{"id":41251,"date":"2017-03-16T07:23:35","date_gmt":"2017-03-16T06:23:35","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=41251"},"modified":"2017-03-14T13:27:45","modified_gmt":"2017-03-14T12:27:45","slug":"vorbild-natur-kleben-mit-schneckenschleim-und-zecken-zement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vorbild-natur-kleben-mit-schneckenschleim-und-zecken-zement\/","title":{"rendered":"Vorbild Natur &#8211; Kleben mit Schneckenschleim und Zecken-Zement"},"content":{"rendered":"<p>Den Klettverschluss kennt jeder. Auch Saugn\u00e4pfe sind aus Badezimmern kaum mehr wegzudenken. Die nat\u00fcrlichen Vorbilder daf\u00fcr: die Widerhaken der Gro\u00dfen Klette und die Tentakel von Tintenfischen. Forscher gehen noch einen Schritt weiter: Sie wollen nicht nur mechanische Ph\u00e4nomene aus der Natur \u00fcbernehmen, sondern auch chemische. Auf einer zweit\u00e4gigen Konferenz, die am Montag in Wien begann, tauschten sie sich \u00fcber Ans\u00e4tze f\u00fcr Bio-Klebstoffe aus.<\/p>\n<p>So untersucht der Zoologe Janek von Byern von der Universit\u00e4t Wien seit mehr als zehn Jahren nat\u00fcrliche Klebstoffe. Aktuell forscht er an Sekreten von nordamerikanischen Salamandern, neuseel\u00e4ndischen Insekten und der Weinbergschnecke. Es dauert lange, bis die Wissenschaftler etwa herausfinden, was Schneckenschleim so klebrig macht. Erst danach kann die Arbeit der Biotechnologen beginnen: die nat\u00fcrlichen Klebstoffe in gro\u00dfen Mengen und m\u00f6glichst g\u00fcnstig herzustellen.<\/p>\n<p>&#8220;Wir hangeln uns Schritt f\u00fcr Schritt voran&#8221;, erkl\u00e4rt von Byern. In 15 Jahren, sagt er, werde die Forschung sehr viel mehr \u00fcber die Zusammensetzung von Schneckenschleim und anderen klebenden Sekreten wissen. &#8220;Bio-Klebstoffe gibt es genug. Wir m\u00fcssen sie nur erforschen.&#8221;<\/p>\n<p>Zecken-Zement klebt bereits auf der Haut<\/p>\n<p>Daran arbeitet auch Johannes Suppan von der Universit\u00e4t Wien. Er untersucht seit knapp einem Jahr den sogenannten Zecken-Zement: Denn Zecken stechen nicht nur Tiere und Menschen, um Blut zu saugen, sie fixieren sich zus\u00e4tzlich mit einem klebrigen Speicheldr\u00fcsensekret. So k\u00f6nnen sie tage- und manchmal wochenlang an ihrem Opfer haften. &#8220;Die Anwendung ist f\u00fcr uns sehr interessant&#8221;, erkl\u00e4rt der Zoologe. &#8220;Denn der Zecken-Zement funktioniert bereits auf der Haut.&#8221; So sei es einfacher, das Prinzip auf die medizinische Anwendung zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Medizin, auch die Kosmetik k\u00f6nne von nat\u00fcrlichen Klebstoffen profitieren. Denn in vielen Haarsprays ist Formaldehyd enthalten, erkl\u00e4rt von Byern. &#8220;Das ist hochgradig giftig. Doch viele Verbraucher wissen das nicht.&#8221; Der Wissenschaftler macht der Industrie den Vorwurf, sie interessiere sich zu wenig f\u00fcr biologische Klebstoffe. &#8220;Die wollen es gar nicht besser machen.&#8221;<\/p>\n<p>Bioklebstoffe sind der Industrie zu teuer<\/p>\n<p>Das weist der Industrieverband Klebstoffe zur\u00fcck. Bereits 15 Prozent der eingesetzten Klebstoffe basierten auf nachwachsenden Rohstoffen, erkl\u00e4rt Ansgar van Halteren, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands. Ein gro\u00dfes Problem sei jedoch die Wirtschaftlichkeit: &#8220;Es gibt ganz, ganz viele Ideen, aber sie m\u00fcssen auch f\u00fcr den Markt umsetzbar sein.&#8221;<\/p>\n<p>Daran arbeiten beispielsweise 15 Projekte deutschlandweit, die von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe mit insgesamt 7,7 Millionen Euro gef\u00f6rdert werden. Einige nat\u00fcrliche Klebstoffe finden bereits Verwendung: So k\u00f6nnen \u00c4rzte kleine Risse in der Fruchtblase mit Muschelkleber verschlie\u00dfen. Bis biologische Alternativen jedoch die konventionellen Produkte im Haushalt ersetzen, wird es noch Jahre dauern, sagen die Forscher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Klettverschluss kennt jeder. Auch Saugn\u00e4pfe sind aus Badezimmern kaum mehr wegzudenken. Die nat\u00fcrlichen Vorbilder daf\u00fcr: die Widerhaken der Gro\u00dfen Klette und die Tentakel von Tintenfischen. Forscher gehen noch einen Schritt weiter: Sie wollen nicht nur mechanische Ph\u00e4nomene aus der Natur \u00fcbernehmen, sondern auch chemische. 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