{"id":40964,"date":"2017-03-03T07:32:56","date_gmt":"2017-03-03T06:32:56","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=40964"},"modified":"2017-03-01T13:01:25","modified_gmt":"2017-03-01T12:01:25","slug":"textilfasern-mit-insektenchitin-staerken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/textilfasern-mit-insektenchitin-staerken\/","title":{"rendered":"Textilfasern mit Insektenchitin st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Insekten, W\u00fcrmer oder Krabben sind in vielen L\u00e4ndern l\u00e4ngst eine Delikatesse. Auch hierzulande werden diese Tiere wegen ihres hohen Proteingehalts als gesunde Nahrungsquelle f\u00fcr Mensch und Tier gesch\u00e4tzt. Auf den Speisenkarten einheimischer Restaurants sind sie zwar weiterhin eine Seltenheit, bei Forschern hingegen stehen sie hoch im Kurs. Der Grund: Die Schalen enthalten das nach Cellulose zweith\u00e4ufigste Polysaccharid der Erde, das Chitin. Wegen seiner strukturgebenden und biokompatiblen Eigenschaften ist es vor allem f\u00fcr Medizin\u00adprodukte wie Implantatbeschichtungen gut geeignet. Zugleich ist das Biopolymer ein Ausgangsstoff f\u00fcr die technische Herstellung von Chitosan, das wiederum zur Her\u00adstellung von Fasern, Schaumstoffen oder Folien genutzt wird.<\/p>\n<p>Insekten als Chitinquelle nutzen<\/p>\n<p>Bisher werden daf\u00fcr vor allem Krabbenschalen als Chitinquelle angezapft. Im Rahmen des Verbundprojektes \u201e<a href=\"http:\/\/www.igb.fraunhofer.de\/de\/forschung\/kompetenzen\/molekulare-biotechnologie\/industrielle-biotechnologie\/Referenzprojekte\/chitotex.html\" target=\"_blank\">ChitoTex<\/a>\u201c wollen Forscher unter Leitung des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart nun erstmals aus Insekten den Naturstoff isolieren. Das Insektenchitin soll dann f\u00fcr den Einsatz in der Textilindustrie zur Oberfl\u00e4chenbeschichtung von Garnen und textilen Fl\u00e4chen aufbereitet werden. Das 2015 gestartete Vorhaben wird vom BMBF \u00fcber drei Jahre mit insgesamt knapp 1 Mio. Euro unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Textilfasern widerstandsf\u00e4hig machen<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst soll das neuartige Biopolymer zur Beschichtung von Materialien bei der Herstellung von Arbeitskleidung eingesetzt werden. In der Praxis werden sogenannte Schlichtemittel auf die textilen Fasern aufgebracht, um das Garn stabiler zu machen und so zu verhindern, dass der Faden beim Weben rei\u00dft. So wird auch Chitosan, ein Derivat des Chitins, als Schlichtemittel eingesetzt. An diesem Punkt setzt das Projekt \u201eChitoTex\u201c an. \u201eWenn man das Chitin modifiziert, k\u00f6nnte das Textil nach Bearbeitung wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften annehmen und so ein Ersatz f\u00fcr g\u00e4ngige Beschichtungen sein. So k\u00f6nnte man partiell auf perflourierte Kohlen\u00adwasserstoffe verzichten\u201c, erkl\u00e4rt Projektleiterin Susanne Zibek. Diese Untersuchungen werden im Projekt von den Verbundpartnern ITV Denkendorf, Lauffenm\u00fchle und Dr. Petry durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Soldatenfliege als Chitinlieferant<\/p>\n<p>Als Chitinlieferant dient dem Stuttgarter Team um Susanne Zibek die Schwarze Soldatenfliege, die vom niederl\u00e4ndischen Projektpartner, der Firma Protix, gez\u00fcchtet und f\u00fcr die Versuche bereitgestellt wird. Zun\u00e4chst galt es herauszufinden, in welchem Reststrom der Insektenzucht, ob im Cocon oder Exoskelett, das meiste Chitin produziert wird. \u201eDaf\u00fcr ist es notwendig, die verschiedenen Abfallstr\u00f6me zu untersuchen, zu analysieren und aufzuarbeiten. Denn das Rohchitin enth\u00e4lt noch viele andere Inhaltsstoffe\u201c, erkl\u00e4rt die Forscherin. Dazu geh\u00f6ren neben Proteinen, auch Calcium und Farbpigmente, die zun\u00e4chst separiert werden m\u00fcssen, bevor das gewonnene Insektenchitin genutzt werden kann. Mit der Chitinisolation aus Insektenresten betreten die Stuttgarter Forscher Neuland.<\/p>\n<p>Mit Enzymen Chitin in Chitosan umwandeln<\/p>\n<p>Bei der Umwandlung des wasserunl\u00f6slichen Chitins in l\u00f6sliches Citosan experimen\u00adtieren die Forschern neben der Anwendung von Alkali auch mit Enzymen. Die Enzyme werden von dem norwegischen Partner, der NMBU, und der \u00f6sterreichischen Firma Eucodis, charakterisiert, hergestellt und auf Ihre Eignung hin untersucht. \u201eWir hatten am Anfang sehr viele Kandidaten. Schlie\u00dflich nutzen wir maximal zehn Enzyme und hoffen, am Ende aus dreien einen Cocktail herstellen zu k\u00f6nnen. Denn desto weniger es sind, umso wirtschaftlicher wird es\u201c, berichtet die Bioverfahrenstechnikerin. Mithilfe des richtigen Enzymcocktails hoffen die Forscher, ausreichende Mengen Chitosan f\u00fcr die industrielle Nutzung herstellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Positive Zwischenbilanz<\/p>\n<p>Die Aussichten auf Erfolg sind gut. Nach knapp zwei Jahren Forschung f\u00e4llt die Zwischenbilanz positiv aus. \u201eWir k\u00f6nnen bereits erfolgreich das Insekten-Chitin aufreinigen und mit einem langkettigen hydrophoben Molek\u00fcl chemisch funktionalisieren. Auch haben wir eine Auswahl von Enzymen getroffen, die wir uns anschauen\u201c, sagt Zibek. Erste Proben des chitosan-basierten Ausr\u00fcstungsmittels konnten die Fraunhofer-Forscher bereits an die Projektpartner aus der Textilindustrie \u00fcbergeben. Als n\u00e4chstes will das Team um Zibek das \u201eGeheimnis des Enzymcocktails\u201c l\u00fcften und dem chitosan-basierten Ausr\u00fcstungsmittel mit weiteren speziellen Molek\u00fclen, wie Fetts\u00e4ure die funktionellen Eigenschaften geben.<\/p>\n<p>Sollte das aufwendige Verfahren der Chitinisolation aus Insekten und deren Aufarbeitung gelingen, w\u00e4re eine neue nachhaltige Chitinquelle erschlossen. Kostenaufwendige Importe von Krabbenschalen k\u00f6nnten so langfristig entfallen, weil der Naturstoff durch Insektenz\u00fcchtung vor Ort verf\u00fcgbar w\u00e4re. Au\u00dferdem: Wie das aus Krabben herstellte Pendant, k\u00f6nnte auch das Insektenchitin f\u00fcr biomedizinische Anwendungen oder als Pflanzen- oder D\u00fcngemittelzusatz in der Landwirtschaft genutzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insekten, W\u00fcrmer oder Krabben sind in vielen L\u00e4ndern l\u00e4ngst eine Delikatesse. 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