{"id":44979,"date":"2017-08-04T07:20:31","date_gmt":"2017-08-04T05:20:31","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44979"},"modified":"2017-08-02T16:54:58","modified_gmt":"2017-08-02T14:54:58","slug":"biobasierte-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biobasierte-stadt\/","title":{"rendered":"Biobasierte Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Lebten 1950 nur 28,8% der Weltbev\u00f6lkerung in St\u00e4dten, waren es 2009 bereits 49,9%. Bis 2050 wird sich der Anteil nach Sch\u00e4tzungen des Departments f\u00fcr \u00f6konomische und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UN\/DESA) auf nahezu 70% weiter erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die globale Urbanisierung stellt enorme Herausforderungen an eine nachhaltige Entwicklung. Der Bedarf an Wohnraum, Nahrungsmitteln, Infrastruktur und Energie w\u00e4chst stetig. St\u00e4dte sind laut, schmutzig und im Sommer sehr hei\u00df. Nur eine nachhaltige Stadtentwicklung kann ihren Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel, Energie- und Ressourceneffizienz sowie nachhaltiger Mobilit\u00e4t leisten. Biobasierte Ans\u00e4tze k\u00f6nnen hier wichtige Impulse setzen \u2013 beim Bauen, mit Blick auf eine urbane Landwirtschaft, die Versorgung mit Energie oder die Nutzung von Abfall und Reststoffen.<\/p>\n<p>Bauen und Wohnen<\/p>\n<p>Nachhaltig Bauen bedeutet, den Verbrauch an Energie und Ressourcen m\u00f6glichst niedrig zu halten. Alle Lebenszyklen eines Geb\u00e4udes von der Rohstoffgewinnung \u00fcber die Errichtung bis zum R\u00fcckbau m\u00fcssen betrachtet und s\u00e4mtliche Einflussfaktoren m\u00fcssen optimiert werden. Die Nutzung biobasierter Materialien wie Holz spielt dabei eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Baustoff Holz<\/p>\n<p>Dachte man bislang beim Stichwort Holzbau vor allem an romantische Blockh\u00fctten oder Scheunen, ist hier inzwischen ein Imagewandel eingetreten. Wachsende Beispiele von Architekten auf der ganzen Welt belegen, dass sich mit Holz nicht nur nachhaltig und solide, sondern auch pr\u00e4zise, modern und sogar hoch bauen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die \u00f6kologischen Vorteile des Baustoffs Holz liegen auf der Hand: Holz ist ein ressourcenschonender, nachwachsender Rohstoff. Im Wachstum konserviert Holz Kohlenstoff, der viele Jahre gespeichert wird \u2013 Holz ist daher als Klima sch\u00fctzendes CO2-Depot sehr beliebt. Au\u00dferdem ist der Bedarf an Energie f\u00fcr Produktion und Transport \u00e4u\u00dferst gering, auch die Entsorgung im Allgemeinen unproblematisch.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu anderen Baumaterialien steht Bauholz zudem viel besser da. Es ist bei gleicher Tragf\u00e4higkeit deutlich leichter als Stahl. Holz hat fast die gleiche Druck\u00adfestigkeit wie Beton, kann aber auch Zugkr\u00e4fte aufnehmen, f\u00fcr die bei Beton eine Stahlbewehrung notwendig ist. Holz ist w\u00e4rmed\u00e4mmend, f\u00fchlt sich angenehm und warm an, hat also sinnlich wahrnehmbare und haptische Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p>An der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen besch\u00e4ftigt sich beispielsweise die Professur f\u00fcr Entwerfen und Holzbau mit dem ressourcenschonenden, nachhaltigen Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen. Lehrstuhlinhaber und Architekt Hermann Kaufmann hat zusammen mit Acton Ostry Architects ein 18-st\u00f6ckiges Studentenwohnheim aus Holz entworfen, das derzeit in Vancouver errichtet wird. Der Holzpionier zeigte bereits 2012 mit seinem Life Cycle Tower in Dornbirn, wie tragf\u00e4hig das Material ist. Das kanadische Studentenwohnheim wird mit 53 Metern der vorerst h\u00f6chste Holzbau der Welt.