{"id":44656,"date":"2017-07-25T07:25:12","date_gmt":"2017-07-25T05:25:12","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44656"},"modified":"2017-07-21T15:55:46","modified_gmt":"2017-07-21T13:55:46","slug":"rezension-biooekonomie-fuer-einsteiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rezension-biooekonomie-fuer-einsteiger\/","title":{"rendered":"Rezension: Bio\u00f6konomie f\u00fcr Einsteiger"},"content":{"rendered":"<p>Trotz seiner Tragweite und Prominenz in politischen und wissenschaftlichen Strategien ist das Konzept der Bio\u00f6konomie in der Breite wenig bekannt und lediglich in begrenztem Ma\u00df Teil des \u00f6ffentlichen Diskurses. Ein Grund hierf\u00fcr ist unter anderem ein oftmals unklares Verst\u00e4ndnis, sowie die schwierige Abgrenzung des Begriffs. Aus diesem Grund hat Joachim Pietzsch, etablierter Frankfurter Wissenschaftsjournalist, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten beschlossen, die Grundlagen der Bio\u00f6konomie darzustellen.<\/p>\n<p>Im Rahmen des im Mai 2017 erschienenen Buches \u201eBio\u00f6konomie f\u00fcr Einsteiger\u201c stellt Pietzsch den Kontext der Bio\u00f6konomie vor. Diesen sieht er durch den Hintergrund einer rund zwei Jahrhunderte andauernden Phase der Abh\u00e4ngigkeit fossiler Ressourcen und dem daraus resultierenden Klimawandel gegeben. Die Vielf\u00e4ltigkeit des Konzepts \u201eBio\u00f6konomie\u201c betont Pietzsch beispielhaft anhand von verschiedenen nationalen Bio\u00f6konomie-Strategien, die an jeweilige lokale Gegebenheiten anzupassen sind. Auch deswegen wird im Buch nicht von \u201eder Bio\u00f6konomie\u201c gesprochen, sondern die Unbestimmtheit des Konzepts \u201eeiner Bio\u00f6konomie\u201c betont.<\/p>\n<p>Von der Vielf\u00e4ltigkeit der Bio\u00f6konomie, \u2026<\/p>\n<p>Aufbauend auf dieser Einf\u00fchrung werden verschiedene Bereiche der Bio\u00f6konomie aus Sicht der jeweiligen Experten vorgestellt. Grundlegend setzt sich das Buch zun\u00e4chst mit der Herkunft der Biomasse und der Nutzung dieser in Form von Energie und Materialien auseinander. Im zweiten Teil werden nachfolgend \u00fcbergeordnete Themen, wie die Rolle der Volks-, bzw. Betriebswirtschaftslehre und Fragen der Nachhaltigkeit, beleuchtet.<\/p>\n<p>\u2026 ihrer Grundlage, \u2026<\/p>\n<p>Hierbei wird die Vielf\u00e4ltigkeit des Konzepts \u201eBio\u00f6konomie\u201c sichtbar. So kann Biomasse aus diversen Bereichen, wie der Agrar-, Forst-, Fischerei- und Abfallwirtschaft, stammen. Zugeh\u00f6rige Grundlagen werden im Buch ebenso ausf\u00fchrlich beschrieben, wie mit der Biomassenutzung verbundene Fragen der Nahrungsmittelsicherheit. Entsprechend dem Prinzip des Nahrungsmittelvorrangs vieler Bio\u00f6konomie-Strategien wird diesem Thema weiter Raum gew\u00e4hrt. Erst anschlie\u00dfend werden weitere M\u00f6glichkeiten zur Nutzung von Biomasse, wie beispielsweise Treibstoffe und Chemikalien, diskutiert. Die Mannigfaltigkeit m\u00f6glicher Produkte wird dabei ebenso dargestellt, wie grundlegende Umwandlungspfade. Zu letzteren geh\u00f6ren verschiedene Raffineriesysteme und die damit einhergehende potentielle Bedeutung der Biotechnologie. Hierf\u00fcr werden sowohl aktuelle, fossilbasierte Prozesse und Technologien vorgestellt, gleichzeitig aber auch Prinzipen, die in dieser Form heutzutage noch nicht genutzt werden. So werden beispielsweise neben etablierten biotechnologischen Methoden ebenso Zukunftstechnologien, wie BioBricks oder synthetische Genome, pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>\u2026 den Voraussetzungen, \u2026<\/p>\n<p>Ob diese Potenziale ausgesch\u00f6pft werden, ist auch von anderen Faktoren, wie volkswirtschaftlichen Aspekten, abh\u00e4ngig. Aus Sichtweise der Innovations\u00f6konomie stellt die Bio\u00f6konomie ein neues Innovationssystem dar, welches bedeutende Neuerungen erm\u00f6glichen kann. Im Gegensatz zu bislang \u00fcblichen ergebnisoffenen Systemen, ist diese allerdings als gerichtete Transformation hin zu einer notwendigen nachhaltigeren Entwicklung zu verstehen. Hiervon abgesehen besteht eine weitere Besonderheit von Bio\u00f6konomie-Konzepten in der Fokussierung auf die Schaffung neuer, sowie die effiziente Verkn\u00fcpfung bestehender Wertsch\u00f6pfungsketten. Als allgemeine Grundvoraussetzung f\u00fcr den Erfolg dieser Wertsch\u00f6pfungsketten gilt dabei die Sicherstellung der Marktakzeptanz, beziehungsweise der Wettbewerbsf\u00e4higkeit biobasierter Produkte. M\u00f6glichkeiten und Rahmenbedingungen hierf\u00fcr werden deshalb im Kontext der betriebswirtschaftlichen Bedeutung in einem eigenen Kapitel besprochen.