{"id":43020,"date":"2017-05-22T07:20:26","date_gmt":"2017-05-22T05:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=43020"},"modified":"2017-05-19T11:51:35","modified_gmt":"2017-05-19T09:51:35","slug":"biokunststoffe-problemloeser-fuer-verpackungsmuell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokunststoffe-problemloeser-fuer-verpackungsmuell\/","title":{"rendered":"Biokunststoffe \u2013 Probleml\u00f6ser f\u00fcr Verpackungsm\u00fcll?"},"content":{"rendered":"<p>St\u00e4rke, Zuckerr\u00fcben oder Mais \u2013 auf diesen Materialien ruhen die Hoffnungen der Umweltsch\u00fctzer, die eine Verpackung \u00f6kologisch gestalten wollen. Aus technologischer Sicht stehen Biokunststoffe herk\u00f6mmlichen Materialien kaum in etwas nach. Ob Verpackungen aus Biokunststoffen jedoch wirklich die \u00f6kologisch bessere Alternative darstellen, l\u00e4sst sich nicht eindeutig beantworten.<\/p>\n<p>Obwohl Biokunststoffe in der Vergangenheit einige Marktanteile dazu gewonnen haben, liegt der Anteil an den Gesamtkunststoffen immer noch unter 1\u2009%. In 2014 wurde die weltweite Produktionskapazit\u00e4t auf 1,7 Mio. t gesch\u00e4tzt, bis 2019 erwartet Bioplastics Europe eine Vervierfachung auf 7,8 Mio. t. \u201eDer Markt f\u00fcr Biokunststoffe wird trotz der niedrigen \u00d6lpreise mittelfristig um 50\u2009% wachsen\u201c, ist Fran\u00e7ois de Bie, Vorstandsvorsitzender von European Bioplastics, \u00fcberzeugt. Verpackungen bleiben dabei das f\u00fchrende Anwendungsgebiet f\u00fcr Biokunststoffe mit rund 40\u2009% (1,6 Mio. t) Anteil am gesamten Biokunststoffmarkt im Jahr 2016.<\/p>\n<p>Zu den g\u00e4ngigsten Beispielen f\u00fcr Verpackungen aus Biokunststoffen geh\u00f6ren Verpackungschips, die auf Basis von St\u00e4rke hergestellt werden, oder Tragetaschen und T\u00fcten. Neben den flexiblen Verpackungen gibt es inzwischen biologische Alternativen f\u00fcr starre Biokunststoffe, etwa f\u00fcr die Verpackung von Cremes und Lippenstiften. Weiter ist die Getr\u00e4nkeindustrie ein wichtiger Abnehmer f\u00fcr Biokunststoffe.<\/p>\n<p>Verwendete Kunststoffarten<\/p>\n<p>Bereits die Definition von Biokunststoffen gestaltet sich schwierig, da der Begriff gesetzlich nicht gesch\u00fctzt ist. Mittlerweile hat sich die Unterscheidung in Produkte, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, Produkte, die biologisch abbaubar sind und Produkte, die beide Eigenschaften vereinen, etabliert. Zu den am h\u00e4ufigsten verwendeten thermoplastischen Biokunststoffen geh\u00f6rt neben St\u00e4rke PLA (Polyactid) und PHB (Polyhydroxybutters\u00e4ure).<\/p>\n<p>PLA basiert vorwiegend auf Mais und eignet sich vor allem f\u00fcr kurzlebige Verpackungsfolien oder Tiefziehprodukte (zum Beispiel Getr\u00e4nke- oder Joghurtbecher, Obst-, Gem\u00fcse- und Fleischschalen). PHB ist ein aus erneuerbaren Rohstoffen fermentativ herstellbarer Polyester mit Eigenschaften \u00e4hnlich denen des petrochemisch erzeugten Kunststoffs Polypropylen. Bio-PET (das h\u00e4ufig f\u00fcr Flaschen eingesetzt wird) ist chemisch identisch mit herk\u00f6mmlichem PET, basiert allerdings nicht auf einem petrochemischen, sondern auf nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Zuckerrohr. Sein gro\u00dfer Vorteil ist, dass die Anlagen f\u00fcr die Herstellung von zum Beispiel Flaschen lediglich justiert werden m\u00fcssen. \u00dcberhaupt verhalten sich Biokunststoffe bei der Verarbeitung \u00e4hnlich wie herk\u00f6mmliche Kunststoffe, sodass der Einsatz von Blasfolienanlagen und Extrudern ebenso m\u00f6glich ist wie die Thermoverformung und das Tiefziehen.