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es auch immer mehr Forscher, die sich der Entwicklung neuartiger holzbasierter Baumaterialien verschrieben haben. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise das vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) unterst\u00fctzte Spitzencluster BioEconomy, in dem an der unterschiedlichsten Nutzung des Rohstoffs Buchenholz geforscht wird. Hier stehen unter anderem innovative Holzverbundwerkstoffe im Fokus.<\/p>\n<p>\u00d6kologischer Innenausbau<\/p>\n<p>Auch beim Innenausbau wird dank des steigenden \u00f6kologischen Bewusstseins sowie der guten Verarbeitbarkeit der Materialien immer h\u00e4ufiger zu Naturstoffen gegriffen. Besonders attraktiv sind D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, da sie nicht nur den hohen bautechnischen Anforderungen an W\u00e4rmeschutz gen\u00fcgen, sondern auch ein angenehmes Wohnklima und eine ausgeglichene CO2-Bilanz garantieren.<\/p>\n<p>In Deutschland hat sich hier bereits eine vielf\u00e4ltige Forschungslandschaft entwickelt. Ein zentraler Akteur ist das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Holzforschung WKI. Mit \u00fcber vier Millionen Euro f\u00f6rdert das BMEL seit Jahresbeginn 2017 unter anderem das Verbundvorhaben \u201eMehr als nur D\u00e4mmung &#8211; Zusatznutzen von D\u00e4mmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen\u201c. Das interdisziplin\u00e4re Konsortium, das sich aus zw\u00f6lf Forschungseinrichtungen unter der Leitung des WKI zusammensetzt, forscht an\u00ad L\u00f6sungen, um den Einsatz nachwachsender Rohstoffe signifikant zu steigern. Die sechs Arbeitsbereiche des Projekts \u00bbBrandschutz und Glimmverhalten\u00ab, \u00bbSchallschutz\u00ab, \u00bbW\u00e4rmeschutz\u00ab, \u00bbNachhaltigkeitsanalysen\u00ab, \u00bbFeuchteschutz\u00ab und \u00bbEmissionen\u00ab f\u00fchren erstmals zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Themas.<\/p>\n<p>Neue Herstellungsmethoden sorgen f\u00fcr immer bessere Materialien und ein breiteres Anwendungsspektrum. So wird am Institut f\u00fcr Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen der Universit\u00e4t Stuttgart an innovativen Sandwichpanelen zur Innenraumd\u00e4mmung geforscht. Bei der Hannover Messe 2017 stie\u00dfen diese Innovationen auf gro\u00dfes Interesse (zum Artikel).<\/p>\n<p>Auch tierische Fasern etwa Schafschurwolle eignen sich als biobasierte D\u00e4mmmaterialien. Innovative Ans\u00e4tze werden unter anderem an den Hohenstein Instituten erarbeitet.<\/p>\n<p>Moderne Stadtplanung f\u00fcr eine saubere Luft<\/p>\n<p>Eine weitere Strategie besteht darin, in gro\u00dfen St\u00e4dten mit viel Verkehr f\u00fcr eine bessere Luft zu sorgen. Der Bedarf ist gro\u00df: Laut einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO atmen neun von zehn Stadtbewohnern stark verschmutzte Luft. Diese Luftverschmutzung zu reduzieren, St\u00e4dte lebenswerter zu machen und dem Klimawandel entgegenzuwirken \u2013 das war die Motivation f\u00fcr die Dresdner Gr\u00fcnder des Start-ups Green City Solutions, das inzwischen in Berlin angesiedelt ist.