{"id":44220,"date":"2017-07-10T07:26:21","date_gmt":"2017-07-10T05:26:21","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=44220"},"modified":"2017-07-06T15:45:06","modified_gmt":"2017-07-06T13:45:06","slug":"biobasierte-mode-macht-textilindustrie-nachhaltiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biobasierte-mode-macht-textilindustrie-nachhaltiger\/","title":{"rendered":"Biobasierte Mode macht Textilindustrie nachhaltiger"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-44221\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-06-um-15.42.18.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2017-07-06 um 15.42.18\" width=\"519\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-06-um-15.42.18.png 586w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/07\/Bildschirmfoto-2017-07-06-um-15.42.18-300x170.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/p>\n<p><strong>Die Textilindustrie ist eine der wichtigsten Konsumg\u00fcterbranchen in Deutschland. Sie z\u00e4hlt jedoch auch zu den Wirtschaftszweigen, die besonders negative Umweltauswirkungen haben. Zum Start der Berliner Modewoche ruft der Bio\u00f6konomierat zu mehr Nachhaltigkeit in der Modeszene und einem bewussteren Konsumverhalten auf.<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"http:\/\/ethicalfashionshowberlin.com\/\" target=\"_blank\">Ethical Fashion Week<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.greenshowroom.com\/\" target=\"_blank\">Greenshowroom<\/a>, die parallel zur Berliner Fashion Week vom 4. bis 6. Juli 2017 stattfinden, melden seit ihrem Bestehen steigende Besucher- und Ausstellerzahlen. Bei der Winterschau waren es bereits 178 nachhaltige Labels, in diesem Sommer sind es 180. Besonders nachhaltig hergestellte Kleidungsst\u00fccke werden mit Preisen ausgezeichnet und prominent in den Medien diskutiert. Keine Frage, \u201egr\u00fcne Mode&#8221; ist im Kommen. Am globalen Modemarkt gemessen, f\u00fchrt sie trotzdem noch ein Nischendasein.<\/p>\n<p>Weiterhin sind 60% der Stofffasern chemischen Ursprungs, 80% hiervon sind aus Polyester. Diese Fasern basieren auf Erd\u00f6l und ihre Herstellungsverfahren sind sehr energieintensiv. Nahezu 1% des globalen Erd\u00f6lverbrauchs wird allein f\u00fcr die Textilfaserherstellung genutzt. Ihr Abrieb (Mikroplastik) belastet die \u00d6kosysteme der Meere und Seen. Bei den \u00fcbrigen 40% handelt es sich um Pflanzenfasern. Fast ausschlie\u00dflich wird hierf\u00fcr Baumwolle eingesetzt. Anbau und Verarbeitung von Baumwolle sind prinzipiell sehr ressourcenintensiv. \u201eAn vorderster Stelle steht dabei der hohe Wasserverbrauch, aber auch die negativen Auswirkungen f\u00fcr eine nachhaltige Bodennutzung in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern. Das m\u00fcssen wir ber\u00fccksichtigen\u201c, betont Prof. Joachim von Braun, Ko-Vorsitzender des Bio\u00f6konomierates. Der hohe Energie- und Chemikalieneinsatz, der bei der Veredelung von Kleidungsst\u00fccken und Modeaccessoires entsteht, stellt ebenfalls ein Problem dar. Stoffe werden meist mit chemischen Farben koloriert, Jeansteile mit aggressiven Bleichmitteln behandelt und Leder zur Gerbung in giftige Chromlaugen getaucht.<\/p>\n<p>Sicher gibt es keine Patentl\u00f6sung. Sehr wohl bietet die Bio\u00f6konomie aber eine wachsende Zahl an beeindruckenden Produkten und Verfahren, die in ihrer Gesamtheit einen Unterschied machen k\u00f6nnen. In der Bio\u00f6konomie gilt die Natur mit ihren geschlossenen Kreisl\u00e4ufen und funktionalen Materialen als zentrales Vorbild. \u201eBiobasierte Verfahren k\u00f6nnen die Umweltbilanz der Textilherstellung stark verbessern. Sie ben\u00f6tigen deutlich weniger Wasser und Energie als die \u00fcblichen chemischen Prozesse und erzeugen kaum Schadstoffe\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Christine