<\/p>\n<p>Kein eindeutiger Sieger bei der \u00d6kobilanz<\/p>\n<p>Biokunststoffe durchlaufen bei der Verarbeitung (zum Beispiel eine Polymerisation) \u00e4hnliche Schritte, wie ihre Kollegen auf Erd\u00f6lbasis. Ihr Vorteil liegt in der schnelleren biologischen Abbaubarkeit, die zwischen acht und zehn Wochen liegt \u2013 je nach Temperaturen und Umgebungsbedingungen. Allerdings, so einige Kritiker: Liegen diese optimalen Bedingungen nicht vor, kann diese Zeit auch erheblich \u00fcberschritten werden. So ben\u00f6tigt PLA zum Beispiel hohe Temperaturen zum Zerfall, wie sie in industriellen Kompostieranlagen eingesetzt werden. Dagegen k\u00f6nnen Verpackungen aus thermoplastischer St\u00e4rke im Hauskompost entsorgt werden.<\/p>\n<p>\u00d6kobilanz nicht aussagekr\u00e4ftig<\/p>\n<p>Eine Untersuchung des Bundesumweltamtes aus dem Jahr 2012 f\u00e4llt daher kein eindeutiges Votum, wenn es um die \u00f6kologische Bilanz geht, sondern betont die Vielschichtigkeit einer solchen Bewertung. Demnach zeigen Biokunststoffverpackungen in der \u00d6kobilanz h\u00e4ufig bessere Ergebnisse hinsichtlich der Treibhausgasemissionen und des fossilen Ressourcenverbrauchs, sind jedoch gesamt\u00f6kologisch in aller Regel nicht vorteilhafter als entsprechende Verpackungen aus fossilen Kunststoffen. Im \u00dcbrigen ist die biologische Abbaubarkeit kein Alleinstellungsmerkmal der Biokunststoffe. So brachte die BASF mit Ecoflex vor \u00fcber 25 Jahren den ersten bioabbaubaren und kompostierbaren Kunststoff der BASF auf fossiler Basis heraus, der sich ebenfalls vollst\u00e4ndig kompostieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Ist Recycling die bessere Alternative?<\/p>\n<p>Generell werden heute schon fast alle Haushaltsverpackungen verwertet, davon mit 56\u2009% mehr als die H\u00e4lfte werkstofflich (vor rund 20 Jahren waren dies nur 3\u2009%). Bei PET-Flaschen sieht die Quote deutlich besser aus, hier werden 98\u2009% werkstofflich aufbereitet und in den Stoffkreislauf zur\u00fcckgef\u00fchrt, sodass heute jede Flasche schon zu rund 25\u2009% aus Regranulaten besteht. PET- und Bio-PET-Flaschen k\u00f6nnen im \u00dcbrigen problemlos zusammen recycelt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Plastikt\u00fcten k\u00f6nnen Biokunststoffe ebenfalls unproblematisch eingesetzt werden. Im landwirtschaftlichen Bereich sind Bio-Kunststoffverpackungen bereits etabliert.<\/p>\n<p>Dennoch soll f\u00fcr Biokunststoffe das Recycling weiter etabliert werden. W\u00e4hrend biobasierte, aber nicht bioabbaubare Kunststoffe wie Bio-PE und Bio-PET mit dem \u201enormalen\u201c Plastikm\u00fcll recycelt werden k\u00f6nnen, enden gr\u00fcne Kunststoffe vielfach in der M\u00fcllverbrennung oder auf dem Kompost. Effektive Methoden zur Wiederaufbereitung der Materialien sind daher von gro\u00dfem Interesse. Erste Ans\u00e4tze zur Etablierung eines geschlossenen Materialkreislaufs werden mittlerweile angeboten, f\u00fcr entsprechende Sortier- und Verwertungsanlagen gibt es einige Pilotprojekte.