<\/p>\n<p>Ihre Idee: Eine Wandkonstruktion bedeckt mit Moos, die so viel Feinstaub, CO2 und Stickoxide filtern kann wie 275 B\u00e4ume. M\u00f6glich wird die Filterleistung durch einen Pflanzenmix aus Mooskulturen f\u00fcr die Feinstaubfilterung sowie weiteren Pflanzen f\u00fcr gasf\u00f6rmige Schadstoffe. Um die automatische Bew\u00e4sserung und N\u00e4hrstoffversorgung zu regeln, messen zahlreiche Sensoren in der Wand unter anderem Feinstaubgehalt, Regenmenge und Temperatur.<\/p>\n<p>Mehr dazu im Video:<br \/>\nBio\u00f6konomie Zoom &#8211; Folge 2 &#8211; Smarte Moos-B\u00e4ume f\u00fcr die Stadt<\/p>\n<p>&#8220;City Tree&#8221;: Smarte Moos-B\u00e4ume f\u00fcr die Stadt<br \/>\nBIOCOM AG<br \/>\nUrbane Landwirtschaft<\/p>\n<p>Wie werden wir uns in Zukunft ern\u00e4hren? Diese Frage geh\u00f6rt angesichts der wachsenden Weltbev\u00f6lkerung zu den dr\u00e4ngendsten Fragen unserer Gesellschaft. Gerade die Ern\u00e4hrungssicherung gro\u00dfer St\u00e4dte mit Millionen von Einwohnern ist eine Herausforderung.<\/p>\n<p>Neue Ans\u00e4tze in der Lebensmittelproduktion sind dringend erforderlich. Hier setzt die urbane Landwirtschaft an. Nahrungsmittel k\u00f6nnten demn\u00e4chst direkt in der Stadt angebaut werden. Am besten noch in platzsparender senkrechter statt horizontaler Bauweise \u2013 durch die direkte N\u00e4he zum Verbraucher werden so nicht nur Platz, sondern auch Energie, Transportzeit und &#8211; kosten eingespart.<\/p>\n<p>Jedoch kann eine nachhaltige Stadtentwicklung nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen erfolgen, Umland und l\u00e4ndlicher Raum m\u00fcssen mit einbezogen werden &#8211; mit den \u00f6konomischen, sozialen und politischen Aspekten einer nachhaltigen Agrarlandschaftsnutzung befasst sich z.B. das Institut f\u00fcr Sozio\u00f6konomie am Leibniz-Institut f\u00fcr Agrarlandschaft (ZALF).<\/p>\n<p>Vertical Farming<\/p>\n<p>Bew\u00e4hrt hat sich das Konzept bereits in den asiatischen Ballungszentren. Aber erste Projekte zum Vertical Farming gibt es auch in Deutschland: Das Start-up infarm reagiert mit seinen modularen Anbausystemen auf die wachsende Nachfrage nach gesunden und nachhaltigen Nahrungsmitteln. In durchsichtigen Hochregalen \u00fcber denen LED-Lichter kreisen, wachsen Kr\u00e4uter und Salate, statt Erde gedeihen die Pflanzen in einem Substrat aus Kokosfasern, das weder Pilze noch Bakterien enth\u00e4lt. Die Metro-Gruppe konnte bereits von der Idee \u00fcberzeugt werden, in einer Berli\u00adner Filiale h\u00e4lt eine Infarm-Box Kr\u00e4uter und Salate f\u00fcr die Kunden bereit.<\/p>\n<p>Aquaponik<\/p>\n<p>Ein weiterer Ansatz: Aquaponik, eine Kombination der Fisch- und Pflanzenzucht. Etwa ein Drittel aller Speisefische kommt heutzutage aus Zuchtanlagen. Gro\u00dfe Wassermengen werden dadurch verbraucht und verschmutzt. Das Aquaponiksystem verbindet die Aufzucht von Fischen mit der Kultivierung von Nutzpflanzen. Die Fische liefern die N\u00e4hrstoffe f\u00fcr die Pflanzen, diese wiederum filtern das Wasser. So lassen sich auch gro\u00dfe Nahrungsmittelmengen umweltschonend in der Stadt produzieren.<\/p>\n<p>Aquaponik: Das aufbereitete Fischwasser dient dabei als D\u00fcnger f\u00fcr die Pflanzen.<br \/>\nAquaponik: Das aufbereitete Fischwasser dient dabei als D\u00fcnger f\u00fcr die Pflanzen.