{"id":41616,"date":"2017-03-28T07:20:26","date_gmt":"2017-03-28T05:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=41616"},"modified":"2017-03-26T10:46:49","modified_gmt":"2017-03-26T08:46:49","slug":"energie-aus-der-toilette-abwasser-als-wertvolle-ressource","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/energie-aus-der-toilette-abwasser-als-wertvolle-ressource\/","title":{"rendered":"Energie aus der Toilette &#8211; Abwasser als wertvolle Ressource"},"content":{"rendered":"<p><strong>Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein \u2013 zu Unrecht! Waschwasser ist durchschnittlich 30 Grad warm. Aus Toilettenwasser k\u00f6nnten nicht nur Biogas und D\u00fcnger sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die ungenutzt den Bach runtergehen. Schlimmer: An Durchfallerkrankungen durch falschen Umgang mit Abwasser sterben j\u00e4hrlich \u00fcber zwei Millionen Menschen. Wie diesen Missst\u00e4nden begegnet werden kann, daran forschen die Experten der \u201eWasser-Energie-Gruppe&#8221; am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT).<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_41617\" aria-describedby=\"caption-attachment-41617\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-41617 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/2017_036_Energie_aus_der_Toilette_72dpi-300x169.jpg\" alt=\"2017_036_Energie_aus_der_Toilette_72dpi\" width=\"300\" height=\"169\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41617\" class=\"wp-caption-text\">Vorsicht, kein Trinkwasser. Lediglich 0,3 Prozent des Wassers auf der Erdoberfl\u00e4che eignet sich als Trinkwasser. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT forschen an M\u00f6glichkeiten, den Umgang mit Abwasser zu verbessern Foto: KIT<\/figcaption><\/figure>\n<p>Obwohl etwa 72 Prozent der Erdoberfl\u00e4che mit Wasser bedeckt sind, eignet sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser. \u201eAngesichts dessen ist Abwasser kein Abfall. Es enth\u00e4lt thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzenn\u00e4hrstoffe. Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, diese Ressourcen zu nutzen&#8221;, sagt Helmut Lehn vom <a href=\"https:\/\/www.itas.kit.edu\/\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung und Systemanalyse (ITAS)<\/a>. Die Abw\u00e4rme h\u00e4uslichen Abwassers k\u00f6nne zum Beispiel mittels W\u00e4rmetauschern in Kanalrohren verwertet werden. \u201eNoch effektiver ist es, das warme Abwasser aus Waschmaschine und Bad direkt im Haus zu nutzen, um etwa frisches Wasser zum Duschen vorzuw\u00e4rmen&#8221;, erg\u00e4nzt Witold Poganietz, der gemeinsam mit Lehn die Forschungsgruppe leitet. Eine solche Anlage sei in einem Berliner Wohnblock bereits in Betrieb.<\/p>\n<p>Eine Grundvoraussetzung, um die Ressource Abwasser intelligent auszusch\u00f6pfen, sei die Trennung der Abwasserstr\u00f6me aus Toilette (Schwarzwasser) und Bad sowie K\u00fcche (Grauwasser), erl\u00e4utert Lehn. W\u00fcrden Exkremente separat und unverd\u00fcnnt abtransportiert \u2013 zum Beispiel durch Vakuumtoiletten wie im Flugzeug oder ICE \u2013 lie\u00dfen sich aus einem Liter Abwasser drei Liter Biogas gewinnen. \u201eDurch die Zugabe von Biom\u00fcll k\u00f6nnte die Energieausbeute sogar noch gesteigert und die Biotonne im Haushalt eingespart werden&#8221;, sagt Lehn. Dar\u00fcber hinaus sei \u201eUrin ein idealer Pflanzend\u00fcnger. Denn es enth\u00e4lt Stickstoff, Kalium und Phosphor.&#8221; Da Letzteres als nicht-erneuerbare Ressource gilt, die im \u00dcbrigen vermutlich noch vor Kohle und Erd\u00f6l zur Neige gehe, werde intensiv daran geforscht, es aus kommunalem Abwasser und Kl\u00e4rschlamm zur\u00fcckzugewinnen. So lie\u00dfe sich auch die Nachfrage nach Kunstd\u00fcnger, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, vermindern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei bestehender Infrastruktur die gemischten Abw\u00e4sser wohl weiterhin aufwendig gereinigt werden m\u00fcssten, biete sich die Trennung der Abwasserstr\u00f6me bei Neubaugebieten an, meint Franka Steiner vom ITAS. Gleiches gelte f\u00fcr die immer weiter wachsenden Ballungsr\u00e4ume in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern. \u201eDenn hier gibt es oft \u00fcberhaupt noch keine Sanit\u00e4rsysteme&#8221;, sagt die Geo\u00f6kologin, die wie Lehn weltweit unterwegs ist, um Akteure wie Stadtverwaltungen bei der Planung von Abwassersystemen zu beraten. Ein Trennsystem, das sowohl Energie als auch N\u00e4hrstoffe aus dem Abwasser mehrerer tausend Einwohner gewinnt, erprobe zur Zeit die Stadt Hamburg in einem Konversionsgebiet. Ein Projekt, das die ITAS-Forscher mit gro\u00dfem Interesse verfolgen.