<\/p>\n<p>Fazit und Ausblick<\/p>\n<p>Von 14 Mio. t Verpackungen, die j\u00e4hrlich in Deutschland hergestellt werden, bestehen fast 40% aus Kunststoff. Rund 1,8 Mio. t hiervon entfallen auf kurzlebige oder nur einmal gebr\u00e4uchliche Kunststoffverpackungen, wie Folien, Beutel, Tragetaschen, S\u00e4cke oder Einwegbesteck und -geschirr. Diese Verpackungen k\u00f6nnten problemlos auch aus St\u00e4rkekunststoffen und Polylactiden gefertigt werden.<\/p>\n<p>Sowohl in Deutschland als auch europaweit k\u00f6nnte etwa die H\u00e4lfte der 6 Mio. t \u201eWegwerfverpackungen\u201c durch Biokunststoffe ersetzt werden. Aufgrund der starken Wettbewerbsstrukturen auf dem Kunststoffmarkt k\u00f6nnen Biokunststoffe allerdings noch nicht mit dem branchen\u00fcblichen Preisniveau mithalten. Dennoch soll sich der positive Wachstumstrend fortsetzen, so die neueste Erhebung von European Bioplastics: Die weltweiten Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Biokunststoffe werden in den kommenden Jahren weiter von rund 4,2 Mio. t im Jahr 2016 auf etwa 6,1 Mio. t bis 2021 ansteigen. Dabei liegt das Argument der Bef\u00fcrworter l\u00e4ngst nicht mehr allein auf der schnellen Kompostierbarkeit, vielmehr wird mittlerweile mit der Langlebigkeit und den besseren technischen Eigenschaften geworben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzendes zum Thema<br \/>\nPEF \u2013 Biokunststoff der Zukunft<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Hoffnungen setzen Hersteller auf PEF (Polyethylenfuranoat), das zu 100\u2009% aus pflanzlichen Rohstoffen (etwa aus nicht verwertbaren Gem\u00fcseabf\u00e4llen) produziert wird und von seinen Eigenschaften vergleichbar mit PET ist. Gegen\u00fcber konventionellen Kunststoffen zeichnet er sich durch eine erh\u00f6hte Dichtigkeit gegen Kohlendioxid und Sauerstoff aus und sorgt so f\u00fcr eine l\u00e4ngere Haltbarkeit der verpackten Produkte. Ein weiterer Vorteil des neuen Materials ist die h\u00f6here mechanische Belastbarkeit. Verpackungen k\u00f6nnen d\u00fcnnwandiger produziert und so Verpackungsgewicht sowie Verpackungsmaterial reduziert werden. Hersteller ist die Entwicklungsplattform des niederl\u00e4ndischen Unternehmens Avantium. K\u00fcrzlich k\u00fcndigte die BASF die Gr\u00fcndung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Avantium zur Herstellung und Vermarktung von Furandicarbons\u00e4ure (FDCS), einem Ausgangsstoff von PEF, und den Bau einer Referenzanlage mit einer Kapazit\u00e4t von bis zu 50.000 Jahrestonnen am BASF-Verbundstandort Antwerpen in Belgien an. PEF eignet sich f\u00fcr Folienbeutel und Flaschen, aber auch f\u00fcr Verpackungen f\u00fcr K\u00f6rperpflegeprodukte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4rke, Zuckerr\u00fcben oder Mais \u2013 auf diesen Materialien ruhen die Hoffnungen der Umweltsch\u00fctzer, die eine Verpackung \u00f6kologisch gestalten wollen. Aus technologischer Sicht stehen Biokunststoffe herk\u00f6mmlichen Materialien kaum in etwas nach. 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