<br \/>\nQuelle: IGB<\/p>\n<p>Erdbeeren und Fische auf Berlins D\u00e4chern<\/p>\n<p>Beispiele f\u00fcr Aquaponik gibt es in der Hauptstadt Deutschlands. Auf dem Dach eines Wohnhauses in Berlin-Kreuzberg befindet sich die \u201eRoof Water Farm\u201c \u2013 ein mit Mitteln des BMBF gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt der Technischen Universit\u00e4t Berlin und sechs weiterer Partner.<\/p>\n<p>Im Gew\u00e4chshaus werden Kr\u00e4uter, Salate und Erdbeeren angebaut \u2013 direkt daneben ein Fischzuchtbecken. Das Projekt besch\u00e4ftigt sich auch mit innovativen Methoden der Siedlungswasserwirtschaft. Denn f\u00fcr die Bewirtschaftung wird durch Mikroorganismen und UV-Licht aufbereitetes Abwasser verwendet, und auch wieder in den Wasserkreislauf, z. B. als Sp\u00fclwasser f\u00fcr die Toilette, eingespeist.<\/p>\n<p>Nicht weit entfernt, in der N\u00e4he des stillgelegten Flughafens Tempelhof, produziert die ECF Farmsystems Hauptstadtbarsch und \u2013basilikum in ihrer Referenzfarm, das eigentliche Produkt der Firma ist n\u00e4mlich nicht Fisch oder Gem\u00fcse, sondern die Aquaponiktechnologie.<\/p>\n<p>Algen f\u00fcr urbanen Anbau<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise werden wir uns nicht nur neue Anbauorte erschlie\u00dfen, sondern auch unser Speiseplan erweitern. Auch hier ist Asien Vorreiter \u2013 dort kommen Algen fast t\u00e4glich auf den Tellern. In Europa ist dies noch \u00e4u\u00dferst selten. Dabei sind Algen gesund und vielseitig. Sie enthalten einen hohen Anteil an Proteinen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Omega-3-Fetts\u00e4uren. Was sie zudem interessant macht: auch sie eignen sich f\u00fcr den urbanen Anbau. Algen lassen sich in geschlossenen Systemen fast \u00fcberall kultivieren. Der Wasserbedarf ist gering und ein Gro\u00dfteil des Wassers kann recycelt werden. Die Herausforderung liegt eher beim optimalen Lichteinfall. F\u00fcr einen solchen Algenanbau werden spezielle Photobioreaktoren gebraucht, f\u00fcr die es in Deutschland etliche Experten gibt. 2015 er\u00f6ffnete das erste Algentechnikum an der TU M\u00fcnchen, aber unter anderem wird auch am Forschungszentrum J\u00fclich und am Fraunhofer IGB an der Optimierung der Bioreaktoren geforscht.<\/p>\n<p>Kommerziell werden Photobioreaktoren zur Mikroalgenproduktion beispielsweise durch die Berliner Mint Engineering GmbH entwickelt. Deren Anlagen zur urbanen Algenkultivierung k\u00f6nnen sowohl an Fassaden als auch innerhalb von Geb\u00e4uden integriert werden. Eine erste Anlage wurde am EUREF Campus in Berlin installiert und versorgt die dortige Campuskantine mit Algen.<\/p>\n<p>Mehr im Video:<br \/>\nStadt der Zukunft: Urbane Landwirtschaft<\/p>\n<p>Stadt der Zukunft: Urbane Landwirtschaft<br \/>\nBIOCOM AG<br \/>\nEnergieversorgung<\/p>\n<p>Schon heute verbrauchen St\u00e4dte bis zu 80 Prozent der weltweit erzeugten Energie und sind f\u00fcr bis zu 70 Prozent des Treibhausgas-Aussto\u00dfes der Menschheit verantwortlich. Als Hauptverursacher sind es auch die St\u00e4dte, die am meisten gegensteuern k\u00f6nnen. Neue, nachhaltige und ressourcenschonende Energiekonzepte sind gefragt.<\/p>\n<p>Konzepte f\u00fcr die Stadt im Klimawandel<\/p>\n<p>Bioenergie, also Energie aus Biomasse, ist eine der regenerativen Energiequellen. Da die verf\u00fcgbare Fl\u00e4che f\u00fcr den Anbau von Biomasse jedoch begrenzt ist, sind hier besondere intelligente Ans\u00e4tze gefragt. Welche L\u00f6sungen vielversprechend sein k\u00f6nnten, dar\u00fcber wurde unter anderem bei der Internationalen Bauausstellung (IBA Hamburg) diskutiert, die von 2006 bis 2013 stattgefunden hat. Sie stand unter dem Motto \u201eEntw\u00fcrfe f\u00fcr die Zukunft der Metropole\u201c und widmete sich den Herausforderungen von Globalisierung, Polarisierung und Klimawandel.