{"id":43510,"date":"2017-06-14T07:26:04","date_gmt":"2017-06-14T05:26:04","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=43510"},"modified":"2017-06-12T16:18:08","modified_gmt":"2017-06-12T14:18:08","slug":"ein-neuer-ansatz-zur-bekaempfung-von-angstzustaenden-schmerzen-und-entzuendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ein-neuer-ansatz-zur-bekaempfung-von-angstzustaenden-schmerzen-und-entzuendungen\/","title":{"rendered":"Ein neuer Ansatz zur Bek\u00e4mpfung von Angstzust\u00e4nden, Schmerzen und Entz\u00fcndungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>K\u00f6rpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide) spielen eine wichtige Rolle im Gehirn und Immunsystem. Berner Forschende des <a href=\"http:\/\/www.nccr-transcure.ch\/\" target=\"_blank\">Nationalen Forschungsschwerpunktes (NFS) \u00abTransCure\u00bb<\/a> haben nun einen neuen Weg gefunden, um das Endocannabinoid-System zu beeinflussen. Im Tiermodell konnten entz\u00fcndungshemmende, schmerzstillende wie auch angstl\u00f6sende Effekte erzielt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Endocannabinoide sind fetts\u00e4ure\u00e4hnliche Substanzen, die vom K\u00f6rper produziert werden. Sie aktivieren spezifische Cannabinoid-Rezeptoren und k\u00f6nnen unter anderem entz\u00fcndungshemmend oder schmerzstillend wirken. \u00c4hnliche therapeutische Effekte zeigen Cannabis oder Tetrahydrocannabinol (THC) in der klinischen Anwendung \u2013 sie sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet. Die k\u00f6rpereigenen Cannabinoide hingegen werden dann in den Zellen produziert, wenn der K\u00f6rper sie braucht, und k\u00f6nnen somit nicht \u00fcberdosiert werden.<\/p>\n<p>Das Endocannabinoid-System gilt als vielversprechend, um neue Therapiem\u00f6glichkeiten zu entwickeln, etwa bei Erkrankungen des Nervensystems. Seit Jahren untersucht das Forschungsteam um J\u00fcrg Gertsch vom <a href=\"http:\/\/www.ibmm.unibe.ch\/index_ger.html\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Biochemie und Molekulare Medizin<\/a> der Universit\u00e4t Bern im Rahmen des vom SNF finanzierten Forschungsschwerpunktes \u00abTransCure\u00bb die M\u00f6glichkeit, Endocannabinoide im Gehirn selektiv zu aktivieren, um neuropsychiatrische Erkrankungen \u2013 zum Beispiel Angstzust\u00e4nde \u2013 zu behandeln. In Zusammenarbeit mit einem internationalen Forschungsteam ist es der Berner Forschungsgruppe um Gertsch nun gelungen, erstmals im Gehirn von M\u00e4usen mittels neuartiger Inhibitoren (Hemmstoffe) den Transportweg von Endocannabinoiden zu blockieren. Dies f\u00fchrte zu positiven Effekten auf das Stressverhalten und Immunsystem der M\u00e4use. Sowohl entz\u00fcndungshemmende, schmerzstillende wie auch angstl\u00f6sende Effekte wurden beobachtet.<\/p>\n<p>Obwohl seit Jahren vermutet wurde, dass es in Nervenzellen und Immunzellen ein Endocannabinoid-Transportsystem gibt, konnte dies nun erstmals wissenschaftlich nachgewiesen werden. \u00abIch bin \u00fcberzeugt, dass neben der Verabreichung von k\u00f6rperfremdem Cannabinoiden k\u00fcnftig f\u00fcr therapeutische Zwecke auch das Endocannabinoid-System gezielt aktiviert werden kann\u00bb, sagt Gertsch. Die Studie wurde im Journal \u00abProceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)\u00bb publiziert.