<\/p>\n<h3>UN-Weltwassertag erinnert an Millionen Tote durch falschen Umgang mit Schmutzwasser<\/h3>\n<p>Um auf die weltweite Abwasserproblematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den allj\u00e4hrlichen \u201eUnited Nations World Water Day&#8221; (\u201eTag des Wassers&#8221;), der seit 1993 immer am 22. M\u00e4rz begangen wird, diesmal unter das Motto \u201eWastewater&#8221; also Abwasser gestellt. Mit gutem Grund: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verursachen Durchfallerkrankungen, die mit dem unsachgem\u00e4\u00dfen Umgang mit Abwasser in Verbindung gebracht werden, vier Prozent aller Todesf\u00e4lle weltweit \u2013 Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Viele der \u00fcber zwei Millionen Opfer pro Jahr seien Kinder, die in Entwicklungsl\u00e4ndern leben, sagt Lehn. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 starben rund 440.000 Menschen an Malaria (halb so viele wie 15 Jahre zuvor) und 1,1 Millionen Menschen an AIDS. Einen Grund f\u00fcr den Anstieg der t\u00f6dlichen Durchfallerkrankungen sieht ITAS-Forscher Lehn in der fortschreitenden Urbanisierung mit immer mehr Menschen, die in st\u00e4dtischen Slums eng gedr\u00e4ngt und ohne hygienische Abwasserbehandlung leben.<\/p>\n<h3>ITAS informiert wie B\u00fcrger Abwasser schon heute nutzen k\u00f6nnen<\/h3>\n<p>Aus erster Hand \u00fcber die Nutzungsm\u00f6glichkeiten von Abwasser informieren k\u00f6nnen sich Besucher am Donnerstag, 11. Mai, von 18 bis 21 Uhr, im ITAS-Geb\u00e4ude (Karlstra\u00dfe 11, 76021 Karlsruhe). Es sprechen Experten der \u201eWasser-Energie-Gruppe&#8221; sowie Praktiker der Abwasserwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit. \u201eB\u00fcrger k\u00f6nnen hier selbst eine Einsch\u00e4tzung gewinnen, wie es um unser derzeitiges Abwasserbehandlungssystem bestellt ist, welche Nutzungsm\u00f6glichkeiten alternativer Abwassersysteme jedem Einzelnen schon heute offenstehen und welche ein gemeinsames Vorgehen von Hausbesitzern und Kommunen erfordern, sagt Helmut Lehn.<\/p>\n<h3>Zusammenh\u00e4nge zwischen Wasser, Energie und Abfall: ITAS-Planspiel auf der Weltwasserwoche<\/h3>\n<p>Auf der <a href=\"http:\/\/www.worldwaterweek.org\/\" target=\"_blank\">World-Water-Week<\/a> in Stockholm vom 27. August bis 1. September 2017, zu der unter dem Motto \u201eWater and waste \u2013 reduce and reuse&#8221; mehr als 3.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, pr\u00e4sentiert die Wasser-Energie-Gruppe des ITAS ein Planspiel. \u201eDabei sollen techno\u00f6konomische sowie soziokulturelle und \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge zwischen Wasser, Energie und Abfall beleuchtet und Konzepte f\u00fcr unterschiedliche urbane Kontexte entworfen werden&#8221;, sagt Jasmin Friedrich, die zum Thema Wasser-Energie-Nexus forscht.<\/p>\n<h3>KIT bildet Spezialisten im nachhaltigen Umgang mit Wasser aus<\/h3>\n<p>Einen weiteren Beitrag zur L\u00f6sung der weltweiten Wasserprobleme leistet das KIT mit dem Masterstudiengang \u201eWater, Science &amp; Engineering&#8221;. Das KIT bietet hier eine interdisziplin\u00e4re, forschungsorientierte Ausbildung an der Schnittstelle wasserbezogener Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das Studium vermittelt fundierte Fachkenntnisse in wasserbezogenen Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dazu geh\u00f6ren Wassertechnologie und Siedlungswasserwirtschaft, Wasserbau und Hydraulik sowie Umweltsystemwissenschaft und Wasserressourcenmanagement. Der Studiengang ist international ausgerichtet und ein gro\u00dfer Teil des Lehrangebots ist englischsprachig. Absolventinnen und Absolventen qualifizieren sich f\u00fcr eine verantwortungsvolle T\u00e4tigkeit in Planungs- und Ingenieurb\u00fcros, Industrieunternehmen, im \u00d6ffentlichen Dienst, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der Wissenschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber das Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie<\/h3>\n<p>Das Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der gro\u00dfen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. KIT \u2013 Die Forschungsuniversit\u00e4t in der Helmholtz-Gemeinschaft Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein \u2013 zu Unrecht! Waschwasser ist durchschnittlich 30 Grad warm. Aus Toilettenwasser k\u00f6nnten nicht nur Biogas und D\u00fcnger sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die ungenutzt den Bach runtergehen. Schlimmer: An Durchfallerkrankungen durch falschen Umgang mit Abwasser sterben j\u00e4hrlich \u00fcber zwei Millionen Menschen. 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