{"id":44963,"date":"2017-08-03T07:23:32","date_gmt":"2017-08-03T05:23:32","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44963"},"modified":"2017-08-01T12:21:49","modified_gmt":"2017-08-01T10:21:49","slug":"rudolf-j-koopmans-er-macht-aus-milch-plastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rudolf-j-koopmans-er-macht-aus-milch-plastik\/","title":{"rendered":"Rudolf J. Koopmans: Er macht aus Milch Plastik"},"content":{"rendered":"<p>Einen Zapfhahn gibt es noch immer in den ehemaligen Hallen der Brauerei Cardinal in Fribourg. \u00abIch muss Sie entt\u00e4uschen. Der funktioniert leider nicht mehr\u00bb, sagt Rudolf J. Koopmans. Dort, wo fr\u00fcher Bier gebraut worden ist, t\u00fcfteln heute unter der Leitung des Doktors f\u00fcr Physik und Makromolekularchemie Forscher an einem neuartigen, biobasierten und kompostierbaren Plastik.<\/p>\n<p>Heute werden j\u00e4hrlich mehr als 300 Millionen Tonnen des Kunststoffes produziert. Und es wird immer mehr. Das Wachstum betr\u00e4gt j\u00e4hrlich zwischen 3 bis 5 Prozent oder rund 15 Millionen Tonnen Plastik. \u00abWir k\u00f6nnen fast nicht mehr ohne diese Produkte leben\u00bb, sagt Koopmans. Dies ist auch auf das Wachstum in den Schwellenl\u00e4ndern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dies f\u00fchrt aber zu immer gr\u00f6sseren Problemen. Jede Minute gelangt ein Kehrichtwagen voller Plastik in die Ozeane; Forscher bef\u00fcrchten, dass es bald mehr Plastik als Fische in unseren Meeren gibt.<\/p>\n<p>Tests mit Abfalls\u00e4cken aus Milchs\u00e4ure<\/p>\n<p>Rudolf J. Koopmans will mit seinem Team am Plastics Innovation Competence Center in Fribourg <a href=\"http:\/\/www.picc.center\/fileadmin\/user_upload\/PICC\/News\/170312_PICC_Freiburger_Nachrichten.pdf\" target=\"_blank\">einen Beitrag leisten<\/a>, dass es soweit schon gar nicht kommt. Die L\u00f6sung dazu kann Milch sein. Oder auch Raps\u00f6l. Oder \u00c4pfel und Birnen, kurz: Biomasse. Denn Plastik besteht vereinfacht ausgedr\u00fcckt aus synthetisch \u00adproduzierten Riesenmolek\u00fclen. \u00abSolche Polymere beziehungsweise Kunststoffe finden wir in allen organischen Abf\u00e4llen, also auch in Milch, Fr\u00fcchten oder Raps\u00f6l. Nur haben sie den Vorteil, dass sie biologisch abbaubar sind\u00bb, sagt Koopmans. Plastik aus Milch? \u00abDas h\u00f6rt sich jetzt vielleicht ein wenig verr\u00fcckt an, ist es aber nicht\u00bb, sagt der geb\u00fcrtige Belgier. Es gebe bereits Versuche mit Abfalls\u00e4cken aus Milchs\u00e4ure. Das Problem sei bei denen nur, dass sie sich, wenn sie bei Regen auf dem Balkon stehen, aufzul\u00f6sen beginnen.<\/p>\n<p>Vor dem Erd\u00f6l-Boom war Milch als Plastikrohstoff ernsthaft im Gespr\u00e4ch. Aus Angst vor einer Milchknappheit wurden die Bestrebungen aber eingestellt. Jetzt ist Milch angesichts der Umweltprobleme und des sich abzeichnenden Endes der Erd\u00f6lreserve pl\u00f6tzlich wieder ein Thema. Auch am Plastics Innovation Competence Center in Fribourg (PICC).