{"id":44871,"date":"2017-08-02T07:20:04","date_gmt":"2017-08-02T05:20:04","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44871"},"modified":"2017-07-31T14:20:48","modified_gmt":"2017-07-31T12:20:48","slug":"hanfbeton-die-zukunft-auf-dem-bau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hanfbeton-die-zukunft-auf-dem-bau\/","title":{"rendered":"Hanfbeton: Die Zukunft auf dem Bau?"},"content":{"rendered":"<p>Hanf ist ein echtes \u00f6kologisches Multitalent. Leider wird die Pflanze zu oft nur mit dem von vielen als angenehm beschriebenen High in Verbindung gebracht. Doch Hanf hat noch viel mehr zu bieten als dichte Rauchschwaden. Vom medizinischen Nutzen ganz zu schweigen, findet die Pflanze beispielsweise auch in der Textilindustrie, Nahrungsmittelherstellung oder Kosmetik Verwendung. Doch auch auf dem Bau gibt Hanf eine mehr als gute Figur ab.<\/p>\n<p>In den Baum\u00e4rkten hierzulande sucht man den Rohstoff meistens noch vergebens. Dabei gilt die Pflanze in der Branche als Allesk\u00f6nner. Aus Hanf kann nahezu jedes Material, das auf dem Bau ben\u00f6tigt wird, hergestellt werden. Von Bodenplatten \u00fcber W\u00e4nde bis zu Ziegel, Putz oder D\u00e4mmwolle ist in unterschiedlichen Herstellungsverfahren alles drin.<\/p>\n<p>In Deutschland steckt die Entwicklung vom sogenannten Hanfbeton noch in den Kinderschuhen. Hier gibt es zum Beispiel einen Nutzhanfhersteller aus der Uckermark, der sich mit der Thematik besch\u00e4ftigt. Andere L\u00e4nder wie Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Belgien oder Spanien sind da schon weiter. Dort gibt es bereits zahlreiche und zum Teil ausgezeichnete Projekte, die mit dem \u00f6kologisch unbedenklichen Stoff gebaut wurden.<\/p>\n<p>So zum Beispiel eine im Jahr 2005 in Southwood\/GB errichtete Lagerhalle f\u00fcr eine Brauerei, die eine Gr\u00f6\u00dfe von 2.382 qm aufweist. Die Au\u00dfen- und Zwischenw\u00e4nde bestehen dabei aus Bl\u00f6cken, die aus Hanf, Zement und Kalk erstellt wurden. Zur Folge hat das eine hervorragende D\u00e4mmwirkung. Feuchtigkeit und Temperatur im Geb\u00e4ude werden so gut reguliert, dass auch an hei\u00dfen Tagen keine externe Klimaanlage zum K\u00fchlen der Bieres ben\u00f6tigt wird. Dieses Beispiel l\u00e4sst vielleicht schon erahnen, welch gro\u00dfes Potential Hanfbeton mit seinen positiven Eigenschaften auf dem Bau besitzt.<\/p>\n<p>Was ist Hanfbeton?<\/p>\n<p>Hanfbeton ist nicht Beton im eigentlichen Sinne. Die Bezeichnung ist lediglich auf die Festigkeit des Stoffes bezogen. Bei Hanfbeton handelt es sich um ein Gemisch aus dem holzigen Inneren des Stengels, den sogenannten Sch\u00e4ben, zusammen mit Kalk und Wasser. Die Masse, die daraus entsteht, kann beispielsweise in W\u00e4nde oder Fundamente gegossen werden, dabei weist sie nur 1\/6 des Gewichts von herk\u00f6mmlichem Beton auf.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist Hanfbeton aber bis zu siebenmal st\u00e4rker als normaler Beton und dreimal biegsamer als dieses. Wind und Wetter kann dem Werkstoff nichts anhaben. Im Gegenteil: Es sorgt daf\u00fcr dass dieses versteinert und im Zuge dessen immer h\u00e4rter und stabiler wird. Mit der Zeit l\u00e4sst sich die Festigkeit mit der von herk\u00f6mmlichen Beton vergleichen. An Flexibilit\u00e4t b\u00fc\u00dft Hanfbeton jedoch nichts ein. Anders als Standardbeton bricht Hanfbeton beispielsweise nicht bei Erdbewegungen und ben\u00f6tigt daher keine Dehnungsfugen.<\/p>\n<p>Vorteile als Baumaterial<\/p>\n<p>Im Speziellen weist die Pflanze als D\u00e4mmstoff hervorragende Eigenschaften auf. Der Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung innerhalb eines Geb\u00e4udes kommt Hanf dabei besonders zugute. So gleicht es Temperaturunterschiede aus, egal ob Hitze oder K\u00e4lte. Hanfw\u00e4nde sind in der Lage, Hitze zu speichern oder sich selbst zu k\u00fchlen. So lassen sich Energieersparnisse von 50-70 Prozent feststellen.