{"id":43323,"date":"2017-06-02T07:26:45","date_gmt":"2017-06-02T05:26:45","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=43323"},"modified":"2017-05-31T14:34:19","modified_gmt":"2017-05-31T12:34:19","slug":"naturfasergefuellte-kunststoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/naturfasergefuellte-kunststoffe\/","title":{"rendered":"Naturfasergef\u00fcllte Kunststoffe"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKaum jemand ist bereit bei Kunststoffen f\u00fcr \u201abio\u2018 mehr Geld auszugeben\u201c, sagte Sebastian Meyer, Leiter Forschung und Entwicklung der Golden Compound, w\u00e4hrend des Branchentreffs am 18. Mai 2017 in L\u00fcdenscheid bei seinem Vortrag \u00fcber die \u201eSunflower-Power\u201c. Auch wenn er in der Riege der externen Vortragenden auftrat, ist er am Kunststoff-Institut L\u00fcdenscheid kein Fremder, war er dort doch bis 2014 vier Jahre als Projektingenieur t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Die nach Meyers Angaben wachsende Nachfrage nach F\u00fcllstoffen aus der Natur habe damit zu tun, dass sie auch in ihren Eigenschaften Vorteile bieten k\u00f6nnen. So lie\u00df sich bei der Produktion von Distanzst\u00fccken aus PE-HD f\u00fcr die Fenstermontage die Entformung durch die F\u00fcllung mit einem aus Sonnenblumenkernschalen hergestellten Mehl derart verk\u00fcrzen, dass eine Reduktion der Zykluszeit bis zur H\u00e4lfte m\u00f6glich war. Das Material lasse sich auf konventionellen Kunststoffmaschinen verarbeiten und besitze auch eine geringere Dichte als mineralische F\u00fcllstoffe wie Talkum.<\/p>\n<p>Die Golden Compound GmbH vertreibt mit derzeit 12 Mitarbeitern naturfasergef\u00fcllte Compounds und ist in Ladbergen am Flughafen M\u00fcnster\/Osnabr\u00fcck in einer eigenen Produktionshalle angesiedelt und hat nach Meyers Worten ehrgeizige Ziele: Erst bis 2018 die Verf\u00fcnffachung der Produktionsmenge von derzeit 2500 t\/a auf 12500 t\/a und in der Folge eine \u201eglobale Expansion\u201c. Dabei richtet sich der Blick in Richtung Osteuropa, da gro\u00dfe Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Sonnenblumenkerne nicht etwa in Mitteleuropa zu finden sind, sondern beispielsweise in der Ukraine, Bulgarien und Ungarn.<\/p>\n<p>Relativ einfache Anlagentechnik<\/p>\n<p>Von den Schalen der Sonnenblumenkerne f\u00fchrt der Weg in recht einfachen Verfahrensschritten zum F\u00fcllstoff: Trocknen, Mahlen, Sieben. Dabei werden die unbehandelten Schalen bei Golden Compound in einer Langspaltm\u00fchle zu Mehl aufgemahlen, je nach Bedarf in unterschiedlichen Mahlgraden zwischen meist 200 und 500 \u00b5m Korngr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Durch das Mahlen auf Korngr\u00f6\u00dfen weit unter 1 mm liegen im Schalenmehl der Sonnenblumenkerne im Gegensatz zu anderen Naturfasern, wie etwa beim Hanf, keine langen Fasern mehr vor. Per Saugf\u00f6rderung gelangt es zur Weiterverarbeitung in einen Doppelschneckenextruder, damit es bei niedrigen Temperaturen mit hohen Drehmomenten verarbeitet werden kann.<\/p>\n<p>Sch\u00e4umeffekt frei Haus<\/p>\n<p>Durch den Einsatz des F\u00fcllstoffs ver\u00e4ndert sich nach Aussagen von Meyer die Haptik der Produkte: Sie haben eine etwas weichere Anmutung und wirken optisch stumpfer, was einem aktuellen Designtrend etwa bei B\u00fcrom\u00f6beln oder Kleiderb\u00fcgeln entgegenkomme.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit ist der intrinsische Sch\u00e4umeffekt, der ebenfalls neue M\u00e4rkte erschlie\u00dfe. Er geht darauf zur\u00fcck, dass Sonnenblumenkernschalen sich unter dem Einfluss der Scherw\u00e4rme bei ca. 240\u2013250 \u00b0C zersetzen und dabei Gase entstehen. Dabei findet der Schaumprozess nur unterhalb der erstarrten Randschicht statt und bewirke eine Dichtereduktion von bis zu etwa 10% am Bauteil \u2013 bei Bedarf vielleicht noch mehr.<br \/>\nDichte reduzieren, Schlagz\u00e4higkeit erh\u00f6hen<\/p>\n<p>Im Vergleich mit ungef\u00fcllten Polymeren berichtete Meyer von einer Reduktion der Verarbeitungstemperatur um bis zu 35%, einer erh\u00f6hten Festigkeit und Steifigkeit sowie erh\u00f6hter W\u00e4rmeformbest\u00e4ndigkeit. Zudem w\u00fcrden sich insbesondere bei dickwandigen Teilen keine Einfallstellen bilden. Des Weiteren lasse sich gegen\u00fcber mineralisch gef\u00fcllten Polymeren die Dichte um bis zu 10% reduzieren und die Schlagz\u00e4higkeit sei erh\u00f6ht. Gegen\u00fcber anderen Naturfasern und F\u00fcllstoffen f\u00fchrt Meyer einen hohen Schmelzindex und vor allem die gute Verarbeitbarkeit ins Feld.<\/p>\n<p>Eine der realisierten Anwendungen ist ein von W\u00fcrth f\u00fcr den Eigenbedarf produzierter PP-Beh\u00e4lter mit ABS-Eingriffklappe, die sich von vorn \u00f6ffnen l\u00e4sst, selbst wenn die Beh\u00e4lter aufeinandergestapelt sind. Au\u00dfer dass durch den Bio-F\u00fcllstoff keine Mehrkosten entstehen sollten sei die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung in der Entwicklung gewesen, die Schlagz\u00e4higkeit unter Beachtung der Norm einzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKaum jemand ist bereit bei Kunststoffen f\u00fcr \u201abio\u2018 mehr Geld auszugeben\u201c, sagte Sebastian Meyer, Leiter Forschung und Entwicklung der Golden Compound, w\u00e4hrend des Branchentreffs am 18. Mai 2017 in L\u00fcdenscheid bei seinem Vortrag \u00fcber die \u201eSunflower-Power\u201c. 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