<\/p>\n<p>Bio\u00f6konomische Konzepte sind oftmals Gegenstand kontroverser Diskussionen. Auch deswegen setzen sich zwei abschlie\u00dfende Kapitel durchaus kritisch mit den einhergehenden Ideen und Implikationen auseinander. So werden die \u00f6kologischen Grundlagen einer nachhaltigen Bio\u00f6konomie ausgehend von Ressourcenfragen untersucht und limitierende Bedingungen, wie Land- und N\u00e4hrstoffverf\u00fcgbarkeit, analysiert. Anhand dessen werden resultierende Zielkonflikte, sowie die Notwendigkeit starker globaler Governance aufgezeigt. Dar\u00fcber hinaus diskutiert Prof. Dr. Armin Grunwald abschlie\u00dfend die bio\u00f6konomischen Ideen im Hinblick auf die Zielsetzung der F\u00f6rderung, beziehungsweise Erreichung von Nachhaltigkeit, und bedient sich hierf\u00fcr einer umfassenderen philosophischen Perspektive.<\/p>\n<p>Insgesamt bed\u00fcrfen die Inhalte weiterer Diskussionen \u2013 sind sie nat\u00fcrlich durch die Sichtweisen der Experten gepr\u00e4gt. So k\u00f6nnten sich neoklassische \u00d6konomen beispielsweise an der im Kapitel \u201eDie Bio\u00f6konomie unter dem Blickwinkel der Innovations\u00f6konomik\u201c eingef\u00fchrten neo-schumpeterianischen Sichtweise auf die Bio\u00f6konomie st\u00f6ren. Dadurch bietet das Buch allerdings ebenso zahlreiche Gedankenanst\u00f6\u00dfe. Ganz besonders gilt dies f\u00fcr den Beitrag von Grunwald, der die Perspektiven der Bio\u00f6konomie vor dem Hintergrund von Postwachstumstheorie und \u00d6komodernismus untersucht.<\/p>\n<p>Obwohl im Buch eine beeindruckende Vielfalt an Themen und Disziplinen aufgezeigt wird, schaffen es die Autoren wichtige Konzepte und Begrifflichkeiten der jeweiligen Fachgebiete verst\u00e4ndlich zu erkl\u00e4ren. Hierbei hilfreich sind auch zahlreiche Exkursboxen, die auf anschauliche Weise weitere Aspekte der Themen beleuchten und weiterf\u00fchrende Informationen liefern. Letztlich bleibt als einziger Wermutstropfen das Fehlen eines Nachwortes des Herausgebers, um die verschiedenen Beitr\u00e4ge abschlie\u00dfend in eine gemeinsame Perspektive zu setzen.<\/p>\n<p>Bio\u00f6konomie, ein komplexes Thema \u2013 Experten kl\u00e4ren auf<\/p>\n<p>Aus baden-w\u00fcrttembergischer Sicht ist besonders der hohe Anteil an Mitautoren aus dem S\u00fcdwesten erw\u00e4hnenswert. Diesem kommt im Hinblick auf die Anzahl der Experten des Feldes eine bedeutende Rolle zu und so sind ein Drittel der Autoren Angeh\u00f6rige der Universit\u00e4ten in Hohenheim, Freiburg und Karlsruhe.<\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet ist das Buch ein hervorragendes Angebot f\u00fcr Menschen, die sich mit dem Thema und den Konzepten der \u201eBio\u00f6konomie\u201c besch\u00e4ftigen m\u00f6chten. Es verhilft dem Leser einen \u00dcberblick \u00fcber dieses komplexe Thema zu erhalten. Wichtige Konzepte und Begriffe aus den verschiedenen Bereichen der Bio\u00f6konomie werden dargestellt und dar\u00fcber hinaus bietet das Buch eine Vielzahl an Diskussionsanregungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Informationen<\/p>\n<p>Titel: <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783662537626#aboutBook\" target=\"_blank\">Bio\u00f6konomie f\u00fcr Einsteiger<\/a><br \/>\nAutor: Joachim Pietzsch<br \/>\nVerlag: Springer Spektrum<br \/>\nISBN: 978-3-662-53762-6<br \/>\nUmfang: 217 Seiten<br \/>\nPreis: 39,99 Euro<br \/>\nWeitere Ausgaben: eBook,<br \/>\nISBN: 978-3-662-53763-3, Preis: 29,99 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz seiner Tragweite und Prominenz in politischen und wissenschaftlichen Strategien ist das Konzept der Bio\u00f6konomie in der Breite wenig bekannt und lediglich in begrenztem Ma\u00df Teil des \u00f6ffentlichen Diskurses. 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