<\/p>\n<p>Eines der Leitthemen der IBA war \u201eStadt im Klimawandel\u201c. Es sollte die Frage nach einer klimavertr\u00e4glichen Zukunft der Metropole beantworten. Da die Energie in den St\u00e4dten besonders effizient direkt bei den Verbrauchern erzeugt werden kann, hat die IBA f\u00fcr einen ganzen Stadtteil ein Energiekonzept zur Eigenversorgung der Geb\u00e4ude erstellt.<\/p>\n<p>Energie aus Algen<\/p>\n<p>Teil dieses Konzeptes ist unter anderem das Bio-Intelligenzquotient-Haus (BIQ), auch Algenhaus genannt. Hier k\u00f6nnen Algen zeigen, dass sie sehr viel mehr k\u00f6nnen als N\u00e4hrstoffe liefern \u2013 als wahre Multitalente finden sie nicht nur in der Lebensmittelbranche, der Pharma- und Kosmetikindustrie, sondern auch in der Energiebranche Verwendung.<\/p>\n<p>Mikroalgen nutzen Sonnenlicht als Energiequelle, um Biomasse zu produzieren. Zwar betreiben auch andere Pflanzen Photosynthese, allerdings nutzen Algen die gewonnene Biomasse sehr viel effizienter, sodass diese f\u00fcr die Gewinnung von \u00d6l oder Biogas verwendet werden kann. Algen binden zudem Kohlendioxid deutlich effektiver als andere Pflanzen und tragen so auch zur Reduktion von CO2 bei.<br \/>\nAlgenhaus: Fassade mit Photobioreaktoren<\/p>\n<p>Algenhaus mit Photobioreaktoren<br \/>\nQuelle:Energieexperten<\/p>\n<p>An zwei Seiten des Algenhauses bieten gl\u00e4serne Zellen Mikroalgen optimale Lebensbedingungen. Unter Sonneneinstrahlung und Zugabe von CO2 und fl\u00fcssigen N\u00e4hrstoffen produzieren die Algen Biomasse und W\u00e4rme\u00ad \u2013 die lebende Fassade wird so zur Heizquelle f\u00fcr das ganze Haus.<\/p>\n<p>Biogas aus Abfall<\/p>\n<p>Ein weiterer Ansatz f\u00fcr die Energiegewinnung der Zukunft im st\u00e4dtischen Umfeld: Aus organischem Abfall l\u00e4sst sich ebenfalls Biogas gewinnen. Auch hier dient Berlin als Beispiel. Eine moderne Biogasanlage der Berliner Stadtreinigung (BSR) steht im Stadtteil Ruhleben. 60.000 Tonnen Bioabfall aus Berliner Haushalten werden hier j\u00e4hrlich mithilfe von Mikroorganismen zu klimaneutralem Biogas verg\u00e4rt. Anschlie\u00dfend werden die 150 gasbetriebenen M\u00fcllfahrzeuge damit betankt und wieder auf die Stra\u00dfen geschickt, zum Einsammeln der Abf\u00e4lle. Somit tr\u00e4gt die Berliner Stadtreinigung auch zur Senkung des CO2-Austo\u00dfes der Hauptstadt bei.<\/p>\n<p>Mehr dazu im Video \u00fcber die BSR:<br \/>\nZoom &#8211; Folge 6 &#8211; Biogas: Von der Biotonne ins Gasnetz<\/p>\n<p>Von der Biotonne ins Gasnetz<br \/>\nBIOCOM AG<\/p>\n<p>Weitere Informationen zur Energiegewinnung aus Biomasse finden Sie hier:<br \/>\nBRANCHEN &gt; ENERGIE<br \/>\nAbfallmanagement<\/p>\n<p>St\u00e4dte verbrauchen riesige Mengen an Wasser, verschmutzen die Luft und verursachen gro\u00dfe Mengen an M\u00fcll. Wie kann die Stadt sauberer und lebenswerter werden und dabei sparsam mit ihren Ressourcen umgehen?