{"id":43607,"date":"2017-06-16T07:26:31","date_gmt":"2017-06-16T05:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=43607"},"modified":"2017-06-13T15:57:05","modified_gmt":"2017-06-13T13:57:05","slug":"cannabis-als-medizin-deutschland-sucht-hanf-anbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/cannabis-als-medizin-deutschland-sucht-hanf-anbauer\/","title":{"rendered":"Cannabis als Medizin: Deutschland sucht Hanf-Anbauer"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland sucht Firmen, die Cannabis anbauen \u2013 aber zwei bedeutende Spieler auf dem Weltmarkt machen nicht mit: Der kanadische Hanfhersteller Tilray und die Naturarzneifirma Bionorica haben sich nicht an dem laufenden Verfahren der k\u00fcrzlich gegr\u00fcndeten Cannabis-Agentur beteiligt.<\/p>\n<p>\u201eWir haben uns entschieden, uns nicht auf die Ausschreibung zum Anbau von Medizinal-Cannabis in Deutschland zu bewerben\u201c, sagt Marla Luther, Deutschlandchefin von Tilray, dem Handelsblatt. Das hei\u00dfe aber nicht, dass man hierzulande nicht als f\u00fchrender Anbieter von Cannabis aktiv werden will. \u201eWir wollen unseren in Kanada angebauten Cannabis nach Deutschland importieren\u201c, so die Managerin.<\/p>\n<p>Seit Anfang M\u00e4rz kann Cannabis als Medizin f\u00fcr schwerkranke Menschen in bestimmten F\u00e4llen von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstattet werden. Hatten davor nur rund 1000 Menschen eine Ausnahmeerlaubnis, Cannabis zu medizinischen Zwecken zu kaufen, d\u00fcrften k\u00fcnftig ein paar zehntausend Patienten Hanf und Hanfprodukte als Medizin verschrieben bekommen, so Sch\u00e4tzungen aus der Branche.<\/p>\n<p>Damit ist Deutschland zu einem interessanten Markt f\u00fcr Cannabisanbieter aus aller Welt geworden. Zumal Hanf f\u00fcr den medizinischen Einsatz k\u00fcnftig erstmals auch in Deutschland angebaut werden soll, um den Bedarf zu decken. Das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat deshalb eine Cannabis-Agentur eingerichtet, die ein Ausschreibungsverfahren in Gang gesetzt hat, um Auftr\u00e4ge zum Anbau zu erteilen. Das Bundesinstitut wird das Cannabis nach der Ernte in Besitz nehmen, die Abgabe l\u00e4uft \u00fcber Apotheken. Aber bis der Medizinalhanf aus deutschem Anbau auf den Markt kommt, wird es noch dauern: Mit der ersten Ernte wird 2019 gerechnet.<\/p>\n<p>Bisher wurde das in Deutschland verkaufte Cannabis vor allem von der niederl\u00e4ndischen Firma Bedrogran importiert. Die entsprechende Erlaubnis vergibt die Bundesopiumstelle. Mit steigendem Bedarf wird der Import aus anderen L\u00e4ndern nach Deutschland steigen. Vorne dabei ist Kanada. Seit in dem Land Cannabis f\u00fcr den medizinischen Gebrauch legalisiert wurde, ist dort eine ganz neue Branche entstanden, die nach Deutschland expandieren will.<\/p>\n<p>So auch Tilray. Das private Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern hat seit Jahren Erfahrung mit dem Anbau von Cannabis gesammelt. \u201eWir liefern seit 2014 an \u00fcber 20.000 Patienten weltweit und haben 30 Millionen Dollar in unseren Produktionsprozess investiert, der bis zur Trocknung der Bl\u00fcten europ\u00e4ische Standards deutlich \u00fcbertrifft\u201c, sagt Deutschland-Chefin Luther. In einen weiteren Anbau in Deutschland zu investieren, bringe das Unternehmen nicht voran. Deshalb hat sich Tilray gegen die Teilnahme an der Ausschreibung in Deutschland entschieden.<\/p>\n<p>Was Tilray in Deutschland allerdings sehr wohl voranbringen kann, ist das gro\u00dfe Wissen \u00fcber sogenannte Phytopharmaka, also Arzneimittel pflanzlichen Ursprungs, das es hier bei Forschungseinrichtungen und bei vielen spezialisierten Herstellern gebe, so die Managerin. Deswegen will das Unternehmen \u00fcber Kooperationen mit Universit\u00e4ten die Forschung zu Cannabis vorantreiben und \u00fcber Kooperationen mit Anbietern eines Tages Cannabis-Fertigarzneimittel entwickeln. \u201eKonkrete Gespr\u00e4che gibt es dazu aber noch nicht\u201c, sagt Luther.