<\/p>\n<h3>Transport blockiert<\/h3>\n<p>In Zusammenarbeit mit Chemikerinnen und Chemikern der ETH Z\u00fcrich (Forschungsgruppe Prof. Karl-Heinz Altmann) und der Industrie wurden hunderte von Endocannabinoid-Transportinhibitoren k\u00fcnstlich hergestellt, um ideale pharmakologische Eigenschaften zu entwickeln. Die Forschenden liessen sich f\u00fcr diese Inhibitoren durch einen Naturstoff aus dem Sonnenhut (Echinacea purpurea) inspirieren, einer Medizinalpflanze die h\u00e4ufig bei Erk\u00e4ltungen angewendet wird und teilweise \u00fcber das Endocannabinoid-System wirkt. Die neu entwickelten Inhibitoren blockieren die Aufnahme der Endocannabinoide durch die Membran von Zellen. Dadurch werden Cannabinoid-Rezeptoren auf Nerven- und Immunzellen aktiviert, was bei Stress- und Entz\u00fcndungserkrankungen zu einer \u00abBremse\u00bb im Gehirn und im Immunsystem f\u00fchrt und das physiologische Gleichgewicht wiederherstellt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_43511\" aria-describedby=\"caption-attachment-43511\" style=\"width: 549px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-43511\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger-1024x686.jpg\" alt=\"NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger\" width=\"549\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/06\/NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/06\/NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger-300x201.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/06\/NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger-600x402.jpg 600w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2017\/06\/NeuronenimGehirnGruppeGertsch_UNIBE_ger.jpg 1222w\" sizes=\"auto, (max-width: 549px) 100vw, 549px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-43511\" class=\"wp-caption-text\">Ein Teil der Gehirnstruktur Hippocampus mit fluoreszierendem Endocannabinoid-System in Nervenzellen \u00a9IBMM Universit\u00e4t Bern<\/figcaption><\/figure>\n<h3>\u00a0Neue Perspektive f\u00fcr die Arzneimittelforschung<\/h3>\n<p>Andrea Chicca, Erstautor der Studie aus der Gruppe von Prof. Gertsch, ist zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren der molekulare Mechanismus des Endocannabinoid-Transporters entschl\u00fcsselt werden kann: \u00abDer Entwicklung neuer Medikamente steht dann nichts mehr im Weg\u00bb. Dank der neuen Erkenntnisse aus der Studie k\u00f6nnen bereits jetzt Stoffe entwickelt werden, die sich von bisherigen Arzneimitteln unterscheiden und gezielt die k\u00f6rpereigenen Cannabinoide im Gehirn aktivieren. Ein grosses Potenzial sehen die Forschenden im Bereich von stressbedingten Erkrankungen, weil Endocannabinoide wichtige Stresshormone regulieren und das Gleichgewicht im Gehirn wiederherstellen.<\/p>\n<h3><em>Angaben zur Publikation:<\/em><\/h3>\n<p><em>Andrea Chicca et al.: Chemical probes to potently and selectively inhibit endocannabinoid cellular reuptake, PNAS, 05. Juni 2017, in press<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakt<\/h3>\n<p>Prof. Dr. J\u00fcrg Gertsch<br \/>\nInstitut f\u00fcr Biochemie und Molekulare Medizin der Universit\u00e4t Bern \/ NFS \u00abTransCure\u00bb<br \/>\nTel.: +41 31 631 41 24<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:gertsch@ibmm.unibe.ch\" target=\"_blank\">gertsch@ibmm.unibe.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide) spielen eine wichtige Rolle im Gehirn und Immunsystem. Berner Forschende des Nationalen Forschungsschwerpunktes (NFS) \u00abTransCure\u00bb haben nun einen neuen Weg gefunden, um das Endocannabinoid-System zu beeinflussen. Im Tiermodell konnten entz\u00fcndungshemmende, schmerzstillende wie auch angstl\u00f6sende Effekte erzielt werden. Endocannabinoide sind fetts\u00e4ure\u00e4hnliche Substanzen, die vom K\u00f6rper produziert werden. 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