<\/p>\n<p>Die wachsenden M\u00fcllberge in st\u00e4dtischen Umgebungen sind eine weitere gro\u00dfe Herausforderung der Zukunft. Immerhin 625 kg M\u00fcll verursachte jeder Bundesb\u00fcrger im Jahr 2015. Eine sinnvolle Verwertung dieser Rest- und Abfallstoffe w\u00fcrde also unmittelbar zur L\u00f6sung vieler Probleme beitragen. Die Gewinnung von Energie aus organischen Abf\u00e4lle ist vielfach bereits gelebte Praxis. Nun geht es darum, die Technologien noch weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p>Brennstoffzelle aus Mikroorganismen<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 startete das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) ein F\u00f6rderprogramm, um Technologien und Konzepte f\u00fcr eine energieeffiziente und ressourcenschonende Wasserwirtschaft zu f\u00f6rdern. Zw\u00f6lf Verbundprojekte wurden gef\u00f6rdert und mit 28 Millionen Euro F\u00f6rdermitteln ausgestattet. Nach drei Jahren Forschung wurden 2017 ihre Ergebnisse pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Eines dieser Projekte ist die Biobrennstoffzelle in Kl\u00e4ranlagen. Herk\u00f6mmliche Brennstoffzellen wandeln chemische Energie \u2013 meist aus Wasserstoff \u2013 in Strom um. \u00adBei der Biobrennstoffzelle erzeugen Mikroorganismen elektrische Energie direkt aus organischen Stoffen. Dadurch reinigen sie nicht nur einen Teil des Abwassers, sie wandeln auch die darin enthaltene chemische Energie in Strom um.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise eine Trendwende f\u00fcr die Abwasserbehandlung \u2013 Biobrennstoffzellen k\u00f6nnen dazu beitragen, dass die Kl\u00e4ranlage der Zukunft nicht nur Energie einspart, sondern auch \u00fcbersch\u00fcssigen Strom an das Energienetz liefert. Erprobt wird dies gerade in Darmstadt.<\/p>\n<p>D\u00fcnger aus Kl\u00e4rschlamm<\/p>\n<p>Des Weiteren kann Abfall eine Ressource f\u00fcr wertvolle Rohstoffe sein \u2013 die Berliner Wasserbetriebe entwickelten gemeinsam mit der Technischen Universit\u00e4t Berlin eine L\u00f6sung um mithilfe von Mikroorganismen aus Kl\u00e4rschlamm Phosphor zur\u00fcckzugewinnen. Inzwischen werden im Kl\u00e4rwerk Wa\u00dfmannsdorf j\u00e4hrlich 400 Tonnen mineralischen D\u00fcngers, der \u201eBerliner Pflanze\u201c gewonnen (mehr im Video s.u.).<\/p>\n<p>Langfristig wird es darum gehen, noch weitere Ans\u00e4tze zu entwickeln, um eine intelligente stoffliche Nutzung von Abf\u00e4llen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Reststoffe mit Potenzial<\/p>\n<p>Wie vielf\u00e4ltig Reststoffe genutzt werden k\u00f6nnen, welches Potenzial in vermeintlichem Abfall steckt, zeigt das Beispiel Kaffee. 0,4l Kaffee trinkt jeder Bundesb\u00fcrger t\u00e4glich \u2013 das sind mehr als 32 Millionen Liter Kaffee an nur einem Tag allein in Deutschland \u2013 was bleibt ist ein riesiger Berg Kaffeesatz. Es lohnt sich also durchaus dar\u00fcber nachzudenken, was sich aus diesem Stoff noch machen lie\u00dfe.<\/p>\n<p>An Ideen mangelt es nicht. Inzwischen werden Textilfasern und Bioplastik-Materialien aus Kaffeeresten hergestellt. Auch die Gr\u00fcnder des Berliner Start-ups Kaffeeform machten sich Gedanken dar\u00fcber, wie die gro\u00dfen Mengen an Kaffeesatz, die t\u00e4glich in den Coffeeshops anfallen, weiterverwertet werden k\u00f6nnen und hatten die Idee Kaffeetassen daraus zu produzieren. Das britische Start-up Bio-bean wiederum verarbeitet Kaffeesatz zu Bio-Kraftstoffen und Pellets. Zwei Prozent der rund 200.000 Tonnen Kaffeesatz, den die Kaffeetrinker in der britischen Hauptstadt pro Jahr produzieren, wandelt Bio-Bean derzeit in Energietr\u00e4ger um, bald schon sollen es mehr sein. In der australischen Kaffeestadt Melbourne wiederum forschen Ingenieure am