fcr die Produktion von Biokunststoff hatte Beat Karrer 2008. Vier Jahre sp\u00e4ter gr\u00fcndete er dann die Firma FluidSolids. \u00abAls Industriedesigner haben wir einfach mal ausprobiert\u00bb, sagt Beat Karrer. Akademiker wie Francesca Trancini, Chemikerin mit Doktortitel, kamen erst sp\u00e4ter dazu. Zun\u00e4chst gelang es Beat Karrer und seinem wachsenden Team, mit Nadelholzfasern einen Biokunststoff zu entwickeln, der den Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen gerecht wurde. Mit der finanziellen Unterst\u00fctzung der Klimastiftung Schweiz wurde dieser Werkstoff f\u00fcr die g\u00e4ngigen Verfahren zur Kunststoffaufbereitung, Extrusion und Spritzguss, optimiert und f\u00fcr seine geringen CO2-Emissionen zertifiziert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kunststoff aus den Holzfasern f\u00fcr den Gebrauch attraktiv wurde, hat sich dem Team von FluidSolids ein zus\u00e4tzliches Gesch\u00e4ftsmodell angeboten. Anstatt einfach das Granulat des Biokunststoffs zu verkaufen, t\u00fcftelten sie weiter und erfanden Verfahren, um aus den verschiedensten Ausgangsmaterialien Kunststoff herzustellen. \u00abFirmen wollen mit FluidSolids nicht in erster Linie zusammenarbeiten, weil sie Kunststoff brauchen, sondern weil sie ein Abfallproblem haben oder ein Zeichen f\u00fcr den Klimaschutz setzen wollen\u00bb, fasst Beat Karrer seine Erfahrungen zusammen.<\/p>\n<p>Keine Esswaren als Ausgangsmaterial<\/p>\n<p>Das Ausgangsmaterial m\u00fcsse faserig sein, wie Holz, Schalen, Karton oder \u00c4hnliches, erkl\u00e4rt Beat Karrer und erg\u00e4nzt lachend: \u00abAus Gurken k\u00f6nnen wir keinen Kunststoff machen.\u00bb Das w\u00fcrde er aber auch aus einem anderen Grund nicht wollen, denn der Designer betont, dass er Biokunststoff aus Material herstellt, das nicht als Nahrungsmittel infrage kommt. Noch weiter geht sein Ziel, dass f\u00fcr FluidSolids nicht extra Pflanzen angebaut werden m\u00fcssen, sondern dass er mit Abf\u00e4llen aus Industrie und Landwirtschaft arbeiten kann. \u00abEs ist unglaublich, was es zum Teil f\u00fcr Abf\u00e4lle gibt.\u00bb Man k\u00f6nne sich G\u00fcterz\u00fcge von Z\u00fcrich bis Berlin vorstellen, gef\u00fcllt mit homogenem pflanzlichem Abfallmaterial.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man den Abfall auch anders nutzen, zum Beispiel zum Heizen, als Biogas oder als Kompost. Das sei aber mit dem gebrauchten Biokunststoff immer noch m\u00f6glich, betont Beat Karrer. \u00abWir f\u00fcgen einfach eine weiteren Nutzungszyklus dazu\u00bb, sagt er. Ausserdem kann FluidSolids viel herk\u00f6mmlichen Kunststoff ersetzen, der vor allem aus Erd\u00f6l hergestellt wird.<\/p>\n<p>Die Klimastiftung Schweiz sieht im Biokunststoff ein grosses Potenzial f\u00fcr den Klimaschutz. \u00abDass ein Z\u00fcrcher KMU in diesem Bereich Pionierarbeit leistet, ist eine Chance f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft\u00bb, sagt Vincent Eckert, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung. Die Klimastiftung Schweiz f\u00f6rdert mit ihren Beitr\u00e4gen gezielt den Klimaschutz im Inland sowie den Wirtschaftsstandort Schweiz und Liechtenstein. Dazu vergibt sie jedes Jahrs bis zu drei Millionen Franken an KMU. Hinter der Stiftung stehen 27 renommierte Dienstleistungsunternehmen wie Banken, Versicherungen und Beratungsfirmen.