<\/p>\n<p>Koopmans leitet das Center, das im Oktober 2016 gegr\u00fcndet worden ist. Das PICC ist der Hochschule f\u00fcr Technik und Architektur Freiburg angegliedert und wird vom Kanton Fribourg sowie von Swiss Plastics Cluster unterst\u00fctzt. Koopmans war damals gerade 60 Jahre alt und blickte auf eine \u00fcber 33-j\u00e4hrige Karriere bei einem US-amerikanischen Kunststoffproduzenten zur\u00fcck. Er war in der Forschung t\u00e4tig und je l\u00e4nger desto unzufriedener. \u00abIch war an einen Punkt angelangt, an dem man sich fragt, was man im Leben eigentlich noch machen will.\u00bb Um etwas in Sachen Nachhaltigkeit zu bewegen, waren bei dieser Stelle die Voraussetzungen nicht gegeben. \u00abEs geht zu lange, bis in solch einem Betrieb die gewohnten Pfade verlassen werden\u00bb, betont er. Die neu geschaffene Stelle in Fribourg kam gerade richtig.<\/p>\n<p>Das Plastics Innovation Competence Center forscht nicht nur nach L\u00f6sungen im Kunststoffbereich f\u00fcr unterschiedliche Industriezweige, sondern ber\u00e4t auch Firmen. W\u00f6chentlich mehrmals steht Koopmans in Kontakt mit Schweizer Unternehmen, die Probleme mit Kunststoffen haben. \u00abDie Firmen verstehen sehr viel von ihren eigenen Produkten, bei der Verpackung fehlt ihnen aber das Know-how. Da kommen wir zum Zug.\u00bb Zusammen mit den Firmen erarbeitet er mit seinem Team L\u00f6sungen. \u00abOft sind es eigentlich ganz einfache\u00bb, betont er.<\/p>\n<p>Koopmans hat mit dem PICC Grosses vor. Heute umfasst das Team 15 Mitarbeitende. Bis Ende Jahr wird auf 20 aufgestockt. Bis 2020 strebt Koopmans einen Ausbau auf 50 Mitarbeitende an. Dazu will das PICC vermehrt \u00fcber die Landesgrenzen hinaus t\u00e4tig werden. Koopmans: \u00abJede neue Technologie ist am Anfang teurer als die herk\u00f6mmliche Produktionsmethode. Je mehr sie Anwendung findet, desto g\u00fcnstiger wird sie. Erst dann wird sie f\u00fcr grosse Firmen interessant.\u00bb<\/p>\n<p>Schweiz macht bei grosser europ\u00e4ischer Studie mit<\/p>\n<p>Das Potenzial f\u00fcr neue L\u00f6sungen ist laut Koopmans riesig. Heute seien gerade mal 2 Millionen Tonnen des Plastik weltweit nachhaltig. \u00abUnd das ist noch eine gut gemeinte Sch\u00e4tzung.\u00bb Aus diesem Grund beteiligt sich das PICC seit Juni an einer grossen europ\u00e4ischen Entwicklungsstudie. Bei dem Projekt soll Verpackungsmaterial auf Basis von Zellulose entwickelt werden, das in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden kann sowie biobasiert und kompostierbar ist. Dabei arbeitet Koopmans\u2019 Team mit Firmen wie Unilever oder Coop zusammen. Bis in einem Jahr sollen erste Ergebnisse vorliegen. Dass das Projekt scheitern k\u00f6nnte, glaubt er nicht: \u00abDie Natur hat f\u00fcr ganz viele Probleme eine L\u00f6sung. Da staune ich immer wieder.\u00bb<\/p>\n<p>Bis sich die neue Technologie durchsetzen wird, dauert es l\u00e4nger. Das Bewusstsein, dass etwas gegen die Flut von k\u00fcnstlichem Plastik getan werden m\u00fcsse, existiere erst seit zwei, drei Jahren. \u00abBis wir am Markt etwas bewirken k\u00f6nnen, dauert es noch Jahre. Die Trendwende wird wohl nicht vor 2030 erfolgen\u00bb, betont er. Gehandelt werden m\u00fcsse aber heute. Koopmans: \u00abWir haben schon viel zu viel Zeit verloren.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Zapfhahn gibt es noch immer in den ehemaligen Hallen der Brauerei Cardinal in Fribourg. \u00abIch muss Sie entt\u00e4uschen. Der funktioniert leider nicht mehr\u00bb, sagt Rudolf J. Koopmans. 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