Centre for Sustainable Infrastructure der Swinburne University of Technology an der Herstellung von Pflastersteinen aus Kaffeesatz. Damit soll zuk\u00fcnftig nicht nur die Menge an anfallendem M\u00fcll reduziert werden, sondern auch die Menge der herk\u00f6mmlichen Materialien im Stra\u00dfenbau. Und auch das Start-up GroCycle aus Devon in England verwertet benutzten Kaffeesatz aus umliegenden Coffeeshops. Die beiden Gr\u00fcnder nutzen die wertvollen N\u00e4hrstoffe und Antioxidantien, die sich noch im Kaffeesatz befinden, um Austernpilze zu z\u00fcchten. Nachhaltige Textilfasern produziert die taiwanesische Firma Singtex aus Kaffeesatz &#8211; abgenommen und zu Sport- und Freizeitkleidung verarbeitet werden die Fasern von Markenherstellern wie Hugo Boss, Nike und Vaude.<\/p>\n<p>Circular Economy<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass in einer Welt mit endlichen Ressourcen nur Produktionsverfahren mit einem hundertprozentigen Kreislauf unbeschr\u00e4nkt fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, f\u00fchrte zum Prinzip der \u201eCircular Economy\u201c.<\/p>\n<p>Idealerweise soll in der Stadt von morgen \u00fcberhaupt kein M\u00fcll mehr anfallen. Kein Reststoff soll deponiert oder verbrannt werden m\u00fcssen. Eingesetzte Rohstoffe sollen wieder vollst\u00e4ndig in den Produktionsprozess zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Recycling, um Abfallprodukte als Sekund\u00e4rrohstoffe wiederverwerten zu k\u00f6nnen sowie die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff \u00fcber mehrere Stufen genutzt wird, spielen daher eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Mehr dazu im Video:<br \/>\nFolge 3 \u2013 Zoom+ \u2013 Stadt der Zukunft: Rohstoff Abfall<\/p>\n<p>Stadt der Zukunft: Rohstoff Abfall<br \/>\nBIOCOM AG<br \/>\n\u00d6ffentliche F\u00f6rderung<\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte aller Menschen weltweit leben in St\u00e4dten, in drei\u00dfig Jahren werden es 70 Prozent sein. St\u00e4dte verbrauchen schon heute 80 Prozent der weltweit erzeugten Energie und sind f\u00fcr 70 Prozent des Treibhausgas-Aussto\u00dfes der Menschheit verantwortlich. Folgerichtig konstatiert das High-Level Panel f\u00fcr die Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen (UN): \u201eEs sind die St\u00e4dte, wo der Kampf um eine nachhaltige Entwicklung gewonnen oder verloren wird.\u201c<\/p>\n<p>Strategien zur Nachhaltigkeit und zur Bio\u00f6konomie von der Bundesregierung<\/p>\n<p>Mit der \u201eDeutschen Nachhaltigkeitsstrategie\u201c stellt sich die Bundesregierung dieser Aufgabe. Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie steht im Zeichen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (UN) und konkretisiert, mit welchen Ma\u00dfnahmen die Bundesregierung der Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) gerecht wird. Demnach sollen St\u00e4dte energie- und rohstoffeffizient, klimaangepasst und sozial inklusiv weiterentwickelt werden, gleichzeitig einem hohen Umweltschutzniveau entsprechen und eine hohe Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr die Bewohnerinnen und Bewohner sichern. Entsprechende Forschungsans\u00e4tze werden im Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) unter dem Dach des Programms \u201eForschung f\u00fcr Nachhaltige Entwicklungen\u201c (FONA\u00b3) vorangetrieben. So hat das BMBF im Rahmen dieses Rahmenprogramms beispielsweise den