<\/p>\n<p>\u00abEs gibt noch viel auszuprobieren\u00bb<\/p>\n<p>Beat Karrer ist in den letzten Jahren vom Designer zum Gesch\u00e4ftsmann und Kunststoffexperten geworden: \u00abBevor ich die Firma gr\u00fcndete, wusste ich gar nicht genau, wie vielf\u00e4ltig die Eigenschaften von Kunststoff sein k\u00f6nnen\u00bb, gibt er zu. Die Kunststoffe, die FluidSolids herstellt, sind stabil und eher hart. Sie eignen sich f\u00fcr Bauteile von M\u00f6beln, f\u00fcr Verpackungen, nicht aber f\u00fcr Folien oder Tragtaschen. In einem eigenen kleinen Labor misst die Chemikerin Francesca Trancini von FluidSolids, wie sich die Materialien verhalten. Sie testet ihre Reaktion auf Druck, Zug, W\u00e4rme, K\u00e4lte, Feuchtigkeit etc. \u00abDie Rezepturen sind noch so neu, da gilt es ganz viel zu testen und zu perfektionieren\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Klimastiftung Schweiz<br \/>\nKlima sch\u00fctzen. KMU st\u00e4rken. Nach diesem Motto unterst\u00fctzt die Klimastiftung Schweiz Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Stiftung hat seit ihrer Gr\u00fcndung 2008 rund 1300 KMU in der Schweiz und im F\u00fcrstentum Liechtenstein mit 16 Millionen Franken unterst\u00fctzt. Die Klimastiftung Schweiz wurde als gemeinn\u00fctzige, unabh\u00e4ngige Stiftung gegr\u00fcndet. Sie ist unter Bundesaufsicht und steht interessierten Firmen offen, die durch einen effizienten und gezielten Einsatz der R\u00fcckverteilung aus der CO2-Lenkungsabgabe den Klimaschutz verst\u00e4rken wollen. Seit Januar 2008 verlangt das CO2-Gesetz eine Abgabe auf Brennstoffe. Ein Teil der Abgaben fliesst zur\u00fcck an die Wirtschaft. Vor allem grosse Dienstleistungsunternehmen erhalten mehr zur\u00fcck, als sie bezahlt haben. Diese \u00abNetto-R\u00fcckverg\u00fctung\u00bb setzen die Partnerfirmen der Klimastiftung Schweiz f\u00fcr Klimaschutzmassnahmen von Schweizer und Liechtensteiner KMU ein.<\/p>\n<p>Die Partner der Klimastiftung Schweiz<br \/>\nDie Schweizer und Liechtensteiner Dienstleister Allianz Suisse, Alternative Bank Schweiz, AXA Winterthur, Bank J. Safra Sarasin, Bank Vontobel, ECA, Geb\u00e4udeversicherung Bern, Geb\u00e4udeversicherung Kanton Z\u00fcrich, Glarner Kantonalbank, Julius B\u00e4r, LGT, Liechtensteinische Landesbank, Man Investments AG, New Re, PartnerRe, Pictet &amp; Cie, PwC, Raiffeisen Schweiz, RobecoSAM, Sanitas Krankenversicherung, SAP (Schweiz) AG, SCOR Services Switzerland AG, Swiss Life, Swiss Re, Vaudoise Assurances, VP Bank und XL Group sind Partner der Klimastiftung Schweiz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunststoff aus Holzfasern. Das wollte Beat Karrer entwickeln und verkaufen, als er seine Firma FluidSolids gegr\u00fcndet hat. Doch nun hat sich ihm ein Gesch\u00e4ftsfeld aufgetan, das viel mehr Potenzial bietet \u2013 seiner Firma und dem Klimaschutz. Er ist mit grossen Unternehmen in aller Welt im Gespr\u00e4ch, bei denen jedes Jahr tausende Tonnen faseriger Abfall entstehen. 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