<\/p>\n<h3>Dreistellige Millionenums\u00e4tze sind m\u00f6glich<\/h3>\n<p>Auch der Naturarzneihersteller Bionorica, der das Cannabis-Medikament Dronabinol vertreibt, hat sich gegen eine Beteiligung an der Ausschreibung entschieden. Allerdings sind die Gr\u00fcnde etwas anders gelagert als bei Tilray. Denn Bionorica hat viel Geld in den Produktionsprozess seines Medikaments, dass aus dem Extrakt der Hanfpflanze hergestellt wird, investiert. Cannabisbl\u00fcten anbauen und vertreiben will das Unternehmen nicht. \u201eDie Verschreibung von Cannabisbl\u00fcten lehnen wir ausdr\u00fccklich ab, da deren Dosierung f\u00fcr den Patienten nicht reproduzierbar m\u00f6glich und f\u00fcr den Arzt nicht steuerbar ist\u201c, hei\u00dft es bei Bionorica.<\/p>\n<p>Auch dass die Cannabisagentur die Preise f\u00fcr die Cannabis-Abgabe festsetzen wird, spielt eine wichtige Rolle. Bionorica hat zwar grunds\u00e4tzlich ein Interesse daran, in Deutschland Medizinalhanf f\u00fcr den eigenen Herstellungsbedarf von Dronabinol anzubauen. \u201eDiese M\u00f6glichkeit sehen wir jedoch bei der Ausgestaltung der aktuellen Ausschreibung f\u00fcr eine Anbaulizenz nicht\u201c, schreibt das Unternehmen. Den ben\u00f6tigten Hanf f\u00fcr seine Produktion bezieht das Unternehmen bisher aus \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Wer sich an der laufenden Ausschreibung der Cannabis-Agentur beteiligt hat, gibt das BfArM nicht bekannt. Die niederl\u00e4ndische Bedrocan beispielsweise hatte dem Handelsblatt im Vorfeld der Ausschreibung Interesse signalisiert. Aber auch kanadische Unternehmen wie Tweed Marihuana aus Kanada kommen in Frage. Nachdem die erste Phase der Beantragung einer Teilnahme abgelaufen ist, m\u00fcssen jetzt erst einmal bis zum Ende des Monats die Antr\u00e4ge mit den entsprechenden Eignungsnachweisen eingereicht werden. Schlie\u00dflich geht es bei Cannabis immer noch um ein Bet\u00e4ubungsmittel.<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ft mit Cannabis k\u00f6nnte perspektivisch durchaus dreistellige Millionenums\u00e4tze erreichen. Das BfArM kalkuliert f\u00fcr 1000 Patienten mit insgesamt 365 Kilogramm Bl\u00fcten pro Jahr, was zu Apothekenpreisen aktuell etwa sieben Millionen Euro entspricht. 2021 und 2022 sollen in Deutschland im staatlichen Auftrag bereits j\u00e4hrlich 2000 Kilogramm Cannabis geerntet werden. Allerdings ist noch unklar, wie sich der Bedarf tats\u00e4chlich entwickeln wird.<\/p>\n<p>Dass Deutschland mit der Legalisierung von Cannabis zu therapeutischen Zwecken ein attraktiver Markt geworden ist, zeigen auch j\u00fcngste \u00dcbernahmeaktivit\u00e4ten. So erwarb der b\u00f6rsennotierte kanadische Hersteller Aurora Cannabis Ende Mai den deutschen Cannabis-Importeur und Gro\u00dfh\u00e4ndler Pedanios aus Berlin. Das erst 2015 gestartete Unternehmen hat sich mit dem Verkauf seiner Produkte an 750 Apotheken bereits zu einem wichtigen Anbieter im Markt vorgearbeitet. Der Risikoinvestor Think Health konnte nach eigenen Angaben mit dem Kaufpreis von 15,7 Millionen Euro f\u00fcr seine Investoren mehr als das F\u00fcnffache des eingesetzten Kapitals herausholen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland sucht Firmen, die Cannabis anbauen \u2013 aber zwei bedeutende Spieler auf dem Weltmarkt machen nicht mit: Der kanadische Hanfhersteller Tilray und die Naturarzneifirma Bionorica haben sich nicht an dem laufenden Verfahren der k\u00fcrzlich gegr\u00fcndeten Cannabis-Agentur beteiligt. \u201eWir haben uns entschieden, uns nicht auf die Ausschreibung zum Anbau von Medizinal-Cannabis in Deutschland zu bewerben\u201c, sagt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12282,12275],"supplier":[13467,6359,5611,5612,527,13468,13466,10211],"class_list":["post-43607","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-arzneimittel","tag-biopharmazeutika","supplier-aurora-cannabis","supplier-bedrocan-bv","supplier-bionorica","supplier-bundesinstitut-fur-arzneimittel-und-medizinprodukte-bfarm","supplier-handelsblatt","supplier-think-health","supplier-tilray","supplier-tweed-marijuana-inc"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43607"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43607\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43607"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=43607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}