Lang, Ko-Ratsvorsitzende des Rates. Cellulasen erzielen beispielsweise den modernen Stonewashed-Effekt bei Jeans. Das Enzym Katalase wiederum erm\u00f6glicht umweltfreundlicheres Bleichen und F\u00e4rben. Naturstoffe spielen ebenso eine wichtige Rolle bei der Veredelung von Textilien. Extrakte von Rhabarberwurzeln oder Olivenbl\u00e4ttern etwa k\u00f6nnen zur haut- und umweltfreundlichen Ledergerbung verwendet werden. Mikroalgen und biobasierte Farben erm\u00f6glichen schadstofffreies F\u00e4rben. Biobasierte Verfahren tragen auch dazu bei, Kleidung besser zu pflegen und die Lebensdauer zu verl\u00e4ngern. Spezielle Enzyme in Waschmitteln reinigen Textilien z. B. schon bei niedrigen Waschtemperaturen. Andere wiederum verhindern die Kn\u00f6tchenbildung von Baumwollfasern. Die Kleidungsst\u00fccke nutzen sich dadurch langsamer ab und bleiben l\u00e4nger in Gebrauch.<\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger setzen Modeh\u00e4user biobasierte Verfahren ein, um aus Reststoffen neue Materialien herzustellen. Lachshaut aus der Lebensmittelindustrie l\u00e4sst sich beispielsweise als Leder f\u00fcr Taschen und G\u00fcrtel verwenden. Sporttextilien sind aus recycelten PET-Flaschen gefertigt. Ein Unternehmen setzt diesen Polyesterfasern rund 5% Kaffeesatz bei. So werden Ressourcen geschont und biologische Vorteile genutzt: Kaffeesatz absorbiert unangenehme Ger\u00fcche. Zudem existieren erste biobasierte Polyesterfasern, die man teilweise oder komplett aus einem Abfallprodukt der Zuckerindustrie (Melasse) produzieren kann.<\/p>\n<p>Aus heimischem Holz und aus Bambus werden inzwischen Naturfasern f\u00fcr anschmiegsame, atmungsaktive Kleidung erzeugt. Auch bei der Herstellung veganer Lederalternativen greifen Firmen vermehrt auf pflanzliche Reststoffe wie Ananas- und Eukalyptusbl\u00e4tter zur\u00fcck. Andere bestehen aus Maisschalen und sind mit Pilzgeflecht \u00fcberzogen. Diese Mode verzichtet auf tierische Produkte und nutzt Reststoffe, die sonst Abfall w\u00e4ren. F\u00fcr besonders beanspruchte Textilien h\u00e4lt die Bio\u00f6konomie ein Hightech-Material namens Spinnenseide bereit. Dieses kann in Deutschland inzwischen biotechnologisch, also ohne den Einsatz von Tieren, hergestellt werden. Das Garn hat viele Vorz\u00fcge: es h\u00e4lt starken Belastungen stand, ist trotzdem sehr leicht und wird von empfindlicher Haut gut vertragen. Spinnenseide ist ein nat\u00fcrliches Material und \u00f6kologisch unbedenklich sowie biologisch abbaubar.<\/p>\n<p>Der deutsche Verbraucher kauft pro Jahr im Durchschnitt 50 neue Kleidungsst\u00fccke. Die Bandbreite an biobasierten L\u00f6sungen f\u00fcr die Modeindustrie ist gro\u00df und bei weitem noch nicht ausgesch\u00f6pft. \u201eBio\u00f6konomie l\u00e4sst sich jedoch nicht auf die Produktion biobasierter G\u00fcter reduzieren. Sie muss mit Verhaltens\u00e4nderungen f\u00fcr einen nachhaltigen Konsum einhergehen\u201c, mahnt Prof. Joachim von Braun, Ko-Ratsvorsitzender. \u201eZudem m\u00fcssen Textilarbeiterinnen z. B. in Bangladesch angemessen entlohnt werden und Verbraucher entsprechende Kennzeichnungen ernst nehmen und honorieren.\u201c Qualitativ hochwertige, haltbare und umweltfreundliche Materialen sind wichtig f\u00fcr eine lange Lebensdauer. Die junge Modeszene in Berlin zeigt aber auch spannende Initiativen f\u00fcr nachhaltigen Konsum. So gewinnen zum Beispiel Kollektionen aus aufbereiteten alten Textilien (Upcycling), Sharing-Konzepte, Second hand-Plattformen und Do-it-Yourself-L\u00f6sungen stetig an Beliebtheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Textilindustrie ist eine der wichtigsten Konsumg\u00fcterbranchen in Deutschland. Sie z\u00e4hlt jedoch auch zu den Wirtschaftszweigen, die besonders negative Umweltauswirkungen haben. 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