<\/p>\n<p>Neben den W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeiten hat Hanf auch ein positives Feuchtigkeitsverhalten zu bieten, wof\u00fcr das Kapillarsystem im Inneren der Pflanze verantwortlich ist. Feuchtigkeit wird deswegen nicht aufgenommen, sondern absorbiert. Die nat\u00fcrliche Feuchtigkeitsregulierung sorgt daf\u00fcr, dass sich kein Wasser auf der Oberfl\u00e4che absetzen kann. Eine zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchtigkeit wird damit auf nat\u00fcrliche Weise verhindert. Somit herrscht ein allzeit angenehmes Klima innerhalb der vier W\u00e4nde. Durch den Feuchtigkeitsaustausch ist ein Schimmelpilzbefall in der Regel kein Thema, auch Ungeziefer werden dadurch abgehalten ihr Unwesen zu treiben.<\/p>\n<p>Auch im Schallschutz k\u00f6nnen positive Werte festgestellt werden, da die Fasern in der Lage sind, L\u00e4rm zu absorbieren. Des Weiteren gilt der Baustoff als schwer brennbar, was eine zus\u00e4tzliche Sicherheit beim Bauen und Bewohnen des Hauses bedeutet. Dies ist durch die mineralische Einbindung der Hanfsch\u00e4ben der Fall. Kommt es doch zum Brand, treten beispielsweise keine giftigen Schwefelgase aus, auch der Kamineffekt bleibt in den meisten F\u00e4llen aus oder ist zumindest weniger stark.<\/p>\n<p>\u00d6kologische Vorteile<\/p>\n<p>Zugleich kommt Hanfbeton der Umwelt zugute. Das ist in Zeiten von Nachhaltigkeit und Passivh\u00e4usern kein ganz schlechtes Argument.<\/p>\n<p>Hanf l\u00e4sst sich leicht anbauen und w\u00e4chst rasch \u2013 eine Plantage kann in der Regel nach vier Monaten geerntet werden. In den letzten Jahrzehnten wurden in Europa Nutzhanfsorten gez\u00fcchtet, die einen hohen Fasergehalt besitzen und somit gegen Umwelteinfl\u00fcsse gut gewappnet sind. Eine chemische Behandlung ist in den meisten F\u00e4llen nicht n\u00f6tig. Aufgrund dessen ist ein Anbau der Pflanze recht simpel und kann wirtschaftlich \u00fcberschaubar gestaltet werden.<\/p>\n<p>Die Branche kann mit der Pflanze auf einen nachhaltigen und nachwachsenden Rohstoff zur\u00fcckgreifen, der \u00fcber die gesamte Lebensdauer CO2 bindet und f\u00fcr eine Reduzierung des Treibhauseffekts sorgt. Zahlen von Hanfbeton-Hersteller \u201eTradical\u201c besagen, dass ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit Hanfbeton gegen\u00fcber konventionell gebauten H\u00e4usern eine Einsparung von ca. 30 t an CO2-Emissionen habe.<\/p>\n<p>Auch bei der Herstellung kann Hanfbeton mit einer besseren Energiebilanz punkten. Des Weiteren bieten sich aufgrund des geringeren Gewichts auch Vorteile im Transport. Zudem l\u00e4sst sich Hanf vollst\u00e4ndig recyceln. Da nur nat\u00fcrliche Stoffe enthalten sind, vertorft und verrottet es mit der Zeit ohne R\u00fcckst\u00e4nde und ist somit \u00f6kologisch abbaubar.<\/p>\n<p>Geh\u00f6rt Hanf die Zukunft auf dem Bau?<\/p>\n<p>Die Entwicklung von Hanfbeton geht zwar voran, so richtig angekommen ist der Rohstoff auf dem Bau in Deutschland, \u00d6sttereich und der Schweiz aber noch nicht. 2014 lag der Anteil von nachhaltigen Baustoffen insgesamt bei ca. sieben Prozent, wovon Nutzhanf einen Anteil von einen Prozent hatte, sch\u00e4tzte Hans-J\u00f6rg Gusovius vom Leibniz-Institut f\u00fcr Agrartechnik in Potsdam-Bornim, seines Zeichens Nutzhanf-Forscher, gegen\u00fcber der \u201eWirtschaftsWoche\u201c. Es wird lieber auf Energieintensive aber in der Herstellung g\u00fcnstigere Werkstoffe zur\u00fcckgegriffen. \u201eWir m\u00fcssen weiter daran arbeiten, dass nachhaltige Rohstoffe wie Nutzhanf auch als Baumaterial wettbewerbsf\u00e4hig werden\u201c, sagt der Forscher weiter.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen werden die Entwickler von Hanfbeton hoffentlich weiter an dem \u00d6ko-Wunder-Baustoff arbeiteten. Hanf k\u00f6nnte aufgrund seiner Eigenschaften die Zukunft auf dem Bau geh\u00f6ren. Die Branche w\u00e4re dumm, die Augen vor den vielen praktischen und umweltfreundlichen Vorteilen zu verschlie\u00dfen. Bei geeigneter Nachfrage werden die Kosten f\u00fcr die Produktion sinken, dann werden sich hoffentlich immer mehr Fachleute mit mit Hanf als Baustoff auseinandersetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hanf ist ein echtes \u00f6kologisches Multitalent. Leider wird die Pflanze zu oft nur mit dem von vielen als angenehm beschriebenen High in Verbindung gebracht. 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