Wettbewerb \u201eZukunftsstadt\u201c als Teil der Leitinitiative Zukunftsstadt initiiert. Hier geht es insbesondere darum, die vielen Ideen mit den B\u00fcrgern zu diskutieren, gemeinsam Visionen zu entwickeln und zu erproben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus kommt der Bio\u00f6konomie eine entscheidende Rolle zu, denn biobasierte Ans\u00e4tze sind in vielen Bereich vielversprechend f\u00fcr Stadtplaner und Stadtentwicklung. Im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bio\u00f6konomie sowie der Nationalen Politikstrategie Bio\u00f6konomie werden derartige Strategie von \u00f6ffentlicher Seite vorangetrieben. Die verschiedenen Bundesministerien setzen dabei verschiedene Akzente. Die Entwicklung neuartiger Baumaterialien wird unter anderem Im F\u00f6rderprogramm \u201eNachwachsende Rohstoffe\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) gef\u00f6rdert. Neue Ans\u00e4tze einer urbanen Landwirtschaft werden ebenfalls durch das BMEL, aber auch das BMBF im Rahmen des Strategieprozesse \u201eAgrarsysteme der Zukunft\u201c entwickelt.<\/p>\n<p>Nachhaltige Stadtentwicklung in der Hightech-Strategie<\/p>\n<p>Nachhaltige Stadtentwicklung ist auch auf der Agenda der Hightech-Strategie der Bundesregierung, die federf\u00fchrend vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) umgesetzt wird. Seit 2012 wurde das Thema als Zukunftsprojekt der \u201eCO2-neutralen, klimaangepassten und energieeffizienten Stadt\u201c definiert. Anwendungsorientiert, ressort\u00fcbergreifend und transdisziplin\u00e4r wurde hier zwei Jahre lang mit Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft beraten, welches die dringendsten Forschungsfragen sind, die gel\u00f6st werden m\u00fcssen, um den nachhaltigen Umbau unserer St\u00e4dte voranzubringen. Die Akteure haben ihre Antworten in ihrer Strategischen Forschungs- und Innovationsagenda &#8211; kurz der FINA &#8211; zusammengetragen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2016 haben die Bundesministerien f\u00fcr Forschung, Umwelt, Bau, Wirtschaft und Verkehr gemeinsam die Nationale Plattform Zukunftsstadt initiiert. Die Innovationsplattform wird konkrete Forschungsprojekte f\u00f6rdern und priorisierte Themen aus der FINA umsetzen. Dies soll im st\u00e4ndigen Dialog mit den Partnern aus Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft geschehen. Ziel der IPZ ist, eine anwendungsorientierte und &#8211; wo m\u00f6glich &#8211; ressort\u00fcbergreifende sowie transdisziplin\u00e4re Forschungs- und Innovationsprogrammatik zu entwickeln und aufbauend auf oder erg\u00e4nzend zu bestehenden Vorhaben zur Zukunftsstadt ressort\u00fcbergreifend neue, gemeinsam abgestimmte und integrierte Programme und Initiativen unter Wahrung der Ressortzust\u00e4ndigkeiten zu entwickeln. Das BMBF tr\u00e4gt dazu in seiner Leitinitiative Zukunftsstadt in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren 150 Millionen Euro bei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebten 1950 nur 28,8% der Weltbev\u00f6lkerung in St\u00e4dten, waren es 2009 bereits 49,9%. Bis 2050 wird sich der Anteil nach Sch\u00e4tzungen des Departments f\u00fcr \u00f6konomische und soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen (UN\/DESA) auf nahezu 70% weiter erh\u00f6hen. Die globale Urbanisierung stellt enorme Herausforderungen an